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Veröffentlicht: 16.08.2013

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Das Management in der
Radiologie wird beleuchtet


9. MARA Management- und Strategie-Kongress




MARA-Kongress 2012 in Köln

Am 20. bis 21. September 2013 findet im Steigenberger Grandhotel Petersberg bei Bonn ein Radiologenkongress der besonderen Art statt. Hier stehen nicht Medizin und Medizintechnik im Vordergrund sondern das "Management in der Radiologie". Veranstaltet wird er von Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff vom Centrum für Krankenhaus-Management in Münster.


Die Radiologie ist nicht nur eine zentrale Organisationsdrehscheibe im Prozess der Patientenversorgung; auch der Investitionsbedarf ist in diesem innovativen Bereich der Medizin enorm. Umso mehr kommt es darauf an, radiologische Leistungsprozesse so zu organisieren, dass Patienten medizinisch qualifiziert und mit hohem Outcome bei niedrigen Kosten versorgt werden.




Das Expertenteam 2012 in Köln

Seit 1996 befasst sich MARA mit den brandaktuellen Fragen rund um Radiologie & Management.
Auch im diesem Jahr werden die entscheidenden Themen beleuchtet und in interaktiven Diskussionen erörtert.



Prof. von Eiff mit dem Mitarbeiterteam des Organisationsbüros


Programmflyer

Organisationsbüro:
I.O.E. , Euskirchen

Soll der Radiologe neben seiner medizinischen Aufgabe auch die Rolle eines Manager übernehmen. Diese und weitere Fragen beantwort Prof. Eiff im nachfolgendem Interview.

"Natürlich gibt es Beispiele für fehlendes Management in der Radiologie"




Interview mit Prof. Dr. Dr. Eiff, Centrum für Krankenhaus-Management


Krankenhaus-IT Journal: Herr Prof. von Eiff, im September 2013 veranstalten Sie zum neunten Mal den Kongress MARA. MARA steht für Management in der Radiologie. Welcher Bedarf an Management besteht denn überhaupt in der Radiologie?

Professor von Eiff: Die Radiologie ist eine zentrale Organisationsdrehscheibe im Prozess der Patientenversorgung; sie beeinflusst durch Befundungszeiten die Abläufe in fast allen klinischen Abteilungen.
Der Radiologe fungiert als „Dok für den Dok“: die Qualität seiner Arbeit bestimmt die Präzision der Diagnostik, den Erfolg der Therapie und die Wirtschaftlichkeit des Patientenversorgungsprozesses.
Radiologie bedeutet High-end-Medizin mit 24-monatigen technologischen Innovationszyklen und, damit verbunden, hohen Investitions- und Betriebskosten.
Radiologische Prozesse beeinflussen die Patientenzufriedenheit, z.B. über kurze Befundzeiten und qualifizierte Diagnosen.
Vor diesem Hintergrund besteht ein hoher Bedarf an qualifiziertem Management in der Radiologie und zwar in den Bereichen Strategisches Management, Prozessmanagement, Kostenmanagement.

KH-IT Journal: Der Begriff MARA postuliert ja geradezu, dass ohne ein Management oder ein falsches Management etwas schief laufen könnte. Was könnte denn passieren. Sind Ihnen Beispiele für ein fehlendes Management in der Radiologie bekannt?

von Eiff: Natürlich gibt es Beispiele für fehlendes Management in der Radiologie: Wenn z.B. wie in einem Krankenhaus erlebt fast 70 % der Befundungen zu ungünstigen Zeiten mit hohen Arbeitskosten erbracht werden, ist dies ein Hinweis auf verbesserungsfähiges bereichsübergreifendes Prozessmanagement. Auch die Zahl der OP-Verschiebungen aufgrund fehlender Befunddaten ist ein Zeichen. Wartungsverträge sind ein Dauerthema: ein Krankenhaus zahlte für einen Vollwartungsvertrag über 10 Jahre 620.000 Euro; der im gleichen Zeitraum geleistete Firmenaufwand lag bei 66.000 Euro.
Weiterhin besteht in vielen Häusern ein Bedarf an langfristiger Ausstattungs- und Finanzierungsplanung. Einzelfallentscheidungen in der Gerätebeschaffung oder vorschnelles Outsourcing von Radiologieleistungen stellen klare Managementfehler dar.

