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Veröffentlicht: 14.08.2019


Digitale Patientenakte praktisch: sicher vernetzen, besser versorgen

Kooperationsmodell AOK, Vivantes und Sana beim Health-IT-Talk

AOK Nordost, Vivantes und die Sana Kliniken AG beschreiten neue Wege in der E-Health-Versorgung. In einem gemeinsamen „digitalen Gesundheitsnetzwerk“ nutzen sie die Vernetzungspotenziale digitaler Anwendungen sektorübergreifend. Ein besserer Informationsfluss zwischen Patienten, Krankenhäusern, Ärzten und Krankenkasse soll die Gesundheitsversorgung optimieren. Damit gelingt bundesweit die direkte Vernetzung eines Leistungserbringers mit unterschiedlichen elektronischen Gesundheitsakten über eine standardisierte Schnittstelle. Technikleitfaden ist IHE.

Hintergrund und Perspektive des engagierten Projektes „Digitales Gesundheitsnetzwerk“ erläuterte im Berliner Health-IT-Talk August 2019 Nico Schwartze, CDO der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse. Gunther Nolte, Prokurist der Vivantes GmbH stellte den Schwangerschafts-use case in einen Zusammenhang mit einer übergeordneten Digitalisierungsstrategie aus Sicht eines Gesundheitskonzerns. Über Erfahrungen und Zielsetzungen mit Blick auf Interoperabilität und Plattformkommunikation bei den Sana Kliniken berichtete Uwe Siebelist, Regionalmanager IT für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern der Sana IT Services GmbH.

Hintergrund und Perspektive des Vorhabens erläuterte Nico Schwartze - CDO der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse.

Ziel beim digitalen Gesundheitsnetzwerk war es von Anfang an, Standards für das Vernetzungskonzept zu nutzen, um Insellösungen in modernen Versorgungsstrukturen zu vermeiden. Eine flächendeckende Vernetzung der Versorgung kann nur gelingen, wenn es keine Flickenteppiche verschiedener Lösungen gibt, die nicht miteinander arbeiten können. Eine Anbindung der unterschiedlichen Vernetzungs- und Aktensysteme bei einem Leistungserbringer kann die übergreifende Zusammenarbeit für eine hohe Versorgungsqualität ermöglichen. Darüber hinaus ist das Projekt zukunftsweisend, denn es schafft dann eine enge Verbindung zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor. Sobald die zentrale Telematikinfrastruktur der gematik sicher und stabil funktioniert, soll das Gesundheitsnetzwerk integriert werden. Die Partner wollen dabei unnötige Doppelstrukturen vermeiden.

Patienten und Versicherten im Mittelpunkt

Bei der Vernetzung stellen AOK, Vivantes und Sana die Patienten und Versicherten in den Mittelpunkt. Sie müssen Zugriff auf ihre Daten haben und entscheiden, wer darauf zugreifen darf. Indem Patientendaten schnell und sicher zwischen den behandelnden Ärzten ausgetauscht werden, können belastende Doppeluntersuchungen vermieden und Wechselwirkungen von Arzneimitteln frühzeitig erkannt werden.

Gunther Nolte, Prokurist der Vivantes GmbH stellte den Schwangerschafts-use case in einen Zusammenhang mit einer übergeordneten Digitalisierungsstrategie aus Sicht eines Gesundheitskonzerns.

Versicherte der AOK Nordost in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern sollen selbst über ihre Medikationspläne, Untersuchungsergebnisse und andere Gesundheitsdaten verfügen können. Ihren behandelnden Ärzten und Therapeuten können sie beispielsweise im Bedarfsfall einen Einblick in ihre persönliche digitale Gesundheitsakte gewähren. Die Ärzte sollen sich dadurch schneller ein präzises Patientenbild verschaffen und entsprechend therapieren können. Dadurch sollen auch Über-, Unter- und Fehlbehandlungen vermieden werden.

Datenhoheit beim Patienten

Am Beispiel des use cases „Schwangerschaft“ zeigten die Referenten Möglichkeiten für nutzenstiftende digitale Patienten- /Versichertenservices auf Basis von generischen elektronischen Patientenaktensystemen aus verschiedenen Stakeholderperspektiven.

In Verbindung mit der AOK Schwanger App können sich werdende Mütter auf ihre Geburt bestens vorbereiten, den Kreissaal beispielsweise in einem 360°-View bereits vorab digital besichtigen, einen Termin zur Geburtsanmeldung vereinbaren und wichtige Dokumente, wie Mutterpass, Untersuchungsergebnisse oder Allergien an die Wunschklinik übermitteln.


