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22.05.2017


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KH-IT-Frühjahrstagung 2017:

Intensives Vitaldatenmonitoring

der IT

Neue Rezepte für Service, Security und Skill-Set


Plenum:
Der KH-IT und Gastgeber Gesundheit Nord gGmbH - Klinikverbund Bremen konnten 160 Teilnehmer begrüßen.

Die Frühjahrstagung 2017 des Bundesverbandes KH-IT in Bremen am 17. und 18. Mai 2017 stand unter dem Motto „IT im Notfall - Notfall in der IT“. Im Fokus für IT-Verantwortliche: Anforderungen der flexiblen Vernetzung für das erweiterte Rettungswesen. Und Anforderungen für den „Patient IT“. Praxisbezogene Konzepte, Lösungen sowie Handlungsempfehlungen konnten die über 160 Teilnehmer als umsetzbare Impulse mitnehmen. Gastgeber war die Gesundheit Nord gGmbH - Klinikverbund Bremen.

Veranstaltungsort Klinikum Bremen Ost, KulturAmbulanz Haus im Park

Eröffnung und Begrüßung: Heiko Ries, Vorsitzender KH-IT

„Im Bereich des medizinischen Notfalls sollen die Kollegen erfahren, wie sie mit IT verstärkt helfen können“, hatten die Programmverantwortlichen Andreas Lockau und Dietmar Zelinski bei der Agenda der Frühjahrstagung 2017 im Blick. Die beiden KH-IT-Mitglieder konnten mit dem Tagungsprogramm darstellen, wie sich bei dem aktuellen Thema „IT im Notfallwesen“ auf die Infrastruktur-Vorgaben vorbereiten lässt. „Wir wollen aufzeigen, was schon an neuen guten Ideen machbar ist - ebenso bei den Anforderungen für den „Patient IT“ und dem Notfall in der IT.“

Andreas Lockau (oben) / Dietmar Zelinski, KH-IT: Einführung in die Agenda „IT im Notfall - Notfall in der IT“.

IT ist ein bestimmender Faktor dafür, wie eine moderne interdisziplinäre Notfallversorgung in deutschen Kliniken erfolgreich umgesetzt werden kann. In der Realität vieler Kliniken scheint die erforderliche IT-Entwicklung noch nicht ganz angekommen. Anders argumentierte indes Dr. Robert Pfeiffer, Geschäftsführer Infrastruktur und Technologien Gesundheit Nord. Er konstatierte zum Tagungsauftakt: „Existenziell wichtig sind IT und IT-Sicherheit für den Notfall.“

Dr. Robert Pfeiffer, Geschäftsführer Infrastruktur und Technologien Gesundheit Nord: „Existenziell wichtig sind IT und IT-Sicherheit für den Notfall.“

Resilienz für den erfolgreichen Umgang mit einer Störung

Auch Prof. Dr. Peter Bradl ist überzeugt: „Die IT ist integraler Bestandteil der integrativen Versorgung im Kontext notfallmedizinischer Fragestellungen und trägt maßgeblich zur Qualität der Hilfeleistung im Einsatz bei.“ Der Wissenschaftler erforscht in seinem Institut für Rettungswesen, Notfall und Katastrophenmanagement (IREM), Hochschule Würzburg-Schweinfurt, die Rolle von IT und ihre Nutzung im Notfall. Ablaufpunkte sind dabei die Alarmierung, die Anfahrt, die präklinische Versorgung, die Anmeldung an die Klinik oder auch die klinische Versorgung danach. „Durch starke Vernetzung und integrierten Datenaustausch sind medizinische Hilfeleistungen möglich, die ansonsten nur bedingt zu erreichen wären.“ Dazu zählen vor allem bei der qualifizierten Versorgung Zeitgewinn, Informationsvorsprung, die Möglichkeit einer Zweitmeinung und besonders, den individuellen, uneinheitlichen, dezentralen Dokumentationsaufwand zu reduzieren.

