Video Tipp

Die Geschichte der Health-IT

TV-Beitrag auf Youtube

Aktuelle News
Weitere News
Vor-Ort-Reportagen
Service
RSS-Feed Aktuelle News
Multimedia
 
  







Veröffentlicht: 22.01.2018


Die Mission: mehr Wissen und

Qualität für Patienten

Medizininformatik-Förderinitiative stärkt vernetztes Gesundheitswesen
Mit der Medizininformatik-Förderinitiative sollen in Deutschland Infrastrukturen aufgebaut werden, die den verbesserten Datenaustausch und die Nutzung von Daten zwischen Krankenversorgung und klinischer sowie biomedizinischer Forschung ermöglichen. Sebastian Claudius Semler, Geschäftsführer TMF e.V., Leitung Koordination nationales Begleitprojekt der MI-I, skizzierte beim Health IT Talk Planungen und Herausforderungen für die "Medizininformatik-Initiative" als grundlegenden Beitrag zur Digitalisierung im Gesundheitswesen.



Rund 60 Teilnehmer nahmen am Health IT Talk Berlin-Brandenburg über „Die Medizininformatik-Initiative des Bundesforschungsministeriums – ein grundlegender Beitrag zur Digitalisierung im Gesundheitswesen“ teil.


Die Medizininformatik in Deutschland hat ihre einst führende Rolle in den letzten Jahrzehnten ein Stück weit eingebüßt. „Nachwuchsmangel, Abbau von Lehrstühlen, Brain Drain in attraktivere Berufssparten, Defizite in der allen Gesundheitsberufen bezüglich Datenmanagement und Datenanalyse – all dies führte dazu, dass Deutschland auf den explodierenden Bedarf an Fachleuten und Know-how im Rahmen der sich beschleunigenden Digitalisierung im Gesundheitswesen schlecht vorbereitet ist“, kritisierte Sebastian Claudius Semler. „Zugleich sind die Datenbestände in Deutschland so fragmentiert und unzugänglich für übergreifende Datenauswertungen zu Zwecken der medizinischen Forschung und Gesundheitssystementwicklung wie in kaum einem anderen Land Europas.“ Der TMF-Geschäftsführer sieht wirkungsvolle Abhilfe. Beide Mängel adressiert das „Forschungskonzept Medizininformatik“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das von diesem Ende 2015 veröffentlicht wurde. In dessen Rahmen bilden mehrere Konsortien von Universitätsmedizinstandorten (mit diversen Partnern) eine nationale Medizininformatik-Initiative (MI-I), die sich der Aufgabe stellt, Datenbestände aus Forschung und Patientenversorgung zu integrieren und bundesweit interoperabel verfügbar zu machen. Zugleich sollen neue Professuren und Nachwuchsgruppen eingerichtet, Lehre, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Medizininformatik gestärkt werden.

Chancen der Digitalisierung in der Medizin nutzen


Den rund 60 Teilnehmern des Health IT Talk Berlin-Brandenburg skizzierte TMF-Geschäftsführer Semler den Status quo und die Perspektiven der Förderinitiative. Die standort- und konsortienübergreifende bundesweite Zusammenarbeit steuert ein Nationales Steuerungsgremium und ein koordinierendes Begleitprojekt. Intensive Abstimmungen mit BMBF, BMG und gematik zur Quervernetzung mit der Telematikinfrastruktur im Bereich der Patientenversorgung wurden bereits begonnen. Nach einer wettbewerblichen Phase 2016/17, an deren Ende eine internationale Begutachtung der von den einzelnen Konsortien erarbeiteten Konzepte stand, startete ab dem 01.01.2018 die Aufbau- und Umsetzungsphase, die mit 150 Millionen Euro über 4 Jahre dotiert ist. Insgesamt erstreckt sich der Förderplan über eine Dekade.



Sebastian Claudius Semler, Geschäftsführer TMF e.V., Leitung Koordination nationales Begleitprojekt der MI-I: skizzierte Planungen und Herausforderungen für die Medizininformatik-Initiative.


Zu den verabschiedeten und absehbaren Ergebnissen zählen ein „Mission Paper“ (21.04.2017) und ein Mustertext zur Patienteneinwilligung im Zusammenarbeit mit AK EK und der Abstimmung mit Datenschutzbehörden (ab Quartal 1/2018). Hierbei stellen Herausforderungen föderal unterschiedliche Regelungen u.a. zu Einwilligung, Datentransfer oder auch Pseudonymisierung dar. Diskussionen erzeugen die Akzeptanz bei Datenschutzbehörden sowie Ethikkommissionen (trotz Vorarbeiten im Bereich Biobanking), vor allem IT-Sicherheit, Identifikation und Verknüpfbarkeit. Auf der Ergebnisliste stehen auch eine harmonisierte Nutzungsordnung Use & Access (Eckpunkte) sowie ein „Kerndatensatz“ (Konzeptpapier zu Metadaten zur Datenverfügbarkeit).

