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Veröffentlicht: 26.10.2015


Vor-Ort-Reportage

Vor-Ort-Reportage – 3M Health Information Systems



„Mit 3M 360 Encompass wächst die Kodiergenauigkeit“

Interview mit Volker Gertler, 3M Health Information Systems

Herr Gertler, der 3M Geschäftsbereich Health Information Systems gilt als ein bedeutender Anbieter von DRG-Kodierlösungen. Kann Ihre Software den Menschen ersetzen?

Volker Gertler: Nein, darauf zielt keine der Lösungen aus unserem Portfolio ab. Vielmehr ist die IT gefragt, um die Anwender bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen und die Abläufe intern und extern zu verbessern.

Das weitgesteckte Ziel ist die vollständige Digitalisierung möglichst aller Daten im Krankenhaus. Kommen Sie mit Ihren Lösungen diesem Ziel näher?

Gertler:
Besonders unsere neue Lösung 3M 360 Encompass baut auf einer weitgehenden Digitalisierung im Krankenhaus auf. Dass Papier ganz verschwinden wird, möchte ich bezweifeln. Aber unsere Software kann bei der Identifizierung der Dokumente helfen, die für die Kodierung entscheidend sind und als erste digitalisiert werden sollten, quasi eine Priorisierung zur Einführung der EHR für den IT-Leiter.




3 M Firmengebäude in Neuss

Wie sieht die Funktionalität von 3M 360 Encompass aus?


Gertler: Die Software sucht alle digital lesbaren Dokumente nach kodierrelevanten Informationen ab und schlägt dem Kodierer die entsprechenden Codes vor. Sind die gefundenen Informationen nicht spezifi sch genug, führt das System durch Multiple-Choice-Fragen zum richtigen Code. Der Kodierer muss also nicht mehr die gesamte Patientenakte durchforsten mit der Gefahr, etwas zu übersehen. Auch werden Lücken in der Kodierung erkannt und dem Kodierer angezeigt. Zudem wertet das System Datenquellen wie Medikationspläne und Laborwerte aus und gibt einen Hinweis, wenn daraus etwa ein Code zu erwarten wäre. Die dahinter liegenden Wissensbasen werden von uns permanent verbessert.

Können Sie uns einen typischen Workfl ow beschreiben?

Gertler: Immer mehr Häuser in Deutschland beginnen die Kodierung bereits mit der Aufnahme des Patienten – und nicht erst nach der Entlassung, wenn es für steuernde Maßnahmen zu spät ist und es durch Rückfragen bei den Ärzten zu Verzögerungen kommen kann. Bei der Kodierung „on the fl y“ mit der Unterstützung von 3M 360 Encompass wächst die Kodiergenauigkeit mit dem Aufenthalt des Patienten. Eine „Working DRG“ kann sehr früh erstellt werden und liefert Möglichkeiten wie etwa das Einbinden von klinischen Pfaden oder SOPs. Durch die oben beschriebene Unterstützung der Kodierer gewährleistet das System eine vollständige Kodierung in gleichbleibend hoher Qualität, auf deren Basis eine leistungsgerechte Vergütung erst möglich wird. Auch im Hinblick auf MDK-Prüfungen bietet 3M 360 Encompass einen wesentlichen Nutzen: Das System „merkt sich“ die Textpassagen der ausgewählten Kodes. Reklamiert der MDK diese, kann der Verantwortliche des Krankenhauses auf Knopfdruck eine Zusammenfassung erzeugen, warum dieser Code ausgewählt wurde. Neben den Patienteninformationen wird die entsprechende Textpassage gleich mitgeliefert. Allein diese Funktionalität bietet eine erhebliche Zeitersparnis. Die MDK-Prüfquote liegt aktuell bei durchschnittlich 17 Prozent, und der Arbeitsaufwand für eine MDK-Prüfung wird im Schnitt mit bis zu 30 Minuten pro Akte veranschlagt.

Sie nutzen die vorhandenen digitalen Daten, beispielsweise aus einer EPA, zur Kodierung und erstellen daraus Kodiervorschläge. Wie valide sind diese?

Gertler: Garbage in, Garbage out: Ein noch so innovatives und stabiles System kann nur Fakten interpretieren, die auch valide sind. Doch die Herausforderung liegt hier bei der semantischen Interpretation. NLP (Natural Language Processing)- Werkzeuge können schon heute Inhalte aus anspruchsvoll formulierten Veröffentlichungen auslesen. Allerdings ist die Dokumentation im Krankenhaus zum Teil sehr individuell, wenn man etwa an Arztbriefe denkt.

Wie gehen Sie mit Daten um, die lediglich auf Papier vorliegen?

Gertler:
3M 360 Encompass wird im nächsten Jahr mit einer OCR ausgeliefert. „Saubere“ Dokumente können schon recht gut ausgelesen werden, und es gibt bereits Entwicklungen zur Handschriften-Erkennung. Wir werden mit dem besten Anbieter auf diesem Gebiet kooperieren.

Eine Automatisierung der Kodierung spart Zeit und Kosten. Haben sie Erfahrungen, in welcher Höhe diese ausfallen könnte? Gertler: Untersuchungen an mehreren US-Kliniken, die 3M 360 Encompass einsetzen, zeigen signifi kante Verbesserungen vieler Kenngrößen. Sie haben beispielsweise eine Kodiergenauigkeit von 98 Prozent ergeben, die Kodiereffektivität stieg um 21 Prozent und der Case-Mix- Index um 10 Prozent. Diese Zahlen lassen sich nicht 1:1 auf Deutschland projizieren; sie zeigen aber deutlich, welches Potenzial das System für Krankenhäuser bietet.

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