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Veröffentlicht: 11.08.2015


Hintergrundartikel – MEDICA 2015

ENTSCHEIDERFABRIK stellt

spannende IT-Projekte bei der

MEDICA 2015 vor



Mehr Sicherheit für Patienten im Blickpunkt



Wie kann die Behandlung von Patienten im Krankenhaus noch sicherer werden? Dies ist eine der Fragen, denen sich die Ideeninitiative ENTSCHEIDERFABRIK in diesem Jahr im Rahmen der MEDICA 2015 widmet und zu denen sie dann Projekte präsentiert. Mit den von diesem Jahr an veränderten Lauftagen Montag bis Donnerstag findet die mit mehr als 4.500 Ausstellern weltgrößte Medizinmesse MEDICA vom 16. bis 19. November 2015 auf dem Düsseldorfer Messegelände statt.

Die Projekte der ENTSCHEIDERFABRIK zielen insgesamt darauf ab, Lösungen für Probleme in den Geschäftsprozessen der Krankenhäuser zu erarbeiten. Sie führt Verbände, Kliniken, Industrie-Unternehmen und von den Verbänden gewählte Beratungshäuser für Projekte zusammen. Das bedeutet konkret: Beim so genannten Entscheider-Event am 11. und 12. Februar wurden die fünf aktuellen IT-Schlüssel-Themen unter den Finalisten von Unternehmens-, Informationstechnik- und Medizintechnikführung der Kliniken gewählt. Jedes dieser IT-Schlüssel-Themen wird von einer Gruppe bearbeitet. Die Arbeitsgruppen trugen beim Sommer-Camp am 8. und 9. Juni ihre Projekte vor und bearbeiteten diese. Spätestens seit diesem Zeitpunkt geht es um die tatsächliche Umsetzung in mindestens zwei ausgewählten Krankenhäusern pro Arbeitsgruppe. Die Produkte bzw. Lösungen der Industrie müssen sich dort bewähren.

Nachfolgend ein Zwischenstand zu drei ausgewählten dieser insgesamt aktuellen Projekte, bei der kommenden MEDICA sollen dann die zumeist vorläufigen Ergebnisse der Projekte zu allen fünf Schlüsselthemen vorgestellt werden. Derzeit „akut“ ist etwa die Diskussion um Notaufnahmen und –ambulanzen. Die rasant steigenden Patientenzahlen werden von den Mitarbeitern als sich immer schneller drehendes „Hamsterrad“ empfunden. Die Belastung erhöht Kosten und Risiken, sowohl für Personal, wie auch für Patienten.

„Schon seit mehreren Jahren steigen die Fallzahlen in unserer Notfallambulanz kontinuierlich“, berichtet Dr. med. Robert Stöhr. Er ist leitender Oberarzt der interdisziplinären Notaufnahme am Evangelischen Diakonissenkrankenhaus Leipzig und weiß, dass diese Einrichtung nicht kostendeckend arbeiten kann. Die Kosten liegen entsprechend Schätzungen bei mehr als hundert Euro pro Fall. Die Einnahmen, die über die Kassenärztlichen Vereinigungen fließen, liegen zwischen 30 und 35 Euro. Warum sollte also hier Geld investiert werden? „Patienten fragen diese Leistung nach“, bekräftigt Stöhr. Das Krankenhaus kann sie nicht ablehnen, zumal die Fallschweren weit auseinanderklaffen – und auch die Zahl wirklich dringender Fälle zunimmt. Stöhr sieht also einen Anforderungszuwachs und steigende medizinische Risiken bei geringem finanziellem Anreiz.

Prozessoptimierung mittels „Big-Data-Mining“


Die zentrale Notfallambulanz arbeitet dabei mit einer Vielzahl von Partnern und ist mit vielen Schnittstellen konfrontiert: Eine Zusammenarbeit muss es mit Rettungsdienst, Patientenaufnahme, Bettendisposition Hausarzt, Stationen Funktionsdiensten und gegebenenfalls auch dem OP geben. Jeder hat seine eigenen Ansprüche und Erwartungen an die Notaufnahme. Ziel des laufenden Projektes ist es nun, die notwendigen Prozesse bereichsübergreifend zu optimieren. Auf Basis von Leitsymptomen und Schweregraden sollen Standard-Prozesse erarbeitet werden, die in vielen Krankenhäusern Anwendung finden können. Die Abläufe sollen so optimiert werden, dass Handlungsleitlinien (SOP’s) die Mitarbeiter unterstützen, überflüssige Arbeitsschritte entfallen und die verbleibenden besser aufeinander abgestimmt sind. Künftig könnte also möglicherweise der OP bereits dann benachrichtigt werden, wenn ein Patient beispielsweise mit sehr starken Bauchschmerzen in der Notaufnahme eintrifft. Das mindert die Belastung des Personals und reduziert die Kosten pro Patient. Letztlich kommt es auch der Patientensicherheit in der Behandlung zugute.

