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Veröffentlicht: 14.05.2018


Die elektronische Gesundheitskarte:

kaum noch attraktiv?

Das Projekt elektronische Gesundheitskarte erntet zunehmend schwere Kritik. Der Aufbau der für die Gesundheitskarte nötigen Telematik-Infrastruktur hat sich immer wieder verzögert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) thematisierte aktuell das „Aus“ der elektronischen Gesundheitskarte.

Stimmen aus der Branche kritisieren wiederholt die elektronische Gesundheitskarte (eGK): „Unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt“. Das Mammutprojekt startete vor 14 Jahren als „Exportschlager“. Die Einführung hat bislang mehr als 1,2 Milliarden Euro gekostet. Die elektronische Gesundheitskarte sehen nicht wenige als überholte Technologie an, die zu Monopolpreisen aufrechterhalten werde, wie der Chef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, anmahnte. Bis Ende 2018 würden dafür sogar zwei Milliarden Euro aufgewendet.

Geraten das E-Health-Gesetz und die eGK durch den Abpfiff in Konflikt? Offenbar misst Bundeskanzlerin Angela Merkel dem "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz)" als Wegbereiter der eGK kaum Bedeutung zu. Es enthält einen konkreten Fahrplan für die Einführung der digitalen Infrastruktur mit höchsten Sicherheitsstandards im Gesundheitswesen und nutzbringender Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte. Mit dem E-Health-Gesetz wird der gematik, der von den Selbstverwaltungspartnern im Gesundheitswesen gegründeten Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH und der Industrie ein Zeitfenster für die bundesweite Einführung der Telematik-Infrastruktur gegeben: Bis Ende 2018 sollen Arztpraxen und Krankenhäuser flächendeckend an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein. Die gesetzlichen Fristen haben dazu geführt, dass die Beteiligten intensiv daran arbeiten, den vorgegebenen Zeitrahmen einzuhalten. So theoretisiert im laufenden Jahr 2018 das Bundesministerium für Gesundheit. (1)

Alternativen beim worst case

Maßgebliche Industrieverbände intonierten dringlich: „Elektronische Patientenakte: Umsetzung dieses Projekts darf nicht scheitern.“ Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bivtg, schätzte am 16.08.2017 im Krankenhaus IT Journal die Lage ein. „Generell ist es sicherlich nicht der beste Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung, eine Technologie gesetzlich vorzuschreiben. Vielmehr braucht es in Deutschland eine Umgebung, die Innovationen fördert und die Digitalisierung befördert. Außerdem sollten alle Beteiligten endlich das Verständnis dafür aufbringen, dass Investitionen in die digitale Kommunikation – und zwar in viel höherem Maße als bisher – zwingend notwendig sind, um der Wucht des demographischen Wandels begegnen zu können.“ (2)

Über Alternativen beim worst case zur elektronischen Gesundheitskarte meinte Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des bitkom, sarkastisch: „Wir haben ja jetzt schon eine Alternative, und die heißt Papier. Nichts ist unsicherer und nichts ist umständlicher als Papier. Zu einer eGK gibt es Alternativen, aber es gibt nichts, was besser ist.“ (3)

Neue Pläne bis zur Sommerpause

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab beim Thema eGK Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens augenscheinlich freie Hand. Er will bis zur Sommerpause seine Pläne für den Zugriff auf elektronische Patientendaten veröffentlichen. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung war von ihm zu lesen, dafür sei die Weiterentwicklung der Gesundheitskarte eine Möglichkeit, aber nicht die attraktivste. Die Patienten wünschten sich einen einfachen und sicheren Zugriff, etwa per Handy, erklärte der CDU-Politiker.
Die eGK als Nachfolgerin der Versichertenkarte ist nur ein Speichermedium für die Stammdaten der Patienten. Vermerkt sind lediglich Name, Geburtsdatum, Adresse, Foto und Versichertennummer. Derzeit können über die Karte weder Rezepte eingelesen, noch Krankenakten verschickt werden. Zeit also für eine professionelle Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dabei könnten Spahns Pläne für ein Bürgerportal, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, Hand in Hand gehen; übrigens auch eine Perspektive für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der zunächst hoch gehandelte „Exportschlager“ ist nach wie vor nicht viel mehr als ein „Mitgliedsausweis“. (4)



Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: will bis zur Sommerpause seine Pläne für den Zugriff auf elektronische Patientendaten veröffentlichen.


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn forderte die Ärzte auf, in die dafür notwendige digitale Infrastruktur zu investieren. Mit Blick auf die Anbindung der Praxen an die Telematik-Infrastruktur zog Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV, im März 2018 ein ernüchterndes Fazit. „Unsere Marktanalyse aus den zum jetzigen Zeitpunkt verfügbaren Informationen hat ergeben, dass im dritten Quartal 2018 voraussichtlich kein Angebot verfügbar sein wird, das die Refinanzierung der TI-Komponenten sichert.“ (5)


(1) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/e/e-health-gesetz/?L=0
(2) http://www.medizin-edv.de/modules/AMS/article.php?storyid=4312
(3) http://www.medizin-edv.de/modules/AMS/article.php?storyid=4311
(4) AOK-Bundesvorsitzende Martin Lisch der F.A.Z.
(5) http://www.medizin-edv.de/modules/AMS/article.php?storyid=4467

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