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Veröffentlicht: 22.10.2015


Strategien und Lösungen rund

um das Thema eHealth

Meeting am Meer 2015:

Wie Kliniken im Wettbewerb bestehen können



Zwei Tage erörterten Führungskräfte intensiv Trends für die Krankenhausperspektiven. Das diesjährige Meeting am Meer im Seebad Heiligendamm trug das Motto „Das digitale Krankenhaus – heute und in Zukunft“. Im Fokus standen elektronische Patientenakten, IT und Medizintechnik, digitale Prozessunterstützung im klinischen Umfeld sowie IT-Sicherheit und Datenschutz. Veranstalter war das IfK Institut für Krankenhauswesen, Braunschweig.



Aktuelle Strategien im Bereich der Krankenhäuser. Die wichtigsten Trends im Gesundheitswesen, Prof. Dr. Wolfgang Riedel, IfK

„Digitalisierung wird die Schlüsseltechnologie im Gesundheitswesen“, postulierte Veranstalter Prof. Wolfgang Riedel zum Auftakt des hochkarätig besetzten Meetings. Der Leiter des IfK Instituts für Krankenhauswesen ernüchterte die Teilnehmer aus dem Top-Gesundheitsmanagement zugleich: „Die Situation 2015: Krankenhäuser haben die Digitalisierung verschlafen.“

Wie weit ist die Krankenhausführung in Strategie, Organisation und Technologie auf das „digitale Krankenhaus“ vorbereitet: Die Antwort darauf entscheidet über die wirtschaftliche und medizinische Krankenhauszukunft. Bisher orientieren sich die Kliniken weitgehend an den klassischen Softwarelösungen für Krankenhäuser. Deutsche Kliniken halten immer noch an traditionellen Arbeitsbedingungen für Ärzte und Pflegedienst fest. Sie sind nicht darauf eingestellt, bestimmte Arbeiten digital und außerhalb der klassischen Arbeitsumgebung wie Station und Arztzimmer zu erledigen.





Doch die Krankenhäuser werden in den nächsten Jahren einen radikalen Umbruch in der Arbeitswelt erleben. Digitale und ortsunabhängige Prozesse werden zunehmen, klassische ortsgebundene und papierbasierte Prozesse werden verschwinden. Der aktuelle Sachverstand der IT-Abteilungen allein reicht für die Prozesse im medizinischen Bereich nicht aus.

Zu den Hype-Themen des Jahres 2015 im Healthcare-Bereich rechnet Prof. Riedel: mobile IT, Prozessoptimierung (EPA, DMAS, Terminmanagement etc.), Dokumentation in der Pflege, Intensivmedizin (PDMS), OP und Anästhesie, aber auch Kollaboration, Arzneimittelsicherheit sowie intersektorale Vernetzung und für eHealth unabdingbar die IP-Kommunikation.

Medizin 4.0: „Sind Menschen doch Autos?“

Mir diesen Technologien kündigt sich die „Medizin 4.0“ an. „Sind Menschen doch Autos?“ provozierte Prof. Heinz Lohmann mit Blick auf „Industrie 4.0“.



Medizin 4.0: Sind Menschen doch Autos? Mit strukturierter Medizin zum Erfolg, Prof. Heinz Lohmann, Lohmann konzept

Zum Healthcare-Fortschritt gehört für den Gesundheitsunternehmer, u.a. LOHMANN konzept GmbH, die strukturierte Medizin. Mit der Digitalisierung des Workflows ließen sich enorme Ressourcen heben. Die Komplexität der Prozesse erfordere geradezu die Umstellung auf Automatik. „Patienten werden Konsumenten, Leistungsversprechen durch Digitalisierung und Qualität mit Markenmedizin – das sind künftige Kernpunkte“, so Prof. Lohmann. Über allem stehe bei Medizin 4.0 die Souveränität des Patienten. Auf jeden Fall: „Die Digitalisierung im Krankenhaus wird kommen.“ (Hören Sie Prof. Lohmann im Interview: Haben die Krankenhäuser den Nutzen der Digitalisierung noch nicht erkannt? Und: Wie ist es um die Digitale Akzeptanz bestellt?)



