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27.09.2016

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IT-Leiter quo vadis:

Sachstandsverwalter oder

Zukunftsgestalter
KH-IT-Herbsttagung 2016 in Kassel gibt Impulse

für eine gute IT



Universitätsklinikum Kassel



Die Herbsttagung 2016 des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter KH IT hatte das Motto „Krankenhaus-IT im Wandel der Zeit“. Diese Veranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum des KH IT blickte zurück und zugleich nach vorn: Sind die Krankenhäuser zukunftsfähig? Antworten gaben renommierte Experten aus Krankenhaus, Wissenschaft und Industrie am 21. und 22.9.2016 beim Gastgeber, dem Klinikum Kassel.


Nichts geht ohne den Nutzer: Technologieeinsatz und Innovationsdenken lassen sich nur dann verwirklichen, wenn Anwender dafür auch bereit sind. „Vertrauen in die IT ist wesentlich auf dem Weg in der IT“, betonte daher Svenja Ehlers. Die kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Kassel intonierte damit zum Tagungsauftakt, was in den Vorträgen der KH-IT-Herbsttagung 2016 zwei Tage lang für die 218 Teilnehmer aus der IT-Führung deutscher Krankenhäuser mitklang.



Svenja Ehlers, kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Kassel: „Vertrauen in die IT ist wesentlich auf dem Weg in der IT.“


Für Krankenhäuser ist die IT entscheidender Wettbewerbs- und künftig auch Überlebens-Faktor. Die Abhängigkeit von funktionierenden und integrierten Prozessen wird dies noch verstärken. Heiko Ries und Bernd Behrend zeichnen für die Agenda verantwortlich. „Unter dem Schwerpunktthema „Krankenhaus-IT im Wandel der Zeit“ wagen wir vor allem einen Blick in die Zukunft: Wie entwickelt sich die Krankenhaus-IT in den kommenden zehn Jahren? Worauf müssen sich die IT-Leiter rüsten? Was braucht es, damit wir eine gute IT für zukunftsfähige Krankenhäuser gestalten können?“ (Hören Sie hier die Vorstände Horst-Dieter Beha, Heiko Ries, Bernd Behrend im Interview über den KH-IT: Entwicklung und Perspektiven, Professionalisierung, Vertretungs-Vakuum gegenüber Industrie und Krankenhaus-Management.)

Aufgaben und Potenziale für IT-Leiter


Die Zukunft steht für die Krankenhaus IT permanent im Fokus: Ständig werden neue Anforderungen auf die Umsetzbarkeit im eigenen Unternehmen geprüft. Die Vorstände des KH IT Heiko Ries und Bernd Behrend hoben hervor: „Auseinandersetzen müssen wir uns nicht nur mit der Integration von Medizin,- Gebäude,- und Kommunikationstechnik in die IT.“ Große Aufgaben sind künftig für IT-Leiter zu bewältigen: „Auf uns kommt das „Internet der Dinge“ zu. Sensoren am Körper und in der Kleidung werden mit mobilen Apps kommunizieren. Daraus ergeben sich auch erhebliche Potenziale für die mobile Kommunikation von Vitaldaten. eHealth lässt die Grenzen zwischen Kliniken, sonstigen Gesundheitseinrichtungen und Home Care verschwinden.“

Innovative Vordenker als Wegweiser für die Praxis

Zu den hauptsächlichen Impulsen des Programms zählten neben der Analyse, worauf Krankenhäuser und deren IT sich in Zukunft einstellen müssen, die Gedanken innovativer Vordenker. Prof. Dr. Peter Haas, Professor für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund, gab eine Einschätzung für die Praxis aus Sicht von Forschung und Lehre.



