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Veröffentlicht: 20.11.2017


Health-IT-Talk:

Neulich im Krankenhaus…



Komödien und Tragödien aus der tristen

IT-Realität


Die meisten Bürger kennen Krankenhäuser nur aus der Patientensicht. Wie sieht es aber „hinter den Kulissen“ vor allem der Informationstechnik aus? Der „Health-IT-Talk“: „Neulich im Krankenhaus… Komödien und Tragödien“ am 6.11.2017 zeigte keine Technik, sondern gab Impressionen – in entspannter und teils launiger Präsentation – über das Tagesgeschäft der Informationstechnik. Health-IT-Talk-Veranstalter sind BVMI, KH-IT und SIBB.



Referent Michael Thoss, Autor und ehemaliger IT-Leiter im Krankenhaus: „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Prozessen wären rein zufällig.“


Mit welchen Problemen wird die Informationstechnik und ihr Personal in Krankenhäusern konfrontiert, wie fallen Reaktionen aus? Wie steht es um die Anwenderzufriedenheit mit den IT-Produkten? Sollte jede Berufsgruppe dazu überhaupt eine Meinung haben dürfen?

Mit Blick auf das Jahresende 2017 erlaubte sich der Referent Michael Thoss eine heitere Betrachtung der manchmal trist wirkenden Realität. Anhand von Anekdoten aus langen Jahren der Erfahrung präsentiert der Autor und ehemalige IT-Leiter im Krankenhaus Lustiges, Kurioses und Unterhaltsames. Das Wenigste ist dabei frei erfunden. „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Prozessen wären rein zufällig“, meint der Referent.

In aller Regel verantwortet der IT-Leiter nicht selten über einhundert Applikationen in einem Krankenhaus normaler Größenordnung. Ärzte und Pflegekräfte, als Hauptberufsgruppen, benutzen die System im klinischen Alltag und verstehen diese primär als Werkzeuge zur Unterstützung ihrer regelhaften Aufgaben und Tätigkeiten bei der Patientenversorgung.
„Wie steht es um benutzerfreundliche IT am ärztlichen Arbeitsplatz? Viel zu oft arbeiten Ärztinnen und Ärzte heute mit veralteter, langsamer und oft wenig ergonomischer Hard- und Software. Dies ist nicht einfach nur lästig oder unkomfortabel. Schlechte Handhabbarkeit gefährdet die Patientensicherheit, weil sie Fehler provoziert. Sie kostet Zeit, die in der Patientenversorgung fehlt, und sie hat durch massive Demotivierung negative Auswirkungen auf die Attraktivität des Arztberufes.“ […] (1)

Anwenderzufriedenheit – Katalysator für das Betriebsklima

In den klinischen Fachabteilungen eines Krankenhauses gibt es kaum noch Prozesse, die nicht direkt oder indirekt von IT-Systemen unterstützt werden. Anwenderzufriedenheit, also meist die wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit der klinischen Applikationen, stellt ein wesentliches Qualitätskriterium einer professionellen Krankenhaus-IT dar. Sie ist zugleich essentiell für das Betriebsklima und im Endeffekt entscheidend für die möglichst optimale Patientenversorgung sowie Erlössicherung im Krankenhaus.
Eine bisher bundesweit erste Studie zur Erhebung der IT-Anwenderzufriedenheit in 28 Krankenhäusern zum Thema der klinischen Applikationen führte Prof. Dr. Anke Simon (simon@kh-it) durch, Studiendekanin, Studiengangsleiterin BWL-Gesundheitsmanagement und Angewandte Gesundheitswissenschaften für Pflege und Geburtshilfe, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart. Auf den Punkt gebracht, gibt es „gute und schlechte Nachrichten“. (2) Nicht immer sind Technik und IT-Abteilung Steine des Anstoßes bei Beschwerden. Sie resultierten häufig aus dem recht dürftigen Engagement der Ärzteaus- und Weiterbildung an IT-Werkzeugen. Die Teilnahmequalität an intern angebotenen Schulungsmaßnahmen im Krankenhaus ist schlecht. Beim ärztlichen Dienst nehmen nur ca. ein Drittel der angemeldeten Mediziner tatsächlich teil. Fehlende Kandidaten geben keinen Begründung, schützen Aktionismus vor oder signalisieren mangelnde Planung. Michael Thoss erinnerte sich: Rund die Hälfte der Ärzte ist „unzufrieden“ mit Software. Ärzte machen alles richtig – folglich funktioniert „die andere Seite“ (Verwaltung, Software, Technik) nicht richtig.

