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Veröffentlicht: 03.12.2018


InterSystems DACH Symposium 2018 - Healthcare
Forum

Gesundheitsakten – medizinische Akten –
Forschungsakten: Wie kommen die Daten in die
Akte?


Kongress- und Tagungshotel Lufthansa in Seeheim-Jugenheim

Unter dem Motto "IT neu denken. Digitale Innovation gestalten." fand vom 28.-30. November im Tagungshotel Lufthansa Seeheim in Seeheim-Jugenheim das InterSystems DACH Symposiums 2018 statt (#InterSystemsDach18). Mehr als 200 Wissenschaftler, Analysten und Branchenexperten nutzen die Gelegenheit sich zu informieren und darüber zu diskutieren, wie datenbasierte Geschäftsmodelle unser Leben verändern und wie moderne Anwendungen diese Entwicklung optimal unterstützen können. Stand der erste Veranstaltungstag noch im Zeichen der Entwicklung von branchenübergreifenden Ideen, so fanden am zweiten Tag des Symposiums das 7. InterSytems Healthcare Forum sowie weitere Fachforen zu Technologie und Innovation statt. Am dritten Tag erlaubten Hands-on Sessions einen Blick in die Praxis.

Healthcare Forum
Session 1: Gesundheitsakten

In seiner Keynote gaben Don Woodlock, Vice President HealthShare, und Jonathan Teich, Director Product Management HealthShare, einen Überblick über verschiedene Lösungen, die mit der HealthShare Produktfamilie, weltweit umgesetzt wurden und erläuterten die neuen funktionalen Möglichkeiten von HealthShare.

Die erste Session beschäftigte sich mit dem Thema "Gesundheitsakten", die zu einer besseren Behandlungssteuerung, höherer Adhärenz und mehr Selbstbestimmung durch die Verbraucher führen soll. Bislang werden diese Akten von Kostenträgern und auch anderen Anbietern präsentiert. Alexander Ihls, Strategic Business Development Manager Healthcare, InterSystems, stellte zunächst die Ergebnisse der Projektgruppe Aktenschnittstelle des bvitg e.V. vor.

Alexander Ihls, Strategic Business Development Manager Healthcare, InterSystems: "Dem Anwender ist es egal, wo die Dokumente herkommen."

Mit den Gesundheitsakten aus strategischer Sicht des Krankenhauses beschäftigte sich Dr. Adrian Schuster, Geschäftsführer MEDIQON medical columbus GmbH. Er ging der Frage nach, woher die Daten eigentlich kommen. So müssen medizinische, technische und administrative Daten sinnvoll verarbeitet werden. Dr. Schuster betonte auch die Nutzerfreundlichkeit der Datenmenge, denn die Datenflut werde immer größer und da sei es doch die Frage, ob die Daten ankommen, wo sie ankommen sollen, betonte Dr. Schuster. Er warnte auch vor der allgemeinen "Alert Fatigue" und erklärte, dass bis zu 96% der Warnmeldungen schlichtweg weggeklickt werden. Es bedarf einer Prozessänderung, aber der Anwender muss dabei mitgenommen werden, resümierte Dr. Schuster.

Dr. Adrian Schuster, Geschäftsführer MEDIQON medical columbus GmbH: "Viele Daten, viel Nutzen, viele Chancen - nicht umsonst!"

Im letzten Vortrag der Session "Gesundheitsakten" beleuchtete Roman Schweiger, Product Manager von der Vivy GmbH,die Integrationsmöglichkeiten von Vivy für Kliniken. Vivy ist die erste kassenfinanzierte elektronische Gesundheitsakte und -assistentin, die seit September 2018 im Echtbetrieb für aktuell 13,5 Millionen Versicherte in Deutschland läuft. In einer Live-Demonstration zeigte Schweiger den gesamten Funktionsumfang der App und zeigte die Vorteile einer Vernetzung von Kliniken und anderen Einrichtungen mit Vivy auf. Schweiger betonte den hohen Patientennutzen durch die App, bei der die Allianz eine Beteiligung besitzt. Höchste Datensicherheit ist gegeben, bekräftigt Schweiger und führt aus, dass Vivy mehr als eine elektronische Patientenakte sei. Die gute Marktresonanz bestätigt einen wachsenden Erfolg für das wachsende Unternehmen.

Roman Schweiger, Product Manager von der Vivy GmbH:"Wir bieten hohen Patientennutzen."

Session 2: Medizinische Akten

Im zweiten Teil des Healthcare Forums wurden die unterschiedlichen Umsetzungen der medizinischen Akten dargestellt, die sich in longitudinale Patientenakten, fallbezogene Akten (elektronische Fallakte – eFA) oder in indikationsspezifische Aktensysteme gliedern. Bernhard Haid, Leiter Demand und Innovation HealthCare IT, Sana IT Services GmbH, referierte über die Interoperabilität und Plattformkommunikation und konnte seine Erfahrungen aus Klinikkonzernsicht beitragen, da gerade die Umsetzung einer Patientenakte im Gang sei und er Einblicke in ein laufendes Projekt geben konnte. Für Haid ist es nicht sinnvoll, wenn jedes Krankenhaus seine eigenen Patientenportale hat, das erschwere den Prozess.

