
Krankenhaus-IT Challenge auf der MEDICA 2006
MEDICA Messeguide 2006
Philips Speech kauft Kuhlmann-
Informations-Systeme
Interview mit Geschäftsführer der Philips Speech Recognition
Das Geschäft ging bereits im September über die Bühne. Die Philips Speech Recognition Systems GmbH mit Sitz in Wien erwarb am 11. September 2006 das auf Spracherkennung spezialisierte Unternehmen Kuhlmann-Informations-Systeme aus Elmshorn bei Hamburg.
Krankenhaus-IT Journal sprach mit Marcel Wassink, Geschäftsführer der Philips Speech Recognition Systems GmbH über die Hintergründe der Akquisition. 
Marcel Wassink, Geschäftsführer der Philips Speech Recognition Systems GmbH
Interview mit Marcel Wassink
KH-IT Journal: Das Unternehmen Kuhlmann-Informations-Systeme GmbH (KIS) vertreibt die Produkte MBS-easy und das von Ihrem Unternehmen entwickelte System SpeechMagic. Was kann KIS, was Philips nicht kann? Was waren also die Gründe für die Übernahme?
Wassink: KIS ist bereits seit 10 Jahren Partner von Philips Speech Recognition Systems und hat sich in dieser Zeit exzellente Kenntnisse über den deutschen Markt und seine Anforderungen erworben. Philips wird diese Marktkenntnisse nutzen, um Kunden auch bei gesteigerten Anforderungen die optimalen Produkte zur Verfügung zu stellen. Philips hat zusammen mit seinen Integrationspartnern hervorragende Wachstumsraten erzielt. Spracherkennung wird heute nicht mehr nur in einzelnen Abteilungen von Krankenhäusern eingesetzt, sondern auch in regionalen Gesundheits- und Krankenhausverbänden. Philips bereitet sich deshalb auf die steigende Nachfrage vor, um auch weiterhin ein professionelles Serviceangebot gewährleisten zu können – die Übernahme von KIS ist Teil dieser Strategie. Mit einem erweiterten Dienstleistungsangebot will Philips sicherstellen, dass SpeechMagic einwandfrei implementiert und nahtlos in die klinische IT integriert wird. Dank der neuen Kapazitäten welche KIS in das Unternehmen einbringt, wird Philips vor allem bei der Integrationsberatung, beim Projektmanagement und Training seine Services ausbauen.
KH-IT Journal: Wie viele Kunden hat Kuhlmann, die Sie übernehmen. Ändert sich für diese etwas?
Wassink: Über 40 IT-Hersteller setzen MBS-easy powered by SpeechMagic ein. 36 Universitätskliniken, über 400 Krankenhäuser und 500 medizinische Praxen nutzen die Verfahren von KIS. Für diese Kunden bleibt alles wie gewohnt.
KH-IT Journal: Wie war Ihre Marktposition vor der Übernahme und wie ist sie jetzt?
Wassink: Laut einer Frost and Sullivan Studie ist Philips SpeechMagic die führende Spracherkennungstechnologie im Europäischen Gesundheitswesen. Diese Akquisition verändert den Marktanteil von SpeechMagic kaum, da KIS bereits vorher SpeechMagic in seinen Lösungen eingesetzt hat. Allerdings werden dadurch zusätzliche Kapazitäten geschaffen, welche die Verbreitung von SpeechMagic weiter vorantreiben werden. Desweiteren hilft die Akquisition hohe Servicestandards aufrecht zu erhalten und dadurch die Kundenzufriedenheit zu erhöhen, was sich letztendlich positiv auf die Marktdurchdringen auswirken wird.
KH-IT Journal: Wie ist der Markt für Spracherkennung einzuschätzen? Wo sehen Sie im medizinischen Bereich die Haupteinsatzgebiete.