Nicht aller Tage Abend

Michael Thoss nahm auch u.a. das Kapitel „Projekte in Krankenhäusern“ unter ironisch unter die Lupe. „Nicht immer, aber oft sind sie schlecht koordiniert.“ Fast kein Krankenhaus setzt ein Projekt Management Office PMO oder eine vergleichbare, ordnende Struktur ein.
Es herrscht und bremst immer noch „Spartendenken“: In medizinischen Fachabteilungen, in Verwaltungseinheiten (Medizintechnik, Bau- und Versorgungstechnik, Logistik, Informationstechnik, Kommunikationstechnik. „Es ist aber nicht aller Tage Abend“, machte Michael Thoss etwas Hoffnung. Erste organisatorische Maßnahmen führen in einzelnen Einheiten und Verbünden Technologieabteilungen zusammen. Erste Potenzialen ließen sich so heben.

Bei einem Ausflug in die Wirtschaftsplanung waren „IT-Kosten“ ein Zielpunkt. „Das Controlling und die kaufmännische Leitung wundern sich, dass die Kostenansätze in der Instandhaltung (Ersatzbeschaffungen und Wartungsverträge) für das Folgejahr „schon wieder“ steigen“, so der Referent. Ist die IT der Geldverschwender? „Die Rückmeldung, dass die IT das nicht entscheidet, sondern nur die Konsequenzen anderer Entscheidungen vermittelt, erfreut keinen.“

Digitalisierung ist ein großes Thema, bei dem man nicht davon ausgehen sollte, es besser zu wissen. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen hat seine spezifischen Fähigkeiten. „Das muss von allen akzeptiert werden, sonst bleiben wir immer unter unseren Möglichkeiten“, betonte Michael Thoss. Sein Denkanstoß für die Health-IT-Talk-Teilnehmer: Management ist für Führung verantwortlich, IT für Infrastruktur und deren Sicherheit, Projektsteuerer für Projekte, Mediziner für die Medizin, Pflege für die Pflege usw. Das moderne oder digitale Unternehmen muss diese Leistungen jedoch besser koordinieren und individuelle Qualität akzeptieren. Digitalisierung verändert nicht nur Werkzeuge sondern Prozesse – hier fehlt oft die Bereitschaft, den Veränderungsbedarf auch umzusetzen.

Health IT Talk: 3 Netzwerke - 1 Veranstaltungsreihe


Die Verbände BVMI (Bundesverband Medizinischer Informatiker e.V.), KH-IT (Verband der Krankenhaus IT-Leiter) und das Netzwerk Gesundheit des SIBB (IKT Branchenverband Berlin/Brandenburg) führen ihre Veranstaltungsaktivitäten gemeinsam durch. Hierbei gehen Konsolidierung und Netzwerken für Health-IT und Gesundheitswirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg über Verbandsgrenzen hinweg Hand in Hand.
www.health-it-talk.de

(1)
120. Deutscher Ärztetag, Beschlussprotokoll, 2017, S. 258f.
(2)
Prof. Dr. Anke Simon (simon@kh-it) Studiendekanin, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart, „Studie zur Erhebung der IT-Anwenderzufriedenheit in 28 Krankenhäusern“;
Studienbericht „Krankenhaus-IT aus Anwendersicht - Studienergebnisse aus 28 Krankenhäusern“ in Krankenhaus IT-Journal, Ausgaben 3, 4 und 5 / 2016

Über den Referenten


Michael Thoss sammelte als Leiter der Informationstechnik (Informations- und Kommunikationstechnik) eines Krankenhausträgers Erfahrungen aus erster Hand über Strategie, Konzeption und Betrieb, Projektmanagement und Outsourcing-Betrieb der Prozessmanagement- und Kommunikationswerkzeuge für die Kliniken und Einrichtungen des Unternehmens. Als Gründungsmitglied seit 1996 war er von Mai 2009 bis Mai 2017 Vorstandsmitglied im Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V. (KH-IT, www.kh-it.de) und als Pressereferent für den Verband tätig. Seit 2013 ist er Mitglied im Programmrat des Health IT-Talk Berlin-Brandenburg, einer Kooperation der Verbände KH-IT, BVMI und SIBB, für Veranstaltungen zur Informationstechnik im Gesundheitswesen in der Hauptstadtregion. Er ist als Referent und Autor aktiv.

Literaturempfehlung

Michael Thoss
Struktur trifft Fraktal
Betrachtungen zur Informationstechnik im Krankenhaus

Ca. 550 Seiten, deutsch
Erhältlich als Kindl eBook (9,95 €) und Paperback (22,95 €) bei Amazon
ISBN-10: 1549908359
ISBN-13: 978-1549908354

von Wolf-Dietrich Lorenz

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