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Veröffentlicht: 25.02.2014


Die Zukunft der

Gesundheitsversorgung neu denken

8. Rhein-Main Zukunftskongress in Offenbach

Am 20. und 21. Februar hatten Vertreter von Krankenhäusern, Krankenkassen, Industrie und Wirtschaft wieder Gelegenheit im renommierten Büsing-Palais/Sheraton Hotel die aktuelle Lage und die Zukunft der Gesundheitswirtschaft zu erörtern und intensiv zu diskutieren.

Das Motto des bereits zum neunten Mal ausgetragenen Kongresses lautete “Die Zukunft der Gesundheitsversorgung neu denken” und bot den rund 450 Teilnehmern aus vielen Ländern sowie den über 100 Referenten ein überaus breit gefächtertes Themenspektrum. Der inzwischen als wichtige Veranstaltung etablierte Kongress zeigte auf, welche Chancen, Risiken und Anpassungen der Unternehmenskultur beim Kaufen und Verkaufen auf dem Krankenhausmarkt bestehen. Dies im Hinblick auch auf die aktuelle Situation in Offenbach nach der Privatisierung des Klinikums Offenbach durch die Übernahme von Sana. Die gesamte Gesundheitsversorgung in Deutschland muss neu gedacht werden, um deren Zukunft auch für die Zukunft erhalten zu können. Dazu gehört natürlich auch ein Wettbewerb untereinander.

Großer Vortragssaal "Jaques Offenbach" im Büsing-Palais

Industrieausstellung im Foyer: "Mini-Medica"

Kongresspräsident Professor Dr. Andreas Goldschmidt freut sich über den „inhaltlich stark besetzen Kongress“, da ein Erfolg letztendlich mit den Inhalten zusammenhängt. Auch die Industrieausstellung sei „als Mini-Medica durchaus lohnenswert“, so Goldschmidt. In seiner Eröffnungsrede weist er auch darauf hin, dass vieles beim Schlagwort „Gesundheit“ auch unter dem Aspekt „Kostenfaktor“ betrachtet werden muss.

Prof. Dr. Andreas Goldschmidt: "Neues muss diskutiert und hinterfragt werden und man muss sehen, ob es schon erprobt ist."

Auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider gesteht, dass er mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ vor den Kongressteilnehmern stehe. Seit dem Kongress im vergangenen Jahr habe sich einiges geändert, so dass die Stadt nun nicht mehr Eigentümer der Klinik und ohnehin die gesamte Krankenhauslandschaft im Rhein-Main-Gebiet schwierig sei und sich die Frage nach der Zukunft stellt, so Schneider.

Horst Schneider, Oberbürgermeister Offenbach: "Wir haben die Vision, einen Gesundheits-Campus zu installieren."

Soziaminister Stefan Grüttner, MdL, lobt hingegen die Gesundheitsversorgung in Hessen, weist aber darauf hin, dass es wichtig sei, nicht alles aus dem Blickpunkt des Systems, sondern in erster Linie aus Blickwinkel des Patienten zu betrachten. Diese Bedürfnisse müssen erkannt, dabei der wirtschaftliche Faktor bedacht werden, so Grüttner. Hierbei sei es vor allem auch wichtig, Konzepte für den ländlichen Raum zu entwickeln, die flächendeckende, einheitliche Versorgung gilt es zu fördern, betont der Sozialminister. Auch sei es eine zentrale Aufgabe die Qualität zu sichern bzw. zu steigern, die Finanzierungsströme müssen dabei folgen, erläutert Grüttner. In Hessen wird das System der Krankenhausfinanzierung verändert gemäß dem Motto „wie können Anreize im hessischen Krankenhausgesetz verankert werden für eine Qualitätssteigerung?“.

Stefan Grüttner, Staatsminister MdL:"Präventionsgedanke muss in den Vordergrund gestellt werden - dafür steht die Landeskampagne 'Du bist kostbar'".

Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und Finanzexperte im Gesundheitswesen, ging in seinem Fachreferat auf die aktuellen Strukturen ein und versäumte es nicht, das Publikum mit provozierenden Fragen zum Nachdenken anzuregen. Er stellte die Frage, ob wirklich jeder am medizinischen Fortschritt teilhaben soll und wie das Ganze finanziell gehandhabt werden soll. In USA stellt man das unter den Aspekt „Was darf ein Lebensjahr kosten?“.

