Charité: "Health Data Plattform" wird konsequent ausgebaut

Datum 02.03.2020 05:00:00 | Thema: News/Newsarchiv


Charité: „Health Data Plattform“ wird konsequent ausgebaut

KH-IT-Frühjahrstagung „Digitalisierung: mit Standards zur Interoperabilität“

Daten aus den diversen Hersteller-Silos zusammenzuführen und dabei sowohl besser zu strukturieren als auch internationale Standards für Datenformate zu nutzen, sind Herausforderungen an ein „neues KIS“. Die Charité Universitätsmedizin Berlin entwickelt dazu eine „Health Data Plattform“. Dr. med. Peter Gocke, Chief Digital Officer (CDO), Leiter Stabsstelle “Digitale Transformation”, skizziert als Referent auf der KH-IT-Frühjahrstagung 2020 am 18. und 19.3.2020 im Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ Heidelberg Konzeption und dem Aufbau. Hier ein kurzer Blick auf das Thema.


Dr. med. Peter Gocke, Chief Digital Officer (CDO), Leiter Stabsstelle “Digitale Transformation”, Charité Universitätsmedizin Berlin: „Zukunft KIS: von Dokumentensilos zu Plattformen für strukturierte Datennutzung“

Welche Herausforderungen stellt das „neue KIS“ und das Informationsmanagement an Industrie und Krankenhäuser? Wie weit sind sie darauf vorbereitet? Was ist noch zu tun?

Dr. Peter Gocke: Der KIS-Markt in Deutschland zeichnet sich im Moment durch viel Unruhe und vielfältige Besitzerwechsel aus – eine zukunftsorientierte und vor allem zügige Weiterentwicklung der Produkte ist dabei nicht erkennbar. An der Charité beobachten wir die Entwicklungen aufmerksam – auch in den europäischen Nachbarländern und international.
Um die eigene Digitalisierung auch unabhängig von KIS-Lieferanten voranbringen zu können, haben wir vor fast drei Jahren mit der Konzeption und dem Aufbau der sogenannten „Health Data Plattform“ begonnen, die es uns ermöglicht, Daten aus den diversen Hersteller-Silos zusammenzuführen und dabei sowohl besser zu strukturieren, als auch internationale Standards für Datenformate nutzen zu können – Stichworte sind hier u.a. Snomed CT, LOINC, UCUM, OMOP, HL7. Diese Plattform erlaubt bereits die Nutzung einzelner Algorithmen z.B. zur frühzeitigen Entdeckung von Patienten mit Niereninsuffizienzen – und wird konsequent weiter ausgebaut.

Welche Kernpunkte bei Konzeption und Umsetzung von Plattformen für strukturierte Datennutzung sind besonders wichtig?

Dr. Peter Gocke: Die Antwort haben Sie schon in Ihrer Frage vorweggenommen: Es geht um strukturierte Daten, nicht um die Ablage und Kommunikation von PDFs (wenn „Daten das ÖL unseres Zeitalters“ sind, ist die Gewinnung von strukturierten Informationen aus PDFs mit Fracking vergleichbar.) Vor allem sollten wir endlich damit beginnen, die Telematik-Infrastruktur und die darauf entstehenden Strukturen wie eine ePA zu unterstützen: wir haben hier eine Plattform, die das Potenzial hat, im deutschen Gesundheitswesen die sektorübergreifende Digitalisierung zu ermöglichen. Das bedeutet: bitte keine lokalen Vernetzungsprojekte mehr – auch wenn diese zunehmend handwerklich gut und nach IHE-Prinzipen aufgesetzt werden. Lieber diese Vernetzung auf Basis der TI vorantreiben – das kommt dann nicht nur lokalen Einrichtungen und deren Patienten, sondern uns allen zu Gute. Zuguterletzt sollte auch die europäische Facette nicht außer Acht gelassen werden, hier zeichnen sich in allen Mitgliedsländern Bestrebungen ab, Daten aus elektronischen Patientenakten übergreifend verfügbar zu machen (EHRxF - Electronic Health Record exchange Format). Hier sollten und müssen die gleichen Standards zur Interoperabilität zum Einsatz kommen wie in den nationalen Projekten.

Wie ist bei der digitalen Transformation der Anspruch zu verwirklichen: „Die IT muss sich dem Nutzer anpassen, nicht umgekehrt"?

Dr. Peter Gocke: Diese Forderung hat in der Vergangenheit allzu oft dazu geführt, dass einfach papierbasierte Prozesse „elektronifiziert“ wurden – was weder der Nutzerseite noch den Prozessen gerecht wird und das Potenzial einer Digitalisierung verschenkt. Ich glaube, der Anspruch muss eher sein, dass die IT sich den neu definierten Prozessen anpasst („IT follows Process“) und damit auch die Nutzer*innen adäquat unterstützt.

Was wollen Sie als Referent den Verantwortlichen aus Krankenhäusern auf der KH-IT-Frühjahrstagung vor allem mitgeben?

Dr. Peter Gocke: Digitale Medizin bedeutet eine sektorenübergreifende, gemeinsame Nutzung strukturierter Daten in Echtzeit – unterstützt durch Algorithmen und Module von künstlicher Intelligenz. Darauf müssen wir alle uns durch Anpassung unserer Technologie, aber vor allem unserer Prozesse und Strukturen vorbereiten. Digitalisierung ist auch eine Kulturfrage – und erfordert vor allem eine „informierte Kooperation“ aller (!) Beteiligten.

Aus der Praxis für die Praxis

Der Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen/Leiter KH-IT veranstaltet jährlich zwei Tagungen für seine Mitglieder, eine Frühjahrstagung und eine Herbsttagung. Das Motto der Konzepte, Projekte und Lösungen lautet dabei: Aus der Praxis für die Praxis. Zweck des Bundesverbandes ist, den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern zu fördern, die Informationssammlung, die Interessenvertretung und die Empfehlungen für das Gebiet der Informationsverarbeitung im Krankenhaus zu erarbeiten.

www.kh-it.de



Referenten und Themen

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Dr. med. Peter Gocke, Chief Digital Officer (CDO)

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von Wolf-Dietrich Lorenz






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