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Veröffentlicht: 10.09.2019


Health IT Talk Berlin: Was wir von Champions lernen können

Was Deutschland von einem zukunftsorientierten Gesundheitssystem lernen kann, war Thema von Referentin Gudrun Liss beim Health IT Talk Berlin im September 2019. Sie nahm dabei Estland als Champion in den Blick: „Lernen von den Besten – das Gesundheitssystem in Estland und in Deutschland“. Gudrun Liss ist seit 14 Jahren im Bereich Krankenhaus Prozesse und IT unterwegs. Seit 5 Jahren ist sie im Bereich eHealth der Asklepios Gruppe als Produktmanagerin aktiv.

Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudie „#SmartHealthSystems“ der Bertelsmann Stiftung über die Digitale Gesundheit Deutschland ernüchtern: An der Spitze findet sich Estland mit einem Wert im Digital-Health-Index von 81,9. Auf dem letzten Platz liegt Polen mit dem niedrigsten Index-Wert von 28,5. Knapp darüber liegt Deutschland mit 30,0.

Gudrun Liss ist im Bereich eHealth der Asklepios Gruppe als Produktmanagerin aktiv.

Es gibt viele Unterschiede bei Digitalisierungsstrategien im Vergleich zum deutschen Gesundheitssystem. In Ländern wie Estland sind digitale Technologien bereits Alltag in Praxen und Kliniken. So werden Rezepte digital übermittelt und wichtige Gesundheitsdaten der Patienten in elektronischen Akten gespeichert – Ärzte und Kliniken können direkt darauf zugreifen. In Estland und Dänemark können alle Bürger die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, Medikationspläne oder Impfdaten online einsehen. Zugriffsmöglichkeiten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe können sie selbst verwalten.

Vertrauen in Digitalisierung

Dabei gilt für das nordeuropäische Land an der Ostsee als Richtschnur: Digitalisierung ist Mittel zum Zweck sowie Pragmatismus und Vertrauen der Nutzer haben höchste Bedeutung. Kann man Vertrauen in Digitalisierung lernen? Wie das für die Bürger geht, zeigt Estland mit seiner Vision. 2005 wurde die Estonian eHealth Foundation gegründet. Estlands Konzept eines landesweiten integrierten Gesundheitsinformationsaustauschs für die gesamte Bevölkerung stützt sich auf eine landesweite sichere Plattform für den Datenaustausch, auf die Anwendung der höchsten Sicherheitsstandards für Systemzugänglichkeit und Benutzerauthentifizierung, auf die Signatur und Verschlüsselung sowie auf die Einhaltung der nationalen Rechtsvorschriften über die Erhebung und den Austausch personenbezogener medizinischer Daten. Verschiedene internationale Strategiepapiere wie der eHealth Action Plan 2010 und die Estnische Strategie für die Informationsgesellschaft 2013 unterstreichen die aus estnischer Sicht bestehende Notwendigkeit, die IKT-Akzeptanz im Gesundheitssektor zu beschleunigen.

Der Prozess der Digitalisierung orientiert sich am erwarteten Nutzen und erfolgt in pragmatischen Schritten. Die Politik sieht die Akzeptanzförderung bei Patienten, Ärzten und anderen Gesundheitsberufen als eine zentrale strategische Aufgabe an. Und: Die Endnutzer von digitalen Technologien, nicht (nur) deren Standesvertreter, werden systematisch eingebunden – im Sinne eines Co-Designs von Strategie und Anwendungen.

