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Veröffentlicht: 12.04.2016



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Dirigenten der Komplexität

Über den Mainstream hinaus:

KH-IT-Frühjahrstagung 2016 in Leipzig




Frühjahrstagung 2016 in Leipzig


Die Frühjahrstagung 2016 des KH-IT in Leipzig erörterte Komplexität in der Krankenhaus-IT und Lösungen dafür. Experten griffen Themen wie IT-Systemarchitekturen sowie Herausforderungen für den IT-Betrieb auf: Modularisierung, systemübergreifendes Datenmanagement, standardisierte Schnittstellen und Vernetzung medizintechnischer Systeme standen auf dem Programm unter dem Titel "Die Komplexität in der krankenhaus-IT beherrschen". Die Tagung ganz nach dem Motto des KH-IT "aus der Praxis für die Praxis" fand mit 217 Teilnehmern beim Gastgeber Universitätsklinikum Leipzig statt.


„Die IT müssen wir als Unterstützung der ärztlichen Leistung verstärkt wahrnehmen“, proklamierte Prof. Dr. med. Wolfgang E. Fleig, Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, als Gastgeber in seiner Begrüßung der Teilnehmer. Er votierte: Das „Instrument IT“ für den medizinischen Teil sei vorhanden, künftig gelte es, sein Potential noch besser zu nutzen.



Gastgeber Prof. Dr. med. Wolfgang E. Fleig, Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, in seiner Begrüßung der Teilnehmer: „Das „Instrument IT“ für den medizinischen Teil ist vorhanden, künftig gilt es, sein Potential noch besser zu nutzen.“


Dazu ist die besonders die Komplexität in Angriff zu nehmen. Ernst-Ulrich Hafa, Consultant für kaufmännische und technische Infrastruktur / IT beim Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung e.V., Berlin, zeigte auf, wie sich Komplexität reduzieren lassen kann. Kernpunkt dabei ist eine langfristige IT-Strategie. Leitmotiv dabei sollte sein: „Prozessunterstützung für Medizin, Pflege und Reha, Verwaltung und Wissenschaft durch aufgabenbezogene IT-Verfahren.“ Für die IT gilt: „Sie ist in die administrative und klinische Prozessgestaltung einzubinden.“ Dafür ist auch die Zusammenarbeit von IT und Medizintechnik unter einer Leitung zu intensivieren, besonders da das KIS zunehmend Medizinprodukt-Charakter erhält.




Komplexität reduzieren: Was kann eine langfristige IT-Strategie leisten?
Dipl.-Ing. Dipl. math. E.-Ulrich Hafa, Consultant

Die künftige IT-Systemstruktur verlangt vor allem offene Schnittstellen. Durch Standardisierung und Modularisierung per IHE ließe sich erreichen, so Hafa, dass einzelne Funktionseinheiten ohne Informationsverlust ausgetauscht werden könnten. „Die generelle Abhängigkeit von einem Hersteller wird aufgelöst.“ So lasse sich die Komplexität der IT besser beherrschen, den Wünschen der Nutzer mehr gerecht werden und langfristig den IT-Aufwand senken. Trotz IHE bleibt es derzeit hierzulande noch Wunschdenken, da Schnittstellen nicht selten durch Herstellerpolitik proprietär zementiert sind. Im Ausland, so eine der Anmerkungen, würden sehr wohl die IHE-Forderungen der Kunden erfüllt.

Interoperabilität ist möglich

Skalierungspfade zum IHE konformen Medizinnetzwerk skizzierte Bernhard Nelson, Marabu GmbH, auf. Beispiel war der Changemanagementprozess von der ePA zur IHE Affinity Domain.



Skalierungspfade zum IHE konformen Medizinnetzwerk: Von der ePA zur IHE Affinity Domain
Bernhard Nelson, Marabu GmbH



IHE-konformer Datenaustausch für eine verbesserte Unterstützung der Dokumentationsprozesse zwischen den IT-Verfahren im Krankenhaus erörterten Andreas G. Henkel und Dr. Marcel Claus, beide Universitätsklinikum Jena. Veränderungsimpulse für Struktur und Prozess gaben die Inbetriebnahme eines Neubaus ebenso wie die Unzufriedenheit mit den vorhandenen IT-Verfahren. In den Prozessgedanken gehörte auch die Vereinheitlichung der Arztbriefschreibung. Wirtschaftliche Anreize gingen mit einer optimierte Leistungsdokumentation und -erfassung einher. Bei der Übertragung auf medizinische Fachbereiche waren allerdings Kompromisse nötig wegen teilweise mangelnder Standards. Gerade in der klinischen Routine bremste die Abteilungsintegration, da unterschiedliche IT-Systeme für Spezialaufgaben eingesetzt werden, die alle für die Behandlungskette relevant sind.




