NEUERSCHEINUNG
Druckfrisch erschienen -
jetzt sofort bestellen
Aktuelle News
Weitere News
Vor-Ort-Reportagen
Service
RSS-Feed Aktuelle News
Multimedia
 
  







Veröffentlicht: 29.11.2019


InterSystems DACH Symposium 2019 –

Healthcare Forum

Komplexität beherrschen –
Innovationen in der
Gesundheitsversorgung ermöglichen

Unter dem Motto „Wettbewerbsvorteile sichern – Digitale Innovationen beschleunigen“ fand vom 12.-14. November 2019 im „The Westin Grand Frankfurt“ das InterSystems DACH Symposium 2019 statt (#DACHSymposium2019). Eingeladen waren IT-Dienstleister und Anwenderunternehmen. Mit über 200 Wissenschaftlern, Analysten und Branchenexperten wurde eingehend erörtert, wie digitale Innovationen, datenbasierte Geschäftsmodelle, aber auch Künstliche Intelligenz und Machine Learning in modernen Organisationen in die Realität umgesetzt werden können. Zu den Kernprodukten für das Gesundheitswesen gehören die Datenplattform „IRIS for Health“, für die schnelle, unkomplizierte, interoperable und standardkonforme Entwicklung datengetriebener Lösungen und „HealthShare“, eine interoperable Lösung, die umfassende, longitudinale Patientenakten für Versorger, Patienten und Kostenträger ermöglicht. Des weiteren bietet InterSystems mit „TrakCare“, eine einheitliche Lösung aus medizinischer Patientenakte und –managementsystem.

Healthcare Forum

Am zweiten Tag des insgesamt dreitägigen Symposiums fand das Healthcare Forum statt. Partner von InterSystems referierten über verschiedene Themen bezüglich des Gesundheitswesens und präsentierten ihre Lösungen für die digitale Transformation.

“Mastering complexity – enable innovation in healthcare”

Don Woodlock, Vice President HealthShare: "No matter from which part of the healthcare sector you are from - you always need to integrate and put data to good use."


In seiner Keynote gab Don Woodlock, Vice President HealthShare, einen umfassenden Einblick in die komplexen Strukturen des Datenmanagements. Er erläuterte anschaulich, dass es durch das dezentrale Gesundheitssystem und die Selbstverwaltung mit den vielen verschiedenen Akteuren, sehr komplex sei, die Gesamtheit aller Daten zu erfassen. Und diese Datenmenge wachse schließlich täglich beträchtlich: „Gesundheitsdaten wachsen 60% schneller als Daten in anderen Branchen“, erklärte Woodlock. Für ihn liegen die Herausforderungen der digitalen Transformation in drei Bereichen: dezentral vorliegenden Gesundheitsdaten, kognitiver Überfrachtung der Beteiligten aufgrund der schieren Informationsmenge und den tiefgreifenden Umbrüchen, die momentan stattfinden.
Die InterSystems-Applikationen versetzen Leistungserbringer, Kostenträger, Forscher und Lösungsentwickler in die Lage, diese Herausforderungen direkt anzugehen. Sie schaffen die Grundlage für kollaborative Versorgung, Innovation und Transformation durch die Vereinheitlichung von Datensilos zur Erstellung umfassender vernetzter Gesundheitsakten. „Mit intuitiven Dashboards, Echtzeit-Analysen, maschinellem Lernen und intelligenten Workflows optimieren wir Entscheidungen und Geräte. Und wir liefern mit unseren Produkten die Fähigkeiten, neue innovative Mehrwerte schnell umzusetzen“, erläutert Don Woodlock. Er betonte die Wichtigkeit einer holistischen Datensammlung, um ein ganzheitliches Bild der Patienten zu erhalten und diese besser versorgen zu können. Es gelte „Understand – Discover – Predict“, also ein komplettes Verständnis, um genaue Vorhersagen zu treffen.

Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Universitätsklinikum der RWTH Aachen & Past-President der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): "Man muss eine inhaltliche und organisatorische Plattform schaffen."

