Video Tipp
Aktuelle News
Weitere News
Vor-Ort-Reportagen
Verlagsprodukte
Service
Termine     [Weitere...]
RSS-Feed Aktuelle News
Multimedia
 
  







Veröffentlicht: 23.11.2017


Elektronischer Datenaustausch - die finanzielle
Schlagader des Krankenhauses in Gefahr

Zum 01.01.2018 schaltet die Telekom ISDN ab. Für viele Häuser ist damit die elektronische Übertragung ihrer Abrechnungsdaten nicht mehr möglich. Massive Liquiditätsengpässe drohen. Für die Umstellung ist mit einem entsprechenden Zeitbedarf zu kalkulieren. Zu den technischen Details der Umstellung hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit dem GKV-Spitzenverband Umstellungshinweise veröffentlicht. Von Markus Holzbrecher-Morys, Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG e.V., und Jürgen Flemming, Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Vorstand des KH IT Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen/Leiter e.V.

Die Telekom wird voraussichtlich zum Jahreswechsel 2017/2018 das ISDN-Verfahren endgültig abschalten. Damit verbunden ist auch eine Abschaltung der X400-Mailboxen und des damit verbundenen Kommunikationsverfahrens.
Die Abrechnungsdaten der Krankenhäuser werden im Rahmen der §301- und §302-Verfahren elektronisch an die kassenartenspezifischen Datenannahmestellen („Kopfstellen“) übertragen, welche die Weiterleitung und teilweise auch die Entschlüsselung von Abrechnungsinformationen an die zuständige Krankenkasse oder Versicherung übernehmen.

Damit stellt die elektronische Übertragung der Abrechnungsdaten sozusagen die finanzielle Schlagader des Krankenhauses dar. Die Funktion dieser Schlagader ist für viele Krankenhäuser stark gefährdet, es drohen massive Liquiditätsengpässe.

Denn die Umstellung von verbindungsorientierter (ISDN) auf paketvermittelte Datenübermittlung (IP) bedingt in der Regel technische Anpassungen insbesondere hinsichtlich der IT-Sicherheitsmaßnahmen (Firewall, DMZ) und der Übermittlungssoftware. Um ab dem 1. Januar 2018 weiterhin Abrechnungsinformationen mit den gesetzlichen Krankenkassen im Wege der elektronischen Datenübermittlung austauschen zu können, müssen die neuen Verfahren mit den Annahmestellen der Datenübermittlung einzeln umgestellt und getestet werden. Hierfür ist ein entsprechender Zeitbedarf einzuplanen.

Anpassungen schnellstmöglich umsetzen

Stand Anfang November 2017 hat nur ein geringer Anteil der Krankenhäuser die Umstellung bereits durchgeführt oder ist im Umstellungsprozess. Um die Kontinuität der Abrechnung auch nach dem Jahreswechsel zu gewährleisten und aufwendige Ersatzverfahren (zum Beispiel Versand von USB- Speichermedien) im Januar zu vermeiden, müssen die Anpassungen schnellstmöglich umgesetzt werden. Aufgrund der Anzahl der betroffenen Krankenhäuser und der Notwendigkeit zur Umstellung je Datenannahmestelle ist mit einem entsprechenden Zeitbedarf zu kalkulieren.

Kommt es im Laufe des Umstellungsprozesses zu Verzögerungen, etwa weil die notwendigen Anpassungen der IT-Sicherheitsmaßnahmen strukturelle Änderungen oder Beschaffungsmaßnahmen erfordern, ist im Extremfall die Liquidität gefährdet.

Der Umstellungsprozess, dem die interne Vorbereitung der Systeme vorangeht, wird von der Krankenhausseite initiiert. Das Krankenhaus teilt den Annahmestellen die jeweiligen technischen Angaben für die neuen Verbindungswege mit, testet in Absprache die jeweilige Verbindung in beide Richtungen und stellt das Übermittlungsverfahren um.
Umstellungshinweise veröffentlicht

Zu den technischen Details der Umstellung hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit dem GKV-Spitzenverband Umstellungshinweise vereinbart und Webseiten der DKG abgerufen werden können:

Die Umstellungsarbeiten erfordern die Zusammenarbeit unterschiedlicher organisatorischer Bereiche. Mit Blick auf die Tragweite der Nicht-Verfügbarkeit der Übermittlungssysteme wird Krankenhäusern die Durchführung eines entsprechenden Migrationsprojekts unter Benennung der Verantwortlichkeiten und des zeitlichen Ablaufs dringend empfohlen.

Keine Termin-Verschiebung

Die Umstellung betrifft neben der GKV-Datenübermittlung auch die Verfahren gegenüber den privaten Versicherungsunternehmen (PKV) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Für alle drei Verfahren wurde aktuell eine einmalige Verschiebung der Umstellung auf den 01.04.2018 abgestimmt, um Liquiditätsengpässe zum Jahreswechsel zu vermeiden. Es wird jedoch dringend empfohlen, die Umstellung schnellstmöglich zu beginnen, da eine weitere Verschiebung aufgrund rechtlicher und technischer Aspekte nicht mehr realisiert werden kann.

Technische Fragen im Zusammenhang mit der Umstellung können in der Regel mit den jeweiligen Dienstleistern bzw. Herstellern der eingesetzten Systeme geklärt werden. Grundsätzliche Fragestellungen werden in den Umstellungshinweisen erläutert, darüber hinaus gehende Fragen können an die folgende Kontaktadresse übermittelt werden: umstellung301@dkgev.de.
Markus Holzbrecher-Morys, Dezernat III, IT, Datenaustausch und eHealth, Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG e.V.
Jürgen Flemming, Leiter PMO bei den Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Beisitzer und Pressereferent im Vorstand des KH IT Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen/Leiter e.V.

Drucker geeignete Seite Sende diesen Artikel einem Freund


Aktuelle Ausgabe