Roadmap zur Interoperabilität


Ein offener Punkt stellt „Interoperabilität“ als zentraler Katalysator dar. Die Grundsätze einer Roadmap legen Interoperabilität auf Basis von Standards fest. Es werden bevorzugt offene, internationale Standards für alle Ebenen der Interoperabilität verwendet. Nur wenn es zwingend notwendig ist, sollen existierende Standards angepasst bzw. erweitert oder Eigenentwicklungen durchgeführt werden. Es wird frühzeitig und dauerhaft eine enge Zusammenarbeit mit Standardisierungsgremien angestrebt. Die Konsortien werden sich gemeinsam zur Notwendigkeit gesetzlicher Vorgaben für Standards abstimmen. Es wird ein offenes, standardkonformes Austauschformat für Metadaten und Daten etabliert, das zwischen allen Standorten eingesetzt werden kann. Alle eingesetzten Werkzeuge sollen, soweit möglich, etabliert sein und offene sowie internationaler Standards unterstützen. Das Monitoring der Einhaltung der Interoperabilitätsvorgaben wird eingebettet in die Durchführung der konkreten gemeinsamen Projekte. Es wird vorgeschlagen, seitens einer dauerhaft aktiven AG Interoperabilität dazu Fachwissen, Werkzeuge und Experten zur Verfügung zu stellen. Eine Roadmap zur Interoperabilität soll bis 2024 vorliegen.

Herausforderungen und Engagement

Die Medizininformatik-Initiative kann also engagiert neue Impulse geben: für Standardisierung und Interoperabilität zu wirken, die Trennung zwischen IT und Forschung zu verringern, systematisch Brücken zwischen E-Health-Infrastruktur und Datenintegrationszentren für klinische und Versorgungsforschung zu bauen.

Es geht bei der Medizininformatik-Förderinitiative um mehr Wissen und Qualität für Patienten: Behandlung verbessern, Patientensicherheit erhöhen. Hierzu trägt die bessere Versorgung durch eine vernetzte, forschungskompatible Patientenakte bei. Will man Forschungsmöglichkeiten und Patientenversorgung verbessern, gehört patientenbezogene Daten zu bündeln ebenso dazu wie die informationstechnologischen Voraussetzungen für maßgeschneiderte Therapien zu schaffen. Datennetzwerke können helfen, Evidenz über die Sicherheit und Wirksamkeit von Interventionen verstärkt auch aus dem Versorgungsgeschehen zu gewinnen.

Die zentralen Herausforderungen sind bislang die Governance der unterschiedlichen Datenarten, die Nachhaltigkeit der Infrastruktur, die Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit sowie das Patient Engagement. Hier ist die Medizininformatik als progressives Feld in Forschung, Lehre und Fortbildung verstärkt gefordert.



Health IT Talk: 3 Netzwerke - 1 Veranstaltungsreihe

Die Verbände BVMI (Bundesverband Medizinischer Informatiker e.V.), KH-IT (Verband der Krankenhaus IT-Leiter) und das Netzwerk Gesundheit des SIBB (IKT Branchenverband Berlin/Brandenburg) führen ihre Veranstaltungsaktivitäten gemeinsam durch. Hierbei gehen Konsolidierung und Netzwerken für Health-IT und Gesundheitswirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg über Verbandsgrenzen hinweg Hand in Hand.
www.kh-it.de, www.bvmi.de, www.sibb.de

Nächste Termine

  • -Jetzt geht es zur Sache: Die medtec-Nutzenbewertung ist da
  • Anforderung an die IT-Sicherheit in vernetzten IP-Infrastrukturen im Krankenhaus
  • Die Telematikinfrastruktur kommt! Chancen und Herausforderungen - eine unabhängige Betrachtung
  • Virtual Reality
  • Startup trifft Medizininformatik III
  • 3. BVMI-Kongress: "Medizininformatik – was kommt beim Patienten an?"

www.health-it-talk.de


Podcast

Sebastian Claudius Semler, Geschäftsführer TMF e.V., Leitung Koordination nationales Begleitprojekt der MI-I, betonte im Interview Hürden und Nutzen der Medizininformatik-Förderinitiative.

Fotos: Michael Thoss, Mitglied im Programmrat des Health-IT Talk Berlin-Brandenburg, kontakt@michaelthoss.com

Drucker geeignete Seite Sende diesen Artikel einem Freund


Aktuelle Ausgabe


Diese Webseite verwendet Cookies. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.