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Veröffentlicht: 21.10.2014

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Krankenhäuser haben die

Digitalisierung verschlafen


3. Meeting-am-Mountain bringt Klinik-Verantwortliche up to date



Veranstaltungsort: Das Interconti in Berchtesgaden

Führungskräfte von Krankenhäusern stehen vor dem Umbruch zum vernetzten und prozessgesteuerten Krankenhaus. Das 3. Führungskräfte-Meeting-am-Mountain am 16. und 17. Oktober 2014 in Berchtesgaden zeigte Klinik-Verantwortlichen strategische Ansätze und erprobte Lösungen zur Verbesserung des Geschäftsbetriebes aus erster Hand.



Veranstalter Prof. Dr. Wolfgang Riedel, Institut für Krankenhauswesen: „Die Situation 2014: Es wird gearbeitet wie vor 30 bis 40 Jahren.“

„Krankenhäuser haben die Digitalisierung verschlafen.“ Prof. Dr. Wolfgang Riedel, Institut für Krankenhauswesen, ging beim 3. Meeting-am-Mountain mit Kliniken hart ins Gericht. „Die Situation 2014“, so kritisierte er, „es wird gearbeitet wie vor 30 bis 40 Jahren.“ Dabei verschärfen sich kontinuierlich die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. Zunehmender Personalmangel im ärztlichen und pflegerischen Dienst zwingt zu Verbesserungen in der Wertschöpfung, gefordert sind Investitionen und Verschlankung der Prozesse.



Intensive Diskussionen über die Themen des Meetings am Mountain mit Moderator Wolf-Dietrich Lorenz



Doch bei der IT-Durchdringung bescheinigte Uwe Buddrus deutschen Akut-Krankenhäusern im internationalen Vergleich Nachholbedarf. Der Senior Consultant, HIMSS Europe, vertritt die Mission: „IT im Krankenhaus – vom Kostentreiber zum Lebensretter.“ Schlüssel für Verbesserungen soll das achtstufige HIMSS-ePA-Einführungsmodell (EMRAM) sein, Ziele sind optimale Umgebung für komplette elektronische Patientenakten und integrierte Versorgung.



Uwe Buddrus, Senior Consultant, HIMSS Europe: „IT im Krankenhaus – vom Kostentreiber zum Lebensretter.“



Michael Waldbrenner, Deutsche Telekom Clinical Solutions GmbH: im internationalen Vergleich weder bei Versorgungspotenzial noch Technologie-Umsetzung besonders gute Noten.

Auch Michael Waldbrenner von der Deutsche Telekom Clinical Solutions GmbH bescheinigte Deutschland im internationalen Vergleich weder bei Versorgungspotenzial noch Technologie-Umsetzung besonders gute Noten.

Flexible Vernetzung der Healthcare Objekte

In vielen Kliniken sind die IT Systeme langsam gewachsen, was oft zu einer großen Vielfalt unterschiedlicher Systeme führte. Nicht die Vielfalt der Systeme und schon gar nicht die Summe von Einzelsystemen sind für den Erfolg in Kliniken entscheidend.



Hendrik Riedel, the i-engineers: Der Weg zu einer integrierten, multimedialen und
mobilen Patientenakte


Standardisierte Lösungen mit Standard-Schnittstellen unter Einsatz von Integrationsplattformen (so genannte „Middleware“) weisen auf eine moderne Systemumgebung in Krankenhäusern. Ein Beispiel für flexible Vernetzung ist die „health engine“, bei der Healthcare Objekte auf HL7 und IHE die Basis bilden. „Seit 1999 verwaltet das Luzerner Kantonsspital (LUKS) an vier Standorten über eine elektronisches Patientenakte verschiedenste Patientendaten mit der health engine“, erklärte Hendrik Riedel von the i-engineers. Mehr als 4.000 Benutzer arbeiten mit Millionen Objekten; es werden Laborberichte, Röntgenbilder, Krankheitsfälle, etc. verwaltet. Die Eckwerte: 2,8 Millionen Patientenakten, 30 Millionen Fälle, 60 Millionen Patientenbelege.



Volkmar Rudat, Unify: Unified Communications im Gesundheitswesen – wie die neue Art des Arbeitens die Kliniken verändert

Zweifellos: Klinische Arbeitswelten befinden sich in Deutschland drastisch im Wandel. „Mitarbeiter erwarten, dass ihre Kommunikationstools einfach zu bedienen sind und Spaß machen“, meinte dazu Volkmar Rudat, bei Unify Vice President Direct Marketing Central Europe. Personal und Patienten wollen aktuell informiert sein (über Verschiebungen und Verfügbarkeiten) sowie Unterstützung von Alarmierungs- und Notfallsituationen erhalten (zertifiziert nach IEC 80001-1). Als Technik bieten sich UCC Unified Communications and Collaboration-Lösungen für optimales Teamwork und einen hohen Komfort an, nicht allein am “Point of Care”.

Decision Support und neue Geschäftsmodelle

Information Overflow bringt den Arzt in ein Dilemma, wie Matthias Essenpreis ausführte. Zwar stehen immer unfangreichere Daten stehen zur Verfügung, jedoch daraus die passenden Ergebnisse zu ziehen, fällt gerade durch das Volumen schwer.



