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15.05.2012


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IT-Provisioning – Spurwechsel

in unbekanntem Terrain

KH IT-Frühjahrstagung 2012: von der IT-Manufaktur zur IT-Fabrik



Das Thema der Frühjahrstagung 2012 des KH-IT-Bundesverbandes in Ludwigshafen lautet „Provisioning – moderne Wege der Applikation zum Anwender“. Den Fokus legte das Programm in Ludwigshafen auf technische Anforderungen und (Un-)Möglichkeiten. Ein strategischer Paradigmenwechsel zeichnet sich ab, der die Verankerung der Verantwortlichkeit für das Thema IT in Geschäftsführung oder Vorstand verlangt.



Heiko Ries, 1. Vorsitzender des KH-IT, eröffnete die Frühjahrstagung 2012

Genau in die richtige Richtung wies der Tagungstitel, denn tatsächlich geht es bei diesem „Gummibegriff“ darum, sich nicht auf Irrwegen zu verlieren. Vieles wird darunter verstanden, doch nichts Genaues darin gesehen. Um Provisioning gruppieren sich Technik und Infrastruktur, Compliance und Datenschutz, Applikationen, Mobilität und Kosten. Nahezu alles also, was Krankenhaus und IT umtreibt: hohe Verfügbarkeit, enormer Kostendruck, ständig neue Applikationen in hoher Anzahl mit dem permanenten Druck durch Patch-Management. Weiterhin kommen Mobilität und die Forderung nach mobiler Visite, „BYOD“ der Ärzte und die Integration hinzu. Nicht zuletzt verspricht die Bereitstellung aus der Wolke - Cloud Computing - eine enorme Zunahme der Komplexität. Auch der hohe Konsolidierungsfaktor erzwingt bessere Überwachungs- und Messkriterien, Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit rücken immer mehr in den Vordergrund.



Joachim Opper, Concat AG: „Provisioning kann der Baustein auf dem Weg aus der PC-Ära hinaus zu einer modernen Virtual Desktp Integration-Umgebung sein.“

Hier komme „Provisioning“ gerade recht, das nämlich vor allem „Automatisierung von IT-Prozessen“ bedeute, meinte Joachim Opper und steckte die technischen Möglichkeiten des Provisioning ab. Dazu zählen die Verwaltung der Benutzer-Rechte und -Ressourcen und die Bereitstellung von Verbindungen und Diensten. Der Experte der Concat AG proklamierte: „Provisioning kann der Baustein auf dem Weg aus der PC-Ära hinaus zu einer modernen Virtual Desktop Integration-Umgebung sein.“ Denn lautete gestern noch die Fragestellung: „Wie kommt die Anwendung auf den Desktop?“ heißt es heute: „Wie kann der Anwender mit seinem eigenem Device auf die Anwendungen oder seinen Arbeitsplatz zugreifen?“ Die Technologiephasen „Konsolidierung, Virtualisierung, Automatisierung und Service Delivery“ hätten Trends gesetzt, die das Provisioning und damit auch den Desktop der Zukunft völlig verändern würden.

Von reaktiv zu proaktiv

Wenn Provisioning wirklich gefragt ist, dann sicher hier: bei 145 Applikationen, zwei Rechenzentrumsinfrastrukturen, 550 Server (virtualisiert), Netzwerk, ca. 6.900 PCs und 1.000 Laptops sowie ca. 3.100 Druckern und 150 Multifunktionsgeräten. In diesen Rahmen fallen 5500 Anwender in 7 medizinischen Departments, 27 Kliniken, 10 Abteilungen, 6 Sektionen und 7 klinische Institute, außerdem Managementeinrichtungen und Stabsstellen.


Stefan Smers, Bereichsleiter IT, Universitätsklinikum Leipzig: „Zu den Herausforderungen für das Informationsmanagement zählt besonders der Übergang von der IT-Manufaktur zur IT-Fabrik.“

Dieses Aufgabenfeld hat Stefan Smers, Bereichsleiter IT, Universitätsklinikum Leipzig, zu betreuen. Er betonte in dem „Praxisbericht Provisioning-Infrastruktur“ daher: „Zu den Herausforderungen für das Informationsmanagement zählt besonders der Übergang von der IT-Manufaktur zur IT-Fabrik.“

Daniel Pfuhl, Abteilungsleiter Infrastruktur im Universitätsklinikum Leipzig: „BYOD“ für dedizierte Nutzergruppen und Anwendungsbereiche, eine bessere Unterstützung mobiler Endgeräte mit der Endgeräte-unabhängigen Bereitstellung.