Bernhard Haid, Leiter Demand und Innovation HealthCare IT, Sana IT Services GmbH:"Beim Pilotprojekt 'Meine Schwangerschaft Plus' bleiben die Daten beim Leistungserbringer."

Über den "intersektoralen Einsatz von Fallakten (eFA)" referierte Lars Rüsing, Technischer Produktmanager, RZV Rechenzentrum Volmarstein GmbH, und zeigte die Voraussetzungen zum nachhaltigen Einsatz von Fallakten auf.
Zwei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in der eHealth-Plattform der RZV GmbH, die gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik ISST und der InterSystems GmbH ins Leben gerufen wurde. Die workfloworientierte Plattform basiert hierbei auf der elektronischen Fallakte mit standardisierten Schnittstellenprotokollen. Diese Systemstruktur gewährleistet eine größtmögliche Anbindung unterschiedlicher klinischer Systeme, inklusive deren Subsysteme. Eine konsequente Beachtung der innerhalb der eFA verarbeiteten IHE-Protokolle (IHE: Integrating the Healthcare Enterprise) bietet den anzudockenden Systemen eine transparente und flexible Schnittstelle zur Bereitstellung der Dokumente.
Mit der eHealth-Plattform lassen sich umfangreiche intersektorale Lösungen realisieren, mit dem digitalen MDK-Management ist bereits ein konkretes Anwendungsszenario umgesetzt worden. "Die einzelnen Akteure müssen sich untereinander verstehen," brachte Rüsing es auf den Punkt.

Lars Rüsing, Technischer Produktmanager, RZV Rechenzentrum Volmarstein GmbH:"Semantische Interoperabilität bei strukturierten Daten."

Stefan Schraps, Leiter Entwicklung und IT, vitasystems GmbH, hielt seinen Vortrag über "Interoperabilität und Semantik als Grundvoraussetzungen für Versorgung und Forschung". Er betonte, dass die Daten das Gold des 21. Jahrhunderts seien. Allerdings bedeutet ein Mehr an Daten nicht automatisch eine bessere Versorgung. Das sei ein Trugschluss, betonte Schraps. Für die sinnvolle Verwertung von Daten, müssen diese zunächst mal aus eingemauerten Systemen herausgeholt werden. Dafür benötigt man Interoperabilität (notwendige Bedingung). Allerdings ist dies immer noch nicht ausreichend ohne einen semantischen Kontext (hinreichende Bedingung), in dem die Daten vergleichbar gemacht werden können, weil sie einem einheitlichen zugrundeliegenden Datenmodell entspringen. Schraps zeigte in seinem Vortrag die Strategie, die dem Anspruch von vitasystems gerecht werden soll: "Get better - Für bessere Gesundheit durch digitalen Fortschritt."

Stefan Schraps, Leiter Entwicklung und IT, vitasystems GmbH:"Alles, was gemessen werden kann, wird gemessen und alles, was vernetzt werden kann, wird vernetzt."

Session 3: Forschungsakten

Die Förderung medizinisch vernetzter Forschung für eine verbesserte Patientenversorgung ist ein wesentliches Ziel der Medizininformatik-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Innovative IT-Lösungen sollen künftig den Austausch und die intelligente Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung ermöglichen.
In der dritten Session konnten diese Vorhaben für verschiedene Einrichtungen vorgestellt werden. So berichtete Prof. Dr. Thomas Ganslandt von der Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim, über die "Anforderungen an eine forschungskompatible Patientenakte aus Sicht der Medizininformatikinitiative". Die zunehmende intersektorale Versorgung verlangt eine einheitliche Spezifikation. Die Gefahr seien fragmentierte Dateninseln. Prof. Ganslandt führte auch die unzureichende Datenqualität an und stellte es als seine Definition "50 Shades of Raucherstatus" dar. Als Zweitverwerter müsse man in die Prozesse reingehen, um die Datenqualität zu verbessern, so Ganslandt. Doch es fehlten interne Standards und eine Harmonisierung.

Prof. Dr. Thomas Ganslandt von der Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät Mannheim:"Paradox: mehr Daten mit weniger Zugriffsmöglichkeit."