Dr. Matthias Essenpreis, F. Hoffmann-La Roche: Die wachsende Rolle von IT in der Therapieentscheidung zwischen Arzt und Patient

Kurz: Medizinisches Wissen wird zunehmend unüberschaubarer, Ärzte verlangen daher relevante Behandlungsinformationen. Die Rolle von IT in der Therapieentscheidung zwischen Arzt und Patient wächst. „Wir sind auf der Suche nach Kerntechnologien für Analyse und Diagnostik“, meinte der CTO Roche Diagnostics. Unterstützung für einen erweiterten Mehrwert könne Decision Support Systeme durch die Aggregation und Verknüpfung der Daten liefern. Ein aktuelles Stichwort lautet „Genom Sequenzing“ - es signalisiert die Dringlichkeit, über die Grenzen der IT-Infrastruktur zusammen mit gewandelten Geschäftsmodellen nachzudenken.



Dr. Maik Plischke, BITZ Braunschweig: Neue Versorgungsformen durch assistierende
Gesundheitstechnologien?!


Hier konnte Dr. Maik Plischke vom Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum mit der „Gesundheitsdatenbank für Niedersachsen (GD-Bank)“ Neues vermelden. Sie wurde 2011 aus dem Projekt eHealth.Braunschweig heraus gegründet. Der Zustand in der Region damals: unkoordinierte Kommunikation, sporadischer Datenaustausch zwischen Einrichtungen und überwiegend papierbasiert sowie nicht standardisiert. Die Motivation war es daher, eine standardkonforme Lösung für die intersektorale Kommunikation im Gesundheitswesen zu etablieren. Als unabhängige und neutrale Organisation (Treuhänder) übernimmt die GD-Bank rechtliche und organisatorische Aufgaben und stellt zentrale technische Dienste zur Verfügung, mit denen sich Akteure und Versorger im Gesundheitswesen besser vernetzen können. Maik Plischke: „In diesem Modell verbleiben die medizinischen Daten beim Erzeuger, Vorbehalte der Patienten sollen durch zentrale Speicherung vermieden werden. Jeder Akteur entscheidet selbständig, welche Daten er mit Einwilligung des Patienten bereitstellt.“

Prognose und Steuerung statt Rückspiegel

Das rührt an die bislang für Patienten unbefriedigend beantwortete Frage „Wem gehören meine Daten?“. Einfacher werden Antworten darauf wohl kaum, denn Big Data kündigt sich im Krankenhaus an. Es bringt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich. Big Data kann Perspektiven bedeuten:



Dr. Stefan Rüping, Fraunhofer IAIS: Big Data im Krankenhaus – Chancen und Herausforderungen

„Prognose und Steuerung statt Rückspiegel“, pointierte Dr. Stefan Rüping vom Fraunhofer IAIS. Dabei können Big-Data-Algorithmen das Verständnis von medizinischen Risikofaktoren ebenso ermöglichen wie von ökonomischen Faktoren über hohe Kosten oder lange Liegezeiten. Dazu nutzt der Big-Data-Ansatz viele bereits vorhandene Datenquellen aus und verknüpft Inhalte per automatischer semantischer Analyse. Ergebnisse sind direkt in Reporting und Decision-Support-Systemen umsetzbar, denn auch die Lücke zu Textdaten lässt sich schließen.

Wie schon in anderen Ländern setzt sich derzeit auch in Deutschland ein Trend zu regionalen, krankenhausübergreifenden IT-Lösungen durch. Dies ergibt sich sowohl aus der integrierten Versorgung als auch aus dem Zusammenschluss großer Kliniken sowie Praxen. Zu beobachten ist dabei ein Zusammenwachsen von Medizintechnik, Life-Science und IT, nicht nur in regionalen Strukturen, sondern auch innerhalb der Krankenhäuser, zum Beispiel auf Abteilungsebene.
Viele Krankenhäuser werden zur Spezialisierung gezwungen sein, um wirtschaftlich zu überleben. „Spezialisierte Leistungen zu erbringen muss durch Vernetzung mit anderen Partnern optimiert werden. Spezialisierung einerseits und Vernetzung andererseits bei gleichzeitiger IT-unterstützter Prozessoptimierung sind die Zeichen der Zukunft“, betonte Prof. Riedel. Hier kann Informationstechnik unterstützen. Dafür seien 2% bis 5 % vom Umsatz als Budget künftig normal. Doch gerade fehlendes Geld wird als Hauptbarriere bei der Implementierung von modernen IT-Systemen angesehen, wie eine IT-Umfrage in Kliniken jüngst zutage brachte.



Referenten des 1. Tages



Referenten des 2. Tages


Weitere Referenten




Dr. Tim Becker, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH): „Papierloses Krankenhaus und Digitale Archivierung – ein Schlüsselthema, aber wie?“



Dr. Pia Wieteck, Recom: Vorteile einer mobilen elektronischen Patientenakte –
Perspektive der Pflegedokumentation




Christoph Wöhrl, Recom: Vorteile einer mobilen elektronischen Patientenakte –
Perspektive der Pflegedokumentation




Harald Trautwein, Ascom: „Integrated Workflow Intelligence“ - Ein Kommunikationskonzept zur maßgeblichen Verbesserung der Informationsprozesse im Krankenhaus



Christian von der Becke, Gräfliche Kliniken: Sektorenübergreifende Vernetzung im Gesundheitswesen aus der Sicht einer Gruppe von Reha-Kliniken



Heiko Schmidt, PwC: Selbstbedienungsterminals im Gesundheitswesen – mehr als nur Messung des Blutdrucks in der Apotheke



Dr. Joachim Wetzlar, ComConsul: Kabel oder Funk, wohin geht die Reise?



Carsten Kramschneider, Dell: Big Data im Krankenhaus - Status Quo und Ausblick aus Sicht der Industrie

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