Neuer Messenger für Ärzte bietet Datensicherheit und alltagstaugliche Funktional

Datum 22.01.2019 11:00:12 | Thema: News/Newsarchiv


Neuer Messenger für Ärzte bietet Datensicherheit
und alltagstaugliche Funktionalität

Digitale Herzteam-Kommunikation

Dass die Eröffnung einer belegärztlichen, kardiologischen Gemeinschaftspraxis in der Böttgerstraße in Frankfurt am Main zu so einer Erfolgsgeschichte wird, hatte vor 40 Jahren bei der Gründung niemand erwartet, geschweige denn geplant. Doch seitdem hat sich das Cardioangiologische Centrum Bethanien (CCB) zu einer Institution in der kardiovaskulären Versorgungslandschaft – nicht nur – im Rhein-Main-Gebiet entwickelt. Ein wesentlicher Baustein dieser Erfolgsgeschichte ist die Innovationsbereitschaft der inzwischen elf Ärzte, die das CCB tragen. So sind die in Deutschland etablierten Chest Pain Units eine Erfindung, die im CCB ihren Ursprung hat. Auch in anderen Bereichen wie der Bildgebung und der Einbindung von verwandten bzw. die Kardiologie und Angiologie ergänzende Fachspezialitäten wie die Diabetologie oder Hämostaseologie hat das Medizinische Versorgungszentrum seine Innovationsfähigkeit bewiesen.


Neustes Projekt in dieser Reihe ist die Implementierung digitaler Kommunikationswerkzeuge im internen und externen Bereich. Letzteres zum Beispiel, um gemeinsam mit den herzchirurgischen Abteilungen der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim und am Klinikum Fulda auf dem kurzen Dienstweg schnell Entscheidungen zu treffen, wie mit fraglichen Patienten weiter verfahren werden kann. Der Herzteam-Gedanke lässt sich so auch dezentral umsetzen. Das CCB versorgt rund 50 bis 60 Prozent der kardiovaskulären Notfälle im Frankfurter Stadtgebiet, bei herzchirurgischen Indikationen kooperiert das MVZ mit den beiden Partnern in Bad Nauheim und Fulda.

Wie im Alltag, wo Messenger-Dienste inzwischen ein Basiswerkzeug der allgemeinen Kommunikation darstellen, dient den Ärzten in Frankfurt, Bad Nauheim und Fulda inzwischen eine spezialisierte Messenger-App, die ähnliche Funktionen wie zum Beispiel Whatsapp, Signal, Threema oder Telegram hat. Siilo, so heißt die vom CCB genutzte Messenger-App, entspricht allerdings hinsichtlich der Datensicherheit den hohen Anforderungen, die im modernen Gesundheitswesen erwartet werden und von der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DGSVO) vorgeschrieben sind. Mit dem Messenger können die Ärzte schon aus dem Katheterlabor in Frankfurt beispielsweise direkt mit den Herzchirurgen in Bad Nauheim oder Fulda besprechen, ob und gegebenenfalls wie schnell ein Patient herzchirurgisch versorgt werden muss. Dabei können über Siilo auch Bild-und Videodaten anonymisiert und gesichert übertragen werden.

Bislang gingen solche Absprachen nur über Telefon und Fax, was mit einem gehörigen Zeitverlust einherging. „Telefonisch war immer das Problem, den richtigen Kollegen an den Hörer zu bekommen. Beim Fax war die Responserate variabel, weil die Sekretariate nicht konstant besetzt sind. Das hat natürlich zu Verzögerungen geführt“, berichtet Prof. Thomas Voigtländer, Kardiologe am CCB und zugleich Ärztlicher Direktor des Bethanien-Krankenhaus in Frankfurt/Main. Dabei sei eine verlässliche Antwort in solchen Situationen schon dringlich. Voigtländer: „Häufig sind das auch Patienten, die schnell herzchirurgisch

versorgt werden müssen und nicht mehr entlassen werden können.“ Er sieht vor allem in der primären Kontaktaufnahme mit den Herzchirurgen den entscheidenden Vorteil, „weil dann auf der andere Seite direkt ein Arzt persönlich die Verantwortung für die weitere, chirurgische Betreuung des Patienten übernimmt.“

