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17.11.2016

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Digitales Krankenhaus:

Innovationen für Patient und

Kliniker

Führungskräfte-Meeting 2016 in Heiligendamm




Grand Hotel Heiligendamm


Im Gesundheitsbereich entwickelt sich die Digitalisierung rasant weiter. Das Führungskräfte-Meeting mit dem Thema „Digitales Krankenhaus“ war am 10. und 11. November 2016 in Heiligendamm dazu ein profunder Richtungsweiser. Krankenhausverantwortliche teilten ihre Strategien und Erfahrungen zur wirtschaftlichen und technischen Transformation mit. Im Innovations-Fokus standen Patient und Kliniker. Veranstalter war Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Riedel, IfK Institut für Krankenhauswesen.






Eine der grundlegendsten Veränderungen für das Gesundheitswesen stellt die Digitalisierung dar. Sie könnte die Patientenversorgung revolutionieren. Merkpunkte dafür zeigte das Programm des Führungskräfte-Meetings 2016. Experten führten über die Themenfelder „Digital unterstützte Prozessen im Krankenhaus“ und „Der Patient und das Digitale Krankenhaus“ hin zur „Infrastruktur im Digitalen Krankenhaus“.




Prof. Dr. Wolfgang Riedel, IfK: Digitalisierung der Krankenhäuser – warum tun sich die Kliniken so schwer?

Die klassische IT im Gesundheitswesen bearbeitet bisher überwiegend administrative Aufgaben: von Rechnungswesen über Patientenverwaltung und Abrechnung bis zum Controlling. Warum sich Geschäftsführer von Kliniken stärker als bisher mit IT befassen sollten, weiß daher Institutsleiter und Veranstalter Prof. Riedel: „Die klinischen Arbeitsplatzsysteme mit ihrer medizinischen Administration, medizinischen Dokumentation und digitalen Archivierung von medizinischen Dokumenten/Bildern und Patientenakten sind in vielen Kliniken bisher nur teilweise ausgebaut, ein Volleinsatz über alle Bereiche von Pflege und ärztlichen Dienst fehlt noch in vielen Kliniken.“ Wie andere hoch entwickelte Industrienationen zeigen, wird sich im Gesundheitsbereich die Digitalisierung in den nächsten Jahren rasant entwickeln. In vielen Kliniken ist jedoch die allgemeine Angst vor Veränderungen anzutreffen. Die Digitalisierung der Medizin ist also nicht nur eine technologische, sondern auch eine Führungs-Herausforderung. „Viele deutsche Krankenhäuser sind hierauf gar nicht oder nur unzureichend vorbereitet, vielfach fehlt eine Digitalisierungsstrategie für die nächsten Jahre.“ Dafür gilt die Riedel´sche Faustformel: NT+AO=KO (Neue Technologie + Alte Organisation = Kostspielige Organisation).




Plenum im Grand Hotel


Prozesse und Strukturen überarbeiten

Digitalisierung heißt, Prozesse und Strukturen zu überarbeiten. Beispiele sind das Einbinden von Patienten über Apps und Telemedizinische Anwendungsfälle. Timo Baumann (Telekom Healthcare) gab die Richtung vor. „So packen Sie es an: Stellen Sie den Weg der Patienten und Mitarbeiter in den Vordergrund.“ Und zwar am besten „beidhändig“ unter dem Stichwort Ambidextrous Strategy. Die traditionellen Geschäftsmodelle einerseits und die neuen, digitalen Services andererseits werden beide unter einem Dach mit voller Kraft weiterentwickelt.



Timo Baumann (Telekom Healthcare: Die 4. Industrielle Revolution – Ist die Digitalisierung auch der richtige Weg für unser Gesundheitswesen?


