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Veröffentlicht: 10.08.2017



eGK: vom Exportschlager zum

Milliardengrab

Emotionen schlagen hohe Wellen beim

Megaprojekt

2004 wurde sie angekündigt, 2006 sollte sie flächendeckend eingeführt worden sein und 2017 ist noch immer harsche Kritik am Megaprojekt eGK zu hören. Kippt es? Mehr als elf Jahre nach ihrem offiziellen Start könnte die elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus stehen, so ist zumindest aus Bayern zu hören. Pech, Pannen und Probleme scheinen offiziell ummantelt zu werden.

Neues Öl in die schwelende Glut um die eGK goß Helmut Platzer. Der Vorstandschef der AOK Bayern mit rund 3,2 Millionen Mitgliedern meinte gegenüber dem Nachrichtendienst dpa vollmundig, es sei "unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt". In Ärzteverbänden und gesetzlichen Krankenkassen schwingt ein ähnlicher Tenor. In der Bundesregierung gebe es nämlich Pläne, die eGK nach der Bundestagswahl für gescheitert zu erklären.

Die Community ist aufgestört. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe beruhigt mit Blick auf die eGK: Es gebe "für Ausstiegsszenarien keinen Anlass". Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek, bundesweit rund 52 Millionen Mitglieder) kontert gegenüber dem AOK-Chef: „Öffentliche Spekulationen über das mögliche Aus für die elektronische Gesundheitskarte sind kontraproduktiv und gehen an der Realität vorbei.“ Allerdings gibt es bisher Verzögerungen. Doch sie sollten nicht dazu verleiten, dieses wichtige Projekt jetzt komplett infrage zu stellen. „Die Ersatzkassen stehen daher zu dem Projekt. Parallelstrukturen zu errichten wäre dagegen absolut unverantwortlich, denn das würde heißen, Versichertengelder zu verschwenden.“
Pech, Pannen und Probleme scheinen ummantelt zu werden.



Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek, bundesweit rund 52 Millionen Mitglieder) konterte: „Öffentliche Spekulationen über das mögliche Aus für die elektronische Gesundheitskarte sind kontraproduktiv und gehen an der Realität vorbei.“




Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: "Für Ausstiegsszenarien keinen Anlass".



„Das Gesundheitswesen wird digital“, meint Alexander Beyer, Geschäftsführer der gematik GmbH, zu Recht. „Mit der Telematikinfrastruktur (TI) schafft die gematik ein sektorenübergreifendes, schnelles und vor allem sicheres Netz, das den Informationsaustausch zwischen allen an der medizinischen Versorgung Beteiligten vereinfacht.“ Soweit der Plan. (1)




Alexander Beyer, Geschäftsführer der gematik GmbH: „Mit der Telematikinfrastruktur (TI) schafft die gematik ein sektorenübergreifendes, schnelles und vor allem sicheres Netz, das den Informationsaustausch zwischen allen an der medizinischen Versorgung Beteiligten vereinfacht.“



Der bvitg sieht „derzeit jedoch eine Reihe teils erheblicher Risiken bei der Umsetzung – vor allem im Rahmen des vorgegebenen Zeitplans. Diese Risiken kann die Industrie selbst nicht unmittelbar beeinflussen. Um die Inbetriebnahme trotzdem sicherzustellen gilt es deshalb, konkrete Herausforderungen rechtzeitig und praxisnah zu meistern.“ In dem Positionspapier fordert die Industrie von der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH die Bereitstellung umsetzbarer Spezifikationen für alle TI-relevanten Komponenten. Darüber hinaus ist es der Industrie ein dringendes Anliegen, ihre Anwendungen in einer realitätsnahen Umgebung testen zu können. Eine weitere zentrale Forderung ist Interoperabilität sicherzustellen. Zudem regen die Hersteller von Klinik- und Praxissoftware mehr Transparenz im Hinblick auf die Finanzierung und Durchführung des Großprojekts an. Darauf aufbauend verpflichtet sich die Industrie bei der Erfüllung der Prämissen fristgerecht alle für das Rollout relevanten Maßnahmen umzusetzen, damit das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. (2)

Es stimmen einige Punkte nachdenklich. Beim Zeitplan des mit Vorschusslorbeeren geschmückten „Exportschlagers“ zeigten sich von Beginn im Jahr 2006 Verzögerungen, es wohl auch weiterhin so bleiben. Konzipierte Anwendungen wie Notfalldatensatz, elektronischer Medikationsplan und elektronische Patientenakte stehen noch auf der To-do-Liste. Die Betreibergesellschaft gematik hat den Online-Rollout der Telematikinfrastruktur freigegeben und jüngst von Auslieferung der notwendigen technischen Ausrüstung in der letzten Phase gesprochen. T-Systems will in die Erprobung der Konnektoren einsteigen, wann ist noch offen. Die Zulassung der Konnektoren durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) steht noch aus. Die gematik hat den Online-Rollout der Telematikinfrastruktur freigegeben und damit den Weg für innovative Gesundheitsanwendungen geebnet.

Mit der elektronischen Gesundheitskarte sind die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen ausgestattet, derzeit wird sie jedoch nur „offline“ genutzt. Immer wieder ist die Rede von "Mehrwertdiensten" bei der eGK. Auf der Karte gespeichert sind Daten des Versicherten wie Name, Geburtsdatum, Adresse, Versichertennummer und Versichertenstatus. Sie dienen dem Arzt als Nachweis, dass der Patient versichert ist und als Grundlage für die Abrechnung der Leistungen. Ändern sich die Stammdaten, erhält der Versicherte von seiner Kasse eine neue Karte. Ein wichtiger Termin steht mit dem 1. Juli 2018 an. Ab dann sollen alle Leistungserbringer an die TI angebunden sein und den Online-Abgleich der Versichertenstammdaten vollziehen.
Wenn die Telematikinfrastruktur zur Verfügung steht, sollen auch Online-Anwendungen mit der eGK möglich sein. Dazu ist eine zukunftssichere Technologie nötig. Zweifel bestehen an der Gesundheitskarte und ihrer technologischen Zukunftsfähigkeit. Nicht nur Skeptiker meinen, dass die vorhandene Technik für die IT-gestützte Zusammenarbeit zwischen medizinischen Leistungserbringern und ihren Patienten schon überholt sei.
Nicht selten ist das Megaprojekt als „Milliardengrab“ tituliert worden. Die eGK hat nach Branchen-Berechnungen rund 1,7 Milliarden Euro an Kosten verursacht.

Was ist, wenn es beerdigt wird? Die zukunftbestimmenden Investitionen der Industrie für Produkte für die neue Telematikinfrastruktur (TI) mit Kern E-Card sind beträchtlich. Steht dieses Megaprojekt auf der Kippe? Welche Produkte für TI und eGK bietet die Industrie an? Wie sehen mögliche Alternativlösungen der Industrie aus? Wie weit sind die Krankenhäuser auf Telematikinfrastruktur (TI) und deren Kern die eGK bereits ausgerichtet?

Im Krankenhaus IT-Journal kommen Experten aus Industrie, Krankenhaus und Verbänden aktuell zu Wort.

(1) Telematikinfrastruktur: gematik beaufsichtigt Netzbetrieb - Produkt-Entwicklung auf Basis von gematik-Spezifikationen, Krankenhaus IT-Journal, Ausgabe 2/2017.

(2) Telematikinfrastruktur-Rollout mit Risiken bei der Umsetzung - Industrie warnt: Spezifikationen, Test-Umgebung, Interoperabilität, Krankenhaus IT-Journal, Ausgabe 2/2017.



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