Herausforderungen meistern

Im internationalen Vergleich schöpft Deutschland das Digitalisierungspotenzial nur unzureichend aus. Um den gravierenden Vorsprung auf Makro- wie Mikroebene aufzuholen, muss Deutschland verschiedenartige Herausforderungen meistern. Sie heißen etwa: Unterschiedliche Stakeholder mit unterschiedlichen Interessen, wobei jeder seine Domäne verteidigt anstatt smarte Prozesse aufzusetzen. Es besteht die Schwierigkeit der Interoperabilität, also kein Standard ist vorhanden, der zwischen den einzelnen Sektoren etabliert ist. Zudem fehlt es an einem Gesetz, das solche Schwierigkeiten gänzlich beseitigen wird. Ein erster Schritt stellt das eHealth-Gesetz von 2016 dar. Zu den tiefgreifenden Hemmschwellen hinter den Kulissen gehören 48 private und 110 gesetzliche Versicherungen. Hinzu kommen rund 1900 Krankenhäuser, über 385000 Ärzte. Die Gesundheitsausgaben betragen 376 Milliarden Euro, das sind 11,5 Prozent des BIP.

Das Wissen darüber, wie ein Gesundheitssystem funktioniert, ist eine Voraussetzung dafür, effektive Gesundheitssystemreformen zu gestalten, die den Patientennutzen in den Mittelpunkt stellen. Gleichsam ist das Wissen darüber, wo, wie und warum Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung erfolgreich ist, eine Voraussetzung dafür, Digitalisierungsstrategien so zu planen und zu ändern, dass Bürger, Patienten und Gesellschaft eine verbesserte Gesundheitsversorgung erhalten. Die Digitalisierungsbemühungen in Deutschland könnten von dem Variantenreichtum digitaler Anwendungen in anderen Ländern profitieren: Die Bandbreite und Tiefe der Digitalisierungsstrategien, der Implementierungen und der tatsächlichen Nutzung digitaler Patientendaten sind vielerorts beeindruckend.

Optimiertes Behandlungsnetzwerk

Wie geht Asklepios mit neuen Herausforderungen an? Der Gesundheitskonzern mit bundesweit 160 Kliniken und Gesundheitseinrichtungen führt beispielsweise eine webbasierte E-Health Software (samedi) ein. Die private Klinikgruppe setzt auf Innovationen in der digitalen Patientenversorgung und will die Software für die intersektorale, fachübergreifende Zusammenarbeit im Behandlungsnetzwerk und zur Optimierung der Patientenkommunikation nutzen. Motto: Die durchgehende IT-Unterstützung im Behandlungsprozess muss ein strategisches Ziel sein, damit diese auch die entsprechende Akzeptanz erfährt. Hier zeigt sich ein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Das kann auch das Vertrauen der Nutzer – Patienten wie Klinikfachkräfte - in Digitalisierung der Healthcare unterstützen.

Eine pointierte Diskussion zum Thema “Lernen von den Besten” rundete den gut besuchten Health IT Talk im September 2019 ab.

Stefan Zorn, SIBB e.V. – Verband der IT- und Internetwirtschaft Berlin/Brandenburg, moderierte den Health IT Talk im September 2019.

Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg

Im monatlichen Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg tauschen sich verbands- und fachrichtungsübergreifend Branchenkollegen zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft aus (BVMI, KH-IT, SIBB). Durchschnittlich nehmen knapp 50 Health-IT Kollegen die Möglichkeit zum Lernen, Diskutieren und Vernetzen wahr. Es ergibt sich ein „interkulturelles“ Networking zwischen Anwendern, Herstellern, Beratern, Politikern, Forschern und Patienten. Über die Jahre hinweg hat sich für die Health-IT eine Signalwirkung für das Bundesgebiet und darüber hinaus entwickelt. Unterstützt durch Non-Profit-Organisationen ist die Reihe zudem frei von wirtschaftlichen Interessen und kostenfrei für die Teilnehmer.

Nächste Termine in Berlin:

14.10.2019

Innovationen aus der Region - Unternehmen stellen sich vor (Potsdam)

11.11.2019

eIDAS, Hacking und Wertpapiere ... bei der Bundesdruckerei

2.12.2019

Health-IT Talk

13.1.2020

Pflege, AAL, IT nah am Patienten und Robotik

www.health-it-talk.de


von Wolf-Dietrich Lorenz

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