Über Erfahrungen und Zielsetzungen mit Blick auf Interoperabilität und Plattformkommunikation bei den Sana Kliniken berichtete Uwe Siebelist, Regionalmanager IT für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern der Sana IT Services GmbH.

Ärzte können wiederum strukturierte Dokumente wie einen Ultraschallbefund, einen Laborbefund, den Geburtsbericht, einen OP-Bericht, den Entlassbrief, einen Arztbrief oder ein Stillprotokoll in die Akte laden. Auch der Austausch von Dokumenten zwischen den Kliniken ist möglich. Bei der Entwicklung des Netzwerkes gilt „Anschlussfähigkeit“ auch zur Telematik-Infrastruktur.

Netzwerk mit IHE-Standard

Ein Grundsatz des Digitalen Gesundheitsnetzwerkes lautet: Die Daten liegen dezentral jeweils beim Erfasser, also bei der jeweiligen Klinik oder Arztpraxis. Die Patienten können die Daten und Dokumente per Smartphone oder Computer einsehen und selbst entscheiden, welche teilnehmenden Ärzte darauf zugreifen können. Die AOK hat keinen Zugriff auf diese Daten.

Den Talk „Digitale Patientenakte - Strategie, Infrastruktur und Kooperationsmodell am Beispiel AOK-NO, Sana und Vivantes“ moderierte Michael Engelhorn, Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg, BVMI – Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V.

Das Projekt der AOK ist ein Baustein im Vivantes-Konzept. Technisch basiert das Gesundheitsnetzwerk auf dem Standard IHE (Integrating the Healthcare Enterprise). IHE ist eine international weitverbreitete technische Basis für die Vernetzung von Behandlungsinformationen zwischen Ärzten, Krankenhäusern und weiteren an der Behandlung Beteiligten und kann somit auch die Basis für elektronische Patientenakten bilden. Dieser Standard wird beispielsweise schon in der Schweiz, Österreich oder in den USA verwendet. Die IT verarbeitet keine proprietäten EPAs, es besteht eine vollständige Integration in das Primärsystem KIS.

Kommunikation nach IHE soll auch in der zentralen Telematikinfrastruktur der gematik abgebildet werden. Sobald die zentrale Telematikinfrastruktur der gematik sicher und stabil funktioniert, soll das Gesundheitsnetzwerk dort integriert werden. Alle Partner wollen unnötige Doppelstrukturen vermeiden.

Wettbewerb bei Serviceleistungen

Bei der Anbindung an Leistungserbringer wollen die Partner nicht zwischen den Gesundheitsakten-Projekten konkurrieren. Ein Leistungserbringer sollte nicht in die Verlegenheit kommen, sich zwischen verschiedenen anzubindenden Akten entscheiden zu müssen oder etwa für jede Akte eine neue Schnittstelle zu bauen. Motto: „Wir brauchen einheitliche Schnittstellen zu Krankenhäusern und Ärzten, die alle Kassen nutzen können. Es gilt, zunächst eine Infrastruktur als gemeinsame Basis für alle Player zu schaffen, der Wettbewerb zwischen den Kassen kann dann auf Ebene von Serviceleistungen für die Versicherten stattfinden.“

Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg

Im monatlichen Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg tauschen sich verbands- und fachrichtungsübergreifend Branchenkollegen zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft aus (BVMI, KH-IT, SIBB). Durchschnittlich nehmen knapp 50 Health-IT Kollegen die Möglichkeit zum Lernen, Diskutieren und Vernetzen wahr. Es ergibt sich ein „interkulturelles“ Networking zwischen Anwendern, Herstellern, Beratern, Politikern, Forschern und Patienten. Über die Jahre hinweg hat sich für die Health-IT eine Signalwirkung für das Bundesgebiet und darüber hinaus entwickelt. Unterstützt durch Non-Profit-Organisationen ist die Reihe zudem frei von wirtschaftlichen Interessen und kostenfrei für die Teilnehmer.

Nächste Termine in Berlin:

9.9.2019

Helios InnoLab: Patienten, Klinikexperten und Industrie – gemeinsam gelingen Veränderungsprozesse

14.10.2019

Innovationen aus der Region - Unternehmen stellen sich vor (Potsdam)

11.11.2019

eIDAS, Hacking und Wertpapiere ... bei der Bundesdruckerei

www.health-it-talk.de

von Wolf-Dietrich Lorenz

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