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Veröffentlicht: 08.05.2018


Gesundheitswesen Revolution rückt

näher

Disruptiver Strukturwandel:


Warten auf den großen Sturm


Das Internet mit seinem Angebot an hochwertigen medizinischen Informationen verändert die Rolle von Patienten und Ärzten genauso wie datengestützte Diagnosen auf Basis Künstlicher Intelligenz. Herausforderungen wie der demografische Wandel, Fachkräftemangel und der Zwang zu Effizienz kommen dazu. Die Akteure müssen Patientenbedürfnisse besser analysieren, maßgeschneiderte Angebote entwickeln und verstärkt in digitale Geschäftsmodelle investieren. Eine Skizze von Peter Magunia, Roland Berger Healthcare Practice

Im Vergleich zur Dynamik in anderen Branchen hat sich das Gesundheitssystem in Deutschland in den vergangenen Jahren kaum weiterentwickelt. Erkrankte begeben sich immer noch in die Hände eines niedergelassenen Arztes, wenn ihnen etwas fehlt. Dieser stellt eine Diagnose, der ihnen Zugang zu weiterer Versorgung in Form von Krankenhausleistungen und Rehabilitation, Medikamenten (über den geschützten Vertriebsweg Apotheke) oder therapeutisch wirkenden Behandlungen verschafft. Unter der Oberfläche brodelt aber längst eine Revolution, die früher oder später auch die Institutionen des Gesundheitswesens mitreißen wird.
Vier Trends tragen dazu bei:

TRENDS
1. Selbstbestimmung: Die Digitalisierung ermöglicht Patienten zunehmend, selbst Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen, weil qualitativ hochwertige Informationen rund um Prävention, Diagnose und Therapie 24 Std. online verfügbar sind.
2. Demografischer Wandel: Er erhöht und verändert in Deutschland die Nachfrage und den Markt für Gesundheitsdienstleistungen grundlegend, vor allem bei Leistungsträgern wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.
3. Effizienzstreben: Im Spannungsfeld zur erhöhten Nachfrage steht das Bestreben der Politik und der Krankenkassen, die Kostensteigerungen in Grenzen zu halten und die Effizienz des Gesundheitssystems zu steigern.
4. Fachkräftemangel: Der Engpass an qualifiziertem Personal hat inzwischen alle Kompetenzbereiche des Gesundheitssystems erfasst – Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungskräfte – und bremst das Wachstum. Es wird neue Anreize brauchen, um diese Berufe für den Nachwuchs attraktiv zu machen.

EIN NEUES ÖKOSYSTEM?

Patienten haben heute mehr Möglichkeiten, ihre Versorgung selbst in die Hand zu nehmen. In anderen Ländern können wir bereits beobachten, wie das Gesamtsystem Gesundheitswesen zunehmend vorausschauend, präventiv, personalisiert und partizipativ arbeitet. Das Internet der Dinge und die Verfügbarkeit von Informationen zu bewusster Ernährung, Prävention, Diagnose und Therapie haben die Rolle des Patienten im Rahmen der Digitalisierung massiv verändert. Kunden, Patienten und Interessierte haben nun Zugang zu qualitativ hochwertigen medizinischen Informationen. Sie können sich zum Beispiel online mit Medizinern über mögliche Diagnosen, mit anderen Patienten über Erfahrungen mit Ärzten oder über verschiedene Behandlungsoptionen austauschen.
Zudem entsteht ein ganz neues Angebot rund um das Thema Prävention und Veränderung der Lebensführung, in dem auch Unternehmen aus der Consumer- Electronics- und Sportartikelindustrie eine tragende Rolle spielen. Hier entwickelt sich ein ganz neues Feld, das sich mit "Digital Health" umschreiben lässt. Es treten neue Anbieter auf den Plan, die z.B. datengestützte Diagnosen mithilfe künstlicher Intelligenz liefern und teilweise an die Stelle des Erstkontaktes zum Arzt treten können. Auf diese Weise haben Patienten Zugang zu Ressourcen, um immer mehr selbst Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Dementsprechend verändert sich das gesamte Ökosystem der traditionellen Player – niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser oder Rehabilitationseinrichtungen, aber auch Versicherungen, Pharmaunternehmen, Medizintechnikhersteller und Apotheken.




