An Standards führt kein Weg vorbei
HL7-Benutzergruppe bringt Anwender
mit Anbietern zusammen

Retreat der HL7-Benutzergruppe im Juli 2011 – Blick in die Diskussionsrunde (1)
Kein System kann allein die Gesamtheit der Anforderungen an die IT-Unterstützung im Krankenhaus abdecken, und auch die intersektorale Kommunikation in der Behandlungskette nimmt zu. Interoperabilität ist nötig, damit Systeme Informationen austauschen können – und Standards sind der einzig gangbare Weg, dies zu realisieren. Mehrere Organisationen engagieren sich bei der Definition und Durchsetzung von Standards, darunter die HL7 Benutzergruppe in Deutschland e. V. Ihr Vorstand traf sich zu einem sonnigen Juli-Arbeitswochenende im niederrheinischen Dormagen-Zons.

Retreat der HL7-Benutzergruppe im Juli 2011 – Blick in die Diskussionsrunde (2)
Bislang stand der Nachrichtenaustausch zwischen Abteilungen innerhalb eines Krankenhauses im Mittelpunkt des Interesses von Standardisierungsbemühungen. „Inzwischen hat sich das Gesundheitswesen jedoch von einer organisationszentrierten hin zu einer verteilten Architektur entwickelt, die unter anderem die Integration von Krankenhäusern mit Systemen der Primärversorgung und eine Einbeziehung der Nachsorge mit sich bringt“, erläuterte in Dormagen Priv.-Doz. Prof. Dr. Bernd Blobel. Diese höhere Komplexität, so der Vorsitzende der HL7-Benutzergruppe, muss auch in Standards abgedeckt werden. – So treiben Standardisierungsorganisationen wie HL7 Anpassungen und Ausweitungen voran – etwa in Form der Einbindung von klinischen Studien und Wissensmanagement.
„Mit anderen gemeinsam am Strang ziehen“
Eine Organisation kann diese Arbeit nicht mehr alleine leisten, unterstrich Prof. Blobel; „daher nimmt HL7 Deutschland auch alle Player, die hierbei wichtig sind, mit ins Boot“. Dazu zählen etwa das DIN, CEDISC oder – als praxisorientierte Implementierer – IHE Deutschland e.V. Auch mit den politischen Strukturen, die die Implementierung einer Infrastruktur für das Gesundheitswesen verantworten, ist man im Gespräch.
Symbolhaft für diesen Brückenschlag ist das Engagement von Dr. Georg Heidenreich. Als Beisitzer ist er für die HL7-Benutzergruppe ebenso tätig wie als Vendor Co-Chair für IHE Deutschland. Er beschrieb das Zusammenspiel: Von HL7 kommen Grundlagen wie die Methodik, das Referenzmodell und den Modellierungsprozess sowie auch die Werkzeuge hierfür; IHE ermöglicht die Realisierung in der Praxis durch Profile und den Connectathon, auf dem die Hersteller die Implementierungen demonstrieren können. Die Zusammenarbeit der Organisationen läuft in Form von Projekten, die insbesondere im Rahmen des Interoperabilitätsforums diskutiert, verabschiedet und publiziert werden. Das Ergebnis sind Profile wie der Arztbrief. „Mit der resultierenden Vergleichbarkeit und Sichtbarkeit bereitet man so den Markt vor“, sagte Dr. Heidenreich.
Situation und Ausblick
Die Standardisierungsorganisationen sieht der HL7-Beisitzer als Vorreiter in einem Umfeld, in dem die Politik das Vorhandene bisher „zementiert“. Der Bedarf, verursacht etwa durch den Effizienzdruck unter höheren Qualitätsanforderungen, in Richtung einer Gesundheitstelematik ist klar erkennbar; in Gesprächen und Projekten mit Einrichtungen wie der gematik wollen die Standardisierer endlich konkreten Fortschritt bewirken. Das Arztbrief-Profil ist hier ein aktuelles Beispiel.

Die herausragenden Akteure der HL7-Benutzergruppe – „auf dem Weg zum Erfolg durch den Brückenschlag“
„Wir fordern zum Engagement auf“
Die Anbieter sind aufgerufen, bei Standardisierungsaktivitäten mitzuwirken, stellte Dr. Kai U. Heitmann heraus. Nur wenn insbesondere die Subsystem-Hersteller die Anwender darüber informieren, welche Funktionalitäten denn in den IT-Systemen für die verschiedenen Bereiche enthalten sind, können die Anwender auch Spezifikationen in Standards einfordern. Anbieter von führenden Systemen können hingegen ihre Marktposition optimieren, indem sie sich mit ihrer Lösung als offen gegenüber zusätzlichen Applikationen zeigen. – Die Hersteller sollten also ihren Input in den Standardisierungs- und Profilierungsprozess einfließen lassen. „Der Ort, an dem Anwender und Anbieter zum Austausch zusammenkommen, ist das Interoperabilitätsforum; hier wird an Spezifikationen gearbeitet, die den Anwenderansprüchen genügen und sich von den Anbietern realisieren lassen“, so der 1. Stellvertretende Vorsitzender der HL7-Benutzergruppe.
Die Anwender wiederum sollten erkennen, welche Vorteile ihnen Standards bringen, betonte Karl-Heinz Gobrecht: „Standards liefern Krankenhäusern die Grundlage für eine optimierte Kommunikation, für effizientere Prozesse, eine bessere Kostenstruktur und Flexibilität bei Investitionen“. Ein verstärktes Engagement der Krankenhausvertreter in Standardisierungsinitiativen sieht der Referent für Öffentlichkeitsarbeit der HL7-Benutzergruppe als äußerst empfehlenswert an: Nur so lassen sich die Interessen der Anwender und ihre Kompetenz im Hinblick auf Funktionalitäten angemessen in die Standardisierung einbringen … national wie international.
Das nächste Interoperabilitätsforum findet am 22. und 23. September in Berlin statt – www.hl7.de.
von Michael Reiter

Vier Video-Statements vermitteln die zentralen Aussagen und Positionen der HL7 Benutzergruppe in Deutschland




















