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Veröffentlicht: 27.01.2020


Erfolgskurs der Klinik-Digitalisierung

Meeting-am-Meer 2020: Impulse für Führungsverantwortliche

Das Meeting-am-Meer 2020 trägt das Motto „Digitalisierung der Krankenhäuser - der richtige Weg: was lohnt und was nicht?“. Am 5. und 6. 3. 2020 in Heiligendamm geht es um konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Transformation und ihre Umsetzung. Prozesse, Patienten, Personal: Veranstalter Prof. Dr. Wolfgang Riedel, Institut für Krankenhauswesen – IfK, erörtert im Interview Kernpunkte der Management-Agenda.

Die Digitalisierung verändert die Gesundheitsversorgung in allen Bereichen. Wie sieht die digitale Zukunft für Kliniken und ihre Patienten aus?

Prof. Riedel: Digitalisierung wird die Kliniken weiter stark verändern. Konzentrierten sich die Kliniken in der Vergangenheit hauptsächlich auf die klassischen IT-Systeme wie KIS, ePA, PACS, Labor usw., verschiebt sich gerade jetzt der Fokus auf den Patienten und sein Weg im Gesundheitswesen, die sogenannten „Patient-Journey“. Nicht mehr nur der stationäre Aufenthalt steht im Mittelpunkt, vielmehr soll der Patient vor, während und nach dem stationären Aufenthalt digitale begleitet werden durch moderne Lösungen mit „digitalen Patienten-Services“, einer neuen Kategorie von zukunftsträchtigen IT-Anwendungen. Hier stehen der Patient und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt.

Welchen Aufholbedarf haben deutsche Klinken bei der Digitalen Transformation? Was wurde bisher verschleppt?

Prof. Riedel: Die deutschen Kliniken sind noch zu sehr von der klassischen IT dominiert: Viele Desktop-PC, wenig mobile IT, veraltete Softwarelösungen, schlechte WLAN-Versorgung, klassische Telefonie (analog und ISDN) statt moderne digitale Telefonie (VoIP). Es dominieren veraltete IT-Systeme aus der Zeit der administrativen EDV, Vorläufer der heutigen KIS-Systeme. Selbst elektronische Patientenakten sind selten komplett verfügbar, Dokumentation wird häufig noch klassisch manuell und auf Papier erledigt. Auch die Medizinsysteme sind häufig nicht oder unzureichend digital integriert.

Welchen Fokus sollten Kliniken für digitale Innovationsprogramme und Projekte setzen?

Prof. Riedel: Am Anfang neuer Digitalisierungsstrategien sollte immer eine Bewertung der heutigen Prozesse in Kliniken stehen. Die Bereitschaft zur Veränderung schlechter Prozesse und dem Einsatz digitaler Lösungen und Techniken ist dann der nächste Schritt, nicht umgekehrt. Nicht Software und Hardware sind Maßstab für modernes IT-Management, vielmehr optimale Prozesse für Personal und Patienten. Hier sind ganzheitliche Strategien gefragt. Dabei sollte nicht jede Klinik alles neu erfinden, sondern vielmehr auf bewährte Standards setzen.

Die Zukunft der digitalen Klinik ist mit Interoperabilität verbunden. Was sollten Kliniken für die konzertierte Digitalisierung bei internationalen Standards und Terminologien beachten?

Prof. Riedel: Digitalisierung in Kliniken und rund um den Patienten muss heute im vernetzten Gesundheitswesen auf Plattformen mit internationalen offenen Standards erfolgen. Hier fehlt es in vielen Kliniken oft an entsprechenden ganzheitlichen Strategien. Kliniken müssen bereit sein, große Veränderungen und nicht nur kleine Anpassungen vorzunehmen. Dies erfordert Investitionsmittel, die bisher oft nicht ausreichend zur Verfügung standen, um Anschluss an internationale Standards zu finden.

Was muss sich für die fach-, einrichtungs- und sektorenübergreifende Verarbeitung von digitalen Gesundheitsdaten verändern? Welche Kompetenzen bei Technik, Organisation und Management sind erforderlich?

Prof. Riedel: Kliniken müssen sich heute als Teil einer ganzheitlich vernetzten Welt von Partnern im Gesundheitswesen begreifen. Dies beinhaltet auch den Patienten, im täglichen Leben, seiner häuslichen Umgebung und dem vor- und nachstationären Aufenthalt. Hier zahlen sich offene Plattformen und Standards für Kliniken sehr schnell aus. Es müssen von Kliniken digitale Patienten-Services angeboten werden, um den Patienten auf seiner „Patient-Journey“ vor und nach dem Klinikaufenthalt zu begleiten und zu unterstützen. Dabei setzt sich auch immer mehr die Einbindung patienteneigener Geräte („Bring Your Own Device“ BYOD) durch, was bisher fälschlicherweise in vielen Kliniken aus Angst abgelehnt wird.

Wie können es Kliniken schaffen, neue digitale Angebote für Diagnostik und Therapie sowie Verwaltung auch wirtschaftlich erfolgreich zu implementieren?

Prof. Riedel: Neue Digitalisierungsstrategien und das Infragestellen alter IT sind für Kliniken heute überlebenswichtig. Ohne zusätzliche Investitionsmittel wird dies nicht funktionieren, es zahlt sich aber bei richtiger Auswahl der Schwerpunkte sehr schnell aus. Außerdem muss der Fokus sehr stark auf die Digitalisierung der Medizin gelenkt werden, um auch am medizinischen Fortschritt teilzunehmen.

Aber auch moderne digitale Services für Patienten sind heute wichtig, z. B. für medizinische Unterstützung, nicht nur die ohnehin abnehmende Bedeutung von Telefonie und Fernsehen, die bisher für Patienten dominiert.

Meeting-am-Meer 2020 und die Schwerpunkte

  • Warum Krankenhäuser mehr in Digitalisierung investieren müssen!
  • Wie sieht die digitale Zukunft für Kliniken in Deutschland aus?
  • Der digitale Patient: "Digitale Services" rund um den Patienten
  • Ist die heutige IT in Kliniken für die Zukunft gerüstet? Was bringt die Zukunft?
  • Wie verändert sich die Medizintechnik durch IT?
  • Wie verändern sich klinische Prozesse durch digitale Kommunikation?
  • Welche Infrastruktur ist für Digitalisierung geeignet? Wie müssen Kliniken investieren?

Vorträge und Diskussionsrunden

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Riedel, IfK Institut für Krankenhauswesen: Strategieansätze für Kliniken im Umgang mit der Digitalisierung (Auswirkungen, Nutzen), ein Leitfaden für das Management


Wolfgang Bosbach, MdB a.D.: Deutschland und Europa in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung

Prof. Dr. Utz Claassen, Topmanager / Syntellix AG: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Veränderungen in der Medizintechnik u.a. durch Digitalisierung


Prof. Dr. Bertram Häussler, IGES: Die Rolle der Kliniken im digitalen Gesundheitswesen


Dr. Frank Wartenberg, IQVIA: Digitale Trends im Gesundheitswesen


Florian Benthin, Deloitte: Digitalisierung in Deutschland und der aktuelle KIS-Markt


Prof. Dr. Thomas Jäschke, smartcircles AG / FOM Hochschule: Erfolgsfaktoren der Digitalen Transformation - Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehensmodells


Oliver P. Christ, ProSystem AG: Medizintechnik 2030: Trends, Herausforderungen


Bernhard Ziegler, Klinikum Itzehoe: Digitalisierung am Beispiel Klinikum Itzehoe: Selbstzweck oder praktischer Nutzen?


von Wolf-Dietrich Lorenz

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