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Veröffentlicht: 27.05.2012

Klinik-Anwender bei IT-Innovationen mitnehmen

Impulse für IT-Verantwortliche beim 6. Institutstag des Instituts für IT im Gesundheitswesen



Prof. Dr. Christian Johner, Institut für IT im Gesundheitswesen, Konstanz: „Wir werden genau die Frage diskutieren, wie eine Arbeitsgesellschaft der Zukunft aussehen wird und wie wir uns, sei es als Arbeitgeber oder als Arbeitnehmer, darauf vorbereiten sollten.“


Das macht IT-Experten im Krankenhaus erfolgreich: die Technik verstehen, vor allem aber auch die klinischen Abläufe. Dann fühlen sich die Anwender aus Medizin, Pflege und Verwaltung „mitgenommen“ und nicht mehr als Opfer von „IT-Innovationen“. Wie dies zu erreichen ist, wollen Vordenker, Wissenschaftler und IT-Verantwortliche am 6. Institutstag des Instituts für IT im Gesundheitswesen am 6. Juli 2012 in Konstanz praxisbezogen erörtern.

Welche Kompetenzen wünschen sich Anwender aus Verwaltung, Medizin und Pflege von den IT-Verantwortlichen?

Prof. Dr. Christian Johner, Institut für IT im Gesundheitswesen:
Diese Woche hatte ich ein Treffen mit genau diesen Vertretern: Mit Geschäftsführern sowie mit Mitarbeitern der Verwaltung und medizinischen Abteilungen mehrerer Krankenhäuser. Zu diesem Treffen hatte die Hochschule Konstanz eingeladen, um genau diese Frage zu diskutieren. Wir wollten so erfahren, welche Kompetenzen in einem Studium „Gesundheitsinformatik“ vermittelt werden müssen.
Die Antwort aller Anwesenden war eindeutig: Man benötigt Menschen, die zwar auch die Technik, vor allem aber die klinischen Abläufe verstehen. Technik, so die Meinung der Klinikvertreter, könne man zur Not outsourcen oder einkaufen. Die Wertschöpfung und Differenzierung, also die Entscheidung über den Erfolg oder Misserfolg eines Krankenhauses, liegt hingegen in den Prozessen. Die muss die IT passgenau unterstützen.

Wie kann es der IT-Verantwortliche schaffen, die Anwender bei IT-Innovationen mitzunehmen?

Prof. Johner:
Eine IT-Innovation hat für Anwender per se keinen Nutzen. Wenn es beispielsweise darum geht, die Effizienz der IT durch Innovation zu erhöhen, sollten wir die Anwender so weit wie möglich davon verschonen. Das muss hinter der Fassade ablaufen. Wenn eine IT-Innovation es jedoch schafft, die tatsächlichen Anforderungen der Anwender zu erfüllen, z.B. ihnen die richtigen Daten zum richtigen Zeitpunkt zu liefern, dann dürfte es gar nicht so schwierig sein, diese Anwender mitzunehmen. Man muss „nur“ deren Anforderungen kennen.
Leider verfügen die wenigsten IT-Verantwortlichen über die Kompetenz, diese Anforderungen abzuleiten. Durch direktes Erfragen erfährt man sie nämlich meist nicht. Das wusste schon Henry Ford, der sagte: Wenn ich meine Kunden gefragt hätte, was sie brauchen, hätten Sie gesagt „schnellere Pferde“.
Anforderungen zu erheben, ist eine Methodenkompetenz, die erlernt werden muss und die entscheidend für den Erfolg der IT ist. Denn dann fühlen sich die Anwender „mitgenommen“ und nicht mehr als Opfer von „IT-Innovationen“.

Für welche Auswirkungen in einer modern strukturierten Arbeitsgesellschaft sollte die IT vorbereitet sein?

Prof. Johner:
Eine komplexe Verquickung von Trends ist zu beobachten: Zum einen findet der technische Fortschritt in einer Geschwindigkeit statt, die kaum noch beherrschbar ist. Man muss nicht das Buch einiger ZEIT-Redakteure „Zeitbombe Internet – Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird“ gelesen haben, um zu verstehen, was ich meine. Kaum noch ein Krankenhaus verfügt über die Kompetenzen, sich ausreichend gegen diese Bedrohungen und Störungen zu wappnen. Nur durch eine Spezialisierung hätte man die Chance, die Komplexität zu beherrschen. Aber sehr viele Krankenhäuser werden sich diese Spezialisten nicht leisten.
Zum anderen lässt sich beobachten, dass klassische Arbeitsverhältnisse an Bedeutung verlieren. So plant IBM tausende seiner Mitarbeiter zu entlassen, um dann die Dienstleistungen weltweit auszuschreiben. Was mit den unteren Lohnsegmenten wie den Putzdiensten begonnen hat, setzt sich bis zu den Hochqualifizierten fort. Dadurch wird ein Wettbewerb ausgelöst, bei dem die sehr Leistungsfähigen gewinnen und überdurchschnittlich verdienen, während die weniger Leistungsfähigen oder Leistungswilligen gegen eine weltweite Konkurrenz chancenlos werden.

Was bedeutet das für Krankenhäuser?

Prof. Johner:
Sie benötigen hochqualifizierte Spezialisten, die immer teurer werden. Der bisherige Ansatz besonders öffentlicher Häuser, schlechte Bezahlung durch sichere Arbeitsplätze zu kompensieren, wird in der Zukunft nicht mehr ausreichen, um die Mitarbeiter zu gewinnen, die man benötigt, um die IT sicher, bezahlbar und vor allem den Bedürfnissen der Anwender gerecht werdend anzubieten.
Ich gestehe, für dieses Dilemma noch keine Lösung zu kennen. Aus diesem Grund habe ich für den diesjährigen Institutstag am 6. Juli Wissenschaftler, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie einige Vordenker auf diesem Gebiet eingeladen. Wir werden genau die Frage diskutieren, wie eine Arbeitsgesellschaft der Zukunft aussehen wird und wie wir uns, sei es als Arbeitgeber oder als Arbeitnehmer, darauf vorbereiten sollten.

www.institutstag.de

Impulse für Menschen und Kliniken

Den 6. großen Institutstag veranstaltet das Institut für IT im Gesundheitswesen am 6. Juli 2012 in Konstanz. Das jährliche akademische Sommerfest des Instituts führt Experten zu Themen aus „IT und Gesundheitswesen“ aus dem ganzen deutsprachigen Raum zusammen. Programm-Kernpunkt ist, wie sich hochqualifizierte Mitarbeiter finden und halten lassen. Der Institutstag bringt Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Dialog und zeigt auf, welche Formen der Zusammenarbeit es gibt und geben wird. Das Ziel des Institutstags besteht darin, Denkanstöße zu geben, um die Krankenhäuser und Unternehmen durch ein Miteinander gleichwertiger kompetenter Partner auf Dauer erfolgreich zu machen.







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