IHE-konformer Datenaustausch für eine verbesserte Unterstützung der Dokumentationsprozesse zwischen den IT-Verfahren im Krankenhaus
Dipl. Kfm. Andreas G. Henkel und Dr. Marcel Claus, beide Universitätsklinikum Jena

Auf komplexe IT-Infrastrukturen blickte Jens Schulze in seinem Vortrag. Wie der IT-Verantwortliche als Dirigent sie beherrschen kann, hängt auch von den Methoden und Werkzeugen dazu ab. Sie erörterte der IT-Leiter vom Klinikum Leverkusen. Soll IT Geschäftsprozesse unterstützen, sind deren Verständnis ebenso wie deren Verknüpfung Voraussetzungen. Seine Empfehlung aus Erfahrung: die Obashi-Methode. Dieses Regelwerk hilft die Abhängigkeiten und Datenflüsse zwischen Geschäftsprozessen und IT dazustellen. Zudem lässt sich eine standardisierte, detailreiche und einfache Dokumentation der Datenflüsse und Services im Unternehmen zu erstellen.
(Hören Sie Jens Schulze über seine Erfahrungen als „Dirigent“ von komplexen IT-Infrastrukturen.)




Komplexe IT-Infrastrukturen verstehen und als Dirigent der IT beherrschen - Methoden & Werkzeuge
Jens Schulze M. Sc., Klinikum Leverkusen



Kooperativ und vernetzt

Perspektiven im Krankenhaus der Zukunft lassen sich am Beispiel der OP-Vernetzung im Projekt OR.NET darstellen. Referenten dazu waren Max Rockstroh, Projektleiter TP6, OR.NET, und Dr. Armin Will, Sprecher Operator Board, OR.NET. Mit dem Leuchtturmprojekt OR.NET fördert das BMBF die offene Vernetzung von Medizingeräten sowie deren Interoperabilität mit der Klinik-IT. Medizinische Anwender fordern verstärkt erweiterte Funktionen im OP wie individuelle Steuerung von Licht, Tisch und medizinischen Warnungen. „Der OP entwickelt sich zu einer kooperativen Arbeitsumgebung“, meinte daher Max Rockstroh. Dazu ist künftig der vernetzte OP in das Gesamtkonstrukt einzubinden.
Mit der Vernetzung von Geräten und Software der Klinik-IT mit Medizintechnik gehen indes auch gewandelte Aspekte des Risikomanagements einher, von Zulassungsverfahren bis zu Betriebsproblemen. Standards sind erst noch im Entstehen. Doch Armin Will betonte: „Anwender sollte ihren Herstellern schon heute klar machen, dass OR.NET-Standards als Wettbewerbsvorteil gelten werden.“




Das vernetze Krankenhaus der Zukunft - Perspektiven am Beispiel der OPVernetzung
im Projekt OR.NET
Dipl. Inf. Max Rockstroh, Projektleiter TP6, OR.NET



Dr. Armin Will, Sprecher Operator Board, OR.NET
Standardisierung und Optimierung



Für die IT-Verantwortlichen wachsen Komplexität und Herausforderungen verbunden mit dem Druck zur Kosteneffizienz. Geschäftsprozesse erhöhen dabei die Komplexität ebenso wie die Technologieentwicklung mit ihren verschiedensten Facetten. Konsequenzen sind Anstieg des Betriebs- sowie Ausfallrisikos (und der Kosten), Verlust an Flexibilität, aber auch Mangel an qualifizierten IT-Kräften. Gastgeber Stefan Smers, Bereichsleiter IT im Universitätsklinikum Leipzig, ging besonders auf den Incident- und Change Management- Prozess sowie Ansätze zu Servicekatalog und Leistungsvergütung ein.



Incident- und Change Management Prozess sowie Ansätze zum Servicekatalog und Leistungsvergütung
Stefan Smers, Universitätsklinikum Leipzig



Den operativen Betrieb weiter zu optimieren und schnell auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen, verlangt nach entsprechenden Lösungen. Sie finden sich bei Standardisierung und Optimierung der IT-Prozesse und IT-Strukturen. Mit IT-Service-Management (ITSM) unterstützt die IT-Organisation die Geschäftsprozesse im Unternehmen. Beim Leipziger ITSM-Projekt geht es besonders darum, die Aufträge, Wirtschaftlichkeit, Planbarkeit ebenso wie den Ressourcenverzehr zu kanalisieren. Als Fazit konnte CIO Stefan Smers u.a. nennen: „ITSM identifiziert Schwachstellen und Optimierungspotenziale in den eigenen Prozessen, lohnt sich bei kritischer Dienstleister-Kunden-Struktur, muss aber strategisch untersetzt sein.“ Der CIO aus Leipzig gab jedoch auch zu bedenken: „ITSM verringert nicht die (organisatorische) Komplexität in der IT, sondern hilft sie bestenfalls zu beherrschen.“
(Hören Sie Stefan Smers, Bereichsleiter IT im Universitätsklinikum Leipzig, über seine Erfahrungen mit ITSM.)


