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Veröffentlicht: 22.02.2018


Fachkonferenz

„Das digitale Krankenhaus“

Expertenaustausch auf der 3. UNITY Health Care

Night in Augsburg

Am 28. und 29. November fand in Augsburg die Fachkonferenz zum Thema „Das digitale Krankenhaus“ statt. Die Managementberatung UNITY lud hierzu in Kooperation mit dem Management Forum Starnberg und der Hessing-Stiftung Entscheider aus führenden Kliniken Deutschlands und Branchenexperten zum gegenseitigen Austausch ein.

Das Thema Digitalisierung wurde auch im Veranstaltungsformat berücksichtigt: Die Teilnehmer haben die Möglichkeit eines Live-Votings via App während der Vorträge intensiv genutzt. Ziel war es, neben der intensiven Interaktion zwischen Vortragenden und Teilnehmern, Meinungen aus dem Plenum zu aktuell spannenden Fragegestellungen einzuholen.




Meik Eusterholz, Geschäftsfeldleiter bei UNITY, über das Smart Hospital


Die Konferenz wurde von Meik Eusterholz, Prokurist und Geschäftsfeldleiter im Bereich Gesundheitswirtschaft bei UNITY, mit einem Vortrag zum Thema „Smart Hospital“ eröffnet. Hierbei wurde unter anderem aufgezeigt, dass Global Player wie Apple und IBM sowie Start-ups vermehrt in die Eroberung des Gesundheitsmarktes investieren. Da es fraglich ist, wie lange noch Marktzugangsbarrieren aufrechterhalten werden können, müssen Krankenhäuser heute schon eine Digitalisierungsstrategie entwerfen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig am Markt zu agieren. Dabei wurden die für eine Digitalisierungsstrategie notwendigen Bausteine vorgestellt: Integration in die Wertschöpfungskette, Digitalisierung des Produkt- und Serviceangebots sowie die Erschließung neuer Geschäftsmodelle. Deutlich wurde, dass die Digitalisierung so oder so kommt. Es stellt sich nur die Frage, wer sie zuerst macht.
In weiteren spannenden Vorträgen verwies unter anderem Michael Musick, stellvertretender Vorstand Finanzen und Strategie sowie Leiter der Bereiche Medizinische Informationstechnik und Zentraler Einkauf des Klinikums Augsburg, darauf, dass die Zukunft schon heute beginnt. Die Nutzung von 3D-Druckern, die Übernahme von Hilfstätigkeiten durch Roboterunterstützung oder der Einsatz von Apps zur Unterstützung der täglichen klinischen Prozesse werden derzeit in mehreren Forschungsprojekten erprobt. Dabei zeigen sich Herausforderungen vor allem bei Fragestellungen des Investitionsaufwands, der Mitarbeitereinbindung und des Datenschutzes. Auch andere Vortragende stellten Anwendungsszenarien zu möglichen Use-Cases aus ihren Krankenhäusern vor: Online-Dokumentation über spezielle Klinik-iPads, mobile Visiten, Telemetrie-Anwendungen, mobiles Monitoring sowie ganzheitliches Roll-out von Apps. Besonders herauskristallisiert hat sich, dass Krankenhäuser strategische Partnerschaften mit Herstellern, Experten und Forschungsinstitutionen forcieren sollten. Anders wird es nur schwer möglich, ein notwendiges hohes Maß an IT-Verständnis in allen Bereichen zu erreichen. Dabei müssen etwaige IT-Strategien mit der Unternehmensstrategie übereinstimmen und von oberster Managementebene aus durch alle Bereiche hindurch geregelt werden. Arbeitsplätze werden in Zukunft nicht mehr desktopbasiert, sondern mobil sein.



Podiumsdiskussion im Gartensaal

Als besonderes Highlight des ersten Konferenztages fand am Abend die 3. UNITY Health Care Night in den Räumlichkeiten der historischen Hessingburg statt. Ca. 90 Experten nahmen nach einer Besichtigung der Hessingpark Clinic an der Podiumsdiskussion zum „Krankenhaus der Zukunft“ teil. Tomas Pfänder, Vorstand bei UNITY, hielt zunächst einen Impulsvortrag zum Thema „Digitale Transformation – Wo stehen die Anderen?“. Das Publikum konnte Einblicke in den aktuellen Stand und die Vision des „Smart Hospitals“ gewinnen und wurden dabei angeregt, sich mit der Wertschöpfungskette, Produkten und Services sowie neue Geschäftsmodellen im Rahmen der Digitalisierung auseinander zu setzen. Neben Meik Eusterholz und Michael Musick nahmen Dr. Stefanie Lipsky, Leitung Stabstelle „Digitalisierung und Innovation“ des Universitätsklinikums Münster, und Dr. Hannes Kenngott, Funktionsoberarzt Minimalinvasive Chirurgie in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg sowie Geschäftsführer der Mint Medical GmbH an der Podiumsdiskussion teil.