Digitalisierung: Die vernetzte Welt, Michael Waldbrenner, Telekom Healthcare Solutions

Zum Thema „Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen“ legte Michael Waldbrenner nach und gab zu bedenken: „German Way of Digitalization – Auslaufmodell oder gesunde Basis?“ Der Geschäftsführer Telekom Healthcare Solutions ist überzeugt: „Wir haben einen Wettbewerbsvorteil durch Vernetzung mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen.“ Vernetztes Leben und vernetztes Arbeiten bestimmen das Gesundheitswesen, Bremser wie die „Digital Ignorants“ verändern – hoffentlich - allmählich ihre abwehrende Einstellung.

Mobil und digital

Künftig lässt sich mit mHealth die Patientenbetreuung optimieren. „Der steinerne Weg der mHealth-Evolution“ – für eine digitale Zukunft sind zunächst Hemmschwellen wie etwa die Nutzerskepsis zu überwinden. Als weitere Hemmschwelle für eHealth gilt auch der bekrittelte Datenschutz. „Er ist nie schwarz/weiß“, betonte Prof. Dr. Thomas Jäschke, smartcircles AG / FOM Hochschule. Man müsse sich nur damit beschäftigen und dabei immer die Datenhoheit im Auge behalten.



Digitale Zukunft – Der steinerne Weg der mHealth Evolution, Prof. Dr. Thomas Jäschke, smartcircles AG / FOM Hochschule

Erfahrungen mit der mobilen digitalen Patientenakte aus ärztlicher Sicht steuerte Dr. med. Gesa Stöhr bei. „Die Vorteile überwiegen“, meinte die Assistenzärztin aus dem Gemeinschaftskrankenhaus Bonn, so etwa Minimierung von Fehlverordnungen, Personalisierung von Einträgen / Verordnungen oder auch, dass die Daten immer und überall verfügbar sind.



Erfahrungen mit der mobilen digitalen Patientenakte

aus ärztlicher Sicht, Dr. med. Gesa Stöhr, Gemeinschaftskrankenhaus Bonn


Zudem ist die Befunddemonstration und -dokumentation am Patientenbett möglich, bei der Wunddokumentation kommt eine integrierte Kamera zum Einsatz und paralleles Arbeiten ist ebenfalls möglich. Zu den Nachteilen zählen, dass die Texteingabe mit Tablet zeitaufwendig ist, wobei Abhilfe Textbausteine schaffen können, weiterhin ein erschwerter Dokumentenvergleich oder auch die Ablenkung von der tatsächlichen Patientenversorgung.

EPA Einführung im St. Josef Schweinfurt

„Die Digitalisierung der Medizin ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine Führungs-Herausforderung.“ Unter dieser Parole stand eine EPA-Einführung im St. Josef Schweinfurt. Elektronische Patientenakte: welche Konzepte führen zu welchem Nutzen? Einen Erfahrungsbericht stellte Erwin Göbel, St. Josef Krankenhaus Schweinfurt, vor.



Planung und Einführung einer IHE-konformen EPA als strategisches Entwicklungsinstrument im Krankenhaus – ein Erfahrungsbericht, Erwin Göbel, St. Josef Krankenhaus Schweinfurt

Bei Planung und Einführung einer IHE-konformen EPA als strategisches Entwicklungsinstrument im Krankenhaus machte eine partizipative Strategie Betroffene zu Beteiligten, eine diskursive Strategie verfolgte eine sachliche Auseinandersetzung. Technologiepartner war i-engineers mit dem Kommunikations- und Workflow-Konzept health engine.