Dabei wird der Personalmangel an Fachkräften in der nächsten Zeit dafür sorgen, dass personalbezogene Prozesse auf ihre Automatisierung untersucht werden, um den Personaleinsatz so optimal wie möglich für den Patienten zu gestalten. In der immer stärker wachsenden Spezialisierung und Individualisierung der Medizin werden intelligente Unterstützungssysteme immer wichtiger. Durch intelligente und dezentrale Assistenz- oder Unterstützungssysteme für die klinischen Akteure können die Patienteninformationen gezielter weitergeleitet und verarbeitet werden. Das Krankenhaus 4.0 ist Digitalisierung und Vernetzung von Behandlungs- und Versorgungsprozessen im Krankenhaus mit Hilfe von Cyber-Physischen Systemen und dem Internet der Dinge und Dienste als Unterstützungssysteme bis hin zur dezentralen Steuerung und Entscheidungsfindung. Ziel eines digitalen Krankenhauses ist es in erster Linie, mit Hilfe digitaler Lösungen Menschen und Maschinen zu vernetzen und Schnittstellenprobleme zu lösen.




Moderation der Diskussionen Wolf-Dietrich Lorenz, Chefredaktion Krankenhaus-IT-Journal, Medienpartner


Digitalisierung: nicht am Patienten vorbei


Also geht es um gezielte Digitalisierung der internen Abläufe und nachhaltige Kommunikation: „Durch Digitalisierung des Behandlungsprozesses (Process Mining) könnte zum Beispiel die Sicherheit von Patienten signifikant erhöht werden. Bei dieser Innovation werden durch IT-unterstützte Behandlungsmaßnahmen von Algorithmen protokolliert, gespeichert und analysiert.“ Davon ist Ralf Dillmann (BearingPoint) überzeugt. Nach seiner Auffassung investieren Krankenhäuser im Umfeld der Digitalisierung an Patientenerfordernissen vorbei, wie die BearingPoint-Studie „Digitalisierungstrends im Krankenhaus“ ausweist.
Die Erwartung der Patienten an ein digitales Krankenhaus wird in den nächsten Jahren zunehmen. Digitale Services müssen bereitstehen, zum Beispiel für die Terminvereinbarung, Abrechnung, Reduzierung von Wartezeiten, Vorbereitung von Operationen, Aufklärung usw. Hier werden die bisher stark papierbasierten Prozesse sowie die langen Wartezeiten in Kliniken für Patienten zunehmend ein Auswahlkriterium ihres Krankenhauses. Mehr noch: Digital kann so die Einhaltung von Behandlungsvorschriften überprüft und durch ein Warnsystem sichergestellt werden. Weiterhin könnte die vorausschauende Analyse von Patientendaten (Predictive Analytics) eine effiziente und vor allem schnellere Diagnose von Krankheiten im Krankenhaus fördern.




Ralf Dillmann (BearingPoint: Investieren Krankenhäuser im Umfeld der Digitalisierung an Patientenwünschen vorbei? „Digitalisierungstrends im Krankenhaus“ - Ergebnisse einer Studie

Eine Reihe aktueller Entwicklungen für Patient und Kliniker zeigten die Präsentationen von Krankenhausverantwortlichen. Ein Beispiel war „Die Digitalisierungs- und Mobility Strategie im Klinikum Lüneburg“. Den ganzheitlichen Ansatz stellte Sandra Kuetz vor, IT Leitung Gesundheitsholding Lüneburg. „Bei strategischer und ganzheitlicher Planung können Prozessoptimierung, Prozessstandardisierung und hohe Prozessqualität erreicht werden, ebenso wie hohe transparente Datenqualität und klinikweite Datenverfügbarkeit (nach Berechtigungskonzept)“, betonte Sandra Kuetz. Schließlich erbringe diese Kernstrategie im wirtschaftlich orientierten Unternehmen ein positives Jahresergebnis. Damit der Weg zum digitalen Krankenhaus kein Irrweg wird, sind interne Organisation und Kompetenzen zu regeln, eine abgestimmte Unternehmensplanung mit gemeinsamer Ausrichtung aufzusetzen und den berufsgruppenübergreifenden erkennbaren Stellenwert für IT und Digitalisierung in Geschäftsführung/Betriebsleitung zu schaffen.