KH-IT Journal: Management heißt ja, dass es auch Manager geben muss. Wer soll diese Rolle, beispielsweise in einem Krankenhaus, übernehmen, der Radiologie, der Verwaltungsleiter oder wer?

von Eiff: Management in der komplexen Krankenhauswelt heißt vor allem sinnvolle Arbeitsteilung zwischen dem Radiologen, der das Kerngeschäft kennt und die klinischen Anforderungen artikuliert und dem Betriebswirt, der mit den ökonomischen Entscheidungstechniken vertraut ist, die Beschaffungsmärkte kennt und Verhandlungen führt. Der Radiologe ist für Qualität und Betriebskosten verantwortlich, der Betriebswirt für einen transparenten Budgetierungs- und Verbesserungsprozess.

KH-IT Journal: In wohl keinem anderen medizinischen Bereich spielt die Gerätemedizin eine so entscheidenden Rolle wie in der Radiologie. Denkt man beispielsweise an Großgeräte wie CT, MRT oder an die Nuklearmedizin geht es Investitionsvolumina in Millionenhöhe. Wenn es um das Management um die Anschaffung und den Betrieb dieser Geräte geht, wie könnte hier ein vernünftiges Management aussehen?

von Eiff: Fehlentscheidungen in der Beschaffung radiologischer Geräte schlagen besonders kostenwirksam zu Buche. Um dies zu vermeiden empfehle ich, den Beschaffungsprozess an der Strategie, sprich der Planung des medizinischen Leistungsportfolios zu orientieren, die Beschaffungsentscheidung auf Basis klarer Kriterien zu treffen und dabei die Lebenszykluskosten als Beurteilungsmaßstab zu unterstellen.
Unsere Untersuchungen zeigen, dass Beschaffungsentscheidungen, die in einem gut organisierten Buying-Center zustande kommen, schneller ablaufen, im Konsens getroffen werden und weniger revidiert werden. Jedes Buying-Center arbeitet aber nur so wirksam wie es auf abgestimmte Entscheidungskriterien zurückgreifen kann, die den Patientennutzen ebenso berücksichtigen wie ethische Fragen, Hygieneaspekte, Diagnosequalität, Prozesszeiten und Kosten.

KH-IT Journal: Wie lassen sich radiologische Leistungsprozesse so managen, so dass der hohe Investitionsbedarf angepasst, evtl. sogar minimiert werden kann?

Eiff: Die technologische Ausstattung eines Krankenhauses ist an den klinischen Anforderungen auszurichten, die an dieses Haus gestellt werden. Die Investition in einen Hybrid-OP sollte nur dann erfolgen, wenn das Krankenhaus qualifiziert in der Lage ist, die hybrid-spezifischen Eingriffe wie z.B. eine TAVI auch in ausreichender Zahl zu erbringen.
Andererseits fordert der hohe Investitionsbedarf auch innovative Formen der Finanzierung: von der Zweckgesellschaft, dem Reverse Factoring über das Fine Trading bis hin zu PPP-Modellen und exklusiven Industriepartnerschaften. Hier ist professionelles Management gefragt.

KH-IT Journal: Wie lässt sich bei Radiologie der Wertbeitrag als klinische Dienstleistung optimieren? Wer trägt dafür die Verantwortung?

von Eiff: Der Wertbeitrag der Radiologie bezieht sich auf diagnostische Qualität, schnelle Verfügbarkeit der Befunde und der Unterstützung des Patientenversorgungsprozesses bereichsübergreifend. Die Verantwortung tragen Geschäftsführung und Radiologie gemeinsam: der eine stellt die Investition sicher, der andere erbringt prozess- und kostenoptimierte Leistungen.

