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Veröffentlicht: 18.03.2019


Das Digitale Krankenhaus in Deutschland
Meeting-am-Meer 2019 mit Impulsen und Strategien

Grand Hotel Heiligendamm

Auf dem Meeting-am-Meer am 14. und 15. März 2019 in Heiligendamm lautete das Motto „Digitalisierung der Krankenhäuser - der richtige Weg“. Krankenhausverantwortliche erhielten innovative und umsetzbare Impulse über zukunftsorientierte und wirtschaftliche Strategien. Im 14. Jahr kamen wieder IT-Management und Führungsspitzen aus dem Gesundheitswesen mit renommierten Meinungsbildnern der Branche zu einem intensiven Erfahrungsaustausch über Perspektiven der Digitalisierung für Klinik und Patienten zusammen. Veranstalter war Prof. Wolfgang Riedel, IfK Institut für Krankenhauswesen, Braunschweig.

Das Digitale Krankenhaus in Deutschland – Ziele und Strategien umsetzen. Prof. Dr. Wolfgang Riedel, IfK Braunschweig

Die neuen Anforderungen zwingen die Kliniken, Innovationen einzubeziehen, ihre Personalressourcen optimal einzusetzen und Prozesse effektiver zu gestalten. Doch Kliniken fällt die Digitalisierungstransformation schwer. Hemmschwellen sind zahlreich. Krankenhäuser verwenden noch veraltete Software-Systeme. Die Abläufe belasten viele Sub-Systeme sowie nicht integrierte, autonome Strukturen. Hinzu kommen Schnittstellenprobleme bei der proprietären Medizintechnik. Prozesse sind nicht angepasst, die Aufgaben der IT-Abteilung bleiben ungeregelt. Dabei stehen die Zuständigkeiten von IT, Medizin- und Betriebstechnik oft nebeneinander und agieren nicht miteinander. „Hier ist eine Bestandsaufnahme als ein wichtiges Kriterium der Digitalisierung dringend notwendig“, betonte Prof. Riedel, „um die Ziele der Akteure für Personal, Patienten oder auch Partner herauszustellen.“ Dieser Appell ergeht von Prof. Riedel schon seit Jahren. (Hören Sie dazu das Interview.)
Das Masterkonzept könne dabei in die Teile KIS, Mobilität und Kommunikation zerlegt werden.

Zudem sei die Infrastruktur neu zu definieren, eine Konsolidierung der IT-Systeme ebenso wie eine Plattformstrategie sei umsetzen mit Vernetzung auf Basis von Standards. Perspektive ist die fachübergreifende, personalisierte Medizin durch Datenintegration. Nicht zuletzt geht es um die Datenhoheit. Klinken sollten sich hier unbedingt Unabhängigkeit von den KIS-Herstellern schaffen. „Beim Zugriff auf Patientendaten tickt eine Bombe.“

Wolf-Dietrich Lorenz, Krankenhaus-IT Journal moderierte die Veranstaltung

Gesundheitswesen: Umwälzungen erkennen

Im gesamten Gesundheitssektor sind große Umbrüche im Gange. Die etablierten Spieler, insbesondere Krankenhäuser, müssen diese in die Hand nehmen. „Digitale Innovationen werden so oder so kommen, besser von intern wie von extern“, pointierte Dr. med. Peter Magunia, Leiter der Roland Berger Healthcare Practice Deutschland.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Ergebnissituation
von Krankenhäusern Dr. med. Peter Magunia, Roland Berger Consulting

