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Die "eGK-Tage" des Krankenhaus-
IT Journals
Die elektronische Gesundheitskarte feiert 10jähriges „Jubiläum"

Kartengrafik: gematik GmbH
Anfang Juni 2003, also vor zehn Jahren, hatte ein Expertenteam der Industrieverbände VHitG (heute: bvitg), VDAP, BITKOM und ZVEI, der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eine Telematik-Expertise „Einführung einer Telematik-Architektur im deutschen Gesundheitswesen“ für die elektronische Gesundheitskarte eGK überreicht. Das, was die Protagonisten aus Gesundheitswesen, Industrie und Politik damals anstrebten, existiert in vielen Ländern, in Deutschland nur in Ansätzen. Das alles ist jetzt – wie gesagt – zehn Jahre her und zeigt, in welchem Tempo sich die deutsche Gesundheitspolitik bewegt. Anlässlich dieses „Jubiläums“ der eGK äußern einige Akteure im deutschen Gesundheitswesen im Krankenhaus IT-Journal in den kommenden Tagen (ab 10. Juni 2013) ihre Meinung.
Darum geht es:
• Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte von der Idee und den Ansprüchen bis heute
• Mehrwert(dienste) der elektronischen Gesundheitskarte heute
• Kosten-/Nutzenverhältnis
• Lehren aus der Entwicklung
Sie lasen dazu jeden Tag einen neuen Kommentar
Montag (10.6.2013) bis Donnerstag (13.6.2013)
Mittwoch 19. Juni 2013 (Ende)
Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V., KH-IT

Heiko Ries (1. Vorsitzender)
Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V., KH-IT

Bernd Behrend (stv. Vorsitzender)

Michael Thoss (Vorstandsmitglied/Pressereferent)
Wie beurteilen Sie die Entwicklung sowie Status quo der elektronischen Gesundheitskarte von der Idee und den Ansprüchen bis heute? KH-IT: Wahrgenommene Realität ist, dass die elektronische Krankenversicherungskarte durch eine neue Karte ausgetauscht wurde. Grundsätzlich kann man mit viel Optimismus zu diesem Zeitpunkt bestenfalls positiv werten, dass eventueller Missbrauch durch die Einbringung eines Inhaberfotos erschwert wurde und es sich um eine bedingt perspektivoffene Chipkarte mit Rechnerstruktur handelt.
Die Kliniken mussten dafür kostenpflichtige Software von KIS-Herstellern erwerben und neue Hardware anschaffen. Der wirtschaftliche Ausgleich dieser erzwungenen Investitionen ist rudimentär, die Prozesskosten wurden zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Die kostensenkenden Faktoren sind bisher noch nicht einmal ansatzweise erkennbar, auch wenn die Grundidee vielversprechend war und in Teilen ist.
Bereits vor fünf Jahren haben wir die eGK-Einführung in deutschen Krankenhäusern mit „Fahren in dichtem Nebel“ umschrieben. In dichtem Nebel kann es schon mal vorkommen das Ziel zu verfehlen. Die eGK-Initiatoren kurven immer noch herum und die Nebelleuchten sind eher Kerzen statt leistungsfähig. Es drängt sich der Eindruck auf, dass mit viel Elan viel Geld verbrannt wurde, ohne entsprechenden Nutzen für die Patientenversorgung und die Teilnehmer am Gesundheitssystem. Um der Metapher zu folgen: Daher könnte der Nebel rühren.
Die gute Nachricht: Wir fahren noch, auch wenn der Schwung nachgelassen hat.
Man muss feststellen, dass das Ziel einer interoperablen Kommunikationsplattform für das deutsche Gesundheitswesen nach wie vor nicht ansatzweise verfügbar ist. Dies ist in erster Linie den fehlenden Strukturvorgaben und dem politischen Übertrag von Entscheidungen an die Selbstverwaltung geschuldet, weshalb die Interessen-fokussierung nicht im Sinne eines breitgefächerten Kostenreduzierungszieles im Gesundheitswesen lag, sondern auf den Interessen der Industrie. Wer diese Zeche am Schluss zahlt ist zweifellos klar.