Zeitreise: KH-IT 1996 – 2016 – 2026 und das Berufsbild im Wandel
Prof. Peter Haas, Fachhochschule Dortmund, Medizinische Informatik



Als Trends im Gesundheitswesen skizzierte er etwa die Vernetzung der Primärssysteme, eGK-Anwendungen, Patientenakten als kooperatives Instrument oder auch Telekonsile, aber auch den souveränen Patienten als Behandlungsmitglied mit der Vermessung des Selbst und der Personal Health Informatics. Für IT-Leiter scheiden sich die Karrierewege: Entweder sie bleiben Sachstandsverwalter oder emanzipieren sich als Zukunftsgestalter (CIO, Chief Information Officer). Notwendig sind umfassendes Verständnis von Prozessen, medizinischer Dokumentation, gesetzlichen Rahmenbedingen und Technologien.

Dr. Henning Janssen ist ein Gestalter. Er baut die notwendigen IT-Strukturen auf. Der Zentralbereichsleiter Informationstechnologie, Gesundheit Nordhessen (GNH), stellte die IT-Strategie der Gesundheit Nordhessen vor. Ihn begleitete Timo Baumann, Telekom Healthcare Solutions Vice President Clinical Portfolio, Bonn. Beide erläuterten um die strategische Bedeutung und den Mehrwert der Neuausrichtung. Der Kernpunkt ist beim Betriebskonzept IT-Infrastruktur die Übertragung der Betriebsverantwortung an einen einzigen externen Dienstleister. Die Betriebsverantwortung der Endgeräte aller Standorte verbleibt jedoch intern. Hier besteht der Kontakt zum „Kunden“. Dieser Erfolgsfaktor soll erhalten und verstärkt werden. Ein begleitendes Evaluationsprojekt über Qualität, SLA und Mengengerüst sowie IT-Kosten ist ab 3. Quartal 2017 geplant. Schon jetzt zeigt eine Vergleichsrechnung in einem Gutachten über „Make or buy“: intern ist es teurer. Kleiner Tipp am Rande: Um den Investitionsstau zu vermeiden, sollte man Endgeräte leasen. Das sei sogar günstiger.



Die IT-Strategie der Gesundheit Nordhessen
Dr. Henning Janßen, Zentralbereichsleiter Informationstechnologie, Gesundheit Nordhessen


Zu den großen Anwendungsprojekten der Kasselianer gehören PACS-Erneuerung und –ausbau, digitale Eingangsrechnungsbearbeitung, Ausbau elektronische Patientenakte (mit Pflegedokumentation, Medikation, Ablösung und Ausbau der mobilen Visite). Ein Punkt ist auch „Medico“ mit der Überarbeitung der Mandantenstruktur. Transparenz ist angesagt. Über Entwicklungen und Projekte informiert CIO Henning Janssen Klinikmitarbeiter und lädt Chefärzte zur „CA-Konferenz“ ein.


KIS: agiler, preiswerter und besser

Den Blick auf den Technologie-Horizont richtete Dr. Jörg Haas. Der Gründer der GWI und „Hintermann“ des ORBIS-KIS erläutert seine Gedanken zu künftigen Entwicklungen in der Informationsgesellschaft. „Das Wissen über medizinische Behandlungsprozesse, Medikationen, Multimorbiditäten du Komplikationen wird in KI-Medical Pathways gespeichert werden und fast deterministisch Mediziner und Pfleger leiten.“ Die Bearbeitung und Analyse künftiger enormer Datenvolumina lassen sich mit herkömmlicher IT – und dem traditionellen Know-how des IT-Leiters - nicht mehr bewältigen. „Cloud Informationssysteme sind nur eine Frage der Zeit“, postuliert der Cloud-Evangelist und hofft: „KIS as a Service führt zu agileren, preiswerteren und besseren KIS.“