Die Auswertung von großen Mengen an Daten in Form von „Big-Data-Mining“ bildet dabei die Grundlage für das Projekt. Das verwendete Werkzeug Pathfinder der uhb consulting AG ist bereits installiert und wird laufend mit Daten „gefüttert“. Zudem werden die vorhandenen Prozessinformationen aus den IT-Systemen einer kritischen Analyse unterzogen, um Ansätze für Verbesserungen zu finden. „Wir erwarten interessante Ergebnisse bei der Betrachtung der Patientenbewegungen innerhalb der Abteilung, wie auch der Aktionen zwischen den Abteilungen“, schildert Stöhr. Zur MEDICA 2015 im November werden die ersten Erfahrungen präsentiert.

Vollständigkeit der Patientenakte – eine „Mammut“-Aufgabe
Auf eine inhaltliche Vollständigkeit von elektronischen Patientenakten zielt dagegen ein anderes Projekt im Rahmen der ENTSCHEIDERFABRIK. Auch hier ist die Vielzahl der Ansprüche eine Herausforderung. Diesmal geht es allerdings um die Dokumentation. Diese soll beispielsweise einer Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen standhalten, berichtet Martin Overath. Der Leiter des Dezernats 7 Informations- und Kommunikationstechnologie am Universitätsklinikum Frankfurt berichtet, dass rund 15 Prozent der Fälle einer solchen MDK-Prüfung unterzogen werden. Zudem muss die Dokumentation rechtssicher sein. Das bedeutet beispielsweise, dass die Einverständniserklärung des Patienten vor einer Operation vorliegt – und die entsprechende Dokumentation auch nach dem Krankenhausaufenthalt des Patienten sicher und gut archiviert wird. Die Einverständniserklärung erfolgt bis jetzt auf Papier. Der Arzt macht auf einem vorgefertigten Bogen Notizen. Patient und Arzt müssen dies unterschreiben. Der Bogen wird in die Papierakte gelegt und dann später durch einen Dienstleister eingescannt. Erst nach der Einverständniserklärung darf operiert werden. Das OP-Team sollte also ein Stopp-Signal bekommen, wenn die Erklärung noch nicht dokumentiert ist. Dies ist bislang nicht einfach umsetzbar.

„Wir leben in einer Übergangsphase“, erläutert Overath. Der weitaus überwiegende Teil der Dokumentation liegt am Universitätsklinikum Frankfurt elektronisch vor. Dennoch gibt es bis auf weiteres ein Nebeneinander von papierbasierten und elektronischen Dokumenten. Der Archivierungsspezialist DMI bringt sein Knowhow in das Projekt ein. Das Streben nach Dokumentation der Vollständigkeit wird dadurch erschwert, dass für ein und dieselbe Sache unterschiedliche Begriffe verwendet werden. So kann beispielsweise der Arztbrief in der Inneren Medizin „Arztbrief Innere Medizin“ oder auch „Arztbrief Innere“ oder ähnlich heißen. Die Erstellung einer entsprechenden Konsolidierten Dokumententypliste (KDL) steht ganz oben auf der Aufgabenliste. Projektziele sind die Erstellung einer Prüfsystematik und, darauf aufbauend, eine IT-Unterstützung für alle am Prozess beteiligten Mitarbeiter: Ärzte, Kodierer, Abrechnungsmitarbeiter und weitere Personen. Letztlich kann aber nur der behandelnde Arzt entscheiden, ob die Dokumentation vollständig ist – auch zum Wohle des Patienten.

Digital auf dem Weg zum besseren Medikationsplan

Auf die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) zielt ein Projekt, das die „eMedikation“ zur Routineübung machen will. Klar ist bereits jetzt, dass ein bundeseinheitlicher patientenorientierter Medikationsplan kommen soll. So steht es zumindest im eHealth-Gesetz-Entwurf, der Ende Juni den Bundestag in erster Lesung passierte. Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben demnach ab dem 1. Oktober 2016 Anspruch auf Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans in Papierform durch einen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt haben.

Inhalt, Struktur und Vorgaben zur Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplans sollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und die Apotheker vereinbaren. Auch der Spitzenverband Bund der Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft sollen beteiligt sein. Die Einführung dieses Bundesmedikationsplans hat dabei auch Auswirkungen auf die Versorgung der Patienten in den Kliniken. „Gesetzlich gefordert wird zukünftig die Aushändigung des Medikationsplans erst bei Entlassung und auch nur wenn eine bestimmte Anzahl an Verordnungen überschritten wird. Wir wollen gleich einen Schritt weiter gehen und unseren Patienten täglich morgens ihre individuellen Medikationspläne geben. So werden sie kontinuierlich über die medikamentöse Therapie informiert und können Fragen mit den behandelnden Ärzten während ihres Aufenthalts klären. Damit unterstützen wir ein wichtiges Ziel des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit: die stärkere Beteiligung der Patienten bei medizinischen Entscheidungen im Sinne der gemeinsamen Entscheidungsfindung“, berichtet Dr. med. Martin Specht, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Informationstechnologie am Universitätsklinikum Jena. Industriepartner ist in Jena ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen.

Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), erklärte kürzlich, dass der Medikationsplan sogar erst ab fünf (statt wie bislang schon vorgesehen ab drei) Arzneimitteln erstellt werden sollte. Sie schlägt zudem vor, die bereits etablierten Zertifizierungsverfahren der KBV auch auf die Funktionalitäten des Medikationsplans.

In Jena will man sich an die Vorgaben zum Bundesmedikationsplan halten und alle aktuellen Vorgaben umsetzen. Darüber hinaus gehend soll aber das stärker berücksichtigt werden, was bei der Versorgung von Patienten speziell im Krankenhaus notwendig ist. Das resultiert dann in einem Dokument mit einer Clinical Document Architecture (CDA) welches in der Patientenakte gespeichert jederzeit die gesamte Medikationsverordnung abbildet. Seite 1 soll die Angaben enthalten, die für den Bundesmedikationsplan normiert werden. Seite 2 enthält darüber hinausgehende noch nicht in die Standardisierung einbezogene Angaben und Erläuterungen. Das können beispielsweise Schema- bzw. Infusionsverordnungen oder auch Informationen zu durchgeführten AMTS-Prüfungen sein.

Eine komplette elektronische Medikamentenverordnung und eine zentral von der Klinikapotheke gesteuerte „Unit-Dose-Versorgung“ können die Häufigkeit von Medikationsfehlern halbieren. Jena hatte sich schon vor mehr als zehn Jahren der schwierigen Aufgabe der Belieferung der Intensivstationen mit Medikamenten-Einzeldosen gewidmet. Mit jährlich ca. einer Millionen abgepackten Tabletten und Injektionen werden die Intensiveinheiten just-in-time beliefert. Die Abbildung der Verordnungen nach CDA-Standard soll soweit fortentwickelt werden, dass letztlich die komplette elektronische Übergabe zwischen den beteiligten IT-Systemen ermöglicht werden soll. Das Unit-Dose-Verfahren wird klinikweit in den kommenden zwei Jahren auch auf die Normalpflegestationen ausgerollt und die Sicherheit der Arzneimitteltherapie weiter optimiert werden.

Die ENTSCHEIDERFABRIK gibt es seit 2006. Der achte so genannte Entscheider-Zyklus läuft gerade. Am 17. November präsentieren die Beteiligten ihre Ergebnisse beim Deutschen Krankenhaustag im Rahmen der MEDICA 2015 in Düsseldorf. Neben den bereits erwähnten drei Projekten stehen dort auch die beiden weiteren aktuellen IT-Schlüssel-Themen „IT hilft: „Medizinisches Wissen – nie da, wenn ich es brauche?“ und „Elektronisches Anordnen mit Anordnungssets: Qualität sichern, Ärzte zeitlich entlasten, Über- und Fehldiagnostik- und -therapie reduzieren“ auf dem Programm. Dr. Pierre-Michael Meier, stv. Sprecher des IuiG-Initiativ-Rates der ENTSCHEIDERFABRIK, berichtet, dass die dort geübte Kritik für die Industriepartner mitunter nicht einfach ist. Aber gerade deswegen bietet die ENTSCHEIDERFABRIK eine außergewöhnliche Plattform für die Industrie, innovative Produkte in den Markt zu bringen – und die Krankenhäuser bekommen die Gelegenheit, diese zu testen. Zurzeit werden übrigens die zwölf Finalisten des Wettbewerbs 2016 ausgesucht. Ende September stehen sie dann fest, und das nächste Sommer-Camp wird im Jahr 2016 von der Messe Düsseldorf veranstaltet, d.h. zehn Jahre Jubiläumsfeier der ENTSCHEIDERFABRIK.

Weitere Informationen zum Programm der ENTSCHEIDERFABRIK bei der MEDICA 2015, wo die Initiative in Messehalle 15 auch mit einem großen Gemeinschaftsstand vertreten ist, sind online abrufbar unter: http://www.medica.de/entscheiderfabrik

Autorenhinweis: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist (Neuss)

Messe Düsseldorf GmbH
Pressereferat MEDICA 2015
Martin-Ulf Koch/ Larissa Browa
Tel. +49(0)211-4560-444/ -549
E-Mail: KochM@messe-duesseldorf.de


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