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Veröffentlicht: 20.11.2017


Meeting-am-Meer: Digitalisierung

der Kliniken und der Prozesse

Strategische Instrumente moderner

Krankenhausführung




Grand Hotel Heiligendamm


Die Digitale Revolution macht auch vor Kliniken nicht halt. Diese Transformation verlangt neue Denkstrukturen und Führungsmaximen. Krankenhäuser, die überleben wollen, müssen umdenken – technisch, organisatorisch und bei Managementkompetenz. Dazu tauschten auf dem 13. Meeting-am-Meer „Digitalisierung der Krankenhäuser - wie sieht die Zukunft aus?“ IT-Management und Führungsspitzen im Gesundheitswesen mit renommierten Branchen-Experten intensiv Erfahrungen und Impulse aus. Veranstalter war Prof. Dr. Wolfgang Riedel, IfK.


Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gewinnt an Dynamik und wird neue Anforderungen stellen. Längst sollte dieses Thema oben auf der Agenda bei allen Gesundheitsdientleistern stehen. Doch Verantwortungsträger begehen meist denselben Fehler. Sie schreiben die Vergangenheit linear in die Zukunft fort. Aus dieser flachen Perspektive auf die digitalisierte Welt lässt sich die Leistungskraft der IT kaum konstruktiv wahrnehmen. Zugleich tritt auch die andere Seite der Medaille nicht in den Blick. Eine von Software, Services und Daten getriebene, digitale Welt verändert tradierte Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen schneller als gedacht.



Prof. Dr. Wolfgang Riedel, ifK - Institut für Krankenhauswesen: Das Digitale Krankenhaus in Deutschland – Ziele und Wege


Treiber, Barrieren und Standortfaktoren von eHealth aus der Sicht der beteiligten Unternehmen erörterte Prof. Dr. Kamyar Sarshar, HSBA Hamburg School of Business Administration. In einer Erhebung stellte er fest: Im Vergleich zu digitalen Services aus anderen Branchen kann eHealth nach wie vor nur als „Nischenangebot“ angesehen werden. Dabei wird das generelle „Nutzenpotenzial“ positiv beurteilt, jedoch konkreter Nutzen für das jeweilige Unternehmen scheint noch nicht transparent. „Die zentralen Treiber von eHealth leiten sich maßgeblich aus dem allgemeinen technischen Fortschritt ab, gesundheitswirtschaftsspezifische Faktoren geben bislang nur wenig Schub. Zwar zeigen Kunden hohes Interesse an eHealth, allerdings kaum Zahlungsbereitschaft dafür.“



Prof. Dr. Kamyar Sarshar, HSBA Hamburg School of Business Administration: Treiber, Barrieren und Standortfaktoren von eHealth aus der Sicht der beteiligten Unternehmen


Der Digitale Patient

„Health für jeden schaffen. IT soll nicht mehr zwischen Arzt und Patient stehen.“ Dieses Motto vertrat Dr. med. Tobias D. Gantner, HealthCare Futurists. Er proklamierte eine dazu Verhaltensänderung, besonders für die Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen. Themenkonzepte seien vom Kunden aus zu entwickeln. Sie sollten sich nicht stigmatisierend auswirkten. Neue Geschäftsmodelle für Krankenhäuser durch das Betreiben telemedizinischer Testbeds könnten entstehen.




Dr. med. Tobias D. Gantner, MBA, LL. M., HealthCare Futurists: Land.Digital und die Versorgung von Patienten in ländlichen Regionen

Viele Kliniken sind auf die Transformation für das Krankenhaus nicht eingestellt. „Warum stehen Kosten und Nutzen in vielen Kliniken in keinem positiven Verhältnis?“, gab Veranstalter Prof. Riedel zu bedenken. „Alle reden derzeit von Digitalisierung in Krankenhäusern. Dabei ist das Thema keinesfalls neu.“ Viele Kliniken haben sich für diverse IT-Lösungen entschieden, dennoch ist der Digitalisierungsgrad vieler Prozesse nicht ausreichend und das Personal erfährt keine Entlastung. Die digitale Unterstützung der Patienten ist unzureichend. Immer öfter verlangen Patienten die Nutzung von Smartphone und Tablet in Kliniken. Viele Kliniken sind darauf jedoch nicht eingestellt. Eine aktuelle Umfrage zu digitalen Wünschen von Patienten sollte den Kliniken zu denken geben.




Ballsaal im Grand Hotel Heiligendamm



Anforderungen des Patienten betreffen die Auswirkungen auf Ausstattung für Services wie Telefonie, Internet und Entertainment. Ulrich Winhoff, Charité Universitätsmedizin Berlin, stellte zusammen mit Birgit Murkowski ein herstellerunabhängiges Patientenkommunikationssystem vor. Es ist flexibel und läuft auf allen iOS- und Android-Geräten sowie in Webbrowsern der Patienten. So kann der Patient sein eigenes Smartphone, Tablet oder seinen eigenen Laptop nutzen. Zusätzlich läuft die Patientkommunikation auf fest installierten Tablets am Krankenhausbett.