Als Past-President der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) stellte Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, den Ansatz der Diabetes-Akte eDA der DDG vor. Er betonte, dass der Fokus auf der Strategie zur Gestaltung der Versorgung, Forschung und Prävention liege. Man müsse sich aktiv in den Prozess einbringen, aber hierfür zunächst einen Schritt zurückgehen und sich fragen, „wie wir uns als medizinische Fachgesellschaft die Versorgung der Zukunft vorstellen“, so Prof. Müller-Wieland weiter. Die Tatsache, dass pro Stunde drei Menschen an Diabetes sterben, zeige die Wichtigkeit einer nationalen Diabetes-Strategie. Das Ziel hierbei sei eine Normalisierung der Lebenszeit und -qualität, erklärte der Professor. Um die digitale Transformation zum Nutzen der Patienten zu gestalten, wurde das Konzept einer „elektronischen Diabetes-Akte DDG (eDA-DDG)“ entwickelt. Ziel der eDA ist, die Verbesserung der Versorgung durch Digitalisierung; Leitlinien-basiert, transsektoral sowie prozess- und ergebnisorientiert für den Patienten und den Arzt. Register- und Gesundheitsdaten sollen „in time“ bereitgestellt werden können. Das Ziel dieser Akte ist es, 90% der Patienten zu erreichen. Das erfordert jedoch eine gute Zusammenarbeit aller Partner. Die DDG definiert den „Standard“ für die Behandler, erläuterte Prof. Müller-Wieland. Er betonte auch, dass die Stärke einer medizinischen Fachgesellschaft darin liege, dass sie die Ärzte mit ins Boot holen könne. Wichtig ist eine IHE konforme Patientenakte, die komplementär, interoperabel und interaktiv mit ePAs und eGAs (elektronischen Patienten- und Gesundheitsakten) ist. Eine inhaltliche und organisatorische Plattform sei unabdingbar, resümierte Prof. Müller-Wieland.

Andreas Grode, Abteilungsleiter Innovation bei der gematik GmbH, veranschaulicht die aktuelle Lage mit dem Bild der Legosteine.

Andreas Grode von der gematik GmbH referierte über „vesta 2.0 – Interoperabilität auf Basis von Standards“ und stellte fest, dass es „nicht allein um Wertschöpfung, sondern auch um den Dialog“ gehe. Organisationen müssen sich auf Standards einigen. Hierfür wurde vesta ins Leben gerufen - das Interoperabilitätsverzeichnis des deutschen Gesundheitswesens. Dieses Verzeichnis besteht aus den Online-Plattformen vesta Standards und dem vesta Informationsportal. Grode betonte, dass es um zwei wichtige Dinge gehe: Anwendungen und Standards. Die Instanzen, die Entscheidungen treffen, müssen zusammenkommen. Wichtig sei die Öffnung der Selbstverwaltung, so Grode. Das Informationsdefizit müsse behoben werden und Wissen muss einfach ausgetauscht werden können. Die gematik möchte eine Koordinationsinstanz für die digitale Transformation, erklärte Grode. Ein „E-Health-Rat“ solle diese Aufgaben übernehmen. Grode wies auch mehrfach auf den Stakeholder-Workshop hin, der am 10. Dezember in Berlin stattfindet und auf dem der Modellvorschlag zur Schaffung von Interoperabilität im deutschen Gesundheitswesen umfassend diskutiert werden soll.

Dr. Danny Ammon, SMITH Konsortium - Universitätsklinikum Jena

Nach einer Kaffeepause sprach Dr. Danny Ammon vom Konsortium SMITH (Smart Medical Information Technology for Healthcare) über die „Interoperabilität für Datenintegration: Wie Vernetzung von Krankenversorgung und medizinischer Forschung gelingt“. Im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) wurden insgesamt 4 Konsortien (SMITH, MIRACUM, HiGHmed und DIFUTURE) in Universitätskliniken gegründet, die das BMBF fördert, um Daten aus Forschung und Patientenversorgung untereinander zugänglich zu machen und austauschen zu können. Es geht vor allem um die Datenintegration, so Dr. Ammon. Hierzu werden Datenintegrationszentren geschaffen, mit dem Ziel, medizinische Informationen in einer Form zu erfassen, zu speichern und auszutauschen, in der sie für Versorgung und Forschung optimal genutzt werden können. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei der Interoperabilität dieser Daten zu: Nur unter Einsatz von Interoperabilitätsstandards für die Krankenversorgung wird es möglich sein, verschiedenste Daten einrichtungs- und patientenübergreifend zusammenzuführen, zu analysieren und Ergebnisse zurückzuführen.


v. li.: Hagen Kosock, Birger Haarbrandt, HiGHmed Konsortium - Medizinische Hochschule Hannover: "IHE spielt eine große Rolle."