Prof. Dr. Peter Bradl, Institut für Rettungswesen, Notfall und Katastrophenmanagement (IREM), Schwabach: IT im Notfall – Chancen und Risiken

Eine funktionierende IT wird für die Medizin als Selbstverständlichkeit angesehen. Die Realität ist jedoch anders. Keine IT-Architektur ist vor Notfällen sicher. Ein Ausfall von IT-Systemen kann so schwerwiegend sein, dass sich die ursächliche technische Störung nicht zeitnah beseitigen lässt. Dennoch sind mögliche negative Auswirkungen zu vermeiden oder zumindest erheblich zu reduzieren. Prof. Bradl weist auf Resilienz als Methode für den erfolgreichen Umgang mit einer Störung hin: „Entscheidend ist eine im Vorfeld durchgeführte integrierte Planung mit dem Ziel, dem Klinik-Personal seine Aufgabe zu ermöglichen, Menschen zu helfen.“

Warum es Angreifer des Krankenhauses einfach haben

Auf der Agenda der KH-IT-Frühjahrstagung stand zusammen mit „IT im Notfall“ auch der „Notfall IT“. Hochaktueller Aspekt: Security. Neben der Komplexität der heutigen IT-Systeme, sehen sich die Krankenhäuser einem hohen Innovations- und Kostendruck ausgesetzt. Warum es Angreifer des Krankenhauses einfach haben, lässt sich schnell zusammenfassen: heterogene Umgebungen durch Kompetenzen der einzelnen Abteilungen, mangelhafte IT-Prozesse, oftmals fehlen Rollen- und Rechtekonzepte ebenso wie Notfallkonzepte.

Im Krankenhaus herrscht Mangelverwaltung mit zu geringen IT-Budgets und Ressourcen sowie mangelnde Ausbildung bei IT-Security. „Die IT-Hausaufgaben zu machen ist wichtig, hier verbergen sich nämlich 80% der Sicherheit“, betonte Wolfgang Strasser, Geschäftsführer der @-yet GmbH. Nicht wenige Security-Produkte seien „Snake oil“, verursachten also lediglich hohe Kosten und wenig Nutzen. Wolfgang Strasser intonierte: „Sicherheitsbewusstsein etablieren – Risiken reduzieren.“

Wolfgang Strasser, @-yet GmbH: Sicherheitsvorfälle und strategische Abwehr im Gesundheitswesen

Der Mensch und sein Umgang mit den Daten und Geräten sei der wichtigste Faktor der IT-Sicherheit. Der Umgang mit den Informationen müsse auf Unternehmensebene geregelt werden. „Die Nutzer, von Management bis Mitarbeiter, müssen für die Gefahren sensibilisiert und trainiert werden.“

Vitalparameter der IT

Die IT erlebt die akute Durchdringung in alle Unternehmensbereiche und Abläufe. Bei diesem Kraftakt können technologische, organisatorische und personelle Schwächen auftreten. Ein „Vitaldatenmonitoring der IT“ ist angesagt. Impulse aus der Praxis dafür gab Thomas Mellech, Geschäftsbereichsleiter IT im Gesundheit Nord gGmbH Klinikverbund Bremen. Viele Faktoren und viele Abhängigkeiten bestimmen den Gesundheitszustand. Deutlich erhöhter Handlungsdruck ist durch 256 definierte Services in Bremen am „Patient IT“ zu diagnostizieren.

Thomas Mellech, Geschäftsbereichsleiter IT, Gesundheit Nord gGmbH Klinikverbund Bremen: Vitaldatenmonitoring am Patient IT

Als Vitalparameter gelten vor allem Erreichbarkeit sowie Auslastung. Deren Zustand optimieren soll in Bremen ein neues Service-Konzept. Die Umsetzung sieht vor: Monitore für die IT, Start mit wenigen Services, eine Ampel pro Service, anforderungsgetriebener weiterer Ausbau, zudem Dokumentation und Einbindung ins Notfallkonzept. Aktueller Nutzen ist vorhanden: erhöhte Geschwindigkeit bei der Fehlerbehebung, weniger Ausfälle durch den vorausschauenden Eingriff bereits vor dem Ausfall, stärkeres Sicherheitsgefühl, höhere Verfügbarkeit, Abhängigkeiten werden erkannt und auch Transparenz wird durch Kommunikation erreicht.
Perspektiven der IT im Gesundheit Nord Bremen sind Messung der Verfügbarkeit, Nutzung von Performancewerten und Verbindung zum Changemanagement.

