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Veröffentlicht: 15.08.2018


Health-IT Talk Berlin-Brandenburg


Wearables & Medizintechnik –
Wie sicher sind sie und
worauf kann man sich verlassen?


Teilnehmer des Health-IT Talk

Der Health-IT-Talk am 13. August 2018 befasste sich mit der Verlässlichkeit und Sicherheit unterschiedlicher Geräte und Geräteklassen in der medizinischen Anwendung. Zwei Referenten waren eingeladen, die auf der einen Seite einen breiten Überblick über die Wearables-Szene gaben und zum anderen mit einem kritischen Medizinprodukt wie dem Herzschrittmacher in die Tiefe gingen. Fast 60 Teilnehmer fanden sich zur Veranstaltung ein (bei 87 Anmeldungen).

Im ersten Vortrag des Tages ging es um die „Spielwiese“ der unterschiedlichsten Gesundheits-Apps und Features. Unter dem Titel „Do it yourself - Health mit Wearable, Smartphone und Co.” stellte Florian Schumacher persönliche Erfahrungen mit allerlei Technik vor.

Florian Schumacher

Smartphones und Wearables können schon heute helfen Krankheiten zu erkennen und vielleicht zu verhindern. Die Geräte ermöglichen Personen mehr Kontrolle über die eigene Gesundheit und revolutionieren die Versorgung. Seit mittlerweile zehn Jahren vereinfachen Smartphones unser Berufs- und Privatleben und auch für unsere Gesundheit spielen sie eine immer größere Rolle. In Kombination mit vernetzten Geräten leisten sie einen großen Beitrag zur Prävention von Krankheiten, aber auch Therapie und Forschung werden durch die mobilen Computer maßgeblich beeinflusst. Hintergründe zu Hard- und Software von Smartphones und Wearables, Techniktrends und zukünftige Gesundheitsanwendungen auf Basis der digitalen Multitalente stellte Florian Schumacher, von iGrowDigital, vor. Viele Elemente seiner Präsentation hat er am eigenen Leib getestet, von der Genom-Analyse, über Fitness-Anzüge bis zu Wearables der klassischen Natur und den zugehörigen Auswertungsmöglichkeiten und Anwendungen. Wobei es ihm nicht erspart blieb, nach einer Genom-Analyse für 10$, zu seinen geschmacksrelevanten Genomanteilen, mit Wein-Werbung konfrontiert zu werden. Wearables sind noch weit weg von der medizinisch validen Qualität klassischer Laboruntersuchungen. Darin ist jedoch nicht der Fokus zu sehen, sondern in der Prävention. Derzeit fokussieren Wearables vornehmlich den aktiven, oder eigen-initiativen Menschen. Jedoch ist die typische Halbwertzeit von Fitnesstrackern und Gesundheits-Apps aktuell eher mit der Mitgliedschaft im Sportstudio zu vergleichen – irgendwann lässt die Motivation nach. Daher benötigt man interessante Features und Zusatzangebote. Schumacher stellte verschiedene Apps vor, darunter Lark, LogAMeal, Helix und Mindstrong. Da die ärztliche Kenntnisnahme der entstehenden Massendaten bisher nicht geregelt oder gelöst ist, wies er die Teilnehmer auf die Notwendigkeit der eigenen Initiative im Rahmen von Anamnesen hin. Eine komprimierte Darstellung des persönlichen Trackings für den Hausarzt kann durchaus relevante Schlüsse zulassen und die Diagnostik abrunden. Es wäre aber vermessen bereits an eine Freiwilligkeit oder ein ausgeprägtes Interesse der Mediziner zu glauben, zumal viele der verfügbaren Daten nicht valide sind und weiterhin zu große Spielräume aufweisen. In der persönlichen Prävention erzeugen die Apps aber bereits großen Nutzen. Damit wird auch die Früherkennung von Krankheiten sowie die mögliche Therapie durchaus wirkungsvoll unterstützt.

Der zweite Vortrag der Veranstaltung befasste sich der Cybersecurity für aktive kardiologische Implantate am Beispiel der Herzschrittmacher von Biotronik. Referent war Dr. Volker Lang.

Dr. Volker Lang

In moderne Medizinprodukte werden immer mehr Parameter und Funktionen eingebaut. Einige davon für die Kommunikation mit externen Geräten. So "bequem" und nützlich dies in vielen Fällen auch ist, sie eröffnen neue Möglichkeiten des Angriffs auf Medizingeräte. Besonders deutlich wird dies bei Implantaten. Wer kann sich schon des "Horrorszenarios" entziehen, wenn ein implantierter Herzschrittmacher von außen gesteuert wird und dem Patienten den Herzrhythmus vorgibt bzw. ihn gänzlich abschaltet. Herzschrittmacher verfügen heute häufig über eine Defibrillatorfunktion (IDC). Eine Standardfunktion dieser IDC ist die sogenannte „shock-on-t“, mittels derer ein Herz auch gestoppt werden kann. Mit durchaus relevantem medizinischen Hintergrund.
Passend zur Veranstaltung ergab sich in den USA der Skandal um den Hersteller Medtronic (siehe Presse vom 10.08.2018) dessen Schrittmacher einen schweren Sicherheitsmangel im Sinne einer Schwachstelle der externen Parametereinstellung aufwiesen. Ein amerikanischer Sicherheitsforscher (Billy Rios) hatte Medtronic über 12 Monate immer wieder auf diesen Mangel hingewiesen. Das Unternehmen reagierte jedoch in keiner Weise, so dass Rios kurz vor der Health-IT Talk-Veranstaltung an die Öffentlichkeit ging. Man muss bei solchen Technologien davon ausgehen, dass die Nutzung sich über minimal 5 bis zu 12 und mehr Jahren erstreckt, was eine ständige Überprüfung der Sicherheit und zugehörigen Prozesse erforderlich macht. Im Gegensatz zu Europa, wo Medizintechnikzulassungen zumeist nur befristet für durchschnittlich fünf Jahre gelten, sind die Zulassungen der USA unbefristet gültig. Ein Sicherheitsmanko. Aus Sicht von Biotronik ist daher Cybersicherheit ein Prozess, der sich durch alle Stufen der Entwicklung, Fertigung, Implantation und Betrieb der Produkte zieht. Das Unternehmen setzt auf diverse Zertifizierungen zur Prozesskontrolle u.a. ISO 14971 (RM MedProdukte), ISO 13485 (QM MedProdukte) und ISO 27001 (ISMS). Es verzichtet zudem aktuell bewusst auf eine webbasierte Zugangsmöglichkeit zu den Produkten um eine qualifizierte Authentisierung der Anwender im Rahmen der Parametrierung von Schrittmachern sicherzustellen. Angesichts ca. 200 möglicher Parameter eine beruhigende Herangehensweise, vor allem da einer der Parameter auch „aus“ ist. Biotronik arbeitet eng mit dem ICS-CERT (Programm des Nationalen Cybersicherheits- und Kommunikationsintegrationszentrums NCCIC der USA) zusammen. Das NCCIC liegt unter der Verantwortung von Homeland Security und unterstützt Hersteller bei Bedrohungen und deren Früherkennung. In Zusammenarbeit mit der Heart Rhythm Society (USA) verfasste Biotronik zudem das Dokument „Cybersecurity Vulnerabilities of Cardiac Implantable Electronic Devices“.
Beide Vorträge lösten jeweils eine rege Diskussion aus, die von den Teilnehmern noch im Anschluss im Rahmen des Networkings fortgeführt wurde.



1 Veranstaltungsreihe - 3 Netzwerke und mehr

Die Health-IT-Veranstaltungsreihe in Berlin-Brandenburg


Gesundheitswirtschaft und Health-IT stellen den größten Wirtschaftsfaktor in der Bundesrepublik dar. Im Schmelztiegel Berlin-Brandenburg mit einer engmaschigen Klinik-Landschaft, Forschungsinstitutionen, Startups, Pharma, IT- und Medizintechnik-Industrie in Verbindung zur nahen Gesundheitspolitik und –wirtschaft, kommt es zu einem fruchtbaren Austausch zwischen Industrie, medizinischem Personal, Ingenieuren und den Multiplikatoren in die Health 2.0-Welt.
Um den Veranstaltungskalender der Region zu entlasten und mehr Qualität zu präsentieren arbeiten die Netzwerke von BVMI, KHIT und SIBB zusammen. 10-12 hochwertige Veranstaltungen werden pro Jahr angeboten. Die Reihe wird von der TMF unterstützt.

www.health-it-talk.de (Berlin-Brandenburg)



Veranstalter und Kontakt / Programmverantwortlicher

Health-IT Talk Berlin-Brandenburg (HITT BB, www.health-it-talk.de)
Eine Kooperation der Verbände BVMI, KH-IT und SIBB mit Unterstützung der TMF
Programmrat HITT BB Stefan Zorn (Programm)
Programmrat HITT BB Michael Thoss (Pressearbeit, thoss@health-it-talk.com)


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