Im Blick von Daniel Pfuhl, Abteilungsleiter Infrastruktur im Universitätsklinikum Leipzig, und Stefan Smers stehen dabei die Umstellung der Terminalserver Farm auf 64bit, „BYOD“ für dedizierte Nutzergruppen und Anwendungsbereiche, eine bessere Unterstützung mobiler Endgeräte mit der Endgeräte-unabhängigen Bereitstellung sowie Hybrid Cloud und sicherem Einbinden von SaaS Applikationen. Das Credo: „Der Paradigmenwechsel von reaktiv zu proaktiv ist zu bewältigen.“

Einführung ins Tagungsthema: Reimar Engelhardt, EDV-Leiter GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim gGmbH, Mitglied im KH-IT-Vorstand

Mit mobilen Geräten leben müssen

Immer wieder tauchte das „i“ der smarten IT und seine bösen Überraschungen auf der KH IT-Tagung auf. Vorbeugende Managementlösungen für den Einsatz mobiler Geräte skizzierte Christian Rückert, Business Development Manager Netlution GmbH.

Christian Rückert, Business Development Manager Netlution GmbH: „Dabei lässt sich der richtige MDM-Anbieter nicht aufgrund einer Feature-Liste sondern aufgrund einer Anforderungsliste finden.“

Die Consumeration der IT, der technische Reifegrad und die Netzinfrastruktur ebenso wie flexible Arbeitsmodelle verlangen nach Praxisrezepten. Für die IT bedeutet das die Integration in Betrieb und Service Management, in die bestehende IT-Infrastruktur sowie Integration in das Risikomanagement und die IT-Security.

Kernpunkt ist, das Mobile Device Management (MDM) in eine ganzheitliche Client Strategie einzubeziehen. „Dabei lässt sich der richtige MDM-Anbieter nicht aufgrund einer Feature-Liste sondern aufgrund einer Anforderungsliste finden“, merkte Christian Rückert an. Immerhin gibt es in diesem Markt mit über 60 Anbietern Bewegung. Möglicherweise unbeliebt bei „i“-Fans unter den Ärzten machte sich der Business Development Manager mit der Feststellung: „Sie sollten das BYOD-Modell in Frage stellen.“ Er erntete damit Zustimmung bei IT-Kollegen im Auditorium. Für eine Entscheidungsfindung gab Christian Rückert zu bedenken: „Man sollte den Nutzen von lokaler Datenhaltung und den dadurch erforderlichen Security Maßnahmen gegenüberstellen.“

Mehr mit gleicher Mannschaft schaffen

IT-Provisioning und die Kosten betrachtete Jörg Mecke, Leiter IT-Consulting Deutschland/CTO, Comparex. Seine Maxime lautet: Es muss klar sein, für wen durch Provisioning Nutzen vorhanden ist. Als Rahmen zeigte er auf: Provisioning sei dann sinnvoll, wenn es in einer virtuellen Umgebung eingesetzt wird. Desktop-Virtualisierung sei nur dann gut, wenn sie mit Applikationsvirtualisierung kombiniert werde. Provisioning sei eine Grundlage für XaaS-Konzepte (einschließlich „App“-ifaction). Die Wirtschaftlichkeit sei aufgrund der sprungfixen Kosten besonders in größeren und standardisierten Umgebungen gegeben.

Jörg Mecke, Leiter IT-Consulting Deutschland/CTO, Comparex: Seine Maxime lautet: Es muss klar sein, für wen durch Provisioning Nutzen vorhanden ist.

Für die IT-Strategie bringt das nicht mehr allzu ferne 2020 knochenharte Herausforderungen wie steigende IT Integration und Anforderungen an Verfügbarkeit und Flexibilität mit sich.
Lars Forchheim zitierte dazu provokant das Wunschdenken des Managements: „Mehr mit gleicher Mannschaft schaffen.“ Ist dafür die „Cloud“ das Endziel? Der Abteilungsleiter IT der MSG (Management- und Servicegesellschaft für soziale Einrichtungen mbH) wies auf den grundsätzlichen Richtungswechsel im Angebot und Einsatz von IT dadurch hin. Cloud Computing ermöglicht den Nutzern eine Umverteilung von Investitions- zu Betriebsaufwand. Lars Forchheim zeigte mit seinem „Erfahrungsbericht aus 10 Jahren Application Service Providing (ASP)-Vertrag“, wie sich der Kunde gegenüber dem Anbieter emanzipiert und sogar zum Treiber von Innovation und Entwicklung wird. Sein Fazit lautete: „Die hochaktellen Cloud Services sind standardisiert und günstig, die allseits bekannten Hosting-Dienste sind spezialisiert und individualisiert, aber meist teurer. Letztlich kommt es ganz auf die Einstellung des Kunden an, welchem Angebot er den Vorzug gibt.“

Praxis-Stolperstein KIS-Positionspapier

Referenten wie Lars Forchheim, Stefan Smers und Daniel Pfuhl klopften Möglichkeiten der Software-Bereitstellung in der Praxis ab. Zu einer Praxis-Hemmschwelle bezog dagegen Jürgen Flemming, IT-Leiter Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Stuttgart, standhaft Stellung.


