Video Tipp
Aktuelle News
Weitere News
Vor-Ort-Reportagen
Verlagsprodukte
Service
Termine     [Weitere...]
RSS-Feed Aktuelle News
Multimedia
 
  







Veröffentlicht: 16.08.2017


Elektronische Patientenakte:


Umsetzung dieses Projekts


darf nicht scheitern

Der Aufbau der für die Gesundheitskarte nötigen Telematik-Infrastruktur hatte sich immer wieder verzögert. Steht das Projekt elektronische Gesundheitskarte dicht vor dem Aus?
Stimmen aus der Branche kritisieren die eGK: „unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt“. Sebastian Zilch, Geschäftsführer bivtg, schätzt die Lage ein.



Sebastian Zilch, Geschäftsführer bivtg: „Generell ist es sicherlich nicht der beste Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung, eine Technologie gesetzlich vorzuschreiben. Vielmehr braucht es in Deutschland eine Umgebung, die Innovationen fördert und die Digitalisierung befördert.“


Ist dies Stimmungsmache oder realistische Einschätzung? Wie beurteilen Sie die Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte?

Sebastian Zilch: Fakt ist, das Bundesgesundheitsministerium in Person von Bundesminister Gröhe und Staatssekretär Stroppe sowie auch andere Politikvertreter, wie z.B. Karl Lauterbach von der SPD, haben etwaige Ausstiegsszenarien dementiert. Nach der erfolgreichen Erprobung ist der Weg frei für den Rollout – mit dem Ziel, dass der Großteil der Arztpraxen im nächsten Jahr an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein wird. Grundsätzlich dürfen wir bei all den Diskussionen nicht vergessen: Mit dem Aufbau der Telematikinfrastruktur wurde die Industrie beauftragt, die nötige Technologie auf einem nie dagewesenen Sicherheitsniveau zu entwickeln, die weltweit einzigartig ist. Die elektronische Gesundheitskarte ist hierbei ein wichtiger Bestandteil.

Wie sehen Sie die Chancen der elektronischen Gesundheitskarte? Welche Risiken bestehen?

Sebastian Zilch: Als bvitg sind wir überzeugt, dass eine zentrale Infrastruktur für die Kommunikation im Gesundheitswesen zwischen allen Beteiligten – also Leistungserbringern, Kostenträgern und Patientinnen und Patienten – die Voraussetzung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens bildet und fest verankert werden muss. Damit die digitale Vernetzung vorangehen kann, braucht es entsprechend Zugangsmöglichkeiten für alle an der Versorgung beteiligten Akteure, u.a. auch für nicht-approbierte Gesundheitsberufe sowie alle Versicherten. Ob der technische Zugang per Karte für Patienten langfristig die einzige Lösung bleiben wird, ist vor dem Hintergrund des allgemeinen technischen Fortschritts offen. Technologien entwickeln sich stetig weiter und es ist davon auszugehen, dass auf langfristige Sicht neben der eGK auch andere technische Innovationen die Einbindung der Patienten ermöglichen. Wichtige Bedingung ist jedoch, dass das hohe Datensicherheitsniveau erhalten bleibt.

Was sollten die maßgeblichen Branchen-Akteure tun?



Sebastian Zilch: Der Fokus der Industrie liegt auf der Umsetzung der Telematikinfrastruktur und dem damit verbundenen Rollout. Das E-Health-Gesetz hat hierzu wichtige Meilensteine benannt, an denen sich die Industrie und die Gesellschafter der gematik gemeinsam orientieren. Dabei sollte es jedoch allein nicht bleiben: Vor dem Hintergrund der Bundestagswahl 2017 erwarten wir auch von der nächsten Bundesregierung eine konsequente Weiterführung und einen Ausbau der Bemühungen um die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Ein wichtiger Schritt wäre nun, eine E-Health-Strategie zu schaffen – wie sie bereits in vielen europäischen Ländern existiert. Denn nur mit einem gemeinsamen Zielbild für die Digitalisierung im Gesundheitswesen können alle Branchen-Akteure den bestmöglichen Beitrag zur fortschreitenden Vernetzung leisten.

Welche Alternative sehen Sie im worst case zur elektronischen Gesundheitskarte?

Sebastian Zilch: Die letzten Wochen der Berichterstattung haben zu vielen Unsicherheiten bezüglich des Projektstatus bei allen Beteiligten geführt, demnach wäre es nicht zielführend, über mögliche Alternativen zu sprechen, insbesondere wenn die elektronische Gesundheitskarte nach wie vor vom Gesetzgeber den Rückhalt bekommt. Viel wichtiger wäre es grundsätzlich den Fokus darauf zu lenken, dass in Zukunft interoperable Transportwege für Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen und rechtlichen Rahmenbedingungen den Datenaustausch unterstützen werden. Eine zentrale Rolle wird dabei die persönliche elektronische Patientenakte spielen. Die Umsetzung dieses Projekts darf nicht scheitern, denn wir sehen die elektronische Patientenakte als den Kern für eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Patientensouveränität.

Was sollte generell von Seiten der Politik zur Stärkung des Technologieeinsatzes im Gesundheitswesen aus dem Blickwinkel der Technologieverantwortlichen unternommen werden?


Sebastian Zilch: Generell ist es sicherlich nicht der beste Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung, eine Technologie gesetzlich vorzuschreiben. Vielmehr braucht es in Deutschland eine Umgebung, die Innovationen fördert und die Digitalisierung befördert. Außerdem sollten alle Beteiligten endlich das Verständnis dafür aufbringen, dass Investitionen in die digitale Kommunikation – und zwar in viel höherem Maße als bisher – zwingend notwendig sind, um der Wucht des demographischen Wandels begegnen zu können.


Lesen Sie dazu:
eGK: vom Exportschlager zum Milliardengrab
Emotionen schlagen hohe Wellen beim Megaprojekt



„Zu einer eGK gibt es Alternativen, aber es gibt nichts, was besser ist“

Drucker geeignete Seite Sende diesen Artikel einem Freund


Aktuelle Ausgabe