Welchen Mehrwert bietet die elektronische Gesundheitskarte im Juni 2013?KH-IT: Seitens des administrativen Fachpersonals wird eine besser organisierte Patienten-ID wahrgenommen die aber nur marginale Vorteile gegenüber dem Vorzustand liefert. Dazu kommen ein besserer Identitäts- sowie ein bedingter Missbrauchsschutz (nach wie vor vom Bedienpersonal abhängig) und eine längere Perspektive auf Grund der Chipkartentechnologie. Dieser kleine Mehrwert steht in keinem Verhältnis zu den aufgelaufenen Kosten. Zumal mit der Einführung der online-Variante erhebliche zeitliche Prozesslasten zu erwarten sind, sowie weit größere Investitionen für Konnektoren, Netzausbau und Technologie für komplexe Organisationen wie sie nun einmal in Krankenhäusern bestehen und die unter anderem eine dezentrale Authentifizierungsstruktur erfordern.
Offensichtlich mangelt es auch an den rechten Motivatoren: Hätte Apple die eGK eingeführt, würden sich alle Beteiligten auf die nächste „App“ freuen.
Wie ist das Kosten-/Nutzenverhältnis einzuschätzen?
KH-IT: Von Seiten der Nutzer ist bisher kein Mehrwert erkennbar. Man stellt sich die Frage, wodurch die immensen Investitionen gerechtfertigt sind?
Zum Kosten- Nutzenverhältnis sollten auch die Gutachter (KNA) und Entscheider über den bisherigen Projektverlauf in die Verantwortung gezogen werden. Zudem fehlen die Vorgaben und Kontrollen an die Selbstverwaltung. Mehr Druck seitens der Politik und der Abbau von Bürokratie müsste ein Technologieprojekt dieser Größe ebenso begleiten, wie jedes normale Softwareprojekt durch ein Organisationsprojekt flankiert wird. Hier stellen sich zum Beispiel Fragen wie: Warum nicht die KV-Abrechnung durch einen erweiterten §301 ersetzt wird? Wenn stationäre Leistungen direkt abgerechnet werden, warum dann nicht auch ambulante? Das würde tatsächlich Prozesse verschlanken und Kosten wirksam reduzieren, hat aber wenig mit der Karte an sich zu tun.
Was ist für eine zügige Weiterentwicklung zu tun?
Welche Lehren können wir aus der Entwicklung ziehen?
KH-IT: Es fehlen nach wie vor transparente Ziele und einfach zugängliche Strukturen. Die Fokussierung auf wenige qualifizierte Projekte ist notwendiger denn je – Es ist mehr Bürokratieabbau erforderlich und eine praxisrelevante, prozessentlastende Ausrichtung mit klarem zeitlichem Ziel. Die aktuellen Projektschritte (z.B. Arzneimitteltherapiesicherheit) belasten Prozesse an einer Stelle und entlasten an anderen, damit ist keine Gerechtigkeit der Finanzierung bei der Lastenverteilung gegeben. Die Kostenträger und die Prozesseigner sind stärker einzubeziehen – anstatt Interessenvertretungen der Industrie und Selbstverwaltung. Andere europäische Projekte wie z.B. in Dänemark, den Niederlanden oder Österreich sind positive Beispiele aus denen „best-practice“ übernommen werden könnte anstatt immer das Rad neu zu erfinden und dabei stellt sich noch nicht einmal die Frage nach einer potentiellen „europäischen“ Lösung. Diese scheint völlig unerreichbar (siehe European Health Insurance Card EHIC).
Dienstag, 18.6.2013

Dr. Carl Dujat, Präsident des Berufsverbandes Medizinischer Informatiker e.V. BVMI
Wie beurteilen Sie die Entwicklung sowie Status quo der elektronischen Gesundheitskarte von der Idee und den Ansprüchen bis heute? Dr. Carl Dujat: Die Entwicklung der letzten 10 Jahre war in erster Linie schleppend und deutlich zu langsam als ursprünglich geplant und wünschenswert. Die Gründe dafür sind bzw. waren vielfältig und eher organisatorischer denn technischer Natur. Die schwierigen Einigungsprozesse zwischen Politik, Selbstverwaltung und Interessensverbänden haben die gesamte Branche und die Bürger in Summe viel Zeit und Geld gekostet.
Welchen Mehrwert bietet die elektronische Gesundheitskarte im Juni 2013?
Dr. Carl Dujat: Die eGK ist in der derzeitigen Ausprägung in erster Linie ein Instrument für die eindeutige Administration von Patientendaten und sichere, datenschutzkonforme Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren Patient, Leistungserbringer und Kostenträger. Echte Mehrwerte bietet sie derzeit noch nicht, wenngleich sie natürlich technologisch moderner und sicherer ist als die alte KVK. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die geplanten Mehrwerte nun etabliert werden können nach dem geplanten Basis-Rollout.
