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Veröffentlicht: 05.05.2017


Frühjahrsforum der Deutschen


Hochschulmedizin 2017:

Sprung ins digitale Gesundheitswesen




Frühjahrsforum

Die Digitalisierung der Medizin war das Thema des Frühjahrsforums der Deutschen Hochschulmedizin 2017. Experten aus Hochschulmedizin, Politik und IT-Management erörterten „IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen: Wie schafft Deutschland den Sprung ins 21. Jahrhundert?“. Der Konsens lautet: Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung soll bessere Diagnoseverfahren und maßgeschneiderte Therapien in der sektorenübergreifenden Vernetzung der Gesundheitsversorgung in Deutschland bringen.


Die Erfassung und Auswertung von Gesundheitsdaten bieten neue Perspektiven für die Krankenversorgung und die medizinische Forschung. Durch die Verknüpfung von Gesundheits- und Forschungsdaten lassen sich Erkrankungen besser erkennen und verstehen sowie bessere Diagnoseverfahren und maßgeschneiderte Therapien konzipieren.

Dabei kann die IT für bessere Diagnoseverfahren und maßgeschneiderte Therapien eine maßgebliche Rolle spielen kann, betonte Prof. Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika e.V.: „Die IT hat ein riesiges Potenzial, die Krankenversorgung zu verbessern.“ Allerdings kritisierte er: „Bei einer besseren Vernetzung könnten die ärztlichen und therapierelevanten Informationen einrichtungsübergreifend allen Beteiligten zur Verfügung gestellt werden. Das ist heute noch nicht möglich. Es gibt größtenteils keine Vernetzung zwischen den behandelnden Ärzten und Kliniken. So kommt es zu unnötigen Doppeluntersuchungen oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen.“ Die IT sei zudem unerlässlich, um maßgeschneiderte Therapien für die Patienten zu entwickeln.



Prof. Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika e.V.: „Die IT hat ein riesiges Potenzial, die Krankenversorgung zu verbessern.“




Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Präsident Der Medizinische Fakultätentag (MFT): „Die Politik soll einen festen Zeitpunkt für die Nutzung der elektronischen Patientenakte im Krankenhaus festlegen und dazu mit positiven und negativen Anreizen arbeiten.“


Handlungsbedarf bei Gesundheitsforschung und IT-Infrastruktur

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Dr. Georg Schütte gratulierte der Deutschen Hochschulmedizin zu ihren Initiativen für eine stärkere Vernetzung ihrer Standorte. In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Medizininformatikinitiative arbeiten Universitätsklinika gemeinsam am Aufbau von Datenintegrationszentren, die eine Voraussetzung für einen stärkeren Austausch von medizinischen Daten sind. Zudem will die Deutsche Hochschulmedizin Standards für eine digitale und forschungskompatible Patientenakte entwickeln, um die gesundheitliche Versorgung in Deutschland zu verbessern.
Staatssekretär Schütte riet dazu, die Patienten von Anfang an in den Prozess einzubeziehen, um Vertrauen in die neuen Technologien zu erzeugen. Zudem kündigte er an, gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine Strategie für die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Im Sommer sollen die Gespräche zwischen den beiden Ministerien abgeschlossen sein. Dies wäre das ein „Durchbruch“ bei der digitalen und sektorenübergreifenden Vernetzung der Gesundheitsversorgung in Deutschland.



Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Die Patienten von Anfang an in den Prozess einbeziehen, um Vertrauen in die neuen Technologien erzeugen.“

Blick über die Grenzen

Den Blick über den nationalen Fokus hinaus gaben zwei Experten aus den USA. Professor Dan M. Roden vom Vanderbilt University Medical Center erläuterte, dass die USA in diesem Bereich schon weiter seien. Außerdem habe die Arbeit mit individuellen Patientendaten die Patientenversorgung und auch die Forschung vorangebracht.

Per Videokonferenz aus der Harvard Medical School zugeschaltet, gab Professor John Halamka einen Einblick in die IT-Infrastrukturprozesse, die er als Experte in mehreren US-Staaten und auf der ganzen Welt betreut hat. Mit konkreten Beispielen beschrieb er, welche wichtige Rolle „Gesundheits-Apps“ auf privaten Mobilgeräten der Patienten bei der Erfassung von Daten spielen können. Die Sicherheit der Patientendaten will er mit Cloud-Lösungen in Kooperation mit der Industrie gewährleisten.