Wassink: SpeechMagic ist in 8000 Organisationen in 45 Ländern im Einsatz. In den letzten Monaten haben sich ganze Regionen für die Einführung der Technologie entschieden. Das Pariser Krankenhausnetzwerk AP-HP wird 12.000 Ärzte und 3.000 Schreibkräfte mit SpeechMagic ausstatten. In Norwegen führt die gesamte Gesundheitsregion Süd SpeechMagic in ihrer EPA ein. Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte und der Gesundheitskarte werden wir auch zukünftig starke Wachstumsraten verzeichnen, da es immer wichtiger wird, medizinische Informationen schnell in elektronischer Form zur Verfügung zu haben.
KH-IT Journal: Wie wird sich dieser Markt mittelfristig entwickeln?
Wassink: Mittelfristig sehen wir Spracherkennung immer stärker als natürlicher Bestandteil von medizinischen Informationssystemen. Es geht nicht mehr nur um die Umwandlung von Diktaten in Text, sondern beispielsweise Ärzten ein sprachbasiertes Interface zur Elektronischen Patientenakte zu stellen. Desweiteren forschen wir auch an Möglichkeiten den Inhalt von Diktaten zu erkennen und Spracherkennungssysteme mit dem Arzt interagieren zu lassen. Wenn ein Arzt beispielsweise contraindizierte Medikamente verschreibt, kann eine automatische Warnung erfolgen.
KH-IT Journal: Es gibt immer noch viele Skeptiker, die die Spracherkennung als noch nicht ausgereift ansehen. Wo steht Philips hier technologisch?
Wassink: Die Industrie hat lange zu große Versprechungen gemacht. Da ist es nur verständlich, dass in der Vergangenheit viele Nutzer schlechte Erfahrungen gemacht haben. Eine gute Integration in IT-Systeme und ein realistisches Verständnis der technologischen Möglichkeiten ist daher wichtig, um eine positive Erfahrung mit Spracherkennung zu gewährleisten. Alle Systeme am Markt verfügen heute über eine gute Erkennungsleistung – dennoch bedarf es, zumindest am Anfang, einer konsequenten Pflege der Erkennungsvokabulare, um auch individuelles Vokabular korrekt zu erkennen. Mit SpeechMagic haben wir eine Technologie entwickelt, die konstant und automatisch aus Fehlern lernt. Auch Sprach- und Diktierstil von Autoren werden in der Lernphase berücksichtigt. So passt sich SpeechMagic schnell an individuelle Gegebenheiten an. Grundsätzlich ist die Technologie aber heute ausgereift und für den professionellen Einsatz hervorragend geeignet. Man darf allerdings professionelle Systeme nicht mit einem Produkt für Heimanwender verwechseln. Diese verfügen nicht über die nötige Leistungsfähigkeit welche für den erfolgreichen Einsatz im medizinischen Umfeld benötigt wird.
KH-IT Journal: Übernimmt Philips die Mitarbeiter von Kuhlmann? Bleibt der Standort bestehen? Wer wird das Unternehmen leiten?
Wassink: Für unsere Kunden ist Kontinuität sowohl bezüglich der Produkte als auch im Bereich der Mitarbeiter und Ihrer Kundenbetreuung sehr wichtig. KIS wird weiterhin wie bisher auf dem Markt der Sprachverarbeitung im Gesundheitswesen tätig sein und als eigenständiges Unternehmen innerhalb der Philips-Gruppe agieren. Die Unternehmensstruktur, der Standort und die Ansprechpartner der Kunden bleiben somit erhalten. Herr Holger Ladewig war und ist weiterhin als Geschäftsführer der Kuhlmann-Informations-Systeme GmbH tätig.
KH-IT Journal: Wie hoch war der Kaufpreis?
Wassink: Darüber können wir keine Auskunft geben.
KH-IT Journal: Gibt es auf der MEDICA schon einen gemeinsamen Auftritt?
Wassink: Spracherkennung von Philips wird sowohl am Stand von KIS zu sehen sein, aber auch am Hauptstand von Philips und bei allen lokalen und internationalen SpeechMagic Integrationspartnern. Insgesamt integrieren über 200 Firmen weltweit SpeechMagic, damit ist das Produkt auf der MEDICA und auf anderen Messen meistens vielfach vertreten.