Das Internet mit seinem Angebot an hochwertigen medizinischen Informationen verändert die Rolle von Patienten und Ärzten genauso wie datengestützte Diagnosen auf Basis Künstlicher Intelligenz. Herausforderungen wie der demografische Wandel, Fachkräftemangel und der Zwang zu Effizienz kommen dazu. „Die Akteure müssen Patientenbedürfnisse besser analysieren, maßgeschneiderte Angebote entwickeln und verstärkt in digitale Geschäftsmodelle und noch stärker in innovative Lösungen für ihre Patienten investieren, da sie sonst ihre Zukunftsfähigkeit riskieren.“ Die Beschränkung auf kosmetische Eingriffe wird nicht mehr reichen. Ganze Geschäftsmodelle (stationär / ambulant, zukünftige Größe und nachhaltige Standorte) sollten auf den Prüfstand und konsequent auf Kernkompetenzen ausgerichtet werden. Digitalisierung kann dabei "viel Geld kosten", aber in der richtigen Dosis an der richtigen Stelle eingesetzt auch helfen, die "Effizienz und Qualität deutlich zu steigern". Für Innovation und digitale Transformation passen die Planungs-, Invest- und Innovationszyklen von Krankenhäusern nicht mehr zur Veränderungsgeschwindigkeit des Marktes. Steigerung von Agilität und Flexibilität sollten daher zu den Kernzielen jeder digitalen Transformation zählen.

Die Weichen richtig stellen

Digitalisierung erweitert das Gesundheitswesen. „Die Digitalisierung katalysiert die Entwicklung, dabei sind Innovationen frühzeitig zu erkennen und ärztlich mitzugestalten“, betonte Prof. Dr. med. Anke Lesinski-Schiedat, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Hannover und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes, Hartmannbund sowie Landesvorsitzende Niedersachsen, Hartmannbund. „Die Technik des Internet muss für Patient und Arzt überall verfügbar sein. Software muss praktikabel, muss vernetzbar sein (auch international), darf also keine Insellösungen darstellen.“

E-Health – Ärztliche Verantwortung in anderer Form?
Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat

Die Außenwirkung einer digitalisierten Klinik wird künftig zum Wettbewerbsfaktor im Gesundheitswesen. „Der Beruf der Ärzte wird sich vom direkten Patientenkontakt hin zum Manager für den Patienten (Wissensbewertung und Datenverwaltung) erweitern.“ Die Digitalisierung des Gesundheitswesens setzt Ärzte dabei in eine zentrale und größere Verantwortung. „Zusammen mit dem Einsatz von KI gehört das Vertrauen in eigenes Wissen.“ KI alleine werde nicht besser als der Arzt sein. Aber Ärzte die KI nutzen, seien besser als jene, die KI nicht nutzen. Sofern die Kliniken die Notwendigkeit der Investition in eine adäquate digitale Infrastruktur erkennen und die Fortbildung der Ärzte mit diesen Medien fördern und fordern, könnten die Klinikbetreiber im europäischen Wettbewerb bestehen. (Hören Sie dazu das Interview.)

Künstliche Intelligenz und Big Data

Einen gezielten Blick in die digitale Zukunft der Medizin wagte Fuád Abuschuscha, FutureManagementGroup. Künstliche Intelligenz und Big Data sind entscheidende Technologien und sie entwickeln sich exponentiell. Künstliche Intelligenz (KI) wird das Welt-BIP im Jahr 2030 um mehr als15 Billionen US-Dollar erhöhen (PwC, 2019).

Gesundheit 2030 – Wie Künstliche Intelligenz hilft, die Kosten zu senken. Fuád Abuschuscha, FutureManagementGroup

Mit KI lässt sich dazu beitragen, Krankheiten zu finden, wenn sie noch 10-Euro-statt 10.000-Euro-Probleme sind. „In zehn Jahren wird man Ihr Genom in einer Minute für 10 Euro sequenzieren!“ KI kann: Erkennen, Verstehen, Kommunizieren, Entscheiden, Kreieren. Wozu braucht die Maschine also noch den Menschen?“ gab der Experte zu bedenken. (Hören Sie dazu das Interview.)


KI kann den Kampf gegen Krankenhausinfektionen entscheidend unterstützen. Director Morten Krogh Danielsen, Advisory Service, SAS Nordic Healthcare skizzierte dazu einen Lösungsweg.

Der Kampf gegen Krankenhausinfektionen – Fighting hospital Acquired infections. Morten Krogh Danielsen, SAS Institute

Andreas Effinger SAS Institute GmbH

Jedes Jahr erkranken 10 Prozent der Patienten in Dänemark an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion. Einige enden sogar tödlich. Viele dieser Infektionen sind vermeidbar. SAS-Technologie setzt Advanced Analytics ein und hilft, die Patientensicherheit zu erhöhen. Krankenhäuser können durch das Erkennen von Mustern in ihren Patientendaten profitieren und die Gefahr einer Infektion reduzieren.