Wie sieht die Krankenhaus-IT in 10 Jahren aus?
Dr. Jörg Haas, HW Partners, Bonn



Hoffnung für den IT-Leiter. Durchaus noch nicht immer für die Zukunft stabilisiert ist jedoch die Position der IT in der Krankenhaushierarchie. Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren, VKD e.V., analysierte, was Krankenhäuser benötigen, um zukunftsfähig zu sein und welche Rolle die IT dabei spielt. Den Paradigmenwechsel bringen Innovationssprünge der Veretzung. „In Zukunft geht es nicht mehr um IT, sondern um IM“, meint er. Und über die Chance des IT-Verantwortlichen meint Düllings: „Weniger Informationstechnologie, mehr Informationsmanagement kennzeichnet das digitale Krankenhaus der Zukunft.“ Kernpunkt ist dabei die Prozessoptimierung dedes selbstlernenden Krankenhauses. In einer solchen Organisation lasse sich nicht zuletzt auch finanzieller Spielraum entwickeln, um Investitionen zu tätigen.



Sind die Krankenhäuser zukunftsfähig? Welche Rolle spielt die IT dabei?
Dr. Düllings, Präsident Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD)



„Digitalisierung“ als eine Chance

Und was bewegt den Praktiker in der IT vor Ort? „Die IT ist durch dynamische Veränderungen der Technik wie das Internet of Things und Big Data überfordert“, konstatierte Dr. Stefan Walther, bisheriger CIO vom Uni-Klinikum Düsseldorf. War der IT-Chef früher vom Mangel an passender Technik strapaziert, ist er nun Mangelverwalter von Ressourcen. Mehr noch: Gleichzeitig ist er mit Forderungen des Vorstandes konfrontiert. „Macht braucht Gegenmacht“, so Stefan Walther, indes fehle dazu die orientierende Gegenmeinung. Hier kann der KH-IT die Lücke füllen.



Die Klinik Informationstechnik im Zeitalter des „Internet of Things“
Dr. Stefan Walther, CIO Uni-Klinikum Düsseldorf


„20 Jahre CIO im Krankenhaus – Erfahrungen, Wandel und Prognosen“ – die Vorschau auf die Zukunft des IT-Verantwortlichen ist auch durch Erkenntnisse aus der Vergangenheit des IT möglich. Dazu nahm Helmut Schlegel, Vorstandsmitglied des KH-IT, kein Blatt vor den Mund. „Wir müssen es endlich schaffen aus dem Kellerdasein der IT zu kommen.“ Weder die Ansiedlung der IT-Leiter noch die Ausstattung mit adäquaten Budgets entspreche der Bedeutung der IT für die Krankenhäuser. „Die „Digitalisierung“ ist wieder einmal eine Chance, um die Bedeutung der IT für die Unterstützung des Prozessgeschehens im Krankenhaus sichtbar werden zu lassen. Alleine auf der äußerst bedenkenswerten Seite des Berufsstandes der IT-Leiter verspürt man die Bedeutung. Zwar bringen immer mehr Vorstände den CIO ihres Vertrauens zu Tagungen des KH-IT mit.“ Allerdings würden gleichzeitig immer öfter CIOs als Bauernopfer gesucht und als Schuldige für organisatorische Probleme in den Krankenhäusern gesehen. Dazu resümierte Helmut Schlegel: „Wir alle wissen, dass der Mikrokosmos der IT in einem Krankenhaus das Ergebnis vieler Faktoren ist. Hätten wir CIOs die dazugehörige Entscheidungsmacht, dann könnte man dies ja noch verstehen.“



20 Jahre CIO im Krankenhaus – Erfahrungen, Wandel und Prognosen
Helmut Schlegel, CIO Klinikum Nürnberg



2017: IT im Notfall


CIO, IT-Wertschöpfung (-schätzung), Prozesse - kritisch, kontrovers und konstruktiv präsentierte die Herbsttagung 2016 des KH IT zusammen mit Beiträgen hochkarätiger Praktiker aus der Krankenhaus-IT auch Perspektiven von Klinikmanagement, Forschung und Gesundheitspolitik. Die angeschlossene Industrieausstellung war zur Diskussion über Konzepte, Technik und Lösungen ein viel genutztes Diskussionsforum.
Das rasante IT-Wachstum geht weiter und bringt zusammen mit neuen Potenzialen ebenso brisante Risiken. Das kündigt das Thema „IT im Notfall – Notfall in der IT“ der Frühjahrstagung 2017 an. Termin und Ort: 17. und 18. Mai 2017 im Klinikum Bremen Ost.


Von der ARGE zum Bundesverband

Im Dezember 1996 wurde in Kassel die „Arbeitsgemeinschaft der Krankenhaus-DV-Leiterinnen /-Leiter“ gegründet. Die ARGE (als Kürzel wurde KH-IT verwandt) war ein freier Zusammenschluss der Leiterinnen und Leiter von IT-Abteilungen deutscher Krankenhäuser. Es war auch eine Reaktion auf den im Jahr zuvor gegründeten bvitg (damals noch unter anderem Namen). Eine Organisation der Praxis, der Anwender, als Gegenpol zur Anbieter-Seite für IT im Gesundheitswesen. Erklärtes Ziel der ARGE war der Erfahrungsaustausch der Mitglieder, also den IT-Leitern deutscher Krankenhäuser untereinander. Diesem Ziel kam man in den Folgejahren mit zahlreichen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet fleißig nach. Allein 1997 traf man sich in Frankfurt, Hannover, Karlsruhe und Essen.

Welche Voraussetzungen brauchen IT-Praktiker vor Ort, damit ihre Krankenhäuser bestmöglich für die Zukunft aufgestellt sind: Als Kompetenz-Plattform für diese Fragestellung, als Zusammenschluss der Entscheidungsträger in der IT aus der Praxis, kann der KH IT zum einen die Verantwortlichen zusammen bringen, auf Tagungen zum Networking ebenso wie zur Fortbildung auf solchen Konferenzen und durch Fachseminare. Er kann andererseits im Mitgliederkreis aktuelle Entwicklungen der Branche bekanntmachen und diskutieren. Last but not least kann er Ansprechpartner und Berater für die oben genannten Stakeholder sein, wenn es um die zuvor beschriebenen Fragestellungen geht.
Unter „KH IT“ gibt es den Bundesverband seit 2003. Seitdem wachsen Mitgliederzahl, Bedeutung und Möglichkeiten der Mitsprache und Einflussnahme der "KH-ITler" kontinuierlich. Der jährlich stattfindenden Frühjahrs- und Herbsttagungen sind inzwischen Trendsetter für die Branche. Mit inzwischen nahezu 500 Mitgliedern hat der KH IT eine starke Basis. Mehr praktische Fachkompetenz zu IT im Krankenhaus findet sich sonst sicher nirgendwo.

AUDIO-Interview mit dem KH IT-Vorstand


Die Vorstände Horst-Dieter Beha, Heiko Ries, Bernd Behrend im Interview über den KH-IT: Entwicklung und Perspektiven, Professionalisierung, Vertretungs-Vakuum gegenüber Industrie und Krankenhaus-Management.


Weitere Referenten



Die IT-Strategie der Gesundheit Nordhessen
Timo Baumann, Telekom Healthcare Solutions Vice President Clinical Portfolio, Bonn




„Geld oder Leben!“ - IT-Sicherheit in der Krankenhaus-Realität
Jörg Simon, PLS AG / Audius GmbH




Chancen und Herausforderungen von eHealth für die ambulante und stationäre Versorgung der Zukunft
Nino Mangiapane, Leiter des Referats Grundsatzfragen Telematik/ eHealth, Bundesministerium für Gesundheit




IT-Unsicherheit – Live!
Tobias Schrödel, Comedyhacker, München




KH-IT Insider News eHealth: Prof. Dr. Martin Staemmler, Beirat KH-IT



KH-IT Insider News Rechtsverordnung IT-SiG: Thorsten Schütz, KH-IT




Günter Gartner, KH-IT, Organisator der Herbsttagung 2016 des Bundesverbandes




Anmeldung zur Herbsttagung



Zeit für Gespräche und Diskussionen


von Wolf-Dietrich Lorenz



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