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Veröffentlicht: 02.12.2014



Healthcare-CIO: im
innovativen Vakuum?


Fragen zur Rolle der Healthcare-IT und
der IT-Verantwortlichen






Gerald Götz, Leiter Technologiemanagement, Städtisches Klinikum München GmbH: „Es wird kein Weg daran vorbeigehen, die Rolle des IT-Verantwortlichen noch weiter inhaltlich aufzuwerten. Die Healthcare IT muss sich dieser Aufgaben dann aber auch aktiv stellen, sich für die Prozesse rund um den IT-Arbeitsplatz interessieren und dem Management mit lösungsorientierten Überlegungen als Partner auf Augenhöhe gegenübertreten.“

Regelmäßig gibt es den Wettbewerb um den „CIO des Jahres“. Regelmäßig enttäuscht die Abwesenheit eines IT-Managers aus einem Krankenhaus. Das regt zur Frage an: Warum? Haben diese IT-Verantwortlichen nichts Wegweisendes erreicht oder sich einfach nicht für diesen Preis beworben? Gerald Götz, Leiter Technologiemanagement, Städtisches Klinikum München GmbH, bezieht pointiert Stellung.

Bei der Wahl des „CIO des Jahres“ wiederholt sich regelmäßig die Abwesenheit eines IT-Managers aus dem Krankenhausbereich, woran liegt’s?

Gerald Götz: In den Editorials zur Preisverleihung „CIO des Jahres“ betonen die Redakteure der Computerwoche regelmäßig, dass der Preis an IT-Chefs geht, die Wegweisendes erreicht haben. IT-Verantwortliche aus dem Krankenhausbereich waren meist nicht darunter. Haben sie nichts Wegweisendes erreicht oder sich einfach nicht für diesen Preis beworben? An der Größe der Unternehmen, aus dem die Preisträger kommen, kann es jedenfalls nicht liegen zumal auch ein gesonderter Mittelstandspreis ausgelobt wird. Innovation ist keine Frage der Masse sondern der Denke, so die Preisverleiher.

Beschäftigen sich IT-Chefs der Krankenhäuser möglicherweise nicht mit den gleichen Themen wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Industrie?

Gerald Götz: Die diesjährigen Preisträger nicht nur im Mittelstand wurden u.a. für den Aufbau von Privat Cloud Infrastrukturen, der Neuausrichtung der IT-Architektur, für Systeme zur Entscheidungsunterstützung oder der Schaffung von Data Warehouses prämiert, alles Themen, mit denen sich unsere Kolleginnen und Kollegen aus Universitätskliniken, kommunalen Einrichtungen oder privaten Klinikketten ebenfalls längst beschäftigen. Hype – Themen wie Big Data oder Social Media - sind hier wie da Fernziele, die allenfalls in kleinen Häppchen bearbeitet werden. An den Themen kann es demnach auch nicht liegen.

Möglicherweise greift hier eine ganz andere Frage. Werden IT-Chefs in den Vorstands- und Geschäftsführungsebenen von Kliniken und Verbünden tatsächlich als Chief Information Officer etabliert und wahrgenommen?


Gerald Götz: Nach anglo-amerikanischer Lesart ist der CIO neben CFO und anderen Management-Funktionen nicht nur für den reibungslosen Betrieb einer angemessenen, sicheren IT-Infrastruktur verantwortlich sondern insbesondere auch dafür, einen effizienten Geschäftsbetrieb über eine leistungsfähige Informationslogistik zu ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei Arbeitsprozesse und Serviceabläufe, deren Qualität untrennbar mit dem zielgerichteten Einsatz von Informationstechnologie verbunden ist. Im Gesundheitswesen zeichnet sich mit Blick auf die effiziente Kommunikation am Point of Care für eine moderne Patientenversorgung darüber hinaus eine weitere innovative Herausforderung durch die Vernetzung medizinischer Geräte ab.

Was muss sich Ihrer Meinung nach für eine gesteigerte Bedeutung über die Rolle der Healthcare IT ändern?

Gerald Götz: Das Klinikmanagement muss allerorts die Leistungs- und Servicefähigkeit ihrer Einrichtungen in ihrer Gesamtheit erhöhen. Die Frage effizienter Prozesse darf dabei nicht den Partikularinteressen von Fachabteilungen überlassen werden. Die Reduzierung der Arbeitskosten über Arbeitsverdichtung, insbesondere im ärztlichen und pflegerischen Dienst, ist ebenfalls keine Option. Mehr Effizienz und die Reduzierung nicht wertschöpfender Tätigkeiten durch mehr Prozessautomatisierung ist die richtige Maßnahme, um im Krankenhaus mehr Zeit für die Patientenversorgung zu gewinnen. Es wird kein Weg daran vorbeigehen, die Rolle des IT-Verantwortlichen noch weiter inhaltlich aufzuwerten. Die Healthcare IT muss sich dieser Aufgaben dann aber auch aktiv stellen, sich für die Prozesse rund um den IT-Arbeitsplatz interessieren und dem Management mit lösungsorientierten Überlegungen als Partner auf Augenhöhe gegenübertreten. Nur so kann eine Steigerung ihrer Bedeutung jenseits der IT-Infrastruktur gelingen. Genau dies zeigen im Übrigen auch die Fallbeispiele der Preisträger zum CIO des Jahres.

Was sollte sich in der Selbstwahrnehmung und Außendarstellung des CIO-Healthcare verändern?

Gerald Götz: In der Außendarstellung muss sich der CIO als Shared Service Manager für Informationslogistik positionieren, vergleichbar dem Finanzchef, der als fester Bestandteil der Geschäftsführung ebenso selbstverständlich für Bilanz, GuV oder Finanzierungsfragen aller Geschäfts- und Vorstandsbereiche zuständig ist. Gewinn und Verlust einer Klinik sind längst nicht nur das Ergebnis veralteter Gebäude, mangelhafter Codier-Qualität oder zu hoher Einkaufspreise. Die Leistungsfähigkeit einer Klinik wird zunehmend in der Effizienz klinisch/logistischer Abläufe und Services gewonnen oder verloren. Der CIO im Krankenhaus kann genau hier durch den prozessorientierten Einsatz von modernster Informationstechnologie und Betriebsformen einen erheblichen Beitrag zur Gesunderhaltung seiner Klinik leisten. Möglicherweise bleibt ihm bei dieser schwierigen Aufgabe dann allerdings keine Zeit mehr, sich für den CIO des Jahres zu bewerben.

Die Diskussion ist eröffnet!

Die Leistungsfähigkeit einer Klinik wird zunehmend in der Effizienz klinisch/logistischer Abläufe und Services gewonnen oder verloren. Haben IT-Verantwortliche aus Kliniken nichts Wegweisendes erreicht? Ist hier vielleicht sogar ein innovatives Vakuum entstanden? Welche Meinung haben die IT-Managerinnen und -Manager aus Krankenhäusern?
Die Diskussion ist eröffnet!

Ihr Redaktionskontakt: antares@medizin-edv.de

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