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Veröffentlicht: 17.11.2018


Malware legt Kreisklinik in Fürstenfeldbruck
komplett lahm

Der Münchner Merkur meldet, dass bereits seit einer Woche die elektronische Datenverarbeitung im Klinikum vollständig lahmgelegt ist (von Stefan Reich):
Noch ist nicht ganz klar, wie es zu dem EDV-Totalausfall kommen konnte. Doch vermutlich nahm das Unheil seinen Lauf, nachdem ein E-Mail-Anhang geöffnet wurde, in dem eine Schadsoftware versteckt war. Die breitete sich rasant im Netzwerk des Klinikum aus.

Der erste Rechner fiel am vergangenen Donnerstag gegen Mittag aus. Im Laufe des Tages meldeten immer weitere Abteilungen Probleme. Rechner fuhren sich selbstständig hoch und runter. Es half nur noch eins: Den Stromstecker ziehen. Ab dem zeitpunkt war klar, dass es sich um ein größeres Problem handelt. Erste Krisensitzungen wurden einberufen.

„Wir haben unser Haus der Integrierten Rettungsleitstelle abgemeldet“, sagt Klinik-Vorstand Alfons Groitl. Rettungsdienste bringen Notfall-Patienten seitdem bis auf wenige Ausnahmen in andere Krankenhäuser. „Wer persönlich in der Notaufnahme Fürstenfeldbruck erscheint, wird natürlich weiterhin behandelt“, versichert Groitl.
Klinikum Fürstenfeldbruck: Nicht ein einziger Computer funktionierte

Die medizinische Versorgung habe funktioniert, auch geplante Operationen hätten stattgefunden. Doch jeder zusätzliche Patient bedeutet derzeit enormen zusätzlichen Aufwand. Bis Dienstagabend funktionierte im ganzen Haus nicht ein einziger der rund 450 Computer. Auch am gestrigen Mittwoch waren erst einzelne Rechner wieder betriebsbereit.

Das bedeutet, dass jede Blutprobe, die an das Labor geht, händisch beschriftet werden muss. Normalerweise druckt ein Rechner auf Knopfdruck ein Etikett mit einem Strichcode aus. So können sämtliche Analyseergebnisse, die im Normalfall automatisch in den Computer einfließen, einer Probe direkt zugeordnet werden. Jetzt müssen die Mitarbeiter alle Ergebnisse aufschreiben.

Laborbefunde und andere Patientendaten, auf die jede Abteilung sonst von überall elektronisch zugreifen kann, müssen in Papierform durchs Haus getragen werden. Die gesamte Dokumentation von Behandlungen und Medikationen, selbst die Essens-Auswahl der Patienten funktioniert heutzutage normalerweise computergestützt. All das erfolgt jetzt händisch.

„Wir mussten alle den Block rauskramen“, sagt Klinikvorstand Groitl. Für viele Abläufe habe man Formulare vorrätig. Das sähen Notfall-Pläne so vor. Dennoch seien viele Krisengespräche und viel Improvisation erforderlich gewesen. Vor allem die EDV-Mitarbeiter hätten Nachtschichten geschoben. Doch am Samstagmorgen musste man einsehen, dass man das Problem nicht allein in den Griff bekommen würde. Seit Sonntag sind auch externe Experten im Haus.

Derzeit geht man davon aus, dass ein Trojaner für die Schäden verantwortlich ist, also eine Software, die sich in das System einschleicht. In diesem Fall soll es sich um eine Variante des „Trickbot“ handeln, der programmiert wurde, um Bankverbindungs-Daten auszuspähen.

Solche Programme verbreiten sich, wenn sie einmal in der Welt sind, oft selbstständig weiter. Groitl geht derzeit nicht davon aus, dass das Klinikum Fürstenfeldbruck gezielt angegriffen wurde. Auch Hinweise auf eine Erpressung gebe es nicht.

„Wir schauen jetzt, dass wir in jeder Abteilung wenigstens einen Rechner zur Verfügung haben“, sagt Groitl. Wann der Betrieb wieder uneingeschränkt möglich sei, könne man noch nicht seriös sagen.
Computervirus legt Kreisklinik lahm: Das Transportproblem

Vorerst bleibt das Klinikum auch von der Rettungsleitstelle (ILS) abgemeldet. Solange werden Notfall-Patienten, wenn die längere Transportzeit medizinisch verantwortbar ist, weiterhin nach Dachau, Landsberg oder Herrsching gebracht. Weil die Rettungswagen im Landkreis durch die weiteren Fahrten länger gebunden sind, reichten die reguläre Fahrzeugflotte zwischenzeitlich nicht mehr aus, um die Notfallversorgung sicherzustellen.

Zehn Transportfahrzeuge sind im Landkreis in der Regel unterwegs. Über den Landkreis verteilt sind mehrere Rettungsfahrzeuge stationiert, die nur im Katastrophenfall oder bei Großeinsätzen von ehrenamtlichen Bereitschaftsbesatzungen mobilisiert werden. Sie wurden ab Montagmittag für 24 Stunden zur Notfallversorgung herangezogen. Fünf zusätzliche Fahrzeuge samt Besatzungen hatte das Rote Kreuz im Einsatz, Malteser und Johanniter jeweils eines. „Das können wir im Bedarfsfall auch wieder leisten“, sagte BRK-Kreisgeschäftsführer Rainer Bertram. Das sei bestimmungsgemäßer Betrieb.

Sobald im Klinikum der reguläre Betrieb wiederhergestellt ist, beginnt die Aufarbeitung der Krise. „Wir haben eigentlich gedacht, dass wir in der Computer-Sicherheit gut aufgestellt sind“, sagte Klinik-Chef Groitl. „Doch es gibt Fragen, die wir uns stellen müssen: Was hätte man besser machen können? Und was kann man in Zukunft besser machen?“

Auch eine Schadensbilanz werde man ziehen müssen. „Es ist nicht so, dass unser Haus jetzt halb leer wäre. Aber wir haben sicher einen Erlösausfall, weil wir weniger Patienten aufnehmen“, sagt Groitl. In vielen Abteilungen fallen zudem zahlreiche Überstunden an. Die jetzt händisch erfassten Daten müssen irgendwann auch abgetippt werden.

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