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Veröffentlicht: 22.06.2017


Digital-Gipfel der Bundesregierung

Der Digital-Gipfel, so die Selbstdefinition, bildet die zentrale Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels. Er ist das zentrale Umsetzungsinstrument der Digitalen Agenda, die die Leitlinien für die Gestaltung des digitalen Wandels vorgibt. Die Erwartungshaltung ist damit geschürt und entsprechend hoch liegt die Messlatte.

Beim Besuch des Digital Gipfels in Mannheim konnte man jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Der Besucher, zwar aus der Branche und noch dazu aus der Praxis im Krankenhaus, suchte zumindest anfangs vergeblich nach den Leuchtturm Ideen und Impulsen. Dabei waren sich nahezu alle einig: Digitalisierung ist gesundheitswirtschaftlich wichtig und notwendig, um Massendaten entsprechend zu verarbeiten. Da wurde die Verschlüsselung als das Mittel der Wahl zum Schutz von Patientendaten proklamiert, während im nächsten Statement Verschlüsselung von Datenspeichern unsicherer Datennetze genau das Angriffsszenario beschrieben. Für den Branchenfremden boten sich da schon die ersten Missverständnis-Ansätze.
Die BMI Veranstaltung im Mannheimer Schloss hatte „Cyber-Security und eHealth – Sichere Digitalisierung eines sensiblen Bereichs“ zum Thema. Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass unzählige Apps im Gesundheitswesen den Markt überschwemmen, ein Gütesiegel oder eine Sicherheitslevelprüfung schon allein an der Menge scheitere, so der Bundesgesundheitsminister im Interview. Vernetzungsprojekte von Gesundheitsversorgern wachsen ebenso wie Pilze aus dem Boden und erzeugen eine bunte, heterogene, gleichsam konkurrierende Landschaft. Nach all den Jahren bis zum noch bevorstehenden allgemeinen Rollout der Gesundheitskarte glaubt kaum ein Realist daran, diese bunte Landschaft harmonisieren zu können. Es entsteht wieder, was wir schon einmal kennengelernt haben: eine mehr oder weniger schnittstellengepflasterte Gesundheitsversorgung, in der beispielsweise niedergelassene Ärzte auch in Zukunft lieber an bewährtem Papier festhalten als zu vielen Einzelsystemen die Daten austauschen können und wollen. Kaum einer wird eine Reihe von Schnittstellen von seinem Praxissystem zu anderen Systemen erwerben wollen. Sicherheit wird es in solch einem Umfeld schon by Design schwierig haben.
Dazu kommen Hemmnisse wie fehlendes Personal, Fachkräftemangel und finanzielle Ressourcen, wo der Investitionsstau beispielsweise bei den Kliniken schon nicht ausreichend abgebaut werden kann. Mit Blick auf die sogenannte Kritischen Infrastrukturen im Focus des BSI richtet man infolge dessen die Bewertung auch nur auf Kliniken mit mehr als 30000 stationären Patienten per anno, will heißen rund 1800 Krankenhäuser sind im Umkehrschluss unkritisch. Im Gegensatz dazu steht die Erfahrung: Bei sicherheitsrelevanten Fragen geht es immer um das schwächste Glied einer Kette, die in diesem Fall dann 90 Prozent aller Kliniken in Deutschland wären. Eine Nachbesserung wird hier sicher folgen müssen, auch wenn die „unkritischen“ Kliniken sich an dem Level der „kritischen“ Infrastrukturen orientieren werden.
Dennoch soll bei allem Anlass zu kritischen Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden, dass endlich die Zeichen der Zeit erkannt wurden und mehr als ein Abwarten der Selbstregulation des Marktes abzuwarten notwendig ist. Deutschland soll nicht noch weiter gegenüber seinen innovativen weltweiten Nachbarn ins Hintertreffen geraten.
Die Aufgaben werden auch bei Impulsen wie Blockchain und Anomalieüberwachung im Sicherheitsbereich noch viele Herausforderungen bieten. Sei es bei Standards der Datenübertragung, ärztlicher Fernbehandlung bei digitalen Projekten und vielem mehr. Haben wir also in zehn Jahren flächendeckenden digitalen Austausch? Ich befürchte Nein.

Heiko Ries, Vorstand KH-IT

Digital-Gipfel

Der erste „Digital-Gipfel“ fand am 12. und 13. Juni 2017 in der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Bisher firmierte er als Nationaler-IT Gipfel. Der neue Titel soll nun dem Umstand Rechnung tragen, dass der Gipfel die Digitalisierung in ihrer ganzen Breite spiegelt und dabei Anbieter- und Anwenderseite einbezieht, von der Industrie 4.0 bis zur Kultur- und Kreativwirtschaft.

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