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Veröffentlicht: 25.06.2018


3. BVMI-Fortbildungsveranstaltung
in Berlin am 19. Juni 2018

Medizininformatik – Was kommt beim Patienten
an?


Am 18.06.2018 startete die Veranstaltung mit einem get together im Rahmen des Health-IT Talk Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Bayer AG und deren Programm Grants4Apps (G4A). Bayer und der Health-IT Talk luden am Bayer-Sitz in Berlin zu einem Happening unter dem Motto „Startup meets Medizininformatik“ ein.

Vertreten waren fünf Startup-Unternehmen mit ihren Anwendungen. Dazu gehörten Turbine (Simulation des inneren Zellverhaltens zur Forschungsoptimierung), Scalable Minds (Hirnforschung in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut), SubliMD (Aufnahme- und Anamnese-Optimierung für Notaufnahmen, Kliniken und Arztpraxen), Vivy (elektronische Gesundheitsakte für den Patienten) und Volutara Flyhappy (Evidenzbasierte Therapie gegen Flugangst). Ergänzend fand eine Panel Discussion mit Vertretern der StartUps und Vertretern der klassischen Medizintechnik statt. Die Medizintechnik wurde dabei u.a. von Prof. Dr. Thomas Schrader von der TH Brandenburg repräsentiert. Die Veranstaltungssprache fand auf Englisch statt. Passend zu Szene und einem internationalen Konzern als Gastgeber.

Am 19.06.2018 startete am Morgen die 3. BVMI-Fortbildungsveranstaltung mit einem hochkarätigen Vortragsprogramm dann wieder auf Deutsch. In insgesamt vier Sessions wurde vorgestellt und diskutiert in wie weit mittlerweile der Patient tatsächlich in den Fokus der Entwicklungen von Lösungen der Anbieter und der Medizininformatik getreten ist. Die vergangenen Jahre zeigten zumeist – bis zur Manifestation der „Apps“ über die Smartphone-Entwicklung – eine eher verhaltene Ausrichtung der Softwareentwicklungen auf den Patienten. Die vier Sessions unter den Überschriften „Wissenschaft“, „Krankenkassen“, „Krankenversorgung“ und „Politik“ wurden durch jeweils zwei Referenten besetzt und waren durchgängig von 20 bis 30 Teilnehmern besucht.

Das Format folgte dabei der bewährten Form von Präsentation und Diskussion inkl. Networking-Möglichkeiten. Die Sessions sind dabei zeitlich jeweils präzise gedrittelt. 2/3 entfallen auf die beiden Vorträge, 1/3 auf die anschließende Diskussion. Darüber hinaus kann im Rahmen der Pause nach jeder Session das Thema weitergeführt und das Networking der Anwesenden vertieft werden. In den einzelnen Sessions reichte die Zeit für die Diskussion bei dieser Veranstaltung kaum aus, um die vielen Fragen und Antworten zu behandeln.
Michael Engelhorn und Christoph Seidel vom BVMI begrüßten zur Einleitung die Teilnehmer, zudem überbrachte Cosima Pfenninger vom BMBF ein Grußwort des Ministeriums.

Michael Engelhorn

Christoph Seidel

Cosima Pfenninger

In der Session I stellten Volker Lowitsch (RWTH) und Björn Schreiweis (UKSH, zuvor Heidelberg) zwei Projekte der Medizininformatik-Initiative vor. Lowitsch „SMITH“ (Marketplace-Idee für medizinische Algorithmen und ähnliche Ansätze) und Schreiweis „HIGHmed“ (Zusammenführung anonymer Patientendaten für die Forschung und medizinische Entwicklung auf Basis von OpenEHR und anderen Werkzeugen).

Volker Lowitsch (RWTH)

Björn Schreiweis (UKSH, zuvor Heidelberg)

Die Session II widmete sich Angeboten zu elektronischen Gesundheitsakten für den Patienten. Nachdem jahrelang entsprechende Angebote gescheitert waren (z.B. Lifesensor der ICW) haben jüngst eine Vielzahl von Produkten Zugang in den Markt gefunden und stecken derzeit ihre Claims ab, wie Markus Bönig von Vitabook zu berichten wusste. Christian Klose stellte die Akte der AOK Nordost vor, die aktuell im Roll-Out in Mecklenburg-Vorpommern ist und dort derzeit ca. 8.000 Versicherte erfasst sowie von Klinikkonzernen wie Sana und Vivantes integriert werden soll. 80% der AOK Nordost-Akte basieren auf dem ELGA-Konzept aus Österreich. 60% des Aufwands fließen jedoch in den Datenschutz. Markus Bönig von Vitabook ging auf die Herausforderungen eines regulierten Marktes für freie und unabhängige Anbieter ein, sowie die grundsätzlichen Überlegungen zur Datenhoheit einer digitalen Patientenakte des Bürgers und den Unterschieden in den Angeboten die letztendlich die Entscheidung des Patienten begründen würden. Dabei geht es in erster Linie um einfachen Zugang zu Leistungen des Gesundheitswesens und Mehrwerte für den täglichen Gebrauch. Zudem warf er die Frage auf, inwieweit die Kostenträger nach dem §68 SGB V die Kosten für elektronische Gesundheitsakten ihrer Patienten übernehmen, Wenn sie gleichzeitig ein eigenes Angebot zur Verfügung stellen?