Sandra Kuetz (Klinikum Lüneburg): Die Mobility-Strategie im Klinikum Lüneburg / ein ganzheitlicher Ansatz



Die Gesamtarchitektur optimieren


Im St. Josef Krankenhaus Schweinfurt wächst eine Plattformstrategie, deren Schwerpunkt darin liegt, Anforderungen der Anwender umzusetzen. Erwin Göbel fasst das unter „abteilungsübergreifende Prozessoptimierung“ zusammen. Der Leiter Organisationsentwicklung und Verwaltung - ‎Gesundheit und Soziales betonte: „Es ist die Gesamtarchitektur zu optimieren (natürlich herstellerunabhängig), man darf nicht bei Einzellösungen hängen bleiben.“




Erwin Göbel, St. Josef Krankenhaus Schweinfurt: Plattformstrategie: Von der Zielsetzung hin zur operativen Prozessoptimierung

Veränderungen durch Internet of Things


Die Digitalisierung von Kliniken wird viele unterschiedliche Bereiche betreffen: zu nennen sind die Medizintechnik, aber auch die Haus- und Betriebstechnik einschließlich der gesamten Infrastruktur für Personal und Patienten. Wird die Digitalisierung bisher überwiegend auf Prozesse im medizinisch-pflegerischen Bereich bezogen, müssen Kliniken sich jedoch künftig auf ein wesentlich breiteres Feld der Digitalisierung einstellen. Beispiel: Mit dem iPad zur Visite. Ärzte greifen direkt über Tablet-PCs auf die Patienteninformationen zu. Röntgenbilder, aktuelle Laborwerte oder Behandlungsverläufe sind mit wenigen Klicks auf dem Bildschirm.

Nach Datenkommunikation und Patientenakten beginnt das Internet of Things IoT das klinische Arbeitsfeld zu verändern. Die IV Infusionspumpe ist mit dem Electronic Medical Record EMR vernetzt, die Patientenlokation ist ebenso vermerkt wie die Medikamentenverabreichung sowie mögliche Unregelmäßigkeiten dabei.
Robert Zemke, Director of Healthcare Solutions at Extreme Networks, weist dabei dem IT-Manager eine klare Rolle zu. “Er muss in seiner Organisation die qualifizierte Beraterfunktion übernehmen.“ Anforderungen der Kliniker muss er einschätzen und organisatorisch sowie technologisch passgenau erfüllen. IT muss den Abteilungen innovativ den Weg ebnen, indem sie die IT-Strategie proaktiv umsetzt.




Robert Zemke, Director of Healthcare Solutions , Extreme Networks: Infrastructure Considerations for Digital Healthcare

Allerdings lässt eine Studie von Beratungshaus Rochus Mummert aufhorchen. Nur 28 Prozent der deutschen Krankenhäuser besitzen bereits eine umfassende Strategie, wie sie den Herausforderungen der digitalen Transformation in der Gesundheitswirtschaft begegnen wollen. Vision und Strategie sind gefährlich, wenn die Zukunft des Marktes unbekannt oder unklar ist. Wenn die Krankenhäuser jetzt nicht digital durchstarten, werden sie von den branchenfremden Newcomern links und rechts überholt. Und für das Klinikmanagement: Die Kenntnisse der modernen Informationstechnologien werden künftig nicht nur darüber mitentscheiden, ob ein Manager einen Arbeitsvertrag erhält oder nicht. Mindestens ebenso wichtig wie die Theorie ist die Klinikpraxis. Deshalb wird die Umsetzung der Digitalisierung im Tagesgeschäft bei fast jeder zweiten kaufmännischen und jeder vierten medizinischen Führungskraft Bestandteil der Zielvereinbarungen werden, wie die Rochus Mummert-Studie zudem herausstellte.

Digitalisierung als Gesundmacher


Derzeit scheint das deutsche Gesundheitssystem nicht unbedingt zukunftsfähig zu sein. Technologische, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Zukunftsfaktoren haben Einfluss darauf, wie sich die Kliniklandschaft in Deutschland bis zum Jahr 2025 und darüber hinaus verändern wird. „Der digitale Wandel ruft neue Player (Start-ups, IT-Giganten etc.) auf den Markt, die die Hoheit über die Daten und die sie analysierenden KI-Systeme besitzen und sich Anteile zukünftiger Wertschöpfung sichern“, warnte Bernd Hinrichs (FMG FutureManagementGroup). Vor solchen großen, auch finanziellen Herausforderungen zeichne sich ab: Nicht jede Klinik wird in zehn Jahren noch existieren.