Ulrich Winhoff, Charité Universitätsmedizin Berlin (Bild oben), Birgit Murkowski, WifiMedia4patients (Bild unten): Ein Patientenkommunikationssystem – modern und unabhängig (Beispiel Charité)

Birgit Murkowski


Prozesse werden lean


Das Spital ist eine lernende und sich ständig weiterentwickelnde Organisation. Es ist wichtig, Mitarbeitende zur Steuerung zu befähigen und so die Selbstorganisation zu stärken. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollen Probleme dort gelöst werden, wo sie entstehen: so nahe am Patienten wie möglich. Die Voraussetzung dafür ist Transparenz auf Tagesbasis zu schaffen, so dass über Abweichungen von Standards gesteuert werden kann. Daniel Walker ist von einem „Lean Hospital“ und seiner Bedeutung auf der Station und in der Abteilung überzeugt. „Mit der „Lean Hospital“-Strategie sind Krankenhäuser erfolgreicher“, unterstreicht der Experte vom walkerproject AG, St. Gallen Schweiz, „weil die Patienten an erster Stelle stehen und weil Patientenorientierung und Patientensicherheit zentrale Zielsetzungen sind." Somit werde „Lean“ zur ersten Wahl für alle Krankenhäuser, die sich im Wettbewerb behaupten müssen.




Daniel Walker, walkerproject AG St. Gallen Schweiz: „Lean Hospital“ – Bedeutung und Einsatz auf der Station und in der Abteilung



Prozesse werden mobil


Immer mehr Anwendungen der Informationstechnik im Gesundheitswesen setzen auf mobile Lösungen. Die Anwender wie Pflegekräfte, Ärzte und Funktionsdienste möchten die Patientendaten möglichst aktuell und zeitnah direkt am Patienten verwenden. Daher beschäftigen sich immer mehr Nutzer mit dem Einsatz mobiler Geräte und der Suche nach geeigneten IT-Anwendungen.
Medizintechnische Geräte trennen sich von der klassischen festen Netzwerkstruktur und werden mobil und ermöglichen die Integration von Anforderungen verschiedenster Klinik- Bereiche in die IT. Beispiele hierfür sind z.B. Haustechnik (IEEE 802.15.4 WPAN), Catering und Logistik.
Zur Mobility-Welt zählen auch LBS Location Based Services und Real Time Location Services. Sie bieten neue Lösungen in einer Vielzahl von Bereichen von Asset Tracking und -Management über Patienten-Sicherheit sowie Hygiene-Dokumentation und -Monitoring oder auch Inhaus-Navigation. Location Services verlangen eine mobile Infrastruktur und den Einsatz neuer Technologien, aber auch die Neubewertung bereits etablierter IT-Strukturen wie WLAN, GPS oder NFS.
Andreas Helling, Extreme Networks, meinte zu den Herausforderungen der mobilen Infrastruktur: „Sie lassen sich begegnen durch den Aufbau von sauber konzipierten Netzen, der Neubetrachtung der WLAN Infrastruktur, redundante ausfallsichere Strukturen, ebenso wie durch Informationsaustausch zwischen den Organisationen (Verwaltung, Medizin-Technik, Ärtzteschaft, Pflegepersonal)“.



Andreas Helling, Extreme Networks: Netzwerkinfrastruktur im Krankenhaus, heute und in Zukunft – ein technologischer Überblick
www.extremenetworks.com

Hintergrund:


Lesen Sie mehr zum Vortrag von Andreas Helling
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Prozessoptimierung durch smarte Analytik


Durch Vernetzung und smart Data erhalten Healthcare-Daten neuen, erweiterten Mehrwert. Hendrik Riedel, Chief Operating Officer (COO) Software the i-engineers in Deutschland, erläuterte: „Sie können gewinnbringend und herstellerunabhängig für versorgungs- und prozesse sowie die Verwaltung und das Management über System- Abteilungs- und Einrichtungs hinweg
genutzt werden.“




Hendrik Riedel, the i-engineers AG: Smart Data im Krankenhausmanagement: Potenziale in der Prozessqualität und Wertschöpfungskette identifizieren und heben