Digitalisierung im Krankenhaus

Beispiele zur Digitalisierung im Krankenhaus lassen die vielschichtigen Herausforderungen erkennen. PD Dr. med. Alexander Riad, berichtete über die Digitalisierung im DRK Krankenhaus Teterow.

Die digitale Akte im papierlosen Krankenhaus – ein Erfahrungsbericht. PD Dr. med. Alexander Riad, DRK Krankenhaus Teterow

„Das papierlose Krankenhaus in Teterow heißt, Schluss mit Aktenbergen, die durch Krankenhausgänge geschoben werden. Geht es um einen modernen Betrieb, arbeitet das DRK Krankenhaus in Teterow zu 99% papierlos.“

250000 Rezepte jährlich zu managen ist nicht trivial. Dr. Hanna Seidling, Universitätsklinikum Heidelberg, skizzierte dazu die digitale Verordnung in der Klinik, deren Hürden und Chancen. Prozesskenntnis, aber auch neueste Technik zur Entscheidungsunterstützung gehören dazu.

Zur Digitalisierungsstrategie am Beispiel Klinikum Itzehoe meinte IT-Leiter Thorsten Schütz: „ Das Engagement von Management und Mitarbeiter ist wichtig, ebenso das Patienten-Empowerment.“

Digitalisierungsherausforderungen und -chancen: Patientenversorgung zwischen Hausarzt, häuslicher Umgebung und Krankenhaus
Thorsten Schütz, Klinikum Itzehoe

Infrastruktur und Gesundheit 4.0

„Digitalisierung und Infrastruktur im Krankenhaus weisen nach vorn. Netzwerkstrategien für die Klinik von Morgen beleuchtete Prof. Dr. Christoph Thümmler, Helios Klinikum Leipzig.

Gesundheit 4.0 und 5G – Netzwerkstrategien für die Klinik von Morgen. Prof. Dr. Christoph Thümmler, Helios Klinikum Leipzig

Die Ausgaben für Gesundheits IT, Digitalisierung und Virtualisierung steigen. Dabei bedeutet „Gesundheit 4.0“ die Anwendung von Industry 4.0-Kriterien.Hierzu ist die fünfte Mobilfunkgeneration 5G der Enabler. 5G ist nicht nur schneller als 3G / 4G sondern bietet auch neue Funktionen, die Virtualisierung und Automatisierung unterstützen, bzw. ermöglichen. „Krankenhausbetreiber werden sich verstärkt mit Netzwerkfragen auseinander setzen müssen um Dienste weiterhin effektiv und effizient erbringen zu können“, schlussfolgerte Christoph Thümmler. Netzwerke zu betreiben.

Telematik Infrastruktur im Krankenhaus: Erfahrungen, Handlungsempfehlungen und Ausblick. Christoph Becker, CGM Clinical Deutschland GmbH

Christoph Becker, Geschäftsführer der CGM Clinical Deutschland GmbH, gab Erfahrungen, Handlungsempfehlungen und Ausblick zur Telematik-Infrastruktur im Krankenhaus. Die Telematikinfrastruktur (TI) soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen vernetzen. Die Online-Kommunikation der einzelnen Akteure wie elektronische Arztbriefe oder Telekonsile soll nur noch über die TI laufen. Ein wesentliches Ziel ist es, dass medizinische Informationen, die für die Behandlung der Patienten benötigt werden, schneller und einfacher verfügbar sind. Oberste Priorität hat dabei die Datensicherheit. Es gibt derzeit vier Anbieter von Einbox – (VSDM) Konnektoren, alle basieren auf derselben Konnektorspezifikation. Bei der Lösung von CGM basieren die Konnektoren auf der verfügbaren Konnektorspezifikation der gematik. „Die Telematikinfrastruktur ist einfach und funktioniert“, ist Christoph Becker optimistisch. „Sie steigert durch neue medizinische Anwendungen das Qualitätsniveau im deutschen Gesundheitswesen.“

Digitaler Patient, Medizintechnik und IT

Die derzeitigen Healthcare-Marktteilnehmer müssen gerüstet sein für globale Umwälzungen, betonte Oliver Christ, PROSYSTEM. Für sie zeichnen sich dramatische Trends, Herausforderungen und Szenarios ab.