Zu den Projektzielen gehörten 100% (medizinische und administrative Datenverfügbarkeit, Verfügbarkeit aller Daten für alle Systeme wie KIS und KAS sowie vom Hersteller die Rückgewinnung der Datenhoheit. Ebenso zählten die Verringerung der Prozesskosten, aber auch die effektive Nutzung von Standards (z.B. IHE) dazu.



Moderierte die Diskussionsrunden: Wolf-Dietrich Lorenz, Chefredakteur des Krankenhaus-IT Journals



Rege Beteiligung der Teilnehmer im Anschluss an die Vorträge, Prof. Dr. Wolfgang Riedel, IfK gab den Zuhörern das Wort

Bei technischen Risiken galt es, die Integration der benötigten Daten sicherzustellen, ebenso eine passende Infrastruktur und WLAN zu etablieren. Technische Maßnahmen dafür waren u.a. parallele KIS-Optimierung (z.B. eSammelanforderung) und ganzheitliche Projektplanung.

Medikationsprozess als Process Excellence

Arzneimittelversorgung im Krankenhaus ist ein hektischer, nichtlinearer, multidisziplinärer, häufig unterbrochener, komplexer, aufwändiger und multimedialer Prozess.



Digitalisierung des Medikationsprozesses – Der Weg zur Process Excellence, Dr. Nils Löber, Charité Universitätsmedizin Berlin

Das Medikamentenmanagement gibt daher Ansätze für eine (partielle) Digitalisierung, zudem sprechen organisatorische und Gründe der Patientensicherheit dafür, die komplexe Arzneimittelversorgung und Gabe im Krankenhaus zu digitalisieren. Diesen technologischen Paradigmenwechsel des Medikationsprozesses stellte Dr. Nils Löber, Charité Universitätsmedizin Berlin, vor. Für den Weg zur Process Excellence fiel die Entscheidung für eine kommerzielle „out of the box“-Lösung mit tiefgehender individueller end2end-Integration in die zentrale IT-Architektur der Charité.

Als Nutzenaspekte für den Patienten zeigen sich: die Einhaltung der „5 R‘s“ (richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosierung, richtige Applikation, richtige Zeit) und dadurch Verbesserung der allgemeinen Arzneimitteltherapiesicherheit; eine umfassende Information des Patienten zur individuellen Medikation auch über den Krankenhausaufenthalt hinweg und dadurch Förderung der individuellen Arzneimittel- Adhärenz und -sicherheit. Zu den Nutzenaspekten für die Charité gehören: Entwicklung und Fixierung eines End2End-Workflow für die stationäre Medikamententherapie mit mehrheitlich elektronischer Umsetzung durch Verknüpfung der Software mit dem Krankenhausinformationssystem, weiterhin die „sanfte“ Vorbereitung auf das „papierlose“ Krankenhaus: der Kernprozess der Medikamentenversorgung betrifft einen Großteil der klinisch tätigen Charité-Mitarbeiter.

IT-Sicherheit im klinischen Umfeld

„Mit zunehmender vernetzter Nutzung von Informationstechnologie im klinischen Umfeld gerade auch in der übergreifenden Versorgung rücken neue Angriffsszenarien in den Mittelpunkt der IT-Sicherheit“, mahnte Dr. André Zilch, LSc LifeSciences Consult.



IT-Sicherheit im klinischen Umfeld, Dr. André Zilch, LSc LifeSciences Consult

Wurde über viele Jahre hinweg z.B. ein Zugriffsschutz mittels Benutzername/Passwort als ausreichend angesehen, so zeigen die jüngsten Angriffe auf IT-Systeme sowohl in der Wirtschaft als auch im Bereich des Gesundheitswesens, dass komplette Nutzerdatenbanken mit Benutzername/Passwörtern Ziele der Angriffe werden. Angriffe, die dann mittels Identitätsdiebstahl durchgeführt werden, lassen sich mit den bisherigen Methoden zur Gefahrenabwehr nicht erkennen. André Zilch: „Dies stellt die Verantwortlichen vor eine große Herausforderung sowohl in technischer als auch organisatorischer Sicht und erfordert die Etablierung neuer Methoden und Maßnahmen.“

