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Veröffentlicht: 12.08.2014




Signale für Anwender und Anbieter

bei Turbulenzen im KIS-Markt

Interoperabilität und Schnittstellen-standardisierung bestimmen die Produkt-Orientierung

Mal wieder wechselt Software im Gesundheitswesen den Eigentümer. Der Aufkauf der Siemens KIS-Sparte durch den US-Konzern Cerner Corporation und die Übernahme von iSOFT Health GmbH durch Radiomed sind Signale für Anwender und nicht zuletzt für die Anbieter. Welche genau, erörtert Michael Thoss, Leiter Informationstechnik der DRK Kliniken Berlin und Vorstandsmitglied/Pressereferent im Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V.

Michael Thoss, Leiter Informationstechnik der DRK Kliniken Berlin und Vorstandsmitglied/Pressereferent im Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V. (thoss@kh-it.de): „Verschiedene Anbieter am Markt folgen nach wie vor der These, ihre Produkte durch übertriebene wirtschaftliche Schnittstellenforderungen vor Konkurrenzprodukten zu schützen. Eine aggressive Preispolitik verbunden mit zugänglicher Interoperabilität könnte dieses Korsett sprengen.“

Welche Auswirkungen hat der Verkauf auf Anwender sowie Markt?

Michael Thoss: Der Verkauf eines Geschäftszweiges durch ein Unternehmen ist für die betroffenen Kunden immer eine unangenehme Sache. Zum einen ist völlig intransparent, wohin der neue Kurs geht, und oftmals sind die Aussagen bei Übernahmen nicht so dauerhaft wie zuerst angekündigt. Zum anderen treffen häufig Produktportfolios aufeinander, die technologisch wenig gemeinsam haben. Das bedeutet, dass ein Produkt mittelfristig (eventuell langfristig) das Zeitliche segnen wird. Das schürt Sorgen.

Die kurzfristigen Wirkungen dürften vernachlässigbar sein, allerdings gibt mindestens der Cerner-Deal um medico Anlass zur Sorge. Haben doch amerikanische Unternehmen meistens andere Ergebnis- und Gewinnmargenvorstellungen als europäische. Zudem kauft sich Cerner nun in einen Markt ein, in den man es mit eigener Produktphilosophie und „interkontinentalem“ Verständnis von Gesundheitswesen und Software bisher nicht wirklich geschafft hat. Das wird einige „Neukunden“ sicherlich veranlassen, ihre alte und teilweise nicht mehr aktuellem Stand der Technik entsprechende Plattform in Frage zu stellen. Ob diese Entscheidung zu Gunsten der Übernahme ausgeht (mit dann vielen Versprechen) oder in eine Neuorientierung am Markt mündet, darf abgewartet werden. Man kann aber annehmen, dass sich verschiedenen Kunden „etablierten“ Strukturen zuwenden werden. Dies eröffnet sicherlich Chancen für Anbieter wie Agfa, CGM, Nexus und Weitere.

Dagegen erscheint der iSOFT-Deal von Radiomed eher unspektakulär. Die Überschneidungen im Produktportfolio sind überschaubarer und der Konzern neben Software noch auf andere Business-Lines fokussiert.

Wie weit ist der KIS-Markt konsolidiert? Welche Verschiebungen auf Herstellerseite sind möglicherweise noch zu erwarten?

Michael Thoss: Es bleibt abzuwarten, wie Siemens mit der SAP-Sparte seiner KIS umgeht. Mindestens bei den medico-Kunden kann man vermutlich eine intensive Auseinandersetzung mit den Alternativen erwarten. Es mag nicht jedermanns Sache sein, sich auf amerikanische Geschäftsmodelle einzulassen die, bei fehlenden oder den Erwartungen nicht entsprechenden Ergebnissen, auch schnell Geschäftsfelder wieder abstoßen, um Investoren bei Laune zu halten. Vermutlich kann man unterstellen, dass dieser Deal für einige Kunden ausreichend Anlass ist, sich interessiert den Wettbewerbern zuzuwenden. Das ist schon alleine deswegen sinnvoll, weil man ohnehin mit Cerner wird reden müssen, was aus dem Produktportfolio wird. Dann kann man diese Ergebnisse auch gleich gegen Alternativen stellen und differenzieren, wo was vorhanden ist und wo über was spekuliert werden muss.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass bei einem KIS-Verkauf das „Getöse“ am Markt lauter ist, als im Rahmen der diversen Subsysteme die mehr oder weniger häufig den Eigentümer wechseln. Nicht in allen Fällen schadet das dem Produkt oder Service. In manchen Fällen muss man sich allerdings mit Migrationsszenarien auseinandersetzen, was bei einem KIS zwangsläufig eine Herkulesaufgabe darstellt. Für manchen Kunden mag der Deal damit den letzten Anstoß liefern, um aus Gedanken Taten werden zu lassen.