Dr. Bernd May, MBM Mainz, Medical-Unternehmensberatung


Bedarf ist für Smart Data ist vorhanden, doch Kliniken tun sich schwer und Potentiale durch Verantwortliche noch nicht gehoben. Neuralgische Punkte sind vor allem Fehlsteuerungen bei internen Prozessen, Anforderungsverhalten und Erlösen. Dr. Bernd May, MBM Medical-Unternehmensberatung, detaillierte die Optimierung für klinische Radiologie. Effiziente Unterstützung der klinischen Versorgung, frühzeitig das relevante Patientenproblem bestimmen und präzise präoperative Diagnostik, gehören dazu ebenso wie interventionelle Verfahren für die Therapie, nicht zuletzt eigenständige Erlöse. Bernd May meinte zum Status quo kritisch: „Klinik-Geschäftsführungen sehen vordergründig nur die Kosten.“



Moderator Wolf-Dietrich Lorenz, Chefredakteur Krankenhaus-IT Journal


Digitale Prozessunterstützung der Zukunft


Für eine digitale Prozessunterstützung im Krankenhaus der Zukunft listete Prof. Riedel wichtige Investitionsfelder zur Digitalisierung von Kliniken auf: Datennetze (LAN, WLAN): Switche mit QoS, PoE, hohe Bandbreiten für Streaming, IP-Kommunikation (Telefonie - VoIP, Alarmierung, TV-Streaming, Entertainment), Sat versus Kabel-TV; digitales Patientenzimmer mit einer Strategie zur infrastrukturellen Ausstattung. Hinzu kommen IT-Sicherheit, ausbalancierte, sichere Cloud-Anwendungen, Hardwarekonzepte: virtuelle Server, Virtual-Storage, Virtual Clients, und die Geräte-Ausstattung: mobile Clients, Sicherheit, Gerätemanagement.
„Digitalisierung ist revolutionär, nicht evolutionär.“ Diese These bezieht Prof. Riedel für die Transformation nicht nur auf Hard- und Software. Sie fordert ein zukunftorientiertes Skill set deutscher Klinikverantwortlicher und bedeutet intensive Qualifizierung von Führungskräften (CEO, CIO) und die Ausbildung von CDO (Chief Digital Officer). Sie alle müssen gerüstet sein für globale Umwälzungen, empfahl Oliver Christ. In dramatischen Szenarios skizzierte er Healthcare-Transformationen durch digitale Giganten wie Apple, Google oder Facebook. In seinem Vortrag nahm Christ mehrfach Bezug auf die Kondratieff-Zyklen des russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Derzeit befinden wir uns im "6. Kondratieffs", dem Gesundheitszyklus.

Hintergrundinformation





Oliver Christ, PROSYSTEM AG: Medizintechnik 2030: Trends, Herausforderungen, Visionskandidaten. Von den Kondratjew-Zyklen aus betrachtet, haben wir nun den Zyklus "Healthcare" erreicht. "Könnte man über Nacht ein globales Gesundheitsnetzwerk errichten? Ja, mit Facebook Medical!".


Digitalisierung und Dynamik im Krankenhaus


Wie sich Kliniken auf die digitale Zukunft vorbereiten können - dazu erhielten in der Veranstaltung „Digitalisierung der Krankenhäuser - wie sieht die Zukunft aus?“ die rund 60 teilnehmenden Krankenhausverantwortlichen zukunftsorientierte, innovative und umsetzbare Impulse – technisch, organisatorisch, wirtschaftlich und für die eigene Managementkompetenz. Als besondere Orientierungspunkte nahmen sie mit: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gewinnt an Dynamik und wird neue Anforderungen stellen, klassische Prozesse gehören daher auf den Prüfstand, optimierte Prozesse mit Digitalisierung werden zum Kernfaktor eines modernen Krankenhauses, und Digitalisierung wird zum Wettbewerbsfaktor für Patienten und Personal.

www.ifk-braunschweig.de


Weitere Referenten und Themen:

Jan Christiaan Huijsman, Albert-Schweitzer-Hospital Niederlande: Implementierung der papierlosen Patientenakte (EPA)




Marco Reich, Klinikum Forchheim: Auf dem Weg zum digitalen Klinikum – Anwender- und Projektbericht



Sabine Woller, Inter Visual Systems Niederlande: Totale Digitalisierung vom Tumorboard bis in den OP




Dr. Andreas Knopke, Klinikum Südstadt Rostock: Mobilität als Träger der Digitalisierung – Anwenderbericht / mobile Teleradiologie




Markus Etzel, Worldline Germany GmbH: Real Time Asset Tracking – Customer Experience and Asset Tracking neu gedacht




Alexander Britz, Microsoft Deutschland: Digitale Transformation & IoT im Healthcarebereich




Werner Nicolai, St. Josefs-Hospital Rheingau: Qualifizierte Gesundheit aus einer Hand – vernetzter Rheingau (Erfahrungen mit Videokonferenzen/Telemedizin)




Abendveranstaltung auf Gut Klein Nienhagen





Wildschweinessen im alten Pferdestall von Gut Klein Nienhagen

von Wolf-Dietrich Lorenz

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