Christian Klose

Markus Bönig

In Session III kamen Anbieter aus der Krankenversorgung zu Wort. Andreas Hempel von Helios berichtete über das Patientenportal Hello und die darin enthaltenen Patientenservices der Helios Kliniken. Im Wesentlichen findet sich hier eine nahe Verwandtschaft zu den elektronischen Gesundheitsakten der Session II, wobei Teilnehmer an Hello innerhalb der Kliniken kostenloses WLAN genießen dürfen. Marcel Weigand als Vertreter Weissen Liste und vom Aktionsbündnis Patientensicherheit eröffnete seinen Beitrag mit dem schönen Zitat „In Deutschland kann man keine fünf Minuten über das Gesundheitswesen reden, ohne dass der Begriff Regulierung fällt.“ und widmete sich in der Folge den Vorteilen der Digitalisierung für den Patienten am Beispiel der möglichen Reduzierung von Krankenhauseinweisungen auf Grundlage fehlender Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS), die jährlich mit bis zu 500.000 Fällen angegeben sind. Zudem stellte er die Checkliste für Gesundheits-Apps des Aktionsbündnisses vor.

Andreas Hempel

Marcel Weigand

Session IV, unter dem Motto „aus der Politik“, wurde von RA Christian Dierks und Jörg Marquardt von der Gematik bestritten. Dierks widmete sich dabei verschiedenen Fragestellungen und Problemen der aktuellen Datenschutzlage und wies auf einigen Interpretationsspielraum hin. Dabei stellte er fest, dass zukünftig sogenannte „Befugnisnormen“ die „Einwilligung“ ersetzen werden, da diese einen sicheren Handlungsrahmen liefern können, denn Einwilligungen sind dort nicht erforderlich, wo man sich auf Gesetze stützen kann. Einige eingängige Aussagen werden den Teilnehmern sicherlich im Gedächtnis bleiben so zum Beispiel: „Beteiligt wird wer maßgeblich ist, maßgeblich ist, wer beteiligt wird.“ Ein Selbstregelungskreis in geschlossenen Systemen. Jörg Marquardt widmete sich dem gegenüber dem aktuellen Status der Telematikinfrastruktur (TI) und wies nochmals eindringlich darauf hin, dass eGK und TI nicht das Gleiche darstellen. Die Entwicklung hat die eGK längst überholt, während auf der TI unterschiedlichste „Anwendungen“ im Sinne von Spezifikationen nunmehr verfügbar sind und durch Produkte mit Leben gefüllt werden können. Dazu gehören das Notfalldatenmanagement (NFDM) inkl. Medikationsdaten sowie diverse freiwilige Anwendungen wie der elektronische Medikationsplan (eMP) i.S. der AMTS, die ePA, das elektronische Patientenfach (ePF), die AdV (Anwendungen des Versicherten) inkl. der Option temporärer Datenfreischaltungen sowie Gesundheitsdatendienste und die elektronische Fallakte (GDD/EFA). Ein Tenor des Beitrags wäre die wünschenswerte Verbesserung der Kommunikation der Gesellschafter der Gematik (Selbstverwaltung) in Richtung auf die Bürger.

RA Christian Dierks

Jörg Marquardt

Zum Ende der Veranstaltung gab es eine launige Zusammenfassung der Veranstaltung und der acht Beiträge „aus Sicht des Bürgers“. Michael Thoss fasste seine Wahrnehmungen aus der Veranstaltung zusammen und kam zu der Erkenntnis, dass er sich zukünftig als Pflichtversicherter mit privater Zusatzversicherung und bei einem Krankenhausaufenthalt bei Helios mit drei verschiedenen Gesundheitsakten zu seiner Person beschäftigen könnte und dafür aber zumindest bei Helios kostenloses WLAN bekäme.

Michael Thoss

Die Veranstaltung erntete große Zustimmung seitens der Teilnehmer hinsichtlich der Qualität und Aktualität der Inhalte sowie der Gelegenheit zu Diskussion und Networking und wird voraussichtlich im nächsten Jahr ihre vierte Wiederholung erfahren.

Get together

Veranstalter und Kontakt / Programmverantwortlicher

BVMI, Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V.
Michael Engelhorn (michael.engelhorn@bvmi.de)


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