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Veröffentlicht: 01.06.2018


Digital Health: Chancen, Risiken und

Nebenwirkungen

Mit dem Gesundheitswesen widmete sich der MÜNCHNER KREIS unter dem Motto „Digital Health – Chance oder Risiken und Nebenwirkungen?“ einem besonders sensiblen Bereich, der letztendlich jeden betrifft. Wie die Digitalisierung und die Nutzung großer Datenmengen zur Verbesserung der Patientengesundheit beitragen und welche Chancen und Risiken sich ergeben, diskutierten rund 140 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik am 16. Mai auf der Fachkonferenz „Digitalisierung und Big Data als Treiber für ein patienten- und outcome-orientiertes Gesundheitswesen“.

„Das Gesundheitswesen ist im Bereich der Digitalisierung noch eine Baustelle – hier werden jetzt die Weichen gestellt“, beschrieb Bernhard Seidenath, Mitglied des Bayerischen Landtags und gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, die aktuelle Lage in Deutschland. Nur durch eine bessere Vernetzung aller Akteure und einen effizienteren Datenaustausch könne die Behandlung der Patienten optimiert und auf diese Weise letztendlich bessere Ergebnisse erzielt werden, so Seidenath in seiner Einführungsrede.

Infrastruktur und Service, Big Data und Datenschutz

Deutlich wurde: Eine funktionierende Infrastruktur ist die Voraussetzung für die Implementierung konkreter Services und Plattformen im Bereich „Digital Health“. Prof. Dr Bernhard Wolf, Technische Universität München, erläuterte: „Gerade für die Gesundheitsbranche brauchen wir hohe Kapazitäten in der Breitbandverfügbarkeit. Dieser Aspekt ist bisher leider vernachlässigt worden.“ Damit der Datenaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren reibungslos und patientenorientiert erfolgen kann, ist darüber hinaus eine Vereinheitlichung der Schnittstellen und existierenden Anwendungsstandards unerlässlich.

Die Einführung von Gesundheitsdatenzentren bietet die Möglichkeit der Analyse großer Datensätze, beispielsweise für die Therapie- und Versorgungsforschung, anhand derer eine Ableitung verbesserter Behandlungsmethoden erfolgen kann. Gleichzeitig wirft das „Sharing“ von Patientendaten die Frage nach den richtigen Schutzmechanismen und gesetzlichen Rahmenbedingungen auf. Dr. Fabian Prasser vom Klinikum rechts der Isar machte deutlich, dass durch unterschiedliche Verfahren der Datentransformation, wie Pseudonymisierung oder Stichprobenziehung, sichergestellt werden müsse, dass die verwendeten Daten nicht re-identifizierbar seien. „Im Endeffekt ist Datenschutz auch ein Abwägungsprozess zwischen Risiko vs. Nützlichkeit – hier sollte immer zum Wohle des Patienten entschieden werden“, urteilte der Experte für Datenschutz in der Medizin.

Internationaler Vergleich

Länder wie Estland, Dänemark, Japan oder Norwegen sind Vorreiter im Bereich „Digital Health“. Dessen ungeachtet hinke die Digitalisierung des Gesundheitssystems – beispielsweise verglichen mit dem Finanzsektor – international hinterher, analysierte Dr. Stefan Biesdorf, McKinsey & Company, Inc. Dass dies neben schwerfälligen regulativen Fortschritten zumeist an Denkansätzen und weniger an technischen Voraussetzungen liegt, brachte Professor Josef Noll, Basic Foundation, Kjeller und Universität Oslo auf den Punkt: Während in Deutschland noch „System Thinking“ vorherrsche, gäbe es in Norwegen eine vernetzte „Try and Succeed“ Herangehensweise.

Zum Abschluss der Fachkonferenz resümierte Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender des MÜNCHNER KREIS: „Die Herausforderungen liegen auf der Hand. Jetzt gilt es, konkrete Lösungsansätze zu finden, um das Gesundheitssystems unterstützen zu können und Potenziale der Digitalisierung zu nutzen. Dabei darf die Digitalisierung kein Selbstzweck sein, sondern ein Instrument zum Wohle des Patienten.“

Die digitale Transformation betrifft alle Lebensbereiche. Sämtliche Branchen erfinden sich mittlerweile neu. Unter dem Motto „Digital Health – Chance oder Risiken und Nebenwirkungen?“ wurden in Vorträgen und Podiumsdiskussionen konkrete Anwendungsbereiche thematisiert und anhand des Blicks in andere Länder gezeigt, wie die Digitalisierung das Gesundheitswesen verbessern kann.

Dr. Fabian Prasser, Klinikum rechts der Isar: „Im Endeffekt ist Datenschutz auch ein Abwägungsprozess zwischen Risiko vs. Nützlichkeit – hier sollte immer zum Wohle des Patienten entschieden werden.“ (Foto: Andreas J. Focke)

Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender MÜNCHNER KREIS: „Jetzt gilt es, konkrete Lösungsansätze zu finden, um das Gesundheitssystems unterstützen zu können und Potenziale der Digitalisierung zu nutzen.“ (Foto: MÜNCHNER KREIS)

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