Über ein weiteres Konsortium, das HiGHmed Konsortium, an dem auch die Medizinische Hochschule Hannover mitarbeitet, sprachen anschließend Hagen Kosock und Birger Haarbrandt. Das Ziel ist die Entwicklung einer offenen eHealth Plattform, um Daten aus Forschung und Versorgung einrichtungsübergreifend austauschbar und nutzbar zu machen. Hierzu werden internationale Standards und Profilierungen wie IHE XDS, openEHR und HL7 FHIR miteinander kombiniert. Beide Referenten betonten die Wichtigkeit einer Standardisierung der Daten bei der Erzeugung.

Alex MacLeod, Manager, HealthShare Commercial Initiatives, InterSystems: "Alexa wird am häufigsten als 'Timer' eingesetzt. Einfache Dinge wie TV-Einstellungen, Lichtregelung etc. könnten übernommen werden."

Nach der Mittagspause und einer sehr guten Verpflegung am Veranstaltungsort, sprach Alex MacLeod, Manager, HealthShare Commercial Initiatives, InterSystems, über „Alexa & HealthShare“ und wie digitale Assistenten, zum Beispiel Amazon Alexa, in Versorgungsszenarien eingebunden werden können. In den USA gibt es inzwischen die ersten Healthcare-Skills für Alexa. So können beispielsweise auf Basis der InterSystems-Plattform in der vernetzten Behandlung Endgeräte auch mit Sprachinterfaces wie Alexa ergänzt werden, um Gesundheitsdaten zu erfassen und mit einer einheitlichen Patientenakte zu kombinieren – und so ein umfassenderes Bild der Gesundheit des einzelnen zu bieten.
Bislang ist der Einsatz von Sprachinterfaces aber noch nicht sehr ausgereift und es dauert sicher noch, bis Alexa tatsächlich eine große Rolle im Gesundheitswesen spielt.

Markus Stein, Strategic Product Manager, RZV Rechenzentrum Volmarstein GmbH: "Wie wichtig ist semantische Interoperabilität in elektronischen Akten?"


Markus Stein, Strategic Product Manager, RZV Rechenzentrum Volmarstein GmbH, referierte über „Semantische Interoperabilität in elektronischen Aktensystemen – Erfahrungen aus der Umsetzung in FallAkten (EFA)“. Das Rechenzentrum habe über 20.000 produktive Alten und verfüge über einen enormen Erfahrungsschatz, so Stein. Vor dem Hintergrund der voraussichtlich ab 2021 zu nutzenden Patientenakten nach §291 SGB V stellt sich gerade beim Zugriff auf diese die Frage nach einer schnellen und einfachen Bereitstellung der relevanten Inhalte. Mit der Erfahrung aus mehreren, langjährigen Umsetzungen von Elektronischen FallAkten (EFA) konnten in der RZV GmbH Rückschlüsse auf die notwendige (Metadaten-) Indizierung von Akteninhalten gezogen werden. Dabei stellte vor allem die Typisierung von Dokumenten, z.B. mit Value Sets oder angelehnter Nomenklaturen, die größte Herausforderung dar.
2021, die Zeit läuft: Erschreckend sei, so Stein, dass bisher nur ca. 5-10% der Kliniken Daten in digitaler Form an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) schicken. Die RZV eHealth-Plattform ist gezielt auf MDK-Prüfungen zugeschnitten.

Dr. Oliver Heinze, phellowseven GmbH: "Patienten werden durch mobile Apps mehr eingebunden."

Über die „Digitale Einbindung von Patienten in die Gesundheitsversorgung mit mobilen Anwendungen“ sprach Dr. Oliver Heinze, phellowseven GmbH. Seine Firma stellt eine mobile Lösung für Patienten zur Verfügung, um eine Interaktion mit Gesundheitsversorgern zu ermöglichen. Mobile Gesundheits-Apps werden mit eHealth-Infrastrukturen verbunden.
Für ihn sei es sehr wichtig, den Patienten mehr einzubinden, da das mehr Qualität erzeuge. Durch die digitale Einbindung des Patienten können schrittweise patientenorientierte, mobile Mehrwertanwendungen angeboten werden. Eine vermehrte Einbindung bedeute auch mehr Lebensqualität, so Dr. Heinze. Eine Umfrage hatte ergeben, dass 95% der Patienten einem digitalen Datenaustausch zustimmen, nur 5% lehnten das ab. Die DSGVO bestimmt hierbei die Spielregeln, so Dr. Heinze. Und die Patientendaten müssen besonders geschützt werden.