Welche KIS-Technologien sind für die künftigen Anforderungen der Anwender zukunftsweisend? Wie weit müssen sich herkömmliche Software-Architekturen verändern?

Michael Thoss: Es stellt sich die Frage, ob Cerner mit eigenen Produkten während einer schwierigen Übergangszeit und unklarer Ergebnisperspektive den Markt bereichert. Bisher scheinen die Kunden im deutschen Raum das nicht so gesehen zu haben. Technologisch wird sich nichts Wesentliches tun. Alle Anbieter setzen auf bestimmte Technologien für die Gestaltung ihrer Produkte. Bei so komplexen Systemen wie KIS mit immensen Zeitumfängen für „Runderneuerungen“ entwickeln sich jedoch die IT-Basis-Technologien schneller als die Fertigprodukte nachfolgen könnten. Von daher wird sich die Auseinandersetzung mit den Produkten weiterhin auf Ebenen wie Interoperabilität und Schnittstellenstandardisierung abspielen. Diese Themen treiben die Kunden heute in einem diversifizierten Markt um und werden es auch weiterhin tun. Viel spannender als zugrunde liegende Technologien mag die Frage nach der Preispolitik sein. Verschiedene Anbieter am Markt folgen nach wie vor der These, ihre Produkte durch übertriebene wirtschaftliche Schnittstellenforderungen vor Konkurrenzprodukten zu schützen. Eine aggressive Preispolitik verbunden mit zugänglicher Interoperabilität könnte dieses Korsett sprengen.

Das komplette Interview lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Fachmagazins Krankenhaus IT Journal (Anzeigenschluss:17.09.2014, Erscheinungsdatum: 01.10.2014). Im Interview erörtert Michael Thoss, welche strategischen Kernpunkte Krankenhäuser bei einer anstehenden KIS-Neu-Orientierung beachten sollten. Weiterhin sind gravierende Hemmschwellen für eine Migration und ihre Lösungen Thema. Schließlich geht es um das Profil eines investitionssicheren Anbieter-Unternehmens aus Sicht der Anwender.

Autorenprofil

Michael Thoss, ist Industriekaufmann und Industriefachwirt (IHK). Nach Tätigkeiten als Entwickler, EDV-Leiter, Dozent und Unternehmer ist er heute Leiter der Informationstechnik der DRK Kliniken Berlin. In dieser Funktion verantwortet er seit 1996 Strategie, Konzeption und Betrieb, Projektmanagement und Outsourcing-Betrieb der Prozessmanagementwerkzeuge des Gesamtunternehmens für vier Kliniken, eine Pflegeeinrichtung, ca. 3400 Mitarbeiter und etwa 200.000 ambulante und stationäre Fälle im Jahr. Seit 2009 ist er Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen / Leiter e.V. (www.kh-it.de).

Michael Thoss: Leiter Informationstechnik der DRK Kliniken Berlin und Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V. Vorstandsmitglied/Pressereferent

www.kh-it.de

thoss@kh-it.de

Lesen Sie in Kürze

Der Cerner Siemens-Deal

Also alles in bester Ordnung?

Der Verkauf der Siemens KIS-Sparte an den US-Anbieter Cerner Corporation hat vielfältige Facetten. Richtung weisende Impulse für die Entscheidungsfindung der Verantwortlichen in den Krankenhäusern gibt in der nächsten Folge in einem pointierten Gastkommentar Prof. Dr. med. Walter Swoboda, Anwendungssysteme im Gesundheitswesen, Hochschule Neu-Ulm.

Prof. Dr. Walter Swoboda: „Die Siemens-AG gibt ihre KIS-Sparte an einen US-Konzern ab. Cerner als weltweit agierendes Medizininformatik-Unternehmen sollte eine sichere Plattform für die Weiterentwicklung der Produkte bieten, die ja in vielen deutschen Krankenhäusern eingesetzt werden. Also alles in bester Ordnung? Nicht unbedingt, wenn man genauer hinsieht.“

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