Konzept für eine Elektronische Patientenakte

Im Anschluss an diesen Bericht aus den USA stellten Dr. Gunther Weiß und Prof. Dr. Kurt Marquardt das Konzept des Rhön-Klinikkonzerns für eine elektronische Patientenakte vor. Die deutliche Zunahme von älteren und chronisch kranken Patienten sowie neue Behandlungsformen hätten aus Sicht des privaten Krankenhauskonzerns eine andere Patientensteuerung notwendig gemacht. Die eigene Patientenakte „WebEPA+“ sei damit Teil der Unternehmensstrategie. Daten werden für den Patienten transparenter und gleichzeitig auch nutzbarer gemacht. Durch die Stärkung der Vernetzung und dem Aufbau von Kommunikationswegen zwischen Hausärzten, Fachärzten, Expertenzentren und (Partner-) Kliniken will der Rhön-Konzern seinen Anspruch gerecht werden, Komplettversorger für Gesundheitsleistungen zu sein.
Als Schlüssel für dieses „intersektorale Werkzeug“ bezeichnete Prof. Marquardt ein intelligentes, zentrales Archiv. Damit beende man die Abhängigkeit von der Industrie und könne die „Datenhoheit“ wiedererlangen. Derzeit liege sie häufig bei den Anbietern von Krankenhausinformationssystemen.





Dr. Gunther Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung, Universitätsklinikum Gießen und Marburg: „Die eigene Patientenakte „WebEPA+“ ist Teil der Unternehmensstrategie.“




Prof. Dr. Kurt Marquardt, Geschäftsbereichsleiter IT, RHÖN-KLINIKUM AG, Marburg: „Daten werden für den Patienten transparenter und gleichzeitig auch nutzbarer gemacht.“



IT-Infrastruktur für die biomedizinische Forschung

Digitalisierte Gesundheitssysteme, die Patientenversorgung mit Forschungsdaten verbinden, sind für Prof. Dr. Erwin Böttinger vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) „lernende Gesundheitssysteme“, die die medizinische Versorgung langfristig verbessern. Wesentliche Voraussetzungen hierfür sind neben einer Steigerung der IT-Investitionen im Gesundheitswesen auf über 8% des Umsatzes (aktuell liegt dieser Wert bei 1,5% - 2%) eine intersektorale Datenvernetzung, eine gesicherte Interoperabilität durch gemeinsame Standards, patientenzentrierte elektronische Patientenakten sowie eine Gesetzgebung, die eine zweckentbundene Sammlung von Patientendaten ermöglicht.

Digitalisierung und Patientenperspektive

Zum Abschluss der Veranstaltung diskutierten auf dem Podium die Fachpolitiker von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen, Dirk Heidenblut und Maria Klein-Schmeink sowie die Patientenvertreterin Gerlinde Bendzuck und Professor Heyo K. Kroemer als Vertreter der Deutschen Hochschulmedizin.
Für Dirk Heidenblut steht die Entwicklung einer elektronischen und forschungskompatiblen Patientenakte im Fokus. Er rief die Universitätsklinika dazu auf, ein Gesamtsystem zu schaffen, das alle Player im Gesundheitssystem beteiligt und damit Insellösung verhindert. Maria Klein-Schmeink wies auf den Datenschutz als Grundvoraussetzung für das Vertrauen der Patienten hin. Die Patientenvertreterin Bedzuck forderte darüber hinaus eine Kommunikations- und Bildungsoffensive für die Patienten. Professor Kroemer erwartet von der Politik, dass sie einen festen Zeitpunkt für die Nutzung der elektronischen Patientenakte im Krankenhaus festlegt und dazu mit positiven und negativen Anreizen arbeitet. Um das hohe Versorgungsniveau in Deutschland angesichts einer alternden Gesellschaft langfristig zu sichern, sei eine umfassende Digitalisierung der Gesundheitsversorgung unverzichtbar.

www.uniklinika.de
www.mft-online.de

von Wolf-Dietrich Lorenz

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