Blick über den Tellerrand



Servicequalität und Effizienz durch Change- und Release Management
Andreas Josef Seidl, Peter Erdmann, KRONES AG

Geht es um Servicequalität und Effizienz durch Change- und Release Management, lohnt es, einmal über den Branchenrand zu schauen. Andreas Josef Seidl und Peter Erdmann brachten profunde Erfahrungen aus dem Krones Konzern ein. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Neutraubling plant, entwickelt und fertigt Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik. Auch Informationstechnologie mit Komponenten und Services zählt zum Krones-Portfolio. Mit bis zu 4000 Changes pro Jahr - darin über 150 SAP-Changes monatlich - herrscht kräftig Bewegung in den über 80 internationalen Niederlassungen. Erfolge verbuchen die beiden Experten durch geeignete Tools, einfaches Handling des Prozesses, verbindliche Policies und Richtlinien, besonders durch die Unterstützung des Managements und durch die Akzeptanz in der gesamten Organisation.



Servicequalität und Effizienz durch Change- und Release Management
Andreas Josef Seidl, Peter Erdmann (Foto oben), KRONES AG

Das IT-Sicherheitsgesetz (Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme) trat am 25.07.2015 in Kraft. Mit dem Gesetz sollen die Betreiber besonders gefährdeter Infrastrukturen („Kritische Infrastrukturen“) verpflichtet werden, ihre Netze besser vor Hacker-Angriffen zu schützen. Wie es um den aktuellen Stand zum IT-Sicherheitsgesetz im Gesundheitswesen bestellt ist, erläuterte Rüdiger Gruetz, Klinikum Braunschweig. Er ist zugleich Leiter des Branchenarbeitskreises „Gesundheitsversorgung“ im UP KRITIS, einer öffentlich-privaten Kooperation zwischen Betreibern Kritischer Infrastrukturen, deren Verbänden und den zuständigen staatlichen Stellen (KRITIS). Zum Nachholbedarf bei Krankenhäusern merkte er an: „Am größten ist er bei der Kommunikation über die Abteilungen hinaus, denn Medizintechnik, Gebäudeleittechnik, Klimatechnik sind ebenso betroffen.“
(Hören Sie Rüdiger Gruetz und seine Anmerkungen über den aktuellen Stand zum IT-Sicherheitsgesetz.)




Aktueller Stand zum IT-Sicherheitsgesetz
Rüdiger Gruetz, Klinikum Braunschweig, Leiter des Branchenarbeitskreises „Gesundheitsversorgung“ im UP KRITIS



Zwei Führungen vor Ort bereicherten das Leipziger Programm: im OP OR.NET, ICCAS - Innovation Center Computer Assisted Surgery, und im RZ des Universitätsklinikums. Wie immer kamen außerdem auf der angeschlossenen Industrie-Ausstellung IT-Kollegen und Aussteller ins rege fachliche Gespräch.



Einführung der Telematikinfrastruktur in Krankenhäusern
Jens Grot, gematik GmbH


Der Themen-Ausblick auf die Herbsttagung „20 Jahre KH-IT Jubiläum“ in Kassel (21. und 22.9.2016) lohnt bereits jetzt einen dicken Eintrag in den Terminkalender: Zeitreise KH-IT 1996 bis 2016, IT-Berufsbild im Wandel, Klinik-IT und Internet of Things, die Krankenhaus-IT in zehn Jahren sowie 20 Jahre CIO – Erfahrungen, Wandel und Prognosen. Mehr wird der KH-IT demnächst verraten (kh-it.de).




Auftragsdatenverarbeitung für den Auftraggeber: Rechte und Pflichten
Dr. Bernd Schütze, Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH


Die Frühjahrstagung 2016 gab einen vorausschauenden Blick auf die Entwicklung der Krankenhaus-IT, insbesondere der Gestaltung zukünftiger IT-Systemarchitekturen und dem stabilen IT-Betrieb. Leipzig machte den IT-Verantwortlichen klar: Die Dimensionen der IT-Komplexität müssen transparent gemacht und gemanagt werden. Dazu gehört unbedingt die Kommunikation mit einheitlichen Standards und offenen Schnittstellen – bei Technik ebenso wie zwischen IT, Management und klinischen Fachkräften.




Erarbeiteten die Leipziger Agenda mit „Zugthemen“: Prof. Dr. Martin Staemmler (rechts) und Thorsten Schütz, Bundesverband KH-IT e.V.




Organisation der Frühjahrstagung 2016 in Leipzig fest im Griff: Günter Gartner, Bundesverband KH-IT e.V.




Gestiegene Fallzahlen und klinische Anforderungen, die erhöhte Bedeutung der IT und die praxisbezogenen Perspektiven des KH-IT skizzierte im Interview Heiko Ries, Vorsitzender Bundesverband KH-IT e.V.


(Hören Sie hier das Interview mit Heiko Ries)


Weitere Themen und Referenten in Leipzig




Standardisierte Automatisierung im Rechenzentrum – Chancen und Grenzen
René Drescher, Flowster Solutions GmbH








Access Rights Management – Überblick und Kontrolle in der Rechteverwaltung
Christian Schöps, 8Man.com



Kommunikation und Networking waren in Leipzig angesagt. Über den IT-Betrieb sowie seine Herausforderungen und Lösungen waren IT-Kollegen und Aussteller in den Pausen im Gespräch.

von Wolf-Dietrich Lorenz

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