Medizintechnik 2030: Trends, Herausforderungen
Oliver Christ, PROSYSTEMS

Die kommenden digitalen Giganten der Healthcare-Transformationen sind bekannt: Apple, Alphabet, Amazon, Microsoft und Facebook. Sie punkten mit riesigen Ressourcen, strategischen Investments und ihrer Plattformtechnologie für Milliarden Nutzer. Eines ihrer Kompetenz-Kriterien ist die wachsende Zahl an Healthcare-Patienten. Kommen die Big Five in der Gesundheitssparte als Schnittstelle zwischen Patient und Gesundheitseinrichtungen umfassend zum Zug, schreibt sich Medizintechnik in 2030 ganz anders: „Das Medizinprodukt der Zukunft ist das Smartphone“. (Hören Sie dazu das Interview.)

Ziele und Strategien umsetzen


Wie sich Kliniken auf die digitale Zukunft vorbereiten können - dazu erhielten in der Veranstaltung „Digitalisierung der Krankenhäuser - wie sieht die Zukunft aus?“ die hochkarätigen Teilnehmer aus der Krankenhausführung zukunftsorientierte, innovative und umsetzbare Impulse – technisch, organisatorisch und für die eigene Managementkompetenz.

Die Digital-Strategie ist mehr als eine Addition einzelner Digitalisierungsprojekte. Vielmehr ist zunächst eine ganzheitliche Sicht der Digitalisierung notwendig. „Der Blick erfasst, wo die Digitalisierung schnell und vor allem messbare Vorteile bringt, für Personal, Patienten und die Klinik in der Wirtschaftlichkeit“, unterstrich Prof. Riedel. Es geht also nicht in erster Linie um IT-Know-how über Softwarelösungen oder Hardware. „Oberhalb der IT-Abteilung ist eine strategische Komponente des Managements erforderlich, die die Ziele und Maßnahmen definiert“, ist Prof. Riedel überzeugt. In vielen Kliniken wird eine eigene Stabsgruppe „Digitalisierung“ eher den Erfolg bringen, wenn nicht die Zwänge der Vergangenheit bremsend wirken. „Die IT-Verantwortlichen sind eher Erfüllungsgehilfen einer Digitalstrategie, auch wenn sie ihr Berufsbild - aus der Vergangenheit her - anders sehen.“

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen gewinnt an Dynamik und wird neue Anforderungen stellen, klassische Prozesse gehören auf den Prüfstand, optimierte Prozesse mit Digitalisierung werden zum Kernfaktor eines modernen Krankenhauses, und Digitalisierung wird zum eindeutigen Wettbewerbsfaktor für Patienten und Personal.

Abendveranstltung in der bekannten Nelson Bar des Grand Hotels Heiligendamm

Weitere Referenten

Erfolgsfaktoren der Digitalen Transformation – Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehensmodells Prof. Dr. Thomas Jäschke, Digital Avantgarde GmbH
Zum Interview mit Prof. Jäschke



Digitale Verordnung in der Klinik – Hürden und Chancen
PD Dr. sc. hum. Hanna Seidling, Universitätsklinikum Heidelberg


Digitalisierung im OP – von der Papierdokumentation zur digitalen. Totalintegration am Beispiel des Erasmus Uniklinikums Sabine Woller, Inter NL


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Umsetzung von Arbeitssicherheit und Rechtskonformität im Krankenhaus mit einem digitalen Managementsystem
Sven-Gerrit Schmidt, Quentic GmbH




Digitale Transformation im Krankenhaus-Patientenmanagement. Dr. Martin Krajci, Kath. Krankenhaus St. Johann Nepomuk, Erfurt; Alexandra Diers, Doctolib

Vom Stationsaccount zur digitalen Identität: Einführung von Identity- und Access-Management im Krankenhaus
Stefan Zorn, Norman Lüttgerding (links) , Ruppiner Kliniken

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