Auch Prof. Markus Schönburg, kommissarischer Direktor der Herzchirurgie an der Kerckhoff-Klinik, lobt den Messenger: „Die App funktioniert prima. Wir bekommen ad hoc Informationen zu den Patienten, und können ad hoc reagieren. Für uns ist das im Klinikalltag ein neuer Weg der Kommunikation, der ja aus dem privaten Bereich im Prinzip bekannt ist.“ So ließe sich über Siilo kurzfristig klären, ob ein Patient noch am selben Tag verlegt werden muss oder bis zum nächsten Tag gewartet werden kann. Mit der App konnte die Kommunikation zwischen CCB und der herzchirurgischen Abteilung optimiert werden. „Wir können damit einen guten Service bieten, den die Kollegen in Frankfurt auch sehr schätzen“, sagt Schönburg.

Das bestätigt auch Voigtländer: „Der Messenger ist für uns schon ein richtiger Bonus und hat sich sehr schnell eingespielt.“ Das hängt auch damit zusammen, dass trotz der hohen Anforderungen zur Datensicherheit Siilo unkompliziert handhabbar ist. Am CCB sind, so berichtet Voigtländer, inzwischen alle Kardiologen im Siilo-Netzwerk integriert. Das hat auch in einem anderen Bereich nützliche Auswirkungen: „Die App wird zum Beispiel auch als Fortbildungs-Tool genutzt, um Kolleginnen und Kollegen von besonderen Fällen zu berichten. Wenn jemand ein interessantes EKG, eine interessante Koro hat oder jemandem eine außergewöhnliche Intervention gelungen ist, dann wird das über Siilo diskutiert. Wir haben also ein Werkzeug, um alltagsbegleitend Informationen unter Fortbildungsaspekten zur Verfügung zu stellen.“ Inzwischen nutzt auch die Arbeitsgemeinschaft Interventionelle Kardiologie (AGIK) in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie den Messenger, um niederschwellig Fortbildungsinhalte zur Verfügung zu stellen.


Messenger – nur für medizinisches Fachpersonal

In den Niederlanden von einem Team um den Chirurgen Joost Bruggeman entwickelt, findet die Messenger-App Siilo auch unter Ärzten hierzulande immer mehr Zuspruch. Insgesamt mehr als 120.000 Nutzer gibt es bereits, die in 2018 mehr als 50 Millionen Nachrichten ausgetauscht haben, wie das gleichnamige Unternehmen mitteilt. Die App lässt sich kostenlos für den Einzelnutzer in den App-Stores auf das Smartphone herunterladen – wobei sich ausschließlich medizinisches Personal wie Ärztinnen/Ärzte, Apotheker/innen, Pflegemitarbeiter/innen und Physiotherapeutinnen/Physiotherapeuten für Siilo registrieren können. Die notwendigen Nachweise werden individuell verifiziert. Der Messenger-Dienst besitzt verschiedene Sicherheitseigenschaften, die ihn von den gängigen Apps im öffentlichen Raum unterscheiden: Der Zugang erfolgt zwingend nur via PIN-Code, per Fingerabdruckscanner oder Face-ID. Die Datenübertragung geschieht per sicherer End-zu-End-Verschlüsselung, wobei die Daten ausschließlich auf den Endgeräten gespeichert und nach 30 Tagen automatisch gelöscht werden. Bilddaten werden getrennt vom vorinstallierten Kameraverzeichnis des Smartphones in einem speziellen „Safe“ gespeichert. Das verhindert auch, dass bei einem Verlust des Handys unautorisiert auf die Fotos von medizinischen Befunden zugegriffen werden kann. Die mit der Kamerafunktion der Siilo-App gemachten Fotos werden mit Clouddiensten nicht automatisch synchronisiert und landen so auch nicht versehentlich auf dem Tablet der Familie. Siilo bietet darüber hinaus nützliche Werkzeuge, mit denen Patienteninformationen auf Bildern leicht unkenntlich gemacht („Blur-Tool“) oder besondere Aspekte durch Pfeile hervorgehoben werden können. Sehr praktisch ist die Erstellung von individuellen Patientenfällen, so dass mit Kolleginnen und Kollegen (max. Gruppengröße n = 300) konkrete Fälle diskutierbar sind.






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