Live-Abstimmung des Publikums während der Podiumsdiskussion


Besonders interessant wurde es beim Live-Voting. Auf die Frage, wie die persönlichen Gefühle der Teilnehmer zur Vision vom „Krankenhaus der Zukunft“ sind, ergab sich folgendes:
65% sehen die Digitalisierung als große Chance. Die Vision dahinter fasziniert und man möchte aktiv darauf hinarbeiten.
Weitere 33% sehen in digitalen Technologien neue Möglichkeiten, man sollte sie aber langsam einführen und genau prüfen, wo sie wirklich nötig sind und zu Verbesserungen führen.
Ein solches Ergebnis zeigt vor allem, dass der Wille zur Veränderung da ist. Hemmnisse wie starre, juristische Formalien, Schnittstellenproblematiken und fehlende Interoperabilität der Systeme und ein Management, das zu weit weg ist vom alltäglichen Geschehen in den Krankenhäusern, behindern laut den Diskussionsteilnehmern die Umsetzung der Digitalisierung. Oft werden Chancen erst gesehen, wenn der Druck sehr hoch ist. Außerdem wollen alteingesessene Medizintechnik- und Krankenhausinformationssystem-Hersteller ihre Vormacht in den Märkten sichern. Hier kommt es zu wenig Veränderung. Es entsteht somit ein allgemeiner Widerspruch: Die Prozesse der Medizintechnik und Informatik zählen weltweit zur Kategorie „Spitzenklasse“, wohingegen die Wertschöpfungskette im Krankenhaus weit zurückliegt.
Auch die Thematik der Vergütung wurde stark diskutiert. Neue Innovationen sind nicht Bestandteil der Regelvergütung. Derzeit seien Innovationen oft nur durch Forschungsprojekte umsetzbar. Dies sah Meik Eusterholz nicht als Problem an, denn Synergieeffekte in der Organisation und der Pflege können die Effizienz steigern und die Arbeitsbelastung senken. Hieraus ergeben sich sichtbare finanzielle Ergebnisse, welche in Simulationen aufgezeigt werden können. Somit kann trotz fehlender Vergütung unter dem Strich ein positiver finanzieller Effekt die Folge sein.
Als Ziele und Fazit leitete die Diskussionsrunde gemeinsam mit dem Publikum Folgendes ab:

  • Chancen und Risiken müssen besser abgewägt werden. Krankenhäuser müssen mehr Mut zu Risiken eingehen, um Chancen nutzen zu können. Sonst werden sich Länder wie Dänemark oder die Niederlande immer weiter digital entwickeln, während Deutschland in seinen Strukturen stagniert.
  • Über eine transparente Erstellung einer Digitalisierungsstrategie durch das Management durch alle Ebenen des Krankenhauses hindurch soll das Verständnis der Mitarbeiter gestärkt sowie das intrinsische Interesse am „Mitgestalten“ von Digitalisierungslösungen geweckt werden.
  • Der Druck war bis jetzt noch nicht hoch genug. Dies wird sich aber weiterhin drastisch durch den Fachkräftemangel und steigende Patientenanforderungen ändern.
  • Die Digitalisierung kann die Arbeitsabläufe attraktiver machen und das Image des Krankenhauses steigern. So kann dem Fachkräftemangel aktiv entgegengewirkt werden.
  • Es kann eine Win-Win-Situation geschaffen werden, wenn der Patient als größter Treiber der Digitalisierung aktiv nutzenstiftend in die Prozesse eingebunden und somit das Personal zunehmend entlastet wird.
  • Die Zukunft der Digitalisierung des Krankenhauses kommt mit großen Schritten. Die Frage ist nur, wer diese zuerst umsetzt.




Tomas Pfänder, Vorstand bei UNITY

Der zweite Tag der Fachkonferenz bot den Teilnehmern Einblicke in aktuell laufende Pilot- und Forschungsprojekte wie beispielsweise das Tracken von Patienten im Behandlungsprozess. Hierbei sollen über Transparenz der Prozessschritte der Ablauf analysiert und Maßnahmen zur Optimierung abgeleitet werden. Um etwaige Digitalisierungslösungen und Prozessabläufe zu verändern, gilt es zunächst die Ist-Situation zu erfassen, die damit verbundenen Prozesse zu optimieren und im Anschluss darauf basierend geplante Digitalisierungsprojekte in einem „agilen Digitalisierungsfahrplan“ festzuschreiben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Patient zukünftig den Versorgungsprozess durch transparentere Informationen immer mehr bestimmen wird. Tomas Pfänder gab den Teilnehmern in seinem Vortrag darüber hinaus die Möglichkeit, über den Tellerrand des Krankenhauses hinweg zu sehen. Die Digitalisierung und die damit zusammenhängende Vernetzung betrifft alle Lebenswelten. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung wird jedoch oft unterschätzt. Viele für damals nicht umsetzbar gehaltene intelligente technische Systeme sind heute in weiten Teilen der Industrie als Standard implementiert. Diese Entwicklung wird auch vor dem deutschen Krankenhausmarkt keinen Halt machen. Die historische Entwicklung von Plattformunternehmen zeigt, dass diese eine immer größere Rolle in den Märkten einnehmen. Fünf der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt sind heute Plattformanbieter.
Als abschließendes Fazit zeigt sich, dass Digitalisierungslösungen nur bei Berücksichtigung folgender Bausteine erfolgreich umgesetzt werden können: Kunden, Prozesse, Geschäftsmodellen und das Produkt/der Services selbst.

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