Krankenhäuser verlieren an Bedeutung



Das vernetzte und kommunikative Krankenhaus –eine internationale Analyse von mHealth, eHealth und eCare Prozessen, C. Peter Waegemann, Independent Expert in Health Informatics

Das vernetzte und kommunikative Krankenhaus nahm C. Peter Waegemann unter die Lupe. „Krankenhäuser verlieren an Bedeutung“, meinte der Independent Expert in Health Informatics. Klinische Daten seien ja überall verfügbar. „Das papierlose Krankenhaus und die EPA: gut und schön“, so Waegemann,“ „doch nicht Dokumentierung, sondern Verbesserung der Qualität und Leistungssteigerung sind entscheidend.“ In seiner internationale Analyse von mHealth, eHealth und eCare Prozessen prognostizierte der international aktive Expert in Health Informatics nämlich das „kommunikative Krankenhaus“ mit vernetztem Handeln intern sowie extern. Dieser „virtuelle Behandlungsraum“ schließt Homecare, Arztpraxen, Krankenhaus u.a. ein. Der Patient wird ein aktiver Partizipant im Prozess, der erwartet, gemäß dem kollektiven Wissen der Experten im Krankenhaus behandelt zu werden. Arzt- und Krankenhausbesuche begleiten eMails, Text Messages und App-Kommunikation. Statt bei Krisenfällen sofort zum Arzt oder Krankenhaus zu gehen, fragt man erst per eMail oder Text Message an oder nutzt Online Video Visits. Datensicherheit hat dabei hohe Priorität. Allerdings: „Datenschutz muss sich in Patientenschutz wandeln.“ Bislang sind Gesetzgebung und Datenschutz sowie Zahlungssysteme noch nicht auf diesem digitalen State of the Art.

Im Wettbewerb bestehen

Warum und wie viel sollten Kliniken in neue Systeme investieren? Welchen Benefit kann eine neue Strategie bringen? Die digitale Arbeitswelt in den Krankenhäusern wird insbesondere die Prozesse rund um den Patienten betreffen. Schnelle Verfügbarkeit von Informationen, Terminen sowie Untersuchungsergebnissen werden zu einem bestimmenden Faktor. Zudem werden immer mehr medizinische Geräte in digitale Prozesse online eingebunden, mit allen Konsequenzen für die herkömmliche Klinik-Struktur.

Kliniken, die das begreifen, werden als erste in diesem Wettbewerb bestehen können. Die Diskussion der Krankenhausverantwortlichen über diese entscheidenden strategischen Fragen und umsetzbaren Alternativen der nächsten Jahre bestimmte daher das „Meeting am Meer 2015“.

Themen und Referenten Meeting am Meer 2015



Klinisches Meldewesen: von CIRS (Critical Incident Reporting System) bis zum Ticket, Dr. Gunther Fritzer, St. Vincentius-Kliniken


Integration aller relevanten medizinischen Daten in einem standardisierten IHE-konformen medizinischen Archiv, Christoph Kreutner, Merian Iselin Klinik Basel


Impakt der computerassistierten Radiologie und Chirurgie (CARS) auf klinische Prozesse, Heinz U. Lemke, International Foundation for CARS


Der Zusammenhang von Dokumentation und Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus

Milko Jovanoski, Nuance Healthcare


Die medizinische Arbeitsumgebung der Zukunft – aus Sicht von Intel, Markus Widmer, Intel Deutschland


Risikomanagement nach IEC 80001-1 im Klinikumfeld– ein Leitfaden zum Vorgehen, Oliver P. Christ, Prosystem


Smartphone als Arbeitsmittel für die Pflege, Markus Falk, Ascom

Abendveranstaltung mit zünftigem Wildschweinessen im Gut Klein Nienhagen in Kröpelin







von Wolf-Dietrich Lorenz

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