Alfred Dänzer, DKG-Präsident und Finanzexperte im Gesundheitswesen: "Vergleich mit der Revolution vor 500 Jahren: wer Geld hatte bekam Absolution, wer keins hatte ging leer aus...".

Dr. Michael Philippi, Vorstandsmitglied der Sana Geschäftsführung, erörterte in seinem „State-of-the-Art“ Vortrag „Mergers & Acquisitions (M&A) im Gesundheitsmarkt: Blutige Nasen und Lorbeeren“, dass das „große Fressen“ begonnen habe, aber stets unter der Frage wie man effiziente Verbundstrukturen bereitstellen kann. Er betonte, dass keiner die Demografie verändern könne und dass die Kosten für die Gesundheitsversorgung steigen. Der Kernaspekt sei, dass man – sofern man bzw. ein Krankenhaus es nicht allein schafft – entweder aufhört oder sich einen geeigneten Partner sucht, so Philippi.

Dr. Michael Philippi, Vorstandsmitglied Sana Kliniken AG: "Ich schaue nicht durch die Sana-Brille, sondern aus verschiedenen Richtungen."

Qualität – ein Angstthema?

In der Pressekonferenz hatten ausgewählte Experten die Gelegenheit sich zum Thema „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ zu äußern und sich kritischen Fragen zu stellen. Kernfrage war, ob der Aspekt „Qualitätssicherung“ Angst mache.

Pressekonferenz v.li.: Prof. Andreas Goldschmidt, Kongresspräsident; Horst Steudemann, Geschäftsführer WOK Agentur; Katrin Reiser, Geschäftsleitung Klinikum Aschaffenburg; Dr. Gerhard Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holding AG; Clemens Maurer, Geschäftsführer Klinikum Darmstadt GmbH; Dr. Michael Philippi, Vorstand Sana Kliniken AG; Horst Defren, Geschäftsführer Klinikum Essen-Mitte.

Katrin Reiser, Geschäftsleitung des Klinikum Aschaffenburg, versicherte, dass ihr das Thema keine Sorgen bereite, zumal in Aschaffenburg durch eine tatgtägliche Befassung mit Prozessen eine Datentransparenz herrsche. Auch Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen Holdung AG in Kassel, hielt fest, dass es eine intensive Beschäftigung mit Qualitätsstandarden gebe, das Problem jedoch darin liege, dass die Qualität, die beim Patienten ankommt nicht messbar sei. Sorge bereite ihm, dass Qualität missbraucht werde, um Rabattverträge einzuführen. Clemens Maurer, Geschäftsführer der Klinikum Darmstadt GmbH, betonte, dass er sich schon seit Jahren mit dem Qualitätsmanagement beschäftige. Dr. Michael Philippi kritisierte jedoch, dass Kliniken nicht bereit seien Qualität transparent zu machen. Horst Defren, Geschäftsführer der Kliniken Essen-Mitte, ergänzte, das Qualität sich über eine Spezialisierung ergebe.

Zukunft der Krankenhaus-Trägerschaft

Dr. Philippi betonte noch mal, dass man unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit entscheiden muss, ob man es alleine schafft und sich ansonsten gegebenenfalls einen Partner suchen muss. „Zusammen sind wir stärker als allein“, so Philippi. Auch Horst Defren betont, dass man eine Verbundstruktur braucht, die Kompetenzen bleiben dann zwar vor Ort, aber mit gemeinsamer Steuerung. Hierbei sei es wichtig, so Defren, Schwerpunkte zu bilden, um die Qualität zu steigern. Die Krankenhäuser sollen aus der Position der Stärke zusammengehen, denn nur dann sei man noch stärker, so Defren weiter. Sontheimer betont, dass der Erfolg von einer selbstständig agierenden Geschäftsführung abhinge. Das Vergütungssystem, das momentan Fallpauschale heißt, müsse verändert werden, erläutert Sontheimer. Zukünftig solle das mit der Qualität der erbrachten Leistung einhergehen. Clemens Maurer befürchtet, dass auch ein Maximmalversorger in ein paar Jahren nicht mehr allein existieren kann.

Der Kongress war insgesamt wieder ein Erfolg, so dass sich die Teilnehmer auf den kommenden Kongress am 25./26.2.2015 freuen können.

Von Dagmar Finlayson

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