Thomas Mellech konnte über die Lessons learned berichten. „Man muss starten“, machte der IT-Manager den teilnehmenden IT-Kollegen Mut. Außerdem sei bei Systemeinführungen das Monitoring direkt mit aufzubauen. Dass eine transparente Darstellung den Umgang mit Störungen verändert, konnte Thomas Mellech ebenso feststellen wie, dass es Störungen allerdings auch weiterhin gibt. Daher lautete sein aktivierendes Fazit: „Man wir nie fertig.“

Dafür sorgen sicher auch Konzepte anderer Referenten wie zielgenaue Anforderungen durch nicht-sequentielle Prozesse in der Notaufnahme, telemedizinischer Zugriff auf Patientendaten oder auch mobile Notfallunterstützung via Bluetooth Technology.

Gesetzliche Vorgaben – ein Notfall

Zwar stellt die technologische Dimension für IT-Verantwortliche eine kontinuierliche Herausforderung dar. Doch die schleichenden gesetzlichen Vorgaben und Entscheidungen sind ebenfalls ein Dauerbrenner für alle IT-Verantwortlichen. Jürgen Flemming nahm das Thema bei der Frühjahrstagung unter die Lupe.

Jürgen Flemming, Leiter Projektmanagement und Organisation, Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, AG Datenschutz KH-IT: EU-Datenschutz

Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) aus dem Jahr 2016 wird am 25.5.2018 in Kraft treten. Der Leiter Projektmanagement und Organisation, Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Stuttgart, gab zu bedenken: „Viele Konsequenzen sind nach wie vor unklar.“ Sie „übersticht“ nationales Recht, zahlreiche Änderungen sind also notwendig. Doch für IT-Verantwortliche nicht geklärt ist, ob nationale Instanzen weiterhin auch die Datenschutz-Hoheit besitzen – und wer die umfangreichen Datenschutz-Anpassungen bezahlen soll.

Am 25. Juli 2015 trat das IT-Sicherheitsgesetz (ITSiG)in Kraft und fordert für betroffene Unternehmen auch aus dem Gesundheitswesen im Wesentlichen die Umsetzung eines Information Security Management Systems (ISMS) und angemessene Sicherheitsmaßnahmen, die dem Stand der Technik entsprechen. Unternehmen müssen schwerwiegende Sicherheitsvorfälle an das Bundesamt für Informationssicherheit (BSI) melden und die Erfüllung der Anforderungen regelmäßig nachweisen.

Thorsten Schütz, Vorstandsmitglied KH-IT, analysierte ITSiG und Schwachstellen. In vielen Bereichen bleibt das ITSiG ungenau. Definitiv klar ist nun: Ein Haus ab 30000 stationären Fällen pro Jahr gehört zu KRITIS, den Betreibern Kritischer Infrastrukturen.

Thorsten Schütz, Vorstandsmitglied KH-IT: Aktuelles zu UPKritis & ITSiG

Bislang herrscht bei Krankenhäusern Unsicherheit, wie das Gesetz anzuwenden sei, etwa, in welchem Umfang Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren seien. „Auch der neue Referentenentwurf gibt Rätsel auf“, monierte Thorsten Schütz. „Was sind angemessene Sicherheitsmaßnahmen? Was heißt genau „Stand der Technik“ oder „Nachweis der Erfüllung der Anforderungen in geeigneter Weise“? Eine Kontaktstelle im Krankenhaus ist zu benennen – „wer übernimmt die Kosten?“ Die öffentlich-private Kooperation zwischen Betreibern Kritischer Infrastrukturen, deren Verbänden und den zuständigen staatlichen Stellen, der „UPKritis“, arbeitet an Konsequenzen des IT-Sicherheitsgesetzes und möglichen Lösungen.

Kernpunkte der Verbandsarbeit


Der "Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen/Leiter e.V." unterstützt den Erfahrungsaustausch zwischen seinen Mitgliedern, weiteren Verbänden, der Industrie und anderen Interessierten. Dabei tritt der KH-IT als Interessenvertreter auf und unterstützt seine Mitglieder mit aktuellen Informationen und Empfehlungen zur Informationsverarbeitung im Krankenhaus.
Seit 2005 veranstaltet der KH-IT eigene Seminare für den IT-Leiter im Krankenhaus. Seitdem wird die Seminarreihe immer weiter entwickelt und qualifiziert und ist mit den drei Säulen Recht, SoftSkill und Technik derzeit auf einem guten Weg sich als praxisbezogene Basis für den Wissensaufbau der Mitglieder zu etablieren. (Kontaktperson Reimar Engelhardt)
Wissenserwerb für IT-Verantwortliche ist ein Kernpunkt der Verbandsarbeit. Seminare zu Rechtsthemen, Softskills, aber auch weitere Fachseminare sowie eine Fachbibliothek bietet der Bundesverband seinen Mitgliedern künftig an. Die fachliche Kompetenz der Seminare und der Austausch untereinander sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