Bernd Hinrichs (FMG FutureManagementGroup): Smarter Hospitals 2025: Wird sich die Digitalisierung als Gesundmacher einer maroden Krankenhauslandschaft erweisen?


Nach Bernd Hinrichs können sich Smarter Hospitals indes erfolgreich beweisen. Es gilt: „Mehr Effizienz und Qualität durch Information.“ Wird sich die Digitalisierung als Gesundmacher einer maroden Krankenhauslandschaft erweisen? Zumindest erwartet die Hälfte der Führungskräfte an deutschen Kliniken zehn Jahren eine starke bis sehr starke Veränderung der Arbeitsabläufe im medizinischen Bereich. Immer mehr Verfahren, die früher stationär durchgeführt worden wären, können durch den medizintechnologischen Fortschritt ambulant erfolgen. Eine Beschleunigung der Innovationsgeschwindigkeit könnte das Krankenhaus im herkömmlichen Sinne eines Tages – wenn wohl auch noch nicht im Jahr 2025 – schlichtweg überflüssig machen.

Zuvor findet jedoch das 13. Führungskräfte-Meeting 2017 am 9. und 10. November 2017 in Heiligendamm statt.

www.Meeting-am-Meer.de

Mit dem iPad zur Visite

Ärzte greifen direkt über Tablet-PCs auf die Patienteninformationen zu. Röntgenbilder, aktuelle Laborwerte oder Behandlungsverläufe sind mit wenigen Klicks auf dem Bildschirm.

Qualitativer Nutzen
• Mehr Zeit für den Patienten
• Dokumentation vor-Ort bzw. zeitnah ohne Medienbrüche
• Weniger Aufwand für „Verwaltungsarbeit“
• Attraktive Arbeitsumgebung (Arbeitsplatz der Zukunft)

Kaufmännisch bewertbarer Nutzen

• Zeitersparnis bei Vor- und Nachbereitung ca. 20 min bzw. 15 min
• Visitenzeit gesamt unverändert
• Schnelleres Lesen der Akte
4.6 ± 2.5 min vs. 5.4 ± 2.7 min pro Patient
• Mehr Zeit des Arztes am Bett
5.4 ± 3.1 min vs. 4.0 ± 2.4 min

Quelle: Brandt et al.,„Journal of Neurology“ 12.2014



Weitere Themen und Referenten beim Meeting am Meer 2016


Prozessoptimierung durch ein „Medical Archive“, Torsten Emmerich, Kath. St.-Johannes-Gesellschaft


Telemedizin an der Schnittstelle der ambulant / stationären Versorgung,
Andreas Effinger, Account Manager (Verticals/Healthcare), Avaya


Errichtung eines Gigabit-WLAN-Netzwerkes am Klinikum Lüneburg,
Thomas Walter, Comnet Hanse


Entwicklung einer "selbstlernenden Lösung" (Machine Learning) zur ICD10-Code-Generierung. Dr. med. Rudolf Moos, Universitätsspital Zürich


Digitale Prozessintegration am Point-of-Care sowie die strategischen
und wirtschaftlichen Zielstellungen,
Marc Stürz, Business Development BEWATEC


Digitalisierung der Pflege im Krankenhaus - Status Quo und Quo vadis? Dr. Björn Sellemann, Universität Göttingen



Prozessoptimierung durch digitale Informationen (Beispiel ORflow vom Hospital OMCU), Sabine Woller, Inter Visual Systems


Digitalisierung im Gesundheitswesen? Aber mit Sicherheit! Markus Widmer, Intel Deutschland



Einsatz der „Mobile inteligent careStation AMIs“ am Point-of-Care Klinikum Lüneburg,
Harald Verloop, Alphatron Medical


von Wolf-Dietrich Lorenz



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