Peter Magunia, Roland Berger Healthcare Practice: „Unter der Oberfläche brodelt aber längst eine Revolution, die früher oder später auch die Institutionen des Gesundheitswesens mitreißen wird.“

Der Markt als Ganzes wächst. Dennoch bleibt die Frage, wie stark deutsche Unternehmen daran partizipieren können. So steht ein massiver Strukturwandel im institutionellen deutschen Gesundheitswesen noch aus, der diese Trends konsequent für die eigene Transformation nutzt. Am stärksten unter wirtschaftlichem Druck stehen in Deutschland seit Jahren die Krankenhäuser. Hier hat in den vergangenen Jahren bereits eine erste Konsolidierungswelle stattgefunden, viele Kliniken wurden an private Träger verkauft, einige gingen in die Insolvenz. Trotzdem arbeiten auch heute noch 50% der Kliniken nicht profitabel. Nicht gelöst ist zudem der massive und weiter zunehmende Fachkräftemangel, der die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens stark bremst. Auch wenn die neue Bundesregierung dies scheinbar erkannt hat, sind die bisher annoncierten Maßnahmen nicht ausreichend.

STARRE STRUKTUREN

Im Mittelpunkt der Bemühungen diverser Reformen steht seit jeher die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, vor allem durch stärkeren Druck auf stationäre Leistungserbringer, insbesondere Krankenhäuser. Die engen Handlungsspielräume und die starke Regulierung des Sektors machen es für die Beteiligten daher schwierig, eine weitreichende Transformation in die Wege zu leiten und sich in Richtung eines neuen Ökosystems weiterzuentwickeln.
Dabei müsste ein Wandel stattfinden, der Patienten noch stärker als bisher von stationären auf ambulante Leistungserbringer umverteilt (Ambulantisierung), der einer Digitalisierung Rechnung trägt und der die Personalisierung von medizinischen Leistungen ermöglicht. Gleichzeitig sind ausländische Großkonzerne wie Google oder Apple oder Private-Equity-Unternehmen auf dem Vormarsch und investieren erhebliche Sum¬men in skalierbare Gesundheitsdienstleistungen. Wegen des demografischen Wandels wächst insbesondere der Markt mit der Versorgung und Pflege von älteren Menschen sehr dynamisch. Die deutschen Unternehmen profitieren davon aber nur in geringem Maße, stattdessen haben ihn ausländische Investoren für sich entdeckt. Hier steht der Umbruch kurz bevor: Innerhalb kurzer Zeit werden beispielsweise stationäre und ambulante Pflegedienstleister sich von regionalen Einheiten zu nationalen, teilweise auch international skalierbaren Unternehmen wandeln.

PATIENT ODER KUNDE?

Auch Medizintechnikhersteller und Pharmaunternehmen stehen vor der Herausforderung, auf die großen Trends im Gesundheitswesen zu reagieren. Medizintechnikhersteller werden sich vom reinen Hardwarelieferanten zunehmend zu Software- und Datenspezialisten wandeln müssen, um personalisierte Leistungen anbieten zu können – ähnlich wie das auch in der übrigen Industrie geschieht. Und nicht nur das: Sie müssen entscheiden, ob sie selbst Gesundheitsdienstleistungen in ihrem Spezialbereich anbieten wollen. Der Einstieg als Hersteller von Röntgengeräten in den Betrieb von Radiologiepraxen ermöglicht es beispielsweise, deutlich näher an den Endkunden – den Patienten – zu rücken als bisher und basierend auf den gewonnenen Daten die Forschung und Entwicklung maßzuschneidern. Ähnliches gilt für Pharmahersteller. Sie können sich in Zukunft weniger auf Blockbuster als Profit Pools verlassen. Da die Diagnostik immer schneller, exakter und damit auch personalisierter wird, müssen sie massiv in die Personalisierung ihrer Produkte investieren. Damit stehen auch sie vor der Herausforderung, wie sie ein besseres Verständnis für den Endkunden erlangen können.

Sturmtief voraus

Die deutsche Wirtschaft ist im Konjunkturhoch, die Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Doch sie sollten darüber nicht vergessen, dass sie mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert sind: Digitalisierung, Fachkräftemangel, nachlassende Innovationskraft sowie protektionistischen Tendenzen – in vielen Branchen ist ein Strukturwandel dringend nötig. Doch viele Unternehmen machen sich das nicht rechtzeitig bewusst, bzw. sind darauf nicht ausreichend vorbereitet. Besonders betroffen ist auch das Gesundheitswesen, so die neue Roland Berger-Studie "Sturmtief voraus! Wo Unternehmen trotz guter Konjunktur mit sektoralen Krisen rechnen müssen".

Ökonomischer Druck wächst - Stürmische Zeiten in der Krankenhaus-IT
IT-Führungskräfte sind direkt mit den ökonomischen Problemen des Krankenhauswesens konfrontiert, sie können nicht 'auf Distanz' managen. Einen technologisch sowie wirtschaftlich vertretbaren Mittelweg zu finden, ist nur schwer möglich. Dabei könnte die flächendeckende Digitalisierung einen Quantensprung für die Strukturen der Gesundheitsversorgung auslösen. Über diesen Kraftakt – intern wie extern – diskutieren Brancheninsider.


Lesen Sie dazu die Titelstory im Krankenhaus-IT Journal, Ausgabe 1/2018.


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