Dr. Frank Oemig, CTO bei HL7 Deutschland e. V.: "
Wir meinen, wir reden miteinander, aber der eine weiß nicht, was der andere sagt.“

In einem Impulsvortrag „Modellbasiert zur Interoperabiliät“ gab Dr. Frank Oemig, Senior eHealth Architect, Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions GmbH sowie CTO bei HL7 Deutschland e. V., Einblicke in die Voraussetzungen für „Healthcare Innovationen und Patientenakten“. Er betonte, dass es sehr wichtig sei, dass jedes System mit den anderen Systemen „redet“. Die meisten nationalen Datenaustauschspezifikationen (bspw. NFDM der gematik oder der ADT/GEKID-XML-Basisdatensatz) werden als XML-Schema herausgegeben, fälschlicherweise aber als Informationsmodell tituliert. Neuere Vorgaben basieren manchmal sogar auf Datensätzen, die lediglich eine hierarchisch geordnete Zusammenstellung darstellen. Dr. Oemig arbeitete heraus, warum mit diesen Ansätzen keine Interoperabilität erreicht wird und deshalb die Nutzung von klassischen Informationsmodellen zwingend erforderlich ist. Interoperabilität findet zwischen Sender und Empfänger statt, wobei der Empfänger die Indikatoren vorgibt, wie und was er gerne hätte, erklärte Dr. Oemig. Es muss zwingend eine Grundlage zur Zusammenarbeit geschaffen werden, da es noch keine gemeinsame Entscheidungsgrundlage gibt.
Der Datenaustausch benötigt semantische Interoperabilität zwischen allen Akteuren. Interoperabiliät bedeutet auch die Wiederverwendung von Spezifikationen, so Dr. Oemig.

Abschlussdiskussion

In einer Podiumsdiskussion am Ende des Veranstaltungstags, stellte Alexander Ihls, Strategic Business Development Manager Healthcare, InterSystems, die provokante Frage: „Sitzen wir nicht genug zusammen?“. Findet also nicht genug Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen statt?

Alexander Ihls, Strategic Business Development Manager Healthcare, InterSystems: "Alle Akteure müssen zusammenarbeiten."

Kim Becker, Projektmanagerin Interoperabilität und Standardisierung, bvitg, bemerkte, dass einige Hersteller ganz bewusst Standardisierungen verhindern, sie bauen ihre eigene Systemlandschaft auf, so Becker. Sie wies auch auf das Interoperabilitätsforum hin, das jedem offen stehe. Bei diesen Foren seien jedoch die medizinischen Fachgesellschaften nicht vertreten, bemerkte Alexander Ihls bedauernd. Umso mehr freue er sich, dass beim Healthcare Forum ein Vertreter der DDG anwesend sei. Ihls kritisierte, dass es „Minimodellchen“ gibt, an denen jeder für sich selbst baut, die aber nicht miteinander kompatibel seien. Für ihn ist es enorm wichtig, dass man eine gemeinsame Organisation schaffe, die etwas definiert, aber nicht siebzehn verschiedene. Es bedarf keiner weiteren Gremien, sondern vielmehr eines Entscheidungsgremiums mit hoheitlichen Aufgaben. Ihls betont, dass diese eine Stelle koordinieren muss, um dann auch mal zu sagen „das haben wir schon!“. Und da kommt die gematik ins Spiel, so Ihls weiter. Andreas Grode argumentiert, dass viele Projekte jedoch gar kein Interesse haben, koordiniert zu werden, wenn zum Beispiel Fördermittel involviert und Verträge bindend sind. Das erschwert die gesamte Koordination, zumal die gematik die vielen Projekte nicht verhindern kann, da keine Weisungsbefugnis vorhanden sei, erklärt Grode. Für Ihls ein klares Zeichen, dass es ein Regulativ geben muss.

Podiumsdiskussion beim Healthcare Forum

Abschließend überlegten die Podiumsteilnehmer, wie wohl die Diskussion in fünf Jahren aussehen könnte? Man möchte auf keinen Fall Einzellösungen sehen, ein E-Health-Rat solle mit Experten, aber ohne Lobbyisten besetzt, also ohne politische Machspiele aufgestellt sein, die elektronische Patientenakte wird Standard sein, es wird datengetriebene Innovationen geben, die Zusammenarbeit mit medizinischen Fachgesellschaften wird stattfinden und, last but not least, wird der Patient in den Fokus gerückt sein.




Bilder/Text: Dagmar Finlayson

Drucker geeignete Seite Sende diesen Artikel einem Freund


Aktuelle Ausgabe


Diese Webseite verwendet Cookies. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.