Cyber Security: Sorgen um die Abwehr wachsen

Datum 06.10.2017 09:53:37 | Thema: News/Newsarchiv


Cyber Security:

Sorgen um die Abwehr wachsen

Cyberattacken sind längst zu einer ernstzunehmenden Sicherheits-Bedrohung in Deutschland geworden. IfD Allensbach und Deloitte befragten Politiker und Unternehmer über den Status quo und die Folgen. Die Mehrheit sieht Deutschland noch nicht ausreichend geschützt oder auf die Cyber-Gefahren vorbereitet. Der intensivere Austausch zwischen Staat und Wirtschaft könnte adäquate Gegenmaßnahmen verbessern.


„Drei Viertel der Studienteilnehmer bewerten die Gefährdung der Infrastruktur als größtes Risiko – und nur 12 Prozent glauben, dass die Angegriffenen gut vorbereitet sind.“ Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, präsentierte in Berlin den aktuellen Deloitte Cyber Security Report 2017. Die Gemeinschaftsarbeit des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) mit dem internationalen Netzwerk in der Prüfungs- und Beratungsbranche Deloitte zeigt die Brisanz des Themas. Hier muss der Staat zulegen, so der mehrheitliche Appell an die Politik. Favorisiert wird dabei vor allem eine zentrale Gefahrenabwehrstelle. Dass die staatlichen Kompetenzen derzeit ausreichen, glauben selbst in der Politik nur 37 Prozent – in der Wirtschaft ist es nicht einmal ein Viertel.



Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach: „Für einen Großteil der Führungskräfte in der Wirtschaft stellt die Gefährdung wichtiger Infrastruktureinrichtungen ein besonderes Risiko dar, darüber sind jedoch erheblich weniger Politiker besorgt.“


„Die Akteure schätzen die Situation jedoch überwiegend realistisch ein und die Unternehmen, die die Regierung in der Pflicht sehen, machen Kooperationsangebote an den Staat zur Verbesserung des Abwehrpotenzials. Die Politik ihrerseits ist stark um den Aufbau wirksamer Abwehrstrukturen bemüht – wie auch das Militär“, erklärte Peter Wirnsperger, Partner und Leiter Cyber Risk bei Deloitte.




Peter Wirnsperger, Partner und Leiter Cyber Risk, Deloitte: „Die Digitalisierung bringt unzählige und unschätzbare Vorteile, aber sie macht auch verwundbar.“

Gegenüber dem Vorjahr sind die Gefahren deutlich gewachsen. Insgesamt 97 Prozent halten groß angelegte Hackerangriffe für mindestens bis sehr wahrscheinlich. Zum Vergleich: Noch vor vier Jahren fürchteten mit 57 Prozent deutlich weniger Menschen um die Sicherheit von Krankenhäusern, Verkehrssystemen und Stromnetzen.





Regulatorische Anforderungen und Kompetenzen


Trotz der Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und des IT-Sicherheitsgesetzes gibt ein sehr großer Teil der Unternehmensführer an, dass es für ihre Organisation keine regulatorischen Anforderungen im Bereich der Informationssicherheit gäbe. Trifft hier Bringschuld der Politik auf Ignoranz in der Wirtschaft? Gleichzeitig wird von über drei Vierteln der befragten Unternehmensführer die Kompetenz von Politik und Verwaltung angezweifelt, den regulatorischen Rahmen setzen zu können.

Uneinigkeit zwischen den Berufsgruppen herrscht in Bezug auf die methodischen Ansätze, die zu einer neuen Sicherheitsarchitektur führen sollen: Drei Viertel der Politiker setzen auf stärkere staatliche Kompetenzen, 56 Prozent der Manager hingegen auf intensivierte Kooperationen zur Verknüpfung von Unternehmens-Know-how mit staatlicher Kompetenz.

„Das Meinungsbild der Erhebung zeigt viele offene Fragen – bei Verantwortlichkeiten genauso wie bei rechtlichen Belangen. Es gilt, bundesweit klare Definitionen als Voraussetzung für konkrete Abwehrstrategien zu erarbeiten. Dabei scheinen gerade die Unternehmen deutlich mehr Informationen über die Materie zu benötigen. Generell sollte der Austausch zwischen Staat und Privat hier intensiviert werden. Nicht zuletzt gilt es, einen supranationalen Rahmen zu schaffen. Nationale Lösungen reichen hier nicht aus“, ergänzte Katrin Rohmann, Partnerin und Leiterin Public Sector bei Deloitte.



Katrin Rohmann, Partnerin und Leiterin Public Sector, Deloitte: „Das Meinungsbild der Umfrage und unsere Diskussionen mit Entscheidungsträgern in staatlichen
Institutionen zeigen viele offene Fragen.“


Podcast

Attacken gegen das Vertrauen


Heizt der Digitalisierungs-Boom aller Branchen die Cyber-Attacken besonders an? Welches sind die am meisten gefährdeten Branchen? Und wie weit besteht überhaupt noch Vertrauen in die Kompetenz öffentlicher Stellen? Hören Sie hier das Interview mit Peter Wirnsperger, Partner und Leiter Cyber Risk, Deloitte.


von Wolf-Dietrich Lorenz



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