Lars Forchheim, Abteilungsleiter IT der MSG (Management- und Servicegesellschaft für soziale Einrichtungen mbH): „Die hochaktellen Cloud Services sind standardisiert und günstig, die allseits bekannten Hosting-Dienste sind spezialisiert und individualisiert, aber meist teurer.“

Seine aktuellen Infos zum Stand des Positionspapiers Datenschutz (oder "Orientierungshilfe Krankenhaus-Informationssysteme" OH KIS) machten deutlich: ein Paradigmenwechsel im Datenschutz steht an, der erhebliche Forderungen an Hersteller und Betreiber stellt. Jürgen Flemming meinte: „Der Aufwand für die Umsetzung der „OH KIS“ wird für kleine und mittlere Häuser signifikant sein, doch auch für große Häuser spürbar.“

Jürgen Flemming, IT-Leiter Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Stuttgart: „Die IT hat bei der Umsetzung eine wichtige Mittlerrolle zwischen Datenschutz und Mitarbeitern – das sollte nicht dazu führen, dass wir immer den Schwarzen Peter haben.“

Seiner Meinung nach braucht der Paradigmenwechsel im Datenschutz Zeit, um in den Köpfen der Betroffenen anzukommen. „Bei der Umsetzung ist u.a. aus der Ärzteschaft mit massivem Widerstand zu rechnen“, ist er überzeugt. Dabei erhält die IT bei der Umsetzung eine wichtige Mittlerrolle zwischen Datenschutz und Mitarbeitern – „das sollte nicht dazu führen, dass wir immer den Schwarzen Peter haben“, pointierte Jürgen Flemming.

Zugleich gab der Stuttgarter IT-Leiter seinen Kollegen mit auf den Weg: „Die OH KIS beinhaltet auch gute und wichtige Regelungen (u.a. den Datenschutz der Mitarbeiter).“ So könne die Erarbeitung eines Rollen- und Berechtigungskonzepts Gelegenheit bieten, sowohl die Aufbau- als auch die Ablauf-Organisation „aufzuräumen“. Doch der damit verbundene Aufwand sei „signifikant“. Der Professionalisierungsdruck durch die OH KIS auf die KH-IT nimmt massiv zu, ebenso auf die Hersteller, Datenschutz-konforme Systeme zu liefern. Allerdings könnte das Prinzip Hoffnung greifen. „Viele Anforderungen der OH KIS sind heute noch unklar, eine grundsätzliche Klärung bis 2013 wird angestrebt.“

Frank Becker, Leiter Dienstleistungscenter IT, Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, Köln (links), Thomas Grigo, Senior Berater der PRO-KLINIK Krankenhausberatung GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach: „Stärkung der Bedeutung des IT-Leiters und eine wirkliche Verankerung der Verantwortlichkeit für das Thema IT in Geschäftsführung oder Vorstand“

Es geht um die verantwortungsvolle Bereitstellung (eben „Provisioning“) sowie der Einsatz von IT-Ressourcen (Mitarbeitende, Systeme, finanzielle Mittel) in Einklang mit hieraus resultierenden Vorgaben zu bringen und zu halten. „Provisioning und IT-Governance“ brachten der Leiter Dienstleistungscenter IT Frank Becker, Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, Köln, und Senior Berater Thomas Grigo der PRO-KLINIK Krankenhausberatung GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach, auf einen gemeinsamen Nenner. „IT-Governance überträgt die Grundsätze der Corporate Governance auf Führung und Kontrolle der IT. Damit ist IT-Governance ein integraler Bestandteil der Corporate Governance und im Verantwortungsbereich von Geschäftsführung sowie Vorstand angesiedelt.“ Erst die „Stärkung der Bedeutung des IT-Leiters und eine wirkliche Verankerung der Verantwortlichkeit für das Thema IT in Geschäftsführung oder Vorstand“ werde es der IT nämlich ermöglichen, nachhaltig Wertbeiträge zu erbringen.

Thema bei den Herstellern nicht präsent

Ein Experiment mit Folgen veranstaltete Beraterin Cornelia R. Vosseler im Tagungsvorfeld. Sie wollte wissen, ob die marktgägigen Applikationen „provisioning-ready“ seien.

