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Veröffentlicht: 27.02.2014


6. Deutsche Kardiodiagnostik-Tage

Interdisziplinär arbeiten heißt die Herausforderung

Vom 20. bis 22. Februar 2014 fanden 6. Deutschen Kardiodiagnostik-Tage gemeinsam mit dem 7. Leipziger Symposium „Nichtinvasive Kardiovaskuläre Bildgebung“ in Leipzig statt. Rund 600 Experten aus Radiologie, Kardiologie, Herzchirurgie, Innerer Medizin und Nuklearmedizin sowie Einsteiger in der kardialen Bildgebung und Medizinisch-Technische Radiologieassistenten (MTRA) nutzten die Veranstaltung zum interdisziplinären Erfahrungsaustausch.

„Die nicht-invasive kardiale Bildgebung mit der Echokardiographie, dem kardialen MRT, der CT und auch der Nuklearmedizin liefert uns immer bessere Grundlagen für eine fundierte Diagnose“, so die Tagungsleiter Prof. Dr. Matthias Gutberlet und Prof. Dr. Holger Thiele. „Durch den rasanten technischen Fortschritt ergeben sich immer wieder neue Aspekte, die zusammen mit den aktualisierten Leitlinien in den klinischen Alltag einzuordnen sind.“ Dieser stand unter dem Fokus „Interdisziplinäre Herausforderungen und Grenzen der nichtinvasiven Bildgebung“ im Vordergrund der Tagung. Dabei beleuchteten Experten technische und klinische Aspekte der bildgebenden Diagnostik bei koronarer Herzkrankheit, bei Herzklappenerkrankungen, bei Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) sowie der Rhythmologie.

Prof. Dr. Matthias Gutberlet, Universität Leipzig, Herzzentrum, Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie: „Daher müssen wir voneinander lernen und dies geht nur mit einer interdisziplinären Zusammenarbeit.“

Prof. Dr. Holger Thiele, Medizinische Klinik II (Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin), Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Lübeck: „Entscheiden ist: Man darf nicht mit allem schießen, was man hat.“

Welchen Stellenwert die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen medizinischen Fachgebieten besitzt, erläuterte Prof. Dr. Matthias Gutberlet vom Herzzentrum Leipzig. „Es geht gar nicht ohne! Aus der radiologischen Sicht ist dies natürlich besonders notwendig, weil wir die Patienten nur zu einem geringen Teil als erstes sehen und betreuen. Meist erfolgt eine Zuweisung durch Kollegen aus anderen Fachbereichen. Im Bereich der kardialen Bildgebung sind das primär Kardiologen und Herzchirurgen. Daher müssen wir voneinander lernen und dies geht nur mit einer interdisziplinären Zusammenarbeit.“ Prof. Dr. Holger Thiele aus Lübeck führte aus: „Das ist auch der Punkt, den wir im Programm als Schwerpunkt gesetzt haben. Die Kardiologie entwickelt sich immer mehr zu einem interventionellen Fach und hier sind wir auf die Bildgebung angewiesen. Denn viele interventionelle Eingriffe sind nur mittels Bildgebung steuerbar. Zudem erfolgt die Auswertung der Behandlung und auch die Vorentscheidung, welcher Eingriff am besten geeignet ist, über die Bildgebung. Das ist der wichtige Bogen zwischen den beteiligten Personen bei der Bildgebung.“

Probleme bei Technik-Schnittstellen

Allerdings beobachtet Prof. Thiele einige Hemmschwellen. „Wir werden dabei immer wieder vor technologische Probleme gestellt, etwa bei Schnittstellen“. Auch Prof. Gutberlet sieht in der IT-Technik eine Herausforderung. Mit der Hardware komme die Industrie den klinischen Anforderungen schon recht nah. Doch innerhalb von Medizintechnik-Konzernen sei nicht unbedingt eine durchgängige Kommunikation über die erforderliche Produktgestaltung vorhanden. Auch dort mangele es an der nötigen Interdisziplinarität. „Vorteile, die Anwender erkannt haben, werden so nicht zwischen den einzelnen Herstellerabteilungen vermittelt und fallen daher leider oft unter den Tisch der Entwickler.“ Gerade bei der Software könnten Anwender ihre Erfahrung nicht genügend einbringen. „Es ist viel medizinisches Fachwissen vorhanden, das die Algorithmen einer automatisierten Software eben nicht in diesem Maß generieren können.“