Lieferanten-Rating und Lieferanten-Monitoring



KH-IT Journal: Die Radiologietechnik oder Medizintechnik insgesamt gilt als äußerst innovativ und auch lukrativ, wie man jetzt am Beispiel Siemens sieht. Auf diesem Gebiet konkurrieren hauptsächlich Global Player wie Philips, GE, Samsung, Agfa usw. Nach welchen Auswahlkriterien sollte ein verantwortliches Management bei der Wahl des richtigen Partners vorgehen?

von Eiff: Gerade im kosten- und investitionsintensiven Bereich der Bildgebung sollten die Industriepartner so ausgewählt werden, dass komplementäre Fähigkeiten erschlossen werden.
Unabhängig davon geht kein Weg am Einsatz eines Lieferanten-Rating- und Lieferanten-Monitoring-Systems vorbei. Neben Kriterien wie Innovationskraft, Problemlösungsfähigkeit, auch bezüglich der Prozessoptimierung, und transparenter Angebotspolitik spielt eine gravierende Rolle, in welchem Umfang der Industriepartner bereit ist, andere Konkurrenten IT-technisch und bzgl. des Reparaturmanagements zu integrieren. Letztlich müssen alle Daten in einem zentralen KIS problemlos verarbeitet werden können. Die Bereitschaft zur Einbindung leistungsstarker Produkte von Konkurrenzherstellern ist für mich ein wichtiges Auswahlkriterium.

KH-IT Journal: Halten Sie die Innovationskraft und die Innovationsbereitschaft dieser Unternehmen im Hinblick auf zukünftige Technologien für ausreichend?

von Eiff: Innovationskraft und Innovationsbereitschaft hängen von zwei Dingen ab:
a) von der Bereitschaft der Krankenhäuser, für Nutzen stiftende Innovationen angemessen zu bezahlen und
b) vom Wettbewerbsdruck, denn ohne Wettbewerb kein Zwang zur Innovation.
Es wird in Zukunft vermehrt zu Entwicklungspartnerschaften kommen, das Modell des Single Sourcing für Bildgebung wird sich verbreiten und es wird dazu kommen, dass Hersteller in die Betreiberrolle schlüpfen.

KH-IT Journal: Wie würden Sie die medizintechnische Ausstattung der Radiologien im allgemeinen bezeichnen? Als ausreichend, überdimensioniert oder besteht ein Investitionsrückstau?

von Eiff: Dazu ist keine generelle Aussage möglich. Natürlich besteht noch Nachholbedarf aus Sicht des Patienten, wenn es um geräuscharme MRTs mit großem Raumangebot geht; und natürlich wäre es wünschenswert, nur noch MRT-taugliche Schrittmacher zu implantieren, um dem Patienten die Strahlenbelastung einer CT-Untersuchung zu ersparen. Aber Investitionen in der Radiologie sind mit wirtschaftlichen Laufzeiten verbunden, die deutlich länger sind als die Innovationszyklen. Daraus eine Bedarfslücke abzuleiten, hielte ich für unzutreffend.

KH-IT Journal: Wenn es um die Praxis in der Radiologie geht, sind Erfahrungen von Kollegen oder Beispiele aus anderen Einrichtungen aufschlussreich. Wie gut sind denn die „Radiologie-Manager“ Ihrer Erfahrung nach vernetzt? Findet hier ein Austausch statt oder gibt es hier Verbesserungspotenzial?

von Eiff: Radiologiemanager sind einerseits bzgl. Erfahrungsaustauschs gut vernetzt, z.B. über Kongresse. Andererseits ist festzustellen, dass die Konkurrenz wächst. Das zeigt die Diskussion um Leistungen, die Frage nach der fachlichen Hoheit über den Hybrid-OP, die Teilgebietsradiologie sowie die regelmäßig aufflammende Unruhe über Radiologie-Outsourcing als Betriebsoption.
Eine gezielte Vernetzung bietet gute Chancen,

- diagnostische Qualität flächendeckend
- kostengünstig und
- zeitnah bereitzustellen.

Vernetzung ist ebenso eine wirksame Maßnahme, um dem Ärztemangel zu begegnen. Vernetzung geht auch einher mit Fusionen und Übernahmen, die im radiologischen Bereich an Bedeutung gewinnen werden.

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