IT Beraterin Cornelia R. Vosseler: „Das Thema ist bei den Herstellern nicht präsent, kein Standard, keine Definition - jeder versteht etwas anderes.“

Hans-Werner Rübel, Rübel Beratung und Projektmanagement, moderierte die Podiumsdiskussion „Provisioning im KIS-Umfeld“

Dazu befragte sie die Industrie. Von 10 KIS-/KAS-Herstellern erhielt sie keine Antwort, von 12 PACS-Herstellern antworteten 4, von 5 Herstellern der Sparte Medizintechnik kam ebenfalls keine Antwort. Ihr Resümee: „Das Thema ist unter dem Begriff bei den Herstellern nicht präsent, kein Standard, keine Definition - Jeder versteht etwas anderes.“ Offenbar fehlt in der gesamten Branche eine einheitliche Definition von „Provisioning“. Also Zeit, die Hersteller zu motivieren, einen Beitrag dazu sollte das Krankenhaus – der Anwender und Kunde – übernehmen.


Podiums-Diskussion (vlnr. Andreas Lockau, IT-Leiter, St. Marien-Hospital Hamm, Mitglied im KH-IT-Vorstand; IT-Experte Stephan Thelen; Klaus Arold, Klinikum Ansbach; Reimar Engelhardt, EDV-Leiter GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim gGmbH, Mitglied im KH-IT Vorstand): Enttäuschte Anwender stellten fest, dass sich die Industrie zu Kernaufgaben des Provisioning keine Gedanken macht.

Das machte auch die Podiums-Teilnehmer-Diskussion über Provisioning im KIS-Umfeld klar. Enttäuschte Anwender stellten fest, dass sich die Industrie zu Kernaufgaben des Provisioning keine Gedanken macht, so etwa zur SW-Verteilung durch Terminalserver. Weitere Klagen lauteten beispielsweise: "Patches werden im Vorfeld nicht getestet, die Sotware-Qualität lässt zu wünschen übrig". Heiko Ries, 1. Vorsitzender des KH-IT, feuerte programmatisch dazu an, eine Problemsammlung zu erstellen, Hersteller dazu anzuschreiben und endlich Druck zu machen.

Anwenderzufriedenheit im Benchmark-Fokus

„Alles hängt von der Anwenderzufriedenheit ab“, betonte Prof. Dr. Anke Simon, Duale Hochschule BW Stuttgart. Sie gehört zum Kernteam des „Arbeitskreises Benchmarking“ des KH-IT-Verbandes, der die subjektiv wahrgenommene Qualität erkunden will. Mit einem Standardinstrumentarium für Kundenzufriedenheitsforschung werden nur jene Module abgefragt, die die Anwender kennen.

Prof. Dr. Anke Simon, Duale Hochschule BW Stuttgart, KH IT-Arbeitskreis Benchmarking: „Alles hängt von der Anwenderzufriedenheit ab.“

Dazu dient ein Schnelltest von nur 1 Seite Umfang. Die Module "Schnelltest/IT-Support/IT-Projekte" sind beendet. Für den Pretest "IT-Projekte/Arztbrief- und Befundschreibung/EPA" sind weitere Krankenhäuser gesucht. Zur Weiterentwicklung von Methoden und Standards des IT-Benchmarking ist der AK Benchmarking des KH-IT-Verbandes mit folgenden Arbeitsgruppen in Kontakt: AG Benchmarking des Arbeitskreises der Kommunalen Großkrankenhäuser (akg), AG Benchmarking des Vereins der Gesundheitsinformatiker Schweiz, und AG Benchmarking der Universitätskliniken NRW.

Demnächst in Berlin

Entsprechend dem KH IT-Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ diskutierten auf der KH IT-Frühjahrstagung 2012 über 190 Anwender offensiv Erfahrungen und Impulse aus ihrer Krankenhausarbeit (exklusives Interview mit Heiko Ries). Ergänzt wurden die Vorträge wie in den bisherigen KH IT-Tagungen durch eine Industrie-Ausstellung mit 34 Ausstellern. Eine Abendveranstaltung und eine Besichtigung der BASF smt Blick in den firmeneigenen Weinkeller rundeten die Tagung ab.

Die Herbsttagung des KH IT findet am 12. und 13. 09. 2012 in Berlin statt. Auf dem Programm stehen sollen Themen wie Einweiser-Management, IHE oder auch Social Media. Als Abendevent ist eine Schifffahrt auf der Spree mit Berliner Spezialitäten geplant.

Wolf-Dietrich Lorenz


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