Außerdem verwies Prof. Gutberlet kritisch auf bürokratische Hürden, besonders den Datenschutz. „Es gibt Probleme an der Schnittstelle der ambulanten zur stationären Versorgung im Bereich Bildgebung wie überhaupt bei dem Austausch von Daten, selbst zwischen zwei benachbarten Krankenhäusern. Wir generieren Bilder für beide Häuser, doch können Ärzte, die in unterschiedlicher Funktion in den Häusern arbeiten, nicht auf die Bilder des jeweils anderen Krankenhauses zurückgreifen. Diese Situation entspricht sicher nicht dem technologischen Fortschritt.“

Bildgebung bekommt immer größeren Stellenwert

Zu Trends bei bildgebenden Technologien merkte Prof. Gutberlet an: „Im Herzbereich wird es nicht die eine bildgebende Modalität geben, mit der man alle Fragen beantworten kann. Das versuchen wir auch mit dieser interdisziplinären Veranstaltung deutlich zu machen. Vielmehr werden verschiedene Modalitäten für immer spezifischere Fragestellungen eingesetzt. Trotzdem wachsen sie zusammen, indem sie entweder in einem Gerät kombiniert oder die Bilddaten fusioniert werden.“

Für Prof. Thiele wächst die Bildgebung bei der Steuerung der Interventionen in eine immer größere Rolle hinein, mit der sich die klinischen Ergebnisse verbessern ließen. „Die Bildgebung wird einen immer größeren Stellenwert in den klinischen Entscheidungen bekommen und verstärkt in den klinischen Alltag einziehen. Selbst wenn wir ein umfangreiches Instrumentarium an bildgebenden Modalitäten besitzen, müssen wir lernen, im richtigen Moment und zugleich wirtschaftlich die Bildgebung einzusetzen. Entscheidend ist: Man darf nicht mit allem schießen, was man hat.“

„Live Cases“ hautnah

Zusätzlich zu den Vorträgen der 6. Deutschen Kardiodiagnostik-Tage gab es klinische Fallbesprechungen und zahlreiche Workshops zur Echokardiografie, CT und MRT des Herzens. Besonders an Kardiologen richteten sich die spezifischeren Inhalte der „Live Cases“ zur invasiven Bildgebung, dem Aortenklappenersatz, der perkutanen Mitralklappenrekonstruktion und dem Vorhofohrverschluss, die um die Live-Demo der dazu relevanten CT- und MRT-Untersuchungen ergänzt wurden. Dadurch konnten die Teilnehmer den Einsatz der Geräte hautnah miterleben. Geboren wurde dieses „Format“ aus der interventionellen Kardiologie, da hier schon früh erkannt wurde, dass die interventionellen Verfahren rein theoretisch nur schwer zu vermitteln sind. Die Workshops am ersten Tag fanden im Herzzentrum der Universität Leipzig statt, das Symposium im Westin Hotel Leipzig. Eine deutsch-österreichisch-schweizerische Sitzung beleuchtete außerdem den grenzübergreifenden interdisziplinären Dialog im deutschsprachigen Raum.

Von Wolf-Dietrich Lorenz

Durch die „Live Cases“ konnten die Teilnehmer den Einsatz der Geräte zur invasiven Bildgebung, dem Aortenklappenersatz, der perkutanen Mitralklappenrekonstruktion und dem Vorhofohrverschluss hautnah miterleben.

Kongresspräsidenten im Gespräch

Interview

Hören Sie das Interview mit den Kongresspräsidenten Prof. Dr. Matthias Gutberlet und Prof. Dr. Holger Thiele über die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Krankenhäusern sowie über Trends und Hemmschwellen bei bildgebenden Technologien.

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