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Veröffentlicht: 21.08.2018


Tendenzen und Perspektiven im Gesundheitsmarkt

Interview: Insider-Erfahrungen aus einem Vierteljahrhundert

Dr. Aykut Uslu ist über 25 Jahre als Experte im Gesundheitssektor aktiv – sowohl auf Seiten der IT als auch auf der diagnostischen Geräteseite. Dabei hat der Brancheninsider zahlreiche Trends kommen und gehen gesehen. Tendenzen und Perspektiven für Akteure im Gesundheitsmarkt skizziert Dr. Aykut Uslu.

Dr. Aykut M. Uslu, USLU Medizininformatik: „Für die Akteure im Gesundheitswesen gilt höchstwahrscheinlich: Betuchte werden die Profiteure sein, Mittellose hingegen die Verlierer.“

Einige jahrelange Entwicklungen warten noch auf ein gutes Ende. Zum Beispiel: Wie weit haben diagnostische Großgeräte wie CT und MRT ihren Platz in einer nahtlosen Behandlungskette gefunden? Wo sind noch Defizite zu sehen und zu beheben?

Dr. Aykut Uslu: Die CT- und MRT-Systeme stellen nach den Röntgenstrahlen zweifellos die nächste Revolution in der medizinischen Diagnostik dar. Ihre präzisen diagnostischen Aussagen erleichtern die zu erfolgenden Therapien enorm. Sinnvollen Optimierungsbedarf sehe ich allerdings bei den CT-Systemen bei der weiteren Dosisreduktion. Bei MRTs zu optimieren ist die ergonomischere Bauweise, z.B. durch kürzeren Tunnel und bei niedrigerem Geräuschpegel der Spulen. Ein neues Verfahren, das wirtschaftlicheres und effizienteres Handling des Heliumbedarfs ermöglicht, kann die Betriebskosten reduzieren und den Patientendurchsatz erhöhen.

Ein weiteres Beispiel: Es gibt die multifunktionale Einheit aus KIS, RIS, PACS immer noch nicht. Hierdurch könnten Vorteile für Ärzte und Krankenhäuser bestehen. Warum ist sie noch nicht realisiert?

Dr. Aykut Uslu: Dafür müssten alle prozessbeteiligten Hersteller ihre Schnittstellen offenlegen. Die Mehrheit der Hersteller praktiziert jedoch gerade das Gegenteil, weil ein offener Markt nicht erwünscht ist. Daher wird diese Integration - auch wenn Standards wie HL7 und DICOM sowie IHE als Plattform sehr förderlich sind - noch eine Weile eine schwierige Angelegenheit bleiben.

Und noch ein Beispiel: In den vergangenen Jahren beobachten wir ein allmähliches Zusammenwachsen von IT und MT in den Krankenhäusern. Wer zieht hier wen mit? Wo bestehen noch Lücken und warum?

Dr. Aykut Uslu: Aktuell zieht mal die eine, mal die andere in ihre jeweilige Richtung, es herrscht Kompetenzgerangel pur. Der Führungsspitze im Krankenhaus fehlt der richtige Durchblick um einzugreifen, da sie von beiden Abteilungen unterschiedlich und den jeweiligen Interessen entsprechend informiert wird, aber Berater nicht zur Klärung involviert sind. Die Nutzerwünsche und die wirtschaftliche Realisierbarkeit müssen unmittelbar im Einklang stehen.

Neue Tendenzen im Gesundheitsmarkt scheinen Akteure und Anwendungen besonders zu prägen, denken wir etwa an die Künstliche Intelligenz (KI) und ihren Einfluss auf die Radiologie. Welche Zukunft hat der Radiologe?

Dr. Aykut Uslu: Keine Frage: Die KI-basierte Bildinterpretation wird eine Neuordnung der Arbeitsabläufe der Radiologen und radiologischen Personals auslösen. Ein von Routineaufgaben entlasteter Radiologe wird sich bestimmt bei anderen Aufgaben einbringen, etwa Interventionen oder Erstellung von interdisziplinären Therapiekonzepten. Eine Abnahme des Radiologenbedarfs scheint allerdings wahrscheinlich.

Der 3 D-Druck setzt sich auch im Gesundheitswesen durch. Welche Konsequenzen zeichnen sich ab in Bezug auf Industrie, Ärzteschaft und Ethik-Werte?

Dr. Aykut Uslu: Durch den 3D-Druck werden manche Geräteteile in der Herstellung billiger und leichter zu produzieren. Dies kann durchaus zu qualitativen Verbesserungen und einer Preissenkung von Geräten führen. Der Arztberuf wird vermutlich durch den 3D-Druck und die KI-basierten Anwendungen neu definiert – an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Auf die Ethikexperten kommen dabei schwere Zeiten zu.

Welche Chancen geben Sie der Connected Health?

Dr. Aykut Uslu: Connected Health (Telemedizin+Tele Health+MobileHealth) kann mittels geeigneter Versorgungsmodelle helfen, Gesundheitsdienste aus der Ferne anzubieten. Dabei können auch Patientendaten jederzeit und in jeder Entfernung für diagnostische therapeutische oder wissenschaftliche Zwecke erfasst und übertragen werden. Mit starkem Rückenwind aus der Politik steht die lang ersehnte Einführung dieses Dienstes kurz bevor.

Welche Perspektive sehen Sie für die konträr diskutierte digitale Gesundheitskarte?

Dr. Aykut Uslu: Die (Schein-) Datenschutzdebatten und die hohen bürokratischen Hürden können den massiven Andrang der Digitaltechnologien irgendwann nicht mehr Stand halten, also sie wird kommen.

In der Pressemitteilung vom 18.03.2018 des Projektpartners IBM Deutschland heißt es: TK vernetzt ihre elektronische Gesundheitsakte (eGA) bundesweit mit Krankenhäusern. Und sie und die AOK Baden-Württemberg setzen sich gemeinsam für eine Standardisierung der Gesundheitsakten für Versicherte in Deutschland ein. Steht denn im nächsten Schritt etwa die Erweiterung der Versichertenkarten durch die verwendbaren Inhalte der eGK an? Denkbar wäre es.

Welchen Wandel erwarten Sie aus den neuen Technologien für Ärzteschaft und für Krankenhäuser?

Dr. Aykut Uslu: Der Arztberuf der Zukunft wird sich massiv ändern. Der Arzt wird mehr technisches Verständnis mitbringen müssen als bisher. Der Patient wird noch seltener im Mittelpunkt stehen, wirtschaftliche Gesichtspunkte werden es umso mehr. Hieran kann auch die öffentlich und lautstark vorgetragene Kritik kaum etwas ändern. Zu erwarten sind große Spannungen zwischen Wissenschaft und Ethik.

Das Bestreben in den Kliniken und Krankenhäusern nach mehr Wirtschaftlichkeit und Qualität in der Patientenversorgung steigt stetig. Krankenhäuser können dabei stärker unter Druck geraten als derzeit – ökonomisch und wegen mangelnder Transparenz. Es besteht ein Dilemma zwischen der medizinischen Leistung der Krankenhäuser für Patienten und der wirtschaftlichen Notwendigkeit für Umsatzsteigerung. Für die Akteure im Gesundheitswesen gilt höchstwahrscheinlich: Betuchte werden die Profiteure sein, Mittellose hingegen die Verlierer.


Medizintechnik und IT im Fokus

Dr. Aykut M. Uslu gründete die USLU Medizininformatik im April 1993 als Beratungs- und Planungsunternehmen in der Medizintechnik und der Medizin-IT.

Zahlreiche Experten aus den betreffenden Fachgebieten bilden gemeinsam mit Dr. Aykut Uslu das USLU Medizininformatik-Team. Die Hauptbetätigungsfelder des Unternehmens sind die Medizintechnik und die digitalen Informationstechnologien in der Medizin. Sein Beratungs-, Planungs- und Projektierungsangebot richtet sich hauptsächlich an Krankenhäusern und Kliniken. Bei der Auswahl geeigneter diagnostischer und therapeutischer Großgeräte, Linearbeschleunigern sowie digitalen Informationssystemen.

www.uslumedizininformatik.de

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