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Veröffentlicht: 03.04.2018


Das digitale Krankenhaus:

effizient – transparent –

patientenzentriert

Digitalisierung im Krankenhaus aus den unterschiedlichsten Bereichen hoch verdichtet zu beleuchten, war Inhalt der Informationsveranstaltung „Das digitale Krankenhaus effizient – transparent – patientenzentriert“ in Mannheim. Veranstalter waren die Biopro Baden-Württemberg, Landesgesellschaft für die Themen Bioökonomie und Biotechnologie, Pharmazeutische Industrie und Medizintechnik (Gesundheitsindustrie), die Fraunhofer Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und die Biotechnologie (PAMB) und der Universitätsmedizin Mannheim.





Die Teilnehmer konnten zahlreiche Anregungen und spannende Ideen aus der Forschung für Ansatzpunkte zur Digitalisierung mit nach Hause nehmen. Copyright: BIOPRO Baden-Württemberg GmbH



Prof. Dr. Jan Stallkamp von der Fraunhofer Projektgruppe PAMB stellte zu Beginn in seiner Keynote die kritische – aber auch rhetorische - Frage „Digitale Klinik – alles besser?“. In Anspielung auf die „Industrie 4.0“ positionierte der Fraunhofer-Experte die Krankenhäuser an den Beginn der industriellen Fertigung, den ersten Gehversuchen der Fließbandarbeit. Ursachen für diese eher desillusionierende Sichtweise sind unter anderem die fehlende Standardisierung der Prozesse im Krankenhaus, die fehlenden Schnittstellen und der daraus resultierende Mangel an Interoperabilität. In einem solchen System können erste Ansätze nur sehr isoliert ihre Wirkung entfalten, die Optimierung des Gesamtsystems ist noch in weiter Ferne.

Marco Reich, Preisträger des CIO-Wettbewerbs 2017, stellte sein Konzept für die digitale Klinik vor, das er erfolgreich in Forchheim umgesetzt hat. Über die Optimierung der krankenhausinternen Prozesse berichtete Armin Schorer, Geschäftsführer der ASANUS Medizintechnik GmbH am Beispiel des geschlossenen Materialkreislaufes in der Instrumentenversorgung.

Anja Burmann vom Fraunhofer ISST entführte die Teilnehmer in die Zukunft. Visionen von Verbesserungen in der Materialwirtschaft, der Krankenhauslogistik, der zentralen Steuerung von Serviceprozessen und ein OP-Cockpit zeigten Schlaglichter auf einige Möglichkeiten innerhalb von 10 bis 20 Jahren durch Digitalisierung das Krankenhaus deutlich zu optimieren.

Am Beispiel von Track and Trace im Krankenhaus zeigte Swen Stürner von der FERCHAU Engineering GmbH, dass mit dieser einfachen und wohl bekannten Technik wichtige Kernprozesse wie Zugangskontrolle, Patienten-Identifikation, Medikamenten-Verfolgung und Materialwirtschaft auch im Krankenhaus erheblich verbessert werden können.

Timo Alalääkkölä vom Oulu University Hospital nahm die Teilnehmer auf einen Trip nach Finnland mit, um das best practice Beispiel seiner Uniklinik vorzuführen: Im Rahmen eines bis 2030 angelegten Programms werden die patientenbezogenen Abläufe durch den Einsatz neuer Technologien unterstützt und vor allem optimiert. Dr. Jahnke von der UMM Mannheim zeigte dann die manchmal bittere Realität in Deutschland: Digitalisierung im Krankenhaus scheitert oft an komplexen und extrem heterogenen IT-Architekturen, fehlenden Standardlösungen und Schnittstellen, sowie an viel zu häufig scheiternden IT-Projekten. Auch die mangelnde strategische Positionierung der Krankenhaus-IT wurde als eine wesentliche Ursache des beklagenswerten Zustands der Digitalisierung identifiziert. Sein Rezept für den Ausweg aus dieser Misere lautet Digitale Transformation der Prozesse, Einsatz von IHE für offene Standards und Interoperabilität, Abbildung wichtiger Funktionen in Apps die Mitarbeitern über einen internen AppStore zur Verfügung gestellt werden, Digitalisierung der patientenbezogenen Abläufe, wie Checkin und Fragebögen.

Dr. Alexej Swerdlow vom Technologieunternehmen OPASCA zeigte dann am praktischen Beispiel die Digitalisierung der patientenbezogenen Prozesse in der Strahlentherapie der UMM. Vom Selfcheckin über das Leitsystem und die permanente Information des Patienten auch über etwaige Verzögerungen wurde der gesamte Prozesse den der Patient durchläuft analysiert und im besten Sinne digitalisiert.

Den Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser und die Hindernisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung erörterten in einer Diskussion Marco Reich, Prof. Dr. Gerald Weisser (Projektleiter der Koordinierungsstelle für Telemedizin in Baden-Württemberg), sowie Dr. Alexej Swerdlow. Die lebhafte Diskussion fand regen Zuspruch bei den Teilnehmern.

Florian Grunow von der Enno Rey Netzwerke GmbH hatte am Ende der Veranstaltung die Aufgabe, die Begeisterung der anwesenden Digitalisierer durch den Kontakt mit der harten Realität der IT-Sicherheit auf ein realistisches Maß zu bringen. Sein Bericht über erfolgreiche Penetrationstests in deutschen Krankenhäusern, auch an regelkonform installierter Medizintechnik, öffnete manchem bislang unkritischen Fan der Digitalisierung die Augen.



Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser und die Hindernisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung erörterten: Marco Reich (links außen), Prof. Dr. Gerald Weisser (Projektleiter der Koordinierungsstelle für Telemedizin in Baden-Württemberg), sowie Dr. Alexej Swerdlow und Moderator Jürgen Flemming (rechts außen), Mitglied im Vorstand des KH-IT e.V. Copyright: BIOPRO Baden-Württemberg GmbH


Wegweiser für die Digitalisierung

Die Teilnehmer konnten zahlreiche Anregungen und spannende Ideen aus der Forschung für Ansatzpunkte zur Digitalisierung mit nach Hause nehmen. Außerdem die Erkenntnis, welche Hindernisse heute einer erfolgreichen Digitalisierung im Wege stehen – aber auch, welche Fallstricke im Bereich der IT-Sicherheit und des Datenschutzes zu beachten sind. Die ca. 80 Gäste fanden neben den Vorträgen und der Podiumsdiskussion auch ausreichend Zeit zur Vernetzung, eine der entscheidenden Voraussetzungen für die nächsten Schritte der Digitalisierung. Denn forschende Einrichtungen wie Fraunhofer PAMB benötigen immer auch Krankenhäuser, mit denen sie ihre Ideen entwickeln und evaluieren können.




Autor: Jürgen Flemming, Mitglied im Vorstand des KH-IT e.V., Pressereferent

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