Weitere Mitwirkende der KH-IT Frühjahrstagung



Dr. Götz Herold, Gesundheit Nord GmbH, Klinikverbund Bremen



Davy van Bavel, E.care bvba, Belgien: Nicht-sequentielle Prozesse in der Notaufnahme:
Wie gewährleistet
IT die Qualität?



Ralf Boldt, Klinikum Oldenburg, GB IT: Der Notfall beginnt zuhause - Zugriff auf Patientendaten



Michael Kleene, Regional Sales Manager – DeTeWe: Mobile Notfallunterstützung via Bluetooth Technology



Günter Gartner, KH-IT: Verantwortete die Organisation



Frederik Humpert-Vrielink, CETUS Consulting: Vorsorge statt Nachsorge – Notfälle mit strukturierter IT-Organisation vermeiden



Reimar Engelhardt, KH-IT: Neue Seminare für IT-Leiter im Krankenhaus



Helmut Schlegel, Vorstandsmitglied KH-IT: Studie zu IT-Anwenderzufriedenheit

Bernd Behrend , KH-IT: Gab einen Ausblick auf die Herbsttagung 2017 in Mainz




M. Eikenberg, Kath. Hospitalvereinigung Weser-Egge (oben), Tobias Klementz, Artada GmbH: IT Notruf-Leitstelle - Endpoint meets Firewall


Gerüstet für das Gespräch mit der Führungsspitze


Eine erste Datenbasis für das Krankenhaus stellen Studienergebnissen zur IT-Anwenderzufriedenheit dar (Prof. Dr. Anke Simon, simon@kh-it.) Sie befassten sich mit der Allgemeinen Anwenderzufriedenheit (Fragebogenmodul Schnelltest) oder auch mit spezifischen IT-Services, besonders der Hotline. Hier finden IT-Verantwortliche konkrete Argumente für das Budget-Gespräch mit der Führungsspitze des Krankenhauses. In Planung sind Studien-Themen wie Einflussfaktoren auf die Anwenderzufriedenheit oder auch die Sichtweise von IT-Experten auf KIS/KAS.

Auf der Frühjahrstagung 2017 des Bundesverbandes KH-IT in Bremen definierten Referenten und Teilnehmer eine Vielzahl von Aspekten und Zielen für die weitere Arbeit. Der Haupttenor: IT ist ein bestimmender Faktor, wie eine moderne, interdisziplinäre medizinische Versorgung in deutschen Kliniken erfolgreich umgesetzt werden kann.

Dazu sind verschiedene Maßnahmen nötig. Die Steigerung der Awareness muss zielgruppenorientiert und gleichermaßen für das Management, Mitarbeiter, Ärzte, aber auch Patienten entwickelt werden, umso den Umgang mit der IT zu optimieren. Besonders hohe Ansprüche bestehen an eine funktionierende und leistungsstarke IT, verbunden mit der Erwartung einer 24/7-Verfügbarkeit in allen Bereichen. Neue Technologien bedeuten immer eine Herausforderung und einen Wandel in den gängigen Methoden, Sicherheit zu gewährleisten. Dem müssen die IT-Verantwortlichen gerecht werden – mit ihrem entsprechend qualifizierten Skill set auf Augenhöhe zum Krankenhausmanagement.

Die 50. Tagung des KH-IT

Die diesjährige Herbsttagung ist die 50. Tagung des KH IT. Sie findet am 20. und 21.9.2017 in Mainz statt. Gastgeber ist die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Als Themenfeld stehen auf dem Programm: klinische Arbeitsplatzsysteme auf Station heute und morgen.

www.kh-it.de

Auf der Frühjahrstagung wurde der neue Vorstand gewählt


von Wolf-Dietrich Lorenz
Fotos: Michael Thoss



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