Wie ist das Kosten-/Nutzenverhältnis einzuschätzen?
Dr. Carl Dujat: Die gesamten „echten“ Kosten dieses Großprojektes sind im Detail nicht bekannt. Aufgrund der langen Laufzeit und der vielen „Changes“ ist davon auszugehen, dass die aufgelaufenen Kosten den Nutzen derzeit und bis auf weiteres deutlich übersteigen und im Sinne einer ROI-Betrachtung auch nicht mehr binnen 5 Jahren „aufgeholt“ werden können. Es besteht immerhin im Jahre 2013 die Hoffnung, dass der Rollout nun zügig vollzogen und Mehrwertdienste in Bälde angeboten und umgesetzt werden.
Was ist für eine zügige Weiterentwicklung zu tun? Welche Lehren können wir aus der Entwicklung ziehen?
Dr. Carl Dujat: Die eGK muss jetzt zwingend in die Fläche kommen. Mehrwertdienste für alle Akteure sind zu erproben, festzulegen und umzusetzen. Die parallele Einführung des HBA ist voranzutreiben. Signaturfunktionen auf beiden Karten sind zu etablieren. Nur wenn jetzt – auch nach dem dringend notwendigen Strategiewechsel der gematik – der Nutzen kurzfristig und in der Praxis erkennbar wird, haben sich die 10 Jahre des Wartens gelohnt. Man sollte nun allerdings auch nach vorn schauen, da eine rückwärts gerichtete Betrachtung in der jetzigen Phase keinem Beteiligten mehr hilft, am wenigsten den Patienten und Bürgern.
Montag, 17.6.2013

Prof. Dr. Paul Schmücker, Hochschule Mannheim für GMDS
Wie beurteilen Sie die Entwicklung sowie den Status quo der Elektronischen Gesundheitskarte von der Idee und den Ansprüchen bis heute?
Prof. Schmücker: Mitglieder von relevanten IT-Verbänden und wissenschaftlichen Fachgesellschaften des Gesundheitswesens haben bereits im Jahr 2003 darauf hingewiesen, dass die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Umfang und trotz Einführungstermin zum 01.01.2006 mindestens 15 Jahre in Anspruch nehme. Von Vertretern der Politik, Selbstverwaltung und Industrie wurden sie belächelt. Trotz vieler Ankündigungen bleibt weiterhin die Frage offen, wann die Infrastruktur und zweckmäßige Anwendungen für die Routine zur Verfügung stehen.
Unabhängig hiervon sind die medizinischen Zielsetzungen der Elektronischen Gesundheitskarte, eine verbesserte patientenbezogene Informationslogistik und damit eine Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung, neben administrativen Anwendungen weiterhin empfehlenswert und unterstützungs¬würdig. Eine sinnvolle Umsetzung kann unbestritten zu entscheidenden Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung führen. In dem Gesamtvorhaben geht es aber nicht primär um die Elektronische Gesundheitskarte, sondern um eine Gesundheitstelematikinfrastruktur (GTI) mit einer Vielzahl sinnvoller medizinischer und administrativer Anwendungen.
Welchen Mehrwert bietet die Elektronische Gesundheitskarte im Juni 2013?
Prof. Schmücker: Derzeit ist noch kein Mehrwert zu erkennen. Es wird aber dringend Zeit, dass der Nachweis erbracht wird, dass die GTI einen Nutzen für die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Patientenversorgung und damit auch für die Leistungserbringer und Bürger erbringen kann. Die Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit des Projektes ist bei den Leistungserbringern abhanden gekommen. So werden inzwischen die eGK und die zugehörige GTI eher als eine unvermeidbare Entwicklung hingenommen als eine Chance zur Gestaltung einer sektorenübergreifenden Patientenversorgung mit einer möglichen Verantwortungsübernahme durch Patienten. Ebenso verhindert das Warten auf die Verfügbarkeit von GTI und Heilberufsausweis (HBA) die Einführung der Elektronischen Signatur zur Sicherstellung der Beweissicherheit im Rahmen der elektronischen Dokumentation, Kommunikation und Archivierung.
In der Zwischenzeit ist eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit erforderlich geworden, um das Vertrauen der Leistungserbringer zurück zu gewinnen. Ohne eine hohe Beteiligung der Leistungserbringer wird die Einführung der Gesundheitstelematikinfrastruktur schwierig. Hilfreich sind sicherlich eine Identifizierung und Realisierung geeigneter Use Cases (z. B. für das Elektronische Rezept, zur Arzneimitteltherapiesicherheit, zur strukturierten Informationsbereitstellung, zur Unterstützung einer einrichtungsübergreifenden Behandlung und zum Aufbau übersichtlicher lebenslanger Akten).
Wie ist das Kosten-/Nutzenverhältnis einzuschätzen?
Prof. Schmücker: Zur Einführung einer Elektronischen Gesundheitskarte gehören natürlich auch eine umfängliche Kosten- und Nutzenbetrachtung und eine umfangreiche Risikobewertung. Die Risikobewertung sollte auch Maßnahmen für den Fall eintretender Risiken umfassen. Sowohl Kosten als auch Risiken können durchaus zu einem Scheitern eines Projektes führen. Auf jeden Fall ist es bisher versäumt worden, für die aktuell geplanten Entwicklungsstufen eine Kosten- und Nutzenbetrachtung sowie eine Risikoanalyse durchzuführen. Zumindest sind diese der Fachöffentlichkeit noch nicht bekannt.
Die vorhergesagte Wirtschaftlichkeit ist nur sehr schwer zu erreichen, solange keine geeigneten medizinischen Anwendungen verfügbar sind sowie Doppelstrukturen und Redundanzen bei der Patientenbehandlung sowie der zugehörigen Dokumentation und Archivierung aufgebaut werden. Der behandelnde Arzt kann sich nicht auf die Informationen des Patienten verlassen, er wird eigene Untersuchungen beauftragen und Dokumentationen durchführen. Daher brauchen wir dringend intelligente Konzepte, die aus Sicht des Gesundheitswesens nicht einzelne Aspekte aufgreifen, sondern das Gesamtsystem betrachten. Es sollte eine behandlungsorientierte ökonomische Perspektive entwickelt werden, die die Behandlungs-, Dokumentations-, Organisations- und Rechtsbedürfnisse der beteiligten Parteien ohne einen Aufbau von vielfachen Redundanzen ermöglicht.
Der Einordnung der Elektronischen Gesundheitskarte in ein langfristiges DV-Gesamtrahmenkonzept des Gesundheitswesens wird nicht die notwendige Bedeutung beigemessen. Hier gibt es riesige Einsparpotentiale in der Patientenversorgung gemäß den obigen Darstellungen, aber auch im administrativen Bereich. So können z. B. multifunktionale Karten auch Bedürfnissen der medizinischen Einrichtungen gerecht werden, die über die Gesundheitstelematikplattform hinausgehen. Denkbar wäre z. B. die Verknüpfung des HBA mit Zugangsberechtigungen oder Bezahlfunktionen.
Was ist für eine zügige Weiterentwicklung zu tun? Welche Lehren können wir aus der Entwicklung ziehen?
Prof. Schmücker: Ein Grund für das langsame Fortschreiten der Einführung der Gesundheitstelematikinfrastruktur ist sicherlich neben dem Umfang und der Komplexität des Gesamtprojektes auch, dass die Betroffenen zu wenig einbezogen und ihre Bedürfnisse häufig verkannt wurden. Auch hat man das Angebot der IT-Verbände sowie der Wissenschaft und Lehre (ALKRZ, BVMI, gmds, KH-IT) zwecks Unterstützung nicht angenommen. So ist es wenig verwunderlich, dass bisher so viele elementare Fehler begangen wurden. Das Wissen über Strukturen sowie Behandlungs- und IT-Prozesse ist primär bei Ärzten, Pflege-, Verwaltungs- und IT-Kräften in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. Stark und erfolgreich ist das Gesundheitswesen nur dann, wenn alle Betroffenen mitwirken (Politik, Selbstverwaltung, Industrie, Leistungserbringer, Wissenschaft und Patienten) und etablierte Standards und Profile die Grundlage der Entwicklung bilden. In der Vergangenheit war dies sicherlich nicht immer der Fall. Fachgesellschaften und Verbände bieten weiterhin ihre Unterstützung an. Auf Basis der verfügbaren Ressourcen können sie zwar keine Gesundheitstelematikinfrastruktur entwickeln, aber dabei mit vielen Hinweisen und Empfehlungen erfolgversprechend unterstützen.
Freitag, 14.6.2013

Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer Bundesverband Gesundheits-IT - bvitg e.V.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung sowie Status quo der elektronischen Gesundheitskarte von der Idee und den Ansprüchen bis heute?
Ekkehard Mittelstaedt: Die eGK sollte ein Baustein der Telematikinfrastruktur werden. Letztere ist unbedingt erforderlich, um die bereits entwickelten Anwendungen und Lösungen flächendeckend einsetzen zu können. Nur wenn die Anwendungen, wie beispielsweise zur Arzneimitteltherapiesicherheit, in die Regelversorgung kommen, können Mehrwerte für alle Prozessbeteiligten, also Versicherte, Patienten, Ärzte sowie alle im Gesundheitswesen beteiligten Institutionen, realisiert werden. Mit der flächendeckenden Einführung der eGK ist ein notwendiger aber keinesfalls hinreichender Schritt getan – der lange auf sich hat warten lassen. Die wichtigste Idee aber ist die Bereitstellung der Infrastruktur – ohne eine Datenautobahn mit klaren Regeln werden Health-IT und Telemedizin in Deutschland nicht voranschreiten.
Welchen Mehrwert bietet die elektronische Gesundheitskarte im Juni 2013?
Ekkehard Mittelstaedt: Die eGK in ihrer jetzigen Form – eine Karte, die sich von der ehemaligen Krankenversichertenkarte nur durch ein Foto des Versicherten und einen Mikrochip unterscheidet - hat solange keinen Mehrwert, bis sie nicht online angebunden ist. Erst mit dem Heilberufeausweis und der Telematikinfrastruktur ist die Basis für Anwendungen gelegt, die sich dann auch im freien Wettbewerb behaupten werden. Sicherlich gibt es auch viele kritische Stimmen über die Frage, ob die seitens der gematik favorisierte technische Lösung mit eGK und HBA noch zeitgemäß ist. Diese Diskussion sollte jedoch zurückgestellt werden. Wir brauchen eine Telematikinfrastruktur! Und zwar jetzt.
Wie ist das Kosten-/Nutzenverhältnis einzuschätzen?
Ekkehard Mittelstaedt: Durch die wiederholten Verzögerungen bei der Einführung der eGK wurde ein erheblicher Aufwand betrieben, der sich in toto kaum in Euro und Cent ausdrücken lässt. Allein das unermüdliche Engagement der Industrie gerechnet in Manntagen dürfte einen mehrstelligen Millionenbetrag ausmachen. Eine seriöse Kosten-Nutzen-Bewertung ist überhaupt erst dann möglich, wenn die Telematikinfrastruktur steht und so gestaltet ist, dass die von der Industrie im freien Wettbewerb entwickelten Anwendungen darauf laufen können. Und erst dann kann sich für alle Beteiligten ein echter Mehrwert einstellen, den es bei der Kosten-Nutzen-Bewertung zu berücksichtigen gilt. Daran wird sich der Aufwand – nicht nur der finanzielle – messen lassen müssen.
Was ist für eine zügige Weiterentwicklung zu tun? Welche Lehren können wir aus der Entwicklung ziehen?
Ekkehard Mittelstaedt: In der Vergangenheit gab es beim Aufbau der Telematikinfrastruktur Probleme, was die Entscheidungswege, Inhalte und Kompetenzverteilung anging. Hier gab und gibt es aus Verbandssicht Optimierungsbedarf. Alle sind sich einig, dass die Telematikinfrastruktur ganz wesentlich für den Erfolg des Projekts eGK und allgemein für die Ausbreitung von IT-Lösungen im Gesundheitswesen ist. Denn sie liefert den Rahmen, in dem die Anwendungen laufen. Wir brauchen sie sofort. Die wesentlichen Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung von Gesundheits-IT lassen sich aus dem kürzlich vom bvitg e. V. auf unserer Website www.bvitg.de veröffentlichten Positionspapier ableiten, deren Kernaussagen lauten:
1. Schnelle Einführung einer flächendeckenden Telematikinfrastruktur
2. Keine IT ohne internationale Standards
3. Freier Markt mit klar festgelegten Rahmenbedingungen
4. Verpflichtende Gleichbehandlung der Vergütung
5. Rechtliche Rahmenbedingungen anpassen
Es existiert eine Vielzahl an praktikablen Lösungen, die jedoch meist als Pilotprojekte aufgesetzt sind, nur temporär unterstützt werden und auf einen begrenzten Anwenderkreis reduziert sind. Es gilt nun, diese mittels einer Telematikinfrastruktur in die Fläche und in die Regelversorgung zu bringen. Wir brauchen keine neuen Spezifikationen für Anwendungen und Funktionen. Eine Orientierung an konsentierten Leistungsmerkmalen erscheint sinnvoll, also die Beantwortung der Frage, was geleistet werden soll. Das „Wie“ bei der Anwendung sollte zwingend in der Verantwortung der Industrie liegen.
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