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Veröffentlicht: 27.09.2012

Entlassmanagement im Krankenhaus
Positionspapier facht die Diskussion an

Zur Diskussion über die „Verbesserung der Versorgung durch neue Wege im Entlassmanagement“ lud der Bundesverband Managed Care am 26. September 2012 nach Berlin ein. Im Mittelpunkt des Expertenforums stand die Diskussion über das Positionspapier des Verbandes mit Lösungsansätzen für ein vernetztes und besser abgestimmtes Entlassmanagement.

Rund 80 Teilnehmer kamen nach Berlin, um sich über das Thema „Entlassmanagement“ zu informieren, das zu Unrecht bisher nicht genügend Eingang in den öffentlichen Blickwinkel finden konnte. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz sind die Krankenhäuser zu einem verbindlichen Entlassmanagement verpflichtet worden. Für die Sicherstellung einer strukturierten nachstationären Versorgung reicht die Etablierung eines rechtlichen Anspruchs jedoch nicht aus, so die brisante Situation der Versorgungssteuerung. Damit das Entlassmanagement seine Funktion als entscheidende Stellschraube zur Verbesserung des Ineinandergreifens von stationärem und ambulantem Sektor und zur Vermeidung von Versorgungsbrüchen wirkungsvoll entfalten kann, müssen die richtigen Ansatzpunkte identifiziert und die entsprechenden Handlungsfelder konkretisiert werden. Der Bundesverband Managed Care e.V. (BMC) hat daher durch eine Expertengruppe ein umfassendes Positionspapier mit konkreten Lösungsansätzen für ein vernetztes und besser abgestimmtes Entlassmanagement erarbeitet und Anfang 2012 der Öffentlichkeit präsentiert.

Bedarf an allen Ecken und Enden

Im Rahmen des Berliner Expertenforums standen die Eckpunkte des Positionspapiers unter den verschiedenen Sichtweisen der Krankenhäuser, ambulanten Leistungserbringer und Kostenträger zur Diskussion. Bedarf sei an allen Ecken und Enden vorhanden, so Dr. med. Dominik Deimel, Mitglied des erweiterten BMC Vorstands, bei der Vorstellung des BMC-Positionspapiers in Berlin. „Wir haben Lösungsbausteine zusammengefügt, um das Optimierungspotenzial abzustecken.“ Zur Vernetzung unterschiedlicher Akteure und Stufen des Entlassmanagements - Krankenhäuser untereinander sowie mit nachgelagerten Einrichtungen aus Medizin, Rehabilitation und Pflege sowie Kostenträgern - sei auch die IT ein notwendiges Werkzeug. Wie der BMC formuliert, wäre in diesem Kontext auch die Umsetzung eines standardisierten Datenaustausches zur Kostenübernahme bei rehabilitativen Maßnahmen zwischen Krankenhäusern, Krankenkassen und Rentenversicherungen anzustreben, um den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten zu reduzieren. Hierbei wäre zu überlegen, ob auf der Ebene der Spitzenverbände der Rehabilitationsträger (z. B. über die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)) ein einheitliches Reha-Zugangsverfahren entwickelt wird, wie es bereits im AHB Verfahren bis 1996 bestand und das Verfahren der Direktverlegung mit späterer Klärung der Kostenträgerschaft beinhaltete. (Hören Sie dazu das exklusive Interview mit Dominik Deimel über IT und Vernetzung).
Ebenso wichtig sind organisatorisch-personelle Maßnahmen wie der Lösungsbaustein „Patientenkoordinator“ im Krankenhaus. „Ziel ist es, dem Patienten eine optimale und lückenlose Versorgung zu ermöglichen“, unterstrich Marie Luise Müller. Die Pflegedirektorin am Klinikum der Stadt Soest, und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates, betonte weiter, dass „vor allem der Druck seitens Medizin und Pflege und weniger Ökonomie zu diesem Modell verholfen hat“.

Belegte Wirtschaftlichkeit als Kriterium

Euros spielen indes auch bei integrierter Versorgung eine erhebliche Rolle. „Ohne belegte Wirtschaftlichkeit wird kein Modell funktionieren“, gab daher Frank Neuschulz zu bedenken. Anreize und Finanzierung durch vertragliche Vereinbarungen seien dringend nötig, so der Experte für Versorgungsmanagement, Strategie und Grundsätze Krankenhaus, Deutsche BKK, nicht zuletzt, da zu der unklaren Rechtssituation eine gleichermaßen ungelöste Finanzierungslage hinzukäme.

Diese Kritik am juristischen Status quo detaillierte Dr. Michael Ossege. Es seien offenbar derzeit erhebliche Lücken sowie mehr Risiken als Chancen zu konstatieren. Der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, Rechtsanwaltskanzlei Wigge, Münster, meinte realistisch: „Die Idee ist alt, dennoch hat der Gesetzgeber die Umsetzung des Versorgungsstrukturgesetzes nicht zu Ende gedacht.“ Kostenzuordnungen seien ebenso vage wie eine Vertragseinhaltung oder die Lage des Versicherungsnehmers.

Kostenträger offen für neue Perspektiven

Mehrwerte und Möglichkeiten der Umsetzung dieses Positionspapiers diskutierten die Teilnehmer von Krankenhäusern, ambulanten Leistungserbringern und Kostenträgern aus dem gesamten Bundesgebiet. Vor dem Hintergrund dieses innovativen BMC-Ansatzes zeigte sich, dass die Kostenträger durchaus für neue Perspektiven offen sind.

BMC-Empfehlungskatalog

Lösungsbausteine im BMC-Positionspapier, die zu einer Verbesserung des Entlassmanagements beitragen sollen:

  • Etablierung eines „definierten Ansprechpartners“ für das Entlassmanagement im Krankenhaus
  • Schaffung von übergreifenden Beurteilungs-(Assessment-)Instrumenten im Entlassmanagement
  • Förderung der Vernetzung und Kommunikation der Krankenhäuser mit nachgelagerten Einrichtungen aus Medizin, Rehabilitation und Pflege sowie Kostenträgern
  • Förderung von Maßnahmen im „Empowerment“ des Patienten bzw. der Angehörigen bei ausgewählten Patientengruppen
  • Verpflichtende Nachverfolgung der eingeleiteten Maßnahmen im Anschluss zur Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus
  • Aufbau von spezifischen, interprofessionellen Behandlungspfaden / Versorgungsketten in der Nachsorge für ausgewählte, wichtige Indikationen
  • Etablierung ambulanter „Ankerpunkte“ (Patientenkoordinator/-begleiter) für die Übergabe aus dem stationären Bereich
  • Einrichtung von Instrumenten der Qualitätssicherung in der Umsetzung des Entlassmanagements im Krankenhaus

Wolf-Dietrich Lorenz



Dr. med. Dominik Deimel, Mitglied des erweiterten BMC Vorstands: „Wir haben Lösungsbausteine zusammengefügt, um das Optimierungspotenzial abzustecken.“


Marie Luise Müller, Pflegedirektorin am Klinikum der Stadt Soest, und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates: „Vor allem der Druck seitens Medizin und Pflege und weniger durch Ökonomie hat zu diesem Modell verholfen“.


Dr. Michael Ossege, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, Rechtsanwaltskanzlei Wigge: „Die Idee ist alt, dennoch hat der Gesetzgeber die Umsetzung des Versorgungsstrukturgesetzes nicht zu Ende gedacht.“


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