“Wer als deutscher Radiologe etwas auf
sich hält, kommt nach Chicago”
RSNA: unklare Teilnehmerzahlen, Schlüsselrolle behauptet

Neue Präsidentin des Board of Directors der Radiological Society of North America: Hedvig Hricak, M.D., Ph.D., Dr. h.c.
Kaum sind Teilnehmer und Aussteller vom RSNA-Jahreskongress nach Hause zurückgekehrt, schon ersticken Chicago und sein Umland im Schnee … gutes Timing in klimatischer Hinsicht, wird so mancher angesichts der Cancelled-Fluglisten in O’Hare resümieren. Was haben die Heimkehrer in ihren Abteilungen zu erzählen, abgesehen von den unvergesslichen Networking-Parties in der Windy City?
Zu den herausragenden Themen des Kongresses zählte die Rücknahme der Empfehlung der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF): Seit Mitte November unterstützt diese Organisation nicht mehr den Beginn des Mammographie-Screening ab dem Alter von 40. Gerade mal zwei Wochen nach dieser Mitteilung schlugen die Wellen auf der Radiologenveranstaltung in Chicago natürlich hoch. Das Thema Brustkrebs verliert dadurch nicht an Stellenwert – so drängte Bruce G. Haffty, M.D. seine Kollegen, mit dem Ziel der Therapieoptimierung neue Wege der Kollaboration zwischen Diagnostik und Therapie in der Radiologie zu finden; aktuell verfügbare genetische Informationen, unterstrich der Professor und Chefarzt für Strahlentherapie an der New Jersey Robert Wood Johnson Medical School, können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Während bislang der Schwerpunkt auf gering frequente Gene mit hoher Penetranz – insbesondere BRCA1 and BRCA2 – die Forschung dominierten, dürften niedrig penetrante Polymorphismen die größte Bedeutung für Bildgebung und Therapie mit sich bringen.
Medizinische Applikationen für iPhone und andere Smartphones – etwa zur raschen Diagnose akuter Appendizitis, von vielen als Spielerei betrachtet – und 3D-Software zur Erkennung von Alzheimer waren weitere Technologie-Diskussionshighlights … neben den vielleicht weniger spektakulären, aber nachhaltigen Fortschritten bei Verfahren und Geräten, auch in Bereichen wie Neuroradiologie und Kardiologie.
Präsidentin des "Board of Directors" der RSNA gewählt
Ein neues Gesicht prägt das Board of Directors der Radiological Society of North America (RSNA): Hedvig Hricak, M.D., Ph.D., Dr. h.c., wurde zur Präsidentin gewählt. Sie leitet die Radiologie am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York City, hält eine Radiologie-Professur am Cornell University Medical College und arbeitet als Radiologin am Memorial Hospital in New York City. Als Ziel hat sich die Expertin, die ursprünglich aus Zagreb stammt, gesetzt, die Nutzung der integrierten Diagnostik in der personalisierten Medizin voranzubringen. Radiologie ist eine Schlüsseldisziplin für die Gesundheitsversorgung der Zukunft - „als Präsidentin der RSNA werde ich diese Botschaft weltweit verbreiten.“
Teilnehmerzahlen – gern genutzt als Gradmesser für den Zustand der Gesundheitswirtschaft – geben die Organisatoren für 2009 erst im Januar bekannt … wenn das Interesse sich bereits den nächsten „Musts“ im Veranstaltungskalender zugewandt hat. Der Anteil an Teilnehmern aus dem Ausland, insbesondere aus Europa, war wohl höher als in den Vorjahren – so auch die Einschätzung von Twitter-Kongressbeobachter „The EHR Guy“: „I have no idea of the real numbers but the international visitors seem to be majority this year. Attendance seems to be huge.” Der gute Dollar-Wechselkurs trug sicher hierzu bei, aber auch die unbestrittene wissenschaftliche Attraktivität der Veranstaltung: „Wer in der (deutschen) Radiologie etwas auf sich hält, geht auf den RSNA“ – siehe auch die zusammenfassenden Audiocasts, die Kim Wehrs und Michael Reiter für Sie zusammengetragen haben. (Navigation im linken Frame.)