Stefan Schmidt von der Medizinischen Hochschule Hannover, referierte über die "Wiederverwendbarkeit von externen Kommunikationsstrecken im Gesundheitswesen" und erläuterte diese mit Hilfe der Strategie in seinem Haus in Hannover. Um bei der Datenkommunikation mit Dienstleistern im Gesundheitswesen keinen unübersichtlichen Wildwuchs verwalten zu müssen, baut die MHH gerade eine IHE-Plattform zur Kommunikation mit externen Partnern auf. Hier soll die Datenübertragung streng nach IHE-Profilen stattfinden. Als weitere Strategie wird geprüft, ob die so erstellten Kommunikationsstrecken nicht auch intern im Rahmen eines verteilten KIS Verwendung finden könnten.

Stefan Schmidt von der Medizinischen Hochschule Hannover:"Die Kommunikation intern und extern ist wichtig."

David Schreiber, T-Systems Multimedia Solutions GmbH, stellte die technischen Feinheiten von "Blockchain im Rahmen von klinischen Studien. Wie Blockchain die Probanden Rekrutierung unterstützen kann." dar.

David Schreiber,T-Systems Multimedia Solutions GmbH:"Wie sieht es bei Protokolländerungen aus?"

Demos "Use Cases mit HealthShare"

In den Pausen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Gesundheitsvernetzungsszenarien live zu erleben. So demonstrierte phellow seven den „Mobilen und sicheren Austausch von Gesundheitsdaten. Eine Tool Suite zur Patienteneinbindung in bestehende IHE XDS Affinity Domains" und T-Systems Multimedia Solutions GmbH zeigte „Selfservices auf Basis einer elektronischen Gesundheitsakte. Was entsteht, wenn man eine Bluetooth-Waage mit einem Chatbot kreuzt?“

Live-Demos von Vernetzungszenarien

Gedankenaustausch

Am Ende des Veranstaltungstags diskutierten die Teilnehmer als Gesamtpodium über das übergeordnete Thema "Gesundheitsakten – medizinische Akten – Forschungsakten" und resümierten, dass es sich nicht um drei verschiedene Aktenwelten handelt. Das wäre der "Tod dieser Akten", wie Alexander Ihls es auf den Punkt bringt. Gemeinsam ist den Akten, dass sie im gleichen System, also in der gleichen Plattform, mit den gleichen Standards, abgebildet werden können. Wichtig ist, dass die technischen Zugänge vereinheitlicht werden müssen, so dass man weiß wie die Daten rein- bzw. rauskommen. Ein wichtiges Thema bleibt die unterschiedliche Geschwindigkeit der Akten und deren Vernetzung. Als Aspekt verschiedener Diskussionen während des Healthcare Forums stellte Alexander Ihls schließlich die Frage in den Raum, wie es mit der Mutter-Akte bzw. Kind-Akte aussieht. Gehört die Akte mit Beginn der Volljährigkeit dem Kind? Und was passiert mit der Akte nach dem Tod? Und was ist mit den medizinischen Daten? All diese Fragen beschäftigten die Teilnehmer sehr und die Diskussion ging schließlich noch weiter - gibt es vielleicht sogar Datenspenden (gleich Organspenden), um die medizinischen Daten der Forschung zugänglich zu machen? Für die Folgegenerationen sind all diese Daten durchaus interessant. In dieser Hinsicht scheint Deutschland hinterherzuhinken, so wird in den USA bereits schon länger über dieses Thema diskutiert. Ihls bringt es mit ironischem Unterton auf den Punkt: "Das ist dann wie bei Amazon: Leute, die diese Erkrankung hatten, hatten auch die folgende Erkrankung....". Ebenso wurde die Frage diskutiert, ob es einen Unterschied zwischen einer professionellen Akte und einer patientendefinierten Akte gibt bzw. gemacht werden muss. Stichwort: Patient Empowerment. Das Patientenfach als solches gibt es nicht mehr und Ihls betonte, dass der Patient letzendlich entscheiden muss, welche Informationen der Arzt erhält. Doch hier bedarf es einer gründlichen Aufklärungsarbeit, ist doch eine gute Behandlung eventuell auch nicht möglich, sofern gewisse Daten vorenthalten werden. IHE bietet zwei Lösungsansätze: BPPC (Basic Patient Privacy Consents) und APPC (Advanced Patient Privacy Consents). In der Praxis stellt sich dann die Frage, ob der Patient das auch alles soweit umsetzen kann, das es ihm nützt und er nicht "vor sich selbst geschützt werden muss", so Ihls weiter. Für ihn ist es unumgänglich eine Organisation zu schaffen, die mit solchen Hoheitsrechten ausgestattet ist. Sie ist Ansprechpartner für eine Überprüfung sämtlicher Policies. Ein Thema, das auch beim Healthcare Forum nicht abschließend diskutiert werden konnte. Es gibt also weiterhin viel Diskussionsthemen für die Healthcare-Branche.

Save the Date: Das InterSystems DACH Symposium 2019 findet vom 12. – 14. November 2019 in Frankfurt/Main